Barre op Manke sien Geboortsdagstuur

März 11, 2017 at 12:19 pm (Uncategorized)

Manke bestaunt seine Rakete

Der Anlass der jüngsten Tuur liegt schon ein Jahr zurück. Unser Bruder/Schwager Markus feierte im Mai seinen sechzigsten Geburtstag und die eingeladene Verwandtschaft suchte verzweifelt nach dem ultimativen Geschenk. Lange Zeit war der „Thermomix Waidmann“ Favorit, der die Jagdbegeisterung Mankes ideal mit dem Wunsch nach Herstellung schmackhafter Gerichte verknüpfte.

Hamburg Fuhlsbüttel. Noch sind wir zu fünft.

Doch nachdem ein Testjäger anstelle des Wildbrets geschnitzelt wurde, musste der Thermomix vom Markt genommen werden. Das war die Chance für eine gleichermaßen originelle wie naheliegende Geschenkidee. (Siehe links – nur ein Scherz!) Geheime Absprachen wurden getätigt, und nur wenige Widerspruchsgeister mussten mundtot gemacht werden, bis dem erblassenden Jubilar die Entscheidung mitgeteilt werden konnte. Vergebens versuchte er, die Entscheidung zugunsten einer Kamelsafari in Marokko zu wenden. Nicht nur, dass die Verwandtschaft das Unternehmen großzügig sponserte (herzlichen Dank an Gesine und Thomas, Astrid und Stephan, Elke und Jörg, Helga und Uli, Kika und Peter, Freya und Micki, Andrea,

Am Flughafen Arlanda treffen auch die Frankfurter ein

Marion und Petka, Annusch , Julia und Thorsten!), eine Schar Wildentschlossener bekundete, Manke bei seiner Polarexpedition zu begleiten. Zudem fand sich mit Jochen Simon vom Reisekontor Kiel („Zeit zum Reisen“) der perfekte Planer, der alle Vorgaben mühelos umsetzte und sich nicht aus der Ruhe bringen ließ, wenn die Belegschaft mehrfach wechselte (Tessa raus, Paola rein, Paola raus, Ben rein) oder den Abflugort (Hamburg statt Basel) austauschte.

Dienstag, 28.2.2017

Seit zwei Tagen füllen sich unsere größten Koffer mit vermeintlich Notwendigem. 23kg p.P. müssen ausgeschöpft werden, so dass auch einige Flüssigbrennstoffe eingepackt werden können. Am Ende kann selbst der nette türkische Taxifahrer kaum die Koffer in den Kofferraum wuchten, um uns dann zum Flixbus zu bringen. Anderthalb Stunden später sind wir auf der Reeperbahn, nicht um hier die Nachtjacken anzuziehen, sondern weil Andrea uns eingeladen hat, die Nacht vor der Abreise in ihrer (und Claudias) wunderbarer St.Pauli-Wohnung zu verbringen. Zwar weigert sich der Fahrstuhl ihres Hauses, unseren Maxikoffer zu transportieren, so dass wir ihn die zwei Treppen raufschleppen müssen, doch werden die Mühen reichlich durch ein vorzüglichen Nachtmahl im genau gegenüberliegenden indischen Restaurant „Samrat“ ausgeglichen. Wir dürfen auf der üppigen Liegewiese ihres Wohnzimmers nächtigen und zum Frühstück die leckeren Reste verzehren, die wir abends nicht bewältigen konnten.

Auf dem Riddarfjorden in Stockholm schwimmen Eisschollen

Mittwoch, 1.3.

Entspannter Start in unseren ersten Reisetag. Wie geplant treffen wir um 9.15 Uhr im Flughafen Fuhlsbüttel ein. Hier treffen wir Gesinchen und Thomas, die schon am Vorabend eingetroffen sind und die Nacht im Flughafenhotel verbracht haben. Gut gelaunt werden wir unsere Koffermonster los und es gelingt sogar, zwei

Frisör im Gamlestan

teure Ultraschalldetektoren durch die Handgepäckkontrolle zu schmuggeln, ohne den sorgfältig verpackten Karton öffnen zu müssen. Nach nur eineinhalb Stunden treffen wir in Stockholm ein, wo wir 9 Stunden Wartezeit auf den Anschlussflug haben. Das lohnt einen Abstecher nach Stockholm. Der Arlandaexpress, der in nur 20 Minuten das Zentrum von Stockholm erreicht, erweist sich als zu teuer (56€ p.P. hin und zurück), die wesentlich günstigeren Mehrpersonentickets gibt es leider nur von Donnerstag bis Sonntag, so dass wir die langsamere Variante FLyggbusset wählen müssen, die doppelt so lange braucht, aber auch nur die Hälfte kostet. Aber erst müssen wir erst einmal unsere Reisetruppe vervollständigen. George und das Geburtstagkind treffen um 15.20 Uhr aus Frankfurt ein. Gemeinsam legen wir den endlosen Weg vom Terminal 5 nach Terminal 4 zurück, die Flughafengebäude haben gigantische Ausmaße. Hier verstauen wir das Handgepäck im Schließfach und erwischen den nächsten Flughafenbus. Trotz

Stortoget im Gamla Stan

eines Staus auf der Autobahn sind wir kurz vor fünf an der Centralstation und finden nach kurzer Suche ein Postamt, wo wir mit Hilfe eines sehr freundlichen Beamten unsere Ultraschalldetektoren nach Uppsala versenden können. Das Altstadtviertel Gamla Stan liegt nur wenige Schritte entfernt auf einer kleinen Insel. Unter der Brücke treiben mächtige Eisschollen Richtung Ostsee. Ansonsten liegt hier im Süden Schwedens kaum Schnee, aber das Wetter ist allerbest! Soviel Sonne haben wir nach vier Monaten Pieselwetter in Schleswig-

Ankunft am Kiruna „Flughafen“

Holstein kaum erlebt, was die pittoresken Häuser der Altstadt gleich noch liebenswerter macht. Die Zeit reicht kaum für eine Stadtbesichtigung, aber wir bekommen doch eine Vorstellung von der vielgerühmten Schönheit der schwedischen Hauptstadt. Und wir haben abermals Glück. Zufällig finden wir am Stortoget ein sehr gemütliches Restaurant „Misteln“mit einer ebenso netten Bedienung. Sie hat in Köln studiert und wir brauchen unsere mangelnden Schwedisch-Kenntnisse nicht zu bemühen (abgesehen davon sprechen alle Skandinavier fließend Englisch Dank der fehlenden Synchronisierung  der Spielfilme!) Die Speisekarte ist vielfältig, und alle sind mit ihrer Wahl

Nächtliche Landung in Kiruna

zufrieden. Mein gebratener Lachs war der beste, an den ich mich erinnern kann. Auf dem Rückweg zum Busbahnhof zeigen sich die zunehmende Mondsicher und Venus eng bei einander am klaren Nachthimmel. Zurück am Terminal 4 treffen wir Ben, und unsere Reisegruppe ist vollzählig! Pünktlich um 9.50Uhr hebt der Flieger nach Kiruna ab. Bei der Landung haben wir endlich Schnee, soweit das Auge reicht! Wir nehmen den Flughafenbus, der uns ins Stadtzentrum bringt. Dort rutschen wir in knapp 10 Minuten zu

Auf dem Weg zum Hotel kann amn den Koffer auch als Schlitten benutzen

unserem Hotel „Winterpalatsed“. Da es bergab geht, benutzen Dorothea und  ihren Koffer als Schlitten. Die schlaftrunkenen Kiruner müssen nicht schlecht gestaunt haben, als eine kreischende Oma an ihrem Haus entlang rutschte.

Das Hotel ist wirklich ein Wintermärchen aus Holz mit spitzen Giebeln, an denen die Eiszapfen hängen. Auch die Zimmer sind sehr gemütlich eingerichtet. Es gibt eine kleine

Gruppenbild vorm Hotel

Lobby, in der wir uns kurz nach Mitternacht treffen, vergeblich bemüht, unsere schlafenden Mitbewohner nicht mit unserer Albernheit zu stören. Das Geburtstagskind bringt einen Toast aus uns spendiert eine Flasche mxikanischen „Don Julio“ (Siehe den Blog „Barre oo Hochtiedstuur“), George seinen geschmuggelten italienischen Rotwein Varbera, dazu gibt’s Dips und Wurst.

 

Vernichtung der Vorräte

Donnerstag, 2.März

Morgens schneit es immer noch, aber im Osten blinzelt die Morgensonne. Letzte Möglichkeit, einen Irrtum zu bekennen. Ich war der Auffassung, nördlich des Polarkreis herrsche im Winter Polarnacht, und erst m 21.März käme die Sonne erstmals über den Horizont. Stimmt nicht, Polarnacht herrscht am Polarkreis nur am 21.Dezember. Zum Ende des Winters rutscht diese Grenze nach Norden, und wird am 21.März am Pol von der Mitternachtssonne abgelöst, die dort bis zum 23.September nicht mehr verschwindet.

Nach dem üppigen Frühstück machen wir uns auf den Weg zu einem kleinen Stadtspaziergang. Bemerkenswert

Das Stadthaus und der Uhrenturm fallen der Spitzhacke zum Opfer

ist das Rathaus, das einen riesigen Versammlungsraum beinhaltet und einen imposanten stählernen Uhrenturm. Das Ganze wird in wenigen Jahren mitsamt einem Großteil der Stadt abgerissen werden, um dem Ausbau des Lebensnervs der Stadt, der Eisenerzmine, zu weichen. Wenige Schritte entfernt auf der Spitze steht eine beeindruckende

In wenigen Jahren wird sie an anderer Stelle wieder aufgebaut

Stabkirche, die in der Architektur einer Lappenhütte nachempfunden ist, und, wie die Stadt Kiruna selbst, am Anfang des 20.Jahrhunderts entstanden ist. Oben an der Fassade sind 12 vergoldete Skulpturen angebracht. Es sind keine Heiligenbilder, sondern Allegorien der menschlichen Tugenden und Gefühlsregungen, wie Trauer, Demut und Frömmigkeit. Dazu gehört ein separater Glockenturm von enormer Größe. Diese Kirche wird nicht abgerissen, sondern in den sicheren Bereich versetzt werden. Unser Spaziergang endet im Café Safari, wo wir 4(!) Kannen Kaffee vorgesetzt bekommen, dazu leckeren Kuchen. Solchermaßen gestärkt, holen wir unser Gepäck und bringen es zum Busbahnhof im Zentrum. Hier ist eine meterhohe Rakete der europäischen Raumfahrtbehörde aufgestellt, mit denen in einem deutsch-schwedischen Forschungsprojekt die polnahe Atmosphäre untersucht wird. Das Wetter hat sich inzwischen zum Kaiserwetter gemausert. Der Bus bringt uns durch verschneite Wälder in das etwa 20km entfernte Jukkasjärva. Der kleine Ort ist vor allem wegen seines Eishotels ein Touristenmagnet.

Eine Nacht im Eishotel, das sollte die Geburtstagsüberraschung für Manke sein. Die Rezeption befindet sich im warmen Bereich, alle anderen Gebäude haben frische -7°C, auch dies vergleichsweise mild zu den -16°, auf die das Thermometer in dieser Nacht fällt. Ich nutze die Gelegenheit, in der untergehenden Sonne

Sonnenuntergang in Jukkasjärvi

Fotos der tonnenartigen Gebäude zu machen, in denen die circa 60 Schlafräume und die Eisbar eingerichtet sind. Dadurch verpasse ich die Einführung, die uns die das total sympathische Personal angedeihen lässt. Das wäre wichtig gewesen, denn hier ist doch so manches anders als in gewohnten Hotels. Wir bekommen ein Vierbett- und zwei Zweibett-Appartements. Dazu gehören im warmen Bereich zwei Kabinen bzw große Schließfächer, in denen wir unser Gepäck verstauen können, denn ins „Schlafzimmer“ wird nur das Notwendigste mitgenommen. Wir haben Gelegenheit, uns alle Zimmer anzuschauen. Jedes ist sehr individuell von Künstlern aus Eisblöcken gestaltet worden Jede der unzähligen Skulpturen ist ein Unikat, das nur eine Saison (Dezember bis April) überdauert. Den Rest des Jahres dauert der Aufbau für die kommende Saison, beginnend mit dem Schneiden der Eisblöcke aus dem wenige Schritte entfernten See im März, deren Einlagerung bis zum Herbst, bis die Künstler mit ihren Meißeln und Sägen Hand anlegen.

Es droht Polarlicht! Die Kamera wird klargemacht

Bevor wir endgültig in die Kälte abtauchen, können wir uns in der Sauna aufwärmen, die von 6Uhr bis 22Uhr geöffnet ist. Danach sitzen wir zusammen und warten auf den Aufbruch in das reservierte Restaurant. Unerwartet kommt eine junge Frau zu uns:“ I can tell you there is a little polar light“.Wie elektrisiert fahren alle hoch und stürzen mehr oder minder bekleidet ins Freie. Und tatsächlich zeigt sich am Nordhimmel ein heller Streifen! Zunächst könnte man ihn für eine leuchtende Wolke halten, aber rasch breitet sich die Erscheinung Richtung Zenit aus und nimmt bald den gesamten Nordhimmel ein: Unser erstes Polarlicht! Wir hatten die klammheimliche Hoffnung, dies erleben zu dürfen, aber zu oft haben wir von Touristen gehört, die von weither (Südostsien) angereist waren, um Polarlichter zu erleben, und enttäuscht wieder abreisen mussten. Es gehört nicht nur ein klarer Nachthimmel dazu, wie er heute zum ersten Mal nach Wochen da ist. Auch die Sonnenaktivität muss stimmen, und dazu braucht man noch ein Quäntchen Glück. Und das haben wir heute. An den Rändern gezackt zum Horizont hin, immer heller werdend und sich rasch verändernd, mit schemenhaften Schleiern verbunden. Es ist unglaublich! Alle starren in den Himmel, die meisten versuchen, mit ihrem Smartphone Bilder zu schießen (mit Blitzlicht!), während andere bemüht sind, dieses Naturwunder in sich aufzunehmen, denn mit Worten allein kann man es nicht beschreiben! Beinahe hätten wir unser Abendessen versäumt, eine Viertelstunde laufen wir die Straße entlang und schauen immer wieder nach oben. Es ist wie ein Rausch! Im Restaurant müssen wir lange warten, aber die reichhaltige

Langes Warten auf das Abendessen

Auswahl und die leckere Zubereitung entschädigen uns. Vor allem mundet auch das lokale Bier, das mit seinem starken Hopfen auf den norddeutschen Geschmack abgestimmt ist. Auf dem Rückweg, den wir über den zugefrorenen See wählen, haben wir das volle Himmelsprogramm mit vielfältigem Farbspiel, dessen Wirkung man sich nicht zu entziehen vermag. Kein Wunder, dass die einheimische Mythologie das Polarlicht mit Botschaften der Verstorbenen in Verbindung bringt.

Ab Mitternacht geht es in der Polarbar hoch her!

Zurück im Eishotel genießen wir die behagliche Wärme von -7° (außen -16°) bei Cocktails und anderen Alkoholika, die uns das Geburtstagskind in Trinkgläsern aus Eis spendiert. Man kann sie zwar nur mit Handschuhen anfassen, aber muss sie nicht mit Eiswürfeln verwässern, um die Kälte zu genießen.

Solchermaßen gestärkt, lassen wir uns auf die finale Eishotel-Herausforderung ein – die Übernachtung. Im Schlafanzug, Schal und Mütze lassen wir uns den doppelten Schlafsack aushändigen, Leineninnenteil und dickes Polyesteraußenteil. Dazu bekommen wir dicke Boots für den Weg und begeben uns zu den Schlafstätten, wo eine gespenstische Stille herrscht. Mit uns im Bett, auf dessen Schaumstoffmatratzen dicke Felle liegen, sind Markus und Benedikt. Es dauert einige Zeit, bis wir uns in unsere Schlafsäcke eingefädelt und Mütze und Schal justiert haben. Nacheinander säuselt einer nach dem anderen vor sich hin. Ich brauche lange Zeit, um zur Ruhe zu finden.

Eisnixe

 

Freitag, 3.März

Um halb acht werden wir von einer freundlichen jungen Hoteldame geweckt. Ich bin gerade so warm und kuschelig und schlafe noch ein Stündchen. Frühstück gibt es in einem unweit gelegenen Restaurant, gewohnt opulent. Der Himmel ist strahlend blau und die Morgensonne lädt zu einem Spaziergang über den See ein zu

Tanzeinlage auf dem See

einer kleinen Kapelle. Unterwegs sind Hundeschlitten, die von japsenden Huskies gezogen werden, Motorschlitten und ganz normale PKW. Der kürzeste Weg ist nicht immer der schnellste, denn im Tiefschnee kommt man langsamer voran als auf den ausgefahrenen Routen der Fahrzeuge. Nächstes Ziel ist die alte Kirche von Jukkasjärvi, die Anfang des 17.Jahrhunderts gebaut wurde und damit erste Zeugin der gerade erfolgten Christianisierung. Entsprechend schlicht ist die Gestaltung

Amischlitten vor der Kirche von Jukkasjärvi

des Altarraums mit reliefartigen Bildern, die wohl aber jüngeren Datums sind. Direkt bei der Kirche findet sich ein großes Zelt aus der Samikultur, in dessen Mitte ein großes Holzfeuer brennt. Dort werden in gusseisernen Pfannen Rentier-Burger produziert, aber man darf auch ganz normal Kaffee und Kuchen verzehren. Dazu kann

Die Schlittenhunde sind sehr aufgeregt

man uralte Schwarz-Weiß- Stummfilme anschauen, die eindrucksvoll das nomadische Leben vor vielleicht 100 Jahren zeigen. Zurück im Hotel gönnen wir uns noch einige Saunagänge, bevor wir mit dem HalbfünfUhrBus nach Kiruna zurückfahren.

Samizelt bei der Kirche von Jukkasjärvi

Wir verbringen eine Nacht im SPiS-Hotel im Zentrum, weniger komfortabel als unser Vinterpalatsed, aber mit ausgezeichneter Küche und charmantem Personal. Nach dem Essen treffen wir uns auf einem unserer Zimmer und wenden uns erfolgreich der Vernichtung der mitgebrachten Flüssigbrennstoffe zu. Das Gespräch dreht sich einmal mehr um unsere großartige Familie, über die nie genug gerätselt und geschwatzt werden kann. Mit entsprechender Bettschwere suchen wir unsere Schlafstätten auf.

 

Samstag, 4. März

Das Frühstücksbuffet im SPiS braucht den Vergleich nicht zu scheuen und auch das Wetter an diesem

Auf Eis rutscht es sich prima

Samstagmorgen nicht. Ein letztes Mal ziehen wir um in unseren geliebten Vinterpalatsed. Wir begeben uns zum Zentrum, wo wir um 13.45 Uhr ein Kulturprogramm der besonderen Art genießen: die Besichtigung der LKAB-Eisenmine. Wir besteigen einen stramm gefüllten Bus und werden von einer resoluten Führerin begrüßt.

Minenarbeiter in der LKAB Mine

Die Mine befindet sich seitlich der Stadt Kiruna, wo Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Förderung von Eisenerz begonnen wurde. Das Erz ist von bester Qualilät („Schwedenstahl“), aber erst zu dieser Zeit wurde ein Verfahren zur Abtrennung des Phosphors entwickelt, das in diesem Erz reichlich enthalten ist. Die größte Herausforderung war in den Anfangsjahren der Bau einer Eisenbahnverbindung von Kiruna zum eisfreien Hafen im norwegischen Narvik, über die bis zum heutigen Tag das gewonnene Erz abtransportiert wird. In jedem Satz unserer Führerin schwingt der Stolz mit über die gewaltige Aufbauleistung. In der Tat verknüpfen sich zahlreiche Superlative mit der Mine und der Bahn. Obwohl nur 1% der weltweiten Eisenproduktion in Kiruna abgewickelt wird, handelt es sich um die größte und modernste Mine der Welt und um die größten Lokomotiven, die Tag für Tag Dutzende Züge mit 68 Waggons à 100 Tonnen ziehen. Ich will nur noch eine mir erinnerliche Zahl nennen: Die Entlüftung bläst 3500 m³ Frischluft durch die Anlage, pro Sekunde! In den ersten Jahrzehnten wurde das Erz nur im Tagebau gefördert, das dem zentralen Berg sein charakteristisches

Warten auf den Abtransport

terrassenförmiges Aussehen verleiht. Es muss eine viehische Arbeit gewesen sein, die den Arbeitern ohne maschinelle Unterstützung in diesem harten Klima zugemutet wurde. Erst Jahrzehnte später wurde ein fast senkrechter Stollen in das Erz getrieben, bis heute bis auf 1150 m Tiefe. Unser Bus fährt durch ein kompliziertes Tunnelsystem zu einem Besucherzentrum in 500 m Tiefe. Es herrschen angenehme 10°C hier unten. Wir bekommen einen Helm und werden von unserem eloquenten Guide etwa zwei Stunden herumgeführt, lernen viel über die Bohr- und Fördertechniken, bestaunen die monströsen Maschinen, die heute die Förderarbeit verrichten und erfahren schließlich den Grund, weshalb die halbe Stadt abgerissen werden muss: In dem zwischen Schacht und Stadt gelegenen Massiv treten Risse auf. Die dadurch hervorgerufenen Verwerfungen können zum Einsturz der darüber stehenden Gebäude führen. Safety first!

Abends gehen wir zu einem Thai-Restaurant, in dem wir einen Tisch reserviert haben. Leider ist der Betrieb das Gegenteil von skandinavischer Gemütlichkeit. Man begibt sich in einen Schlange, um sein Essen und bezahlen zu können und bekommt einen Pieper, der einem mitteilt, wann man das Bestellte abholen kann. Das Essen schmeckt gut, aber die Atmosphäre verdirbt den Appetit.

 

Sonntag, 5. März

Gesine und Markus beim Crosscountry Wearldcup

Heute ist individuelles Programm. Dorothea, Ben und Thomas nutzen das strahlende Wetter, um einen Berg Luossavaara zu besteigen. Durch den Tagebau wurde der Berg halbiert. Von seiner Spitze kann man die höchste Erhebung Schwedens, den Kebnekais, aus der Ferne bewundern. George sucht das Hallenbad auf und ist ziemlich begeistert von seiner Qualität. Manke, Gesine und Axel leihen sich Langlaufskier und schnallen sie in einem ausgedehnten Loipenrevier an. Die Skier sind nicht gerade gut, man rutscht schon bei geringen Steigungen zurück und muss den Schlittschuhschritt anwenden. So kommen wir alle schnell in Schweiß. Andrea und Manke als Skiprofis sind kaum zu bremsen und toben sich auf einer weiteren Loipe aus. Gesine ist zum ersten Mal auf Brettern und erstaunt, dass es leichter aussieht als es ist! Trotzdem treffen wir uns guter Dinge und unverletzt wieder.

Um 5 Uhr haben wir einen Tisch im SPiS-Restaurant reserviert und genießen, gerade nach der gestrigen Erfahrung, die stil- und genussvolle Esskultur.

Um 7 Uhr werden wir am Hotel zu einer Hundeschlittentour abgeholt. Zu Anfang gibt es reichlich Verdruss, weil

Bei der Ankunft freuen sich die Hunde offenbar auf den Einsatz

wir Cash bezahlen sollen, was in Schweden absolut unüblich ist und vor allem haben wir keine 10000 SEK über. Der Fahrer bedauert, aber das Internet sei ausgefallen und daher das elektronische Bezahlen nicht möglich. Wohl oder übel müssen wir zum Geldautomaten und den Betrag mit Thomas‘ Kreditkarte ratenweise abbuchen. Der Fahrer, der wohl auch für die Schlittenhunde zuständig ist, ist Armenier und berichtet über seine Familie, die durch den Völkermord der Jungtürken dezimiert wurde. Er spricht sehr gut englisch und erweist sich als ein lustiger Zeitgenosse. Dann geht es zum etwas abgelegenen Djurgarten, wo der Betrieb 100 Schlittenhunde unterhält. Hier werden wir mit wamer Kleidung und Schuhwerk ausgestattet. Das ist auch notwendig, denn die

Im Zelt kann man die erfrorenen Gliedr am Feuer auftauen

Temperaturen gehen auf -20° zurück. Wir treffen Clara und Nina, die unsere Schlitten führen. Clara macht diesen Job schon 10 Jahre. Sie besitzt selber 15 Hunde (Grönländer, Huskies und jede Menge Mischungen), die für sie wie Kinder seien. In der Tat behandelt sie ihre Hunde sehr liebevoll und hat sie trotz ihrer Wildheit sehr gut im Griff. Es dauert einige Zeit, bis alle Hunde eingespannt sind. Bei unserem Schlitten sind es elf. Sie sind sehr aufgeregt und kläffen wie verrückt. Erst als es losgeht, indem ein Erdanker gehoben wird, herrscht Stille und die Hunde stürmen vorwärts. Offenbar wirkt die Bewegung unmittelbar auf die Verdauung, denn alle paar Namen auf und spornt sie an. Sie erzählt, dass einige Hunde die Angewohnheit hätten, an jedem Baum das Bein zu heben. Sie zeigt aber viel Verständnis. Einer der Hunde sei schon 10 Jahre alt, da dürfe er etwas fauler sein. Die Leithündin ist viel jünger und durfte als Welpe bei ihr im Bett schlafen. Beneidenswert! Die Polarlichtwahrscheinlichkeit ist für diese Nacht mit Stufe 2 eingestuft worden, so dass wir uns keine großen Hoffnungen machen. Schon beim Losfahren waren aber deutliche Auroralichter zu erkennen. Innerhalb von wenigen Minuten nehmen sie dramatisch zu und plötzlich flammt der Himmel in vielen Farben. Die unablässig sich verändernden Lichter entlocken uns Begeisterungsschreie. Auch Clara ist beeindruckt. Sie habe schon Hunderte Nordlichter gesehen, doch dieses sei unter den fünf besten. Später verkürzt sie auf drei, und sagt, wie glücklich wir sein können. Überhaupt sei das Wetter in den letzten Wochen sehr unbeständig gewesen, es habe oft geregnet und in der Folge extrem glatt. Und nun Kaiserwetter von Beginn an, und zwei großartige Polarlichter! Wenn Engel reisen! Allerdings ist auch die Kälte nicht von Pappe. Trotz dicker gefütterter Stiefel werden die Zehen immer steifer, und so sind wir froh, als es nach zwei Stunden eine Pause in einem Zelt gibt, in dem Ararad ein wärmendes Holzfeuer entfacht. In zwei Kesseln wird mitgebrachtes Wasser erhitzt. Währenddessen verrät er uns augenzwinkernd ein Kaffeezubereitungsrezept, dass ihm ein alter Same verraten habe. Man müsse entweder 37 Bohnen in das kochende Wasser werfen, oder einen Berg Kaffeepulver daraufstreuen, wie er der Brust eines dreizehnjährigen Mädchens gleiche. Es muss sich um ein ungewöhnlich frühreifes Mädel gehandelt haben, so stark ist der Kaffee! Gegen halb elf sind wir wieder im Hotel. Es gibt Grog mit Andreas Rum und einen einen Multebeeren-Wodka-Cocktail, den wir anlässlich unseres 43. Hochzeitstages ausgeben.

 

6.März

Vermummte Snowmobilisten

An diesem letzten Tag unseres Urlaubs haben wir (außer George und Dorothea) eine Motorschlittenfahrt gebucht und treffen uns um halb zehn im Zentrum. Als erstes werden wir in raumfahrerartige Overalls und Moonboots gepresst. Unser Guide ist ein langer vollbärtiger Schwede namens Emil. Wir fahren mit einem Van in einen Wald östlich Kirunas, wo in einem Schuppen die Snowmobile geparkt sind. Ben und Manke, Gesine und Thomas sowie Andrea und ich besteigen jeweils ein Mobil, und werden sehr kurz in die Handhabung eingewiesen. Die ersten Versuche sind sehr holprig, das Snowmobil scheint sehr schwer zu lenken zu sein. Doch bald stellt sich heraus, dass es sich eher gutmütig verhält und in der Spur bleibt, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten. Wir fahren auf verschneiten Waldwegen und bisweilen hoppelt es mächtig. Immer wenn eine Tierspur den Weg kreuzt, hält

Fuchs nimmt Fährte eines Kaninchens auf

Emil an, und erläutert, was für Tiere es waren, z.B. ein Fuchs, der sich an die Fährte eines Kaninchens heftet. Besonders beeindruckend sind die gewaltigen Spuren der Elche. An einer Stelle haben offenbar eine Elchkuh und ihr Junges gelagert. Auf den Seen und Flüssen kann man schneller fahren (bis 70km/h), was vor allem Andrea liebt. Auf dem Rücksitz ist der Fahrtwind sehr heftig, der trotz der Vermummung bei -16° in Gesicht und Lunge dringt. Auch auf dieser Tour gibt es eine Kaffeepause. Emil beeindruckt mit einem Feuer, dass er mit Zunder, Flintstein und frisch geschabter Birkenrinde entfacht. Dazu bietet er leckere Snacks an: Elch- und Rentiersalami, Rentierherz (sehr lecker!) Der Rentierkäse, der statt Milch in den Kaffee gegeben wird, ist für mich nicht der Renner! Um halb drei sind wir zurück und warten im Vinterpalatsed auf das Taxi, das uns um sechs Uhr zum Bahnhof bringt. Der Zug läuft pünktlich ein. Wir haben im Liegewagen ein schönes Abteil für uns,

Skulptur am Bahnhof von Kiruna

leider nur mit 6 Schlafplätzen, so dass zwei im Nachbarabteil nächtigen. Gesine und Thomas übernehmen das freundlicherweise! Aber erst machen wir es uns mit unseren festen und flüssigen Resten sehr gemütlich. Der Zug wirkt altmodisch, ist aber sehr konfortabel und fährt nahezu geräuschlos, was uns eine angenehme Nacht beschert.

Im Liegewagen ist es eng, aber gemütlich

 

Dienstag, 7.März

Kurz vor neun rollt der Zug in Stockholm ein. Trotz vieler Haltepausen ist er pünktlich. Wir schließen unser Gepäck ein und suchen ein gemütliches Café auf. In Stockholm herrscht dichtes Schneetreiben, was unsere Lust auf den geplanten Stadtbummel deutlich schmälert. So suchen wir schon um halb zwölf den Flughafenbus auf, doch es wird noch einmal aufregend. Auf dem verschneiten Autobahnstück hat sich ein Unfall ereignet, so dass eineinhalb Stunden lang nichts mehr geht. George, Markus und Ben, deren Flieger schon um 14 Uhr abgeht, verlassen nach 1 Stunde den Bus und ziehen die Koffer zu der nächstgelegenen Bahnstation. Tatsächlich – und nur so – schaffen sie es, rechtzeitig am Flughafen einzuchecken. Wichtig vor allem für Ben, der schon morgen nach Mexiko fliegt! Für die Hamburger hat das Warten eine halbe Stunde später ein Ende. Der Stau löst sich auf und wir kommen zeitig an.

Der Flug verspätet sich um eine halbe Stunde. So kommen wir gegen 19 Uhr in Fuhlsbüttel an, wo wir uns endgültig in verschiedene Richtungen verstreuen.

Fazit: Wir hatten unendlich Dusel mit den nicht planbaren Umständen (Wetter, Polarlicht). Es hat allen sehr viel Spaß gemacht – und wir waren eine tolle Truppe!

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