Barre op Hochtiedstuur

April 10, 2015 at 3:33 pm (Uncategorized)

Obwohl wir schon immer gerne verreist sind, und, als unsere Kinder klein waren, jedes Jahr Zelturlaub im europäischen Ausland gemacht haben, haben wir die Fernreisen erst im gesetzten Alter entdeckt. Im Lauf der Jahre haben wir alle Kontinente bereist, nur einer fehlte bis jetzt! Die Gelegenheit, uns auf Kolumbus‘ Spuren zu begeben (genauer auf die von Cortes) konnten wir uns nicht entgehen lassen. Sie bietet sich jetzt, wenn unser Neffe Ben seine Paola heiratet: in Mexiko!

Tessa

Tessa

Noch eines ist neu bei dieser Reise: Ich habe sie nicht vorbereitet. Wir reisen einfach mit und überlassen Planung und Organisation unserer tatkräftigen Nichte Tessa, die uns schon 2008/09 auf unserer ersten Asienreise begleitet hat.

Meine einzige Vorbereitung besteht darin, mir selbst etwas Spanisch beizubringen durch einen Online Kursus, Vokabeltrainer und ein Buch. Im Nach herein hätte ich besser Unterricht genommen wie meine Schwager George und Markus – schon wegen der höheren Verbindlichkeit des Lernens. Aber der tägliche Termindruck war stärker als mein Lernwille. Und so fahre ich mit wenigen Sprachbrocken los, die ich zudem mit meinen dürftigen Italienischkenntnissen durcheinander bringe.

Samstag, 14. März.

Mit halb vollen Koffern (was haben wir vergessen?) lassen wir uns kurz vor acht zum Kieler Bahnhof bringen. Kielius, der Flughafenbus, bringt uns nach Hamburg. Wir haben ungewohnter Weise so viel Zeit, dass wir dem Betrieb von der Aussichtsterrasse zuschauen können. Der Flug nach Amsterdam erscheint wie ein Katzensprung, doch das dicke Ende kommt noch. Der Flughafen Schiphol ist im Vergleich zu Fuhlsbüttel gigantisch. Leider haben wir keine Zeit, in eine der gemütlich wirkenden Bars ein zukehren.

Sarah und Christian

Sarah und Christian

Als wir endlich am richtigen Flugsteig ankommen, treffen wir unsere Reisegruppe: George und Markus, Tessa und ihre Freunde Sarah und Christian.

Markus

Markus

Wenige Minuten später sitzen wir in den beengten Economyplätzen des Jumbojets nach Mexico City. Nur fliegen ist schöner… nie werde ich verstehen, wie jemand auf die Idee kommen kann, dass Fliegen schön ist. Ich kann mir im Gegenteil nichts Langweiligeres vorstellen. Schon nach einer halben Stunde spürt man seinen Hintern, und es liegen noch elf Stunden vor uns. Ich beneide die Mitmenschen, die kurze Zeit nach dem Abflug einpennen und kurz vor der Landung aufwachen.

Oder die sich einen Blockbuster nach dem nächsten von dem viel zu nahen, viel zu kleinen Platz Bildschirm rein ziehen können. Stattdessen starre ich abwechselnd auf die Tafel, die einem Überflüssiges wie die aktuelle Flughöhe verkünden, und wie unfassbar langsam Zeit verstreichen kann.

George und Dorothea

George und Dorothea

Ich habe Tage in der Transsibirischen Eisenbahn verbracht durch eine eintönige Landschaft,und habe mich keine Minute gelangweilt. Oder ich linse aus dem Fensterchen auf eine endlose sonnendurchgleiste Wolkenlandschaft. Die Flugroute geht erstaunlicherweise zuerst nach Nordwesten bis fast an die Grönländische Küste. Kaum vorstellbar, dass der Großkreis, der Amsterdam und Mexiko verbindet, durch die Arktis verläuft! Jetzt kann man durch Wolkenlöcher auf die Oberfläche des Atlantik schauen. Merkwürdige Objekte schwimmen darin, sind es Eisschollen? Jetzt wendet sich der Kurs allmählich nach Südwesten und folgt der kanadischen Nordmeerküste. Inzwischen sind die Wolken verschwunden. Im Westen die nicht enden wollende sonnenbeschienene Schneelandschaft, unter uns das Packeis, zwischen dem das Blau des Ozeans auftaucht. Wir über queren den Hudsonbay, weiterhin nur Schnee, soweit das Auge reicht. Jetzt über fliegen wir die USA, man erkennt den Oberen See, ganz allmählich weicht der Schnee zurück. Die letzten Stunden unseres Fluges muss das Fenster geschlossen bleiben, zu sehr blendet die tiefstehende Sonne. Als sie dann endlich verschwunden ist, verschlechtert sich das Wetter. Das Abendessen müssen wir mit angelegtem Sicherheitsgurt zu uns nehmen, weil Turbulenzen das Flugzeug durch schütteln. Dann plötzlich reißt die Wolkendecke auf und gibt den Blick frei auf ein riesiges Lichtermeer: die Hochebene, in der Mexiko City, angeblich die weltgrößte Stadt, liegt, eingebettet in hohe Berge. Wir haben es geschafft, kneifen uns in den tauben Hintern und folgen den Menschenmassen, die sich in die Abfertigungshalle ergießen. Eilig werden immer neue Zäune aufgestellt, an denen man sich Richtung Passkontrolle entlang winden muss, den Mitreisenden im Gegenstrom immer wieder begegnend. Auf dem Wege wird schon immer wieder kontrolliert, ob man denn sein Einreisepapier richtig ausgefüllt hat. Und wehe, man folgt den Anweisungen nicht, den Zettel noch einmal auszufüllen, wenn man irgendwo etwas durchgekrickelt hat. Dorothea weigert sich standhaft, bis sie endlich an der eigentlichen Kontrolle scheitert, die ihr den Stempel verweigert und sie zurück ins Glied schickt, bis alles seine Form hat und wir uns erschöpft aber glücklich auf der anderen Seite wiederfinden, wo wir schon erwartet werden von Ben und seiner zukünftigen Familie. Von Paola, die jeden von uns ausführlich drückt, ihrer Mutter und vor allem der Oma, keineswegs Greisin, wohl das Familienoberhaupt ist und in ihrer roten Lederjacke chic und topfit wirkt. Sie haben den zweistündigen Weg von Puebla extra zurück gelegt, um uns zu begrüßen, und fahren auch gleich zurück. Wir restlichen Sieben werden mit einem Großraumtaxi zu unserem Hostel mitten im historischen Zentrum gebracht.

Vor unserem Hostel

Vor unserem Hostel

Es liegt in einer kleinen Fußgängerstraße, auf der kaum jemand unterwegs ist. Ins Hostel wird man durch Klopfen eingelassen. Es besteht aus einem zweigeschossigen Gebäude mit vielen Treppen rund um einem Innenhof, in denen früher einmal Geschäfte untergebracht sein machen. Jetzt enthalten sie Wohneinheiten unterschiedlicher Größe. Dorothea und ich wohnen in einem Appartement mit hohen Decken, in dem außer einem großzügigen Schlafzimmer ein Bad und ein kleines Wohnzimmer mit einer Chaiselongue untergebracht sind. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Trotz unserer Müdigkeit wollen wir noch ein Restaurant aufsuchen und finden ein sehr landestypisches ein paar Straßen weiter. Für mehr als eine Suppe und ein Bierchen reicht es nicht mehr.

Hoch auf dem Turibus

Hoch auf dem Turibus

Es ist zwar erst halb zwölf Ortszeit, aber in Deutschland, wo wir vor über zwölf Stunden aufgebrochen sind, wird es schon hell.

Am Sonntag sind wir schon früh wach, die Zeitverschiebung hilft gegen die Morgenmüdigkeit. Das Wetter ist kühl und schauerhaft, deswegen nehmen wir unser Frühstück nicht im Hof ein. Es gibt Müsli, Brötchen, Marmelade, Kaffee und Orangensaft soviel man will. Vom Hostel sind es knapp zehn Gehminuten zum Zocalo, dem zentralen Platz, an dem die Kathedrale und der Präsidentenpalast liegen. Von hier fahren die Touristenbusse auf drei verschiedenen Routen durch das Zentrum. Man kann an jeder Haltestelle des Rundkurses aussteigen und in einen der im 20-Minuten-Zyklus fahrenden Busse wieder einsteigen. Trotz Kühle und Feuchtigkeit sitzen wir auf der offenen Plattform und bewundern die vielen Baustile der Altstadt. Weil Sonntag ist, sind nur zwei der acht Fahrspuren der Hauptstraße für den Fahrzeugverkehr freigegeben. Auf den anderen tummeln sich Spaziergänger, Jogger und vor allen Radfahrer. Wir unterbrechen unsere Tour am wunderschönen Palacio de las Bellas Artes, wo viele Restaurants locken. Gerichte aus der Speisekarte auszuwählen, ist für Anfänger wie uns immer spannend. Meistens stimmt die Erwartung nicht mit dem überein, was einem auf dem Teller vorgesetzt wird.

Nach dem Nach dem Essen schimmert von oben gelegentlich die Sonne durch, und es wird deutlich wärmer. Wir schlendern durch eine große Parkanlage Bosque de Chapultepec, die sich allmählich mit Familien füllt. Und mit Hunden, die durch ungewöhnliche Größe auffallen.Schließlich kommen wir im Anthropologischen Museum an, das als das größte und beste Lateinamerikas gilt. Jeder der präkolumbischen Kulturen ist ein Haus mit so vielen Exponaten gewidmet, dass der Besuch jedes einzelnen gerne einen Tag beanspruchen würde. So beschränken wir auf einen schnellen  Durchgang durch den Aztekensaal, dessen Highlight ein gewaltiger Sonnenstein ist, und den Mayasaal, der durch eine Nachbildung der Grabstätte des Fürsten Pakal II besticht. Hierhin müssen wir unbedingt noch einmal! Beim Herausgehen stoßen wir zufällig auf die berühmten Voladores, die Vogelmenschen. Auf einem etwa 30m hohen Stamm stehen fünf Indios. Einer spielt auf einer Flöte, die vier anderen sind an Seilen festgeknotet, die an der Spitze des Stamms aufgewickelt sind. Auf ein Zeichen stürzen sie sich kopfüber in die Tiefe, wobei sich die Seile vom Stamm abwickeln und sie rotierend auf den Boden sinken.

Voladores vor dem Flug

Voladores vor dem Flug

und währenddessen

und währenddessen

Wir gehen zurück zur Bushaltestelle und lassen uns in einstündiger gemächlicher Fahrt zum Zocalo zurück bringen. Abends treffen Sophie und Nono, Tessas Cousin(e), ein.

Am Montag sind wir in kleiner Gruppe unterwegs, denn die Anderen sind mit dem Kauf von Hochzeitsgarderobe und Eheringen beschäftigt. Wir bummeln zum unweit vom Zocalo gelegenen Torre Latinamericano, einem Sendemast mit großer Aussichtsplattform. Man erkennt, dass Mexiko City in einer Hochebene (2000m) gelegen ist, die von hohen Bergen umgeben ist. Auf dem Rückweg durch die Fußgängerstraße Madero schauen wir uns die am Zocalo liegende Kathedrale, die größte Lateinamerikas und Sitz des Erzbischofs, an.

Kathedrale von außen

Kathedrale von außen

Es ist eine Barockkirche aus dem 17.Jahrhundert in Form eines Kreuzes mit vielen Altären, kleinen Kapellen und einem prächtigen holzgeschnitzten Chor. Interessant ist ein an den Deckenbalken aufgehängtes Pendel, das kleine

Tequila!

Tequila!

Schwingungen nach Art eines Foucaultpendels durchführt. Die maximalen Elongationen sind über lange Zeiträume aufgezeichnet und geben Aufschluss über die Bewegung des Kirchenbaus auf dem weichen Untergrund.

und innen

und innen

Am Dienstag fahren wir mit der Metro zum Stadtrand und machen einen Ausflug zu den schwimmenden Gärten von Xochimilco. Das sind Kanäle, die von den Azteken angelegt wurden, auf denen man sich in bunten Flachkielbooten entlang staken lassen kann. Bedauerlicherweise fordert der sympathische Bootsführer einen viel zu hohen Preis, doch es gelingt den sprachkundigen Tessa, Sarah und Ferdinand, ihn auf fast die Hälfte herunter zu handeln.

Für Unterhaltung ist gesorgt: Von anderen Booten wird Tequila (mein erster!) und Bier übernommen, und wir geraten schnell in ausgelassene Stimmung. Bald macht ein Boot mit Mariachi längsseits fest, Musiker, die mit Gitarre und Gesang mexikanische Evergreens nach Wunsch und für Pesos vortragen.

Mariachi

Mariachi

Leider findet die Hochstimmung ein jähes Ende, als wir von einem Versorgungsboot Tacos bestellen. Wir bekommen zu den Tacos gegrilltes Fleisch, sei es aufgrund eines Missverständnisses oder mit Vorsatz. Jedenfalls verlangt er einen exorbitanten Preis und will sich auf keinen Kompromiss einlassen. Die Stimmung ist verdorben. Schade!

Am Nachmittag fahren die Meisten zu einem Besuch der Wohnhäuser von Frida Kahlo und Diego Riviera, dessen sozialistisch-realistische Wandbilder in vielen Ausstellungen zu bewundern sind. Und zum Haus von ihrem Freund Leo Trotzki, der hier trotz schwerer Bewachung von den Schergen Stalins ermordet wurde.

Tessa und ich versuchen, in den Geschäften des Zentrum schwarzen Tee zu bekommen. Vergeblich! Das Getränk scheint hier unbekannt.

Moritz und Martje

Moritz und Martje

Abends trudeln unsere „Kinder“ Moritz und Martje und ihr Freund Kay (Rob) ein.

Am Mittwoch haben wir uns einem geführten Ausflug angeschlossen. Ein Kleinbus bringt uns zunächst zu einer Ausgrabungstätte der antiken Aztekenhauptstadt Tenochtitlan, der Keimzelle der heutigen Stadt Mexico im Texcoco-See. Es wird das Zwiebelschalenprinzip des Aufbaus der Pyramiden deutlich: eine neue wird auf den Überresten der Vorgänger aufgebaut. Ganz oben natürlich eine katholische Kathedrale. Ein Gedenkstein erinnert an die Schlacht im Jahr 1521, in der die Truppen von Cortes die Azteken unterwarf. Interessanterweise wird dies Ereignis nicht als Niederlage gewertet, sondern als Geburtsstunde des heutigen Mexiko. Unsere Reisegruppe ist multinational mit Kanadiern, Kolumbianern, einem Brasilianer und einem Schotten, aber die deutsche Fraktion ist so groß, dass wir der beiden Kleinbusse füllen. Leiter ist Alan, ein junger Mexikaner, der wegen seiner Freundin in Frankfurt auch ein paar Brocken Deutsch spricht.

 

Maria Guadelupe

Maria Guadelupe

Als nächstes geht es zur Wallfahrtskirche der Heiligen Maria de Guadalupe. Zur ursprünglichen Kapelle kam 1709 eine große Kathedrale hinzu. Links davon die Capilla del Pacito. Beide werden durch den riesigen runden Neubau von Pedro Ramirez Vasquez in den Schatten gestellt, die von Papst Johannes Paul II geweiht wurde. Das Hauptziel des Tages erreichen wir nach einer knapp einstündigen Fahrt durch den ausgedehnten Armutsgürtel der Stadt zu der nordwestlich der Hauptstadt gelegenen Ruinen-Ringstraße von Teotihuacan. Über die Erbauer dieser gewaltigen Anlage ist kaum etwas bekannt. Fest steht nur, dass zwischen 50 und 600 n. Chr. eine intensive Bautätigkeit geherrscht haben muss. Neben unzähligen kleinen sind zwei große freigelegt worden. Wir steigen zuerst auf die um 250 fertig gestellte Mondpyramide. An unserer Kurzatmigkeit beim Klettern merken wir die Höhe, in der wir uns befinden. Die einige Hundert Meter weiter liegende Sonnenpyramide gilt als drittgrößte der Welt. Mit uns quälen sich viele Ältere auf die Spitze. Vor allem der Abstieg geht auf den steilen Stufen ganz schön in die Beine.

Abends stößt Shoko, Tessas japanische Freundin zu uns. Sie hat ein Jahr in Mexiko studiert und zeigt uns den Stadtteil Tapas, in dem abends viel los ist. Wir landen in einem Lokal, das von einem jungen Deutschen geführt wird. Es gibt ein süffiges Bier und leckere Sandwich. Als wir zurückkehren, sind auch Mio und ihr Bruder Benji, Nachbarn aus Krumbach, eingetroffen. Nun ist die Truppe vollständig.

Am Donnerstag besuchen wir erst eine Karikaturenausstellung und eine große Gemäldegalerie in der Nationalbank.

Palacio de las Bellas Artes

Palacio de las Bellas Artes

Danach suchen wir den Palacio del las Bellas Artes auf, ein prachtvolles Jugendstil-Gebäude, in dem zurzeit ein Mozart-Festival stattfindet. Wir sind besonders an den monumentalen Gemälden von Diego Riviera interessiert, von denen sich aber nur zwei finden, dafür aber zahlreiche andere und eine riesengroße Fotoausstellung von Henri Cartier-Bresson.

Am Freitag brechen wir zu der großen Hochzeit in Puebla auf. Wir haben zwei große Busse gechartert. Fast eine Stunde dauert es, bis wir aus der verstopfen Innenstadt auf die Autobahn nach Puebla gelangen, und noch einmal zwei für die Fahrt über hohe Pässe in den Nachbarstaat. Im Westen erhebt sich die Kulisse des schneebedeckten Popocatepetl. Wir sind in einem angenehmen Hotel mit schönem Innenhof in Chohula, einem Vorort von Puebla, untergebracht und bewohnen ein Zimmer mit Balkon und zwei großen Betten.  Kaum haben wir uns eingereichtet, geht plötzlich ein Zittern durch durch das Gebäude, als ob eine U-Bahn durchführe – ein Erdbeben (vielleicht Stufe 0,1 auf der Richterskala, aber spürbar!) Unser Zimmer wird zum Probenraum, denn wir haben beschlossen, einen musikalischen Beitrag zum Hochzeitsfest zu leisten. Im Vorwege haben wir uns auf „Freude schöner Götterfunke“ (3 Strophen) und die Kanons „Viel Glück und viel Segen“ und „Dona nobis pacem“ verständigt. Das Proben bringt viel Spaß, und wir sind gerade richtig zufrieden mit uns, als Tessa mit der Hiobsbotschaft kommt. Der katholische Pope weigert sich, das Paar am Nachmittag kirchlich zu trauen. Die Aufregung ist gewaltig. Paolas Familie beauftragt Markus und die deutsche Gruppe, die Feier nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Was für eine Aufgabe!

Am Samstagmorgen werden Ben und Paola im kleinsten Familienkreis getraut. Ferdinand und ich versuchen, mithilfe der Hotelmanagerin herauszufinden, ob in der Kirche eine Audioanlage verfügbar ist, mit der wir den Hochzeitsmarsch einspielen können. Zwischendurch proben wir immer wieder und machen uns fein. Um zwei Uhr holen uns unsere beiden Autos ab. Nach scheinbar endloser Fahrt kommt unser Taxi bei einer schönen Barockkirche an, in der sich schon eine mexikanische Hochzeitsgesellschaft sammelt, und zu unserer großen Überraschung auch ein Pope anwesend ist. Ben unterhält sich mit einem der Hochzeitsgäste. Als wir erfahren, dass auch diese Feier um drei Uhr beginnen soll und wir auch den anderen Bus vermissen, wird uns klar, dass wir in der falschen Kirche sind! Zum Glück ist die Richtige nicht weit weg und die Braut noch nicht eingetroffen, so dass wir die Audioanlage in Augenschein nehmen können. Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich: es gibt keine! Aber es ist eine Musikgruppe da, die wiederum einen Auftrag hat. Schnell einigen wir uns darauf, dass sie (ein Streicherensemble mit weiblicher Solistin) zu Anfang den Hochzeitsmarsch von Mendelsohn spielen. Den Rest überlassen wir dem Zufall. Inzwischen ist mit gehöriger Verspätung auch die Brautfamilie eingetroffen. Als der Hochzeitsmarsch gespielt wird und die Braut her eingeleitet wird, ist die Kirche prall gefüllt, wobei wir Deutschen nur eine kleine Minderheit sind. Markus hält eine Begrüßungsansprache. Als Tessa eine kleine Rede auf die Braut hält und an ihre im letzten Jahr gestorbene Mutter erinnert, fließen spätestens nach der Übersetzung ins Spanische viele Tränen. Dann ist unser Chor an der Reihe. Unser Beethoven ist eine Katastrophe, weil wir es nicht schaffen, uns auf einen Anfangston zu einigen. Das „Ave Maria“ der mexikanischen Musiker mit schöner Altstimme setzt wieder Emotionen frei. Die Fürbitten, bei denen jeder der mag einen Wunsch für das Brautpaar formulieren kann, stellt eine schöne Verbindung zwischen den mexikanischen und den deutschen Gästen her. Unsere beiden Kanons gelingen ganz gut und werden von der Gemeinde mit Applaus bedacht. Am Ende steht ein endloses Photoshooting, weil jeder sich mit dem Brautpaar ablichten lässt. Am Ausgang fällt ein Regen von Rosenblättern, und die Kinder werfen Unmengen von Reis in die Luft. Es gibt Böller und Feuerwerk. Besonders eindrucksvoll ist ein brennender Schriftzug PAOYBEN.

Das Ganze wird von einer Drohne gefilmt, die von Bens italienischem Freund Francesco gesteuert wird.

Danach geht es mit den Taxis zu einem großen Festsaal, in dem sich ca 150 Gäste einfinden. Das Brautpaar sitzt an einem blumengeschmückten Extratisch. Für die Deutschen sind zwei Tische reserviert. Das Hochzeitsessen ist natürlich sehr üppig und edel, aber erstaunlich europäisch: Jamon, Suppe, Fleisch und Gemüse, Lasagne, verschiedene Desserts, Eis. Die Kellner arbeiten enorm professionell, achten darauf, dass die Gläser stets gefüllt sind und nehmen die Teller weg, kaum dass man fertig ist. Die Band (acht Leute) heizt von Anfang an mächtig ein und spielt mit vollem Einsatz und ohne Pause 5 Stunden lang. Und das bleibt nicht ohne Wirkung. Nach und nach drängen sich alle auf der Tanzfläche, und geraten unter dem Einfluss von reichlich Tequila ganz schön in Ekstase. Die Brautmutter hat keine Kosten und Mühen gescheut, und verteilt lauter Geschenke unter den Gästen: Schals und Konfekt für die Damen, Schürzen und Schnaps für die Herren. Natürlich gibt es viele lustige Spiele mit dem Brautpaar. Bei einem muss Ben seiner Braut die Strumpfbänder entreißen, aber nur mit dem Mund! In der letzten Stunde tritt eine typisch mexikanische Musikgruppe auf: Mariachi, bestehend aus Geigern, Trompetern, einem Gitarristen und einem Sänger. Doch um zwölf ist urplötzlich alles vorbei. Es gibt noch Streit mit und unter den Kellnern um die Verteilung der Trinkgelder, dann wird die besoffene Gesellschaft nach Hause gebracht.

Kathedrale in Puebla

Kathedrale in Puebla

Am Sonntag fahren wir in kleiner Runde ins Zentrum von Puebla. Hier steht eine riesige barocke Kathedrale, deren Gottesdienst voll besucht ist. Am benachbarten Zocalo herrscht reges Treiben. Beim Kaffee schauen wir einem Artisten zu. In der Nähe finden wir das Casa del Dean. In dem Renaissancebau von 1520, in dem der Kirchen Dekan wohnte. Vor wenigen Jahren wurden hier Wandgemälde nach Gedichten von Petrarca freigelegt. Sie waren seinerzeit über malt worden, nachdem der Papst Petrarca der Häresie bezichtigte. Unser Besuch endet in in einem Theatercafé mit klassischer Musik. Abends treffen wir uns mit unseren Kindern in einem Restaurant am Zocalo von Cholula zu einem Fischessen zu den Klängen einer richtig guten Rockband.

Straßentheater in Puebla

Straßentheater in Puebla

Die Oldieklassiker scheinen hier beliebter als in Europa.

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In Cantona

Am Montag brechen wir zu einer Tour in die Sierra del Norte auf, einer Gebirgsregion im Nordosten von Puebla. Da auch Martin Zieher und sein achtjähriger Ruben mitreisen, ist unser Taxi mit 13 Leuten bis auf den letzten Platz besetzt. Markus und unser sehr sympathischer Fahrer Josė vollbringen eine Meisterleistung (und Knochenarbeit), um unser Gepäck auf dem Dach zu verstauen. Nach einstündiger Autobahnfahrt steuern wir ein ausgedehntes Pyramidenfeld(Cantona) an, durch das ein verschlungener Weg bergauf bergab zu immer wieder neuen Aussichten führt.

Cantona

Cantona

Der Gesamtweg erfordert dreieinhalb Stunden, aber wir treffen uns nach eineinhalb zur Weiterfahrt. Kaum, dass wir abgefahren sind, ändert sich das bis dahin sonnige Wetter. Dichter Nebel kommt auf, der in dichten Regen übergeht, je näher wir unserem Ziel Chochitlan kommen. Lange Zeit geht es bergab, und die Vegetation wird regenwaldartig, am Ende auf ganz schmalen Straßen wieder bergauf. In der Dunkelheit kommen wir am Ortsrand in einem Anwesen an, das einem älteren Ehepaar gehört, das sich gleich mit großer Herzlichkeit um uns bemüht. Zunächst müssen wir unser Gepäck durch den Regen auf rutschigen Pfaden transportieren. Wir sind in drei freistehenden sehr einfachen Häusern untergebracht. Essen gibt es in einer Arte Laden mit einem großen Tisch, an den eine altertümliche Küche mit holzbeheiztem Herd anschließt. Draußen gibt es ein Pferd, einen Hund und unzählige Hühner, die wesentlich zur Nahrungsversorgung beitragen.

Am Dienstag begleitet uns unser Herbergsvater bei sonnigem Wetter zu einem Ausflug zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Wir sind etwas skeptisch wegen seiner Behinderung durch eine Parkinsonerkrankung, aber dann erweist sich seine Ortskenntnis als sehr hilfreich. Ohne ihn hätten wir den Balcono del Diabole nicht gefunden, denn dieser fantastische Aussichtspunkt versteckt sich hinter etlichen Kuhweiden.

Unser Herbergsvater

Unser Herbergsvater

Falta una vaca!

Falta una vaca!

Seine sechsjährige Enkelin ist mit von der Partie und freundet sich rasch mit allen an. Als wird über eine Rinderweide marschieren, sagt sie „Falta una vaca – eine Kuh fehlt!“ Das ist der Spruch des Tages. Über uns kreisen viele Geier, der wohl der häufigste Greif ist. Leider werden wir auch von Rinderflöhen oder ähnlichem Viehzeug heimgesucht, die unsere bloßen Waden zerstechen. Dann fahren wir einen sehr holprigen Weg zu einer Flussbrücke herunter. Nachdem das Auto mehrfach aufgesetzt ist, laufen wir den Rest zu Fuß. Die Landschaft ist sehr reizvoll. Wir besichtigen eine Klosterruine. Direkt daneben verschwindet ein Fluss in einer Felshöhle, in die man etwa 50 m hinein laufen kann, bevor der Fluss unterirdisch weiter fließt. Abends setzen wieder Regen und Gewitter ein. Das ist wohl der normale tägliche Wetterverlauf, der zusammen mit der Wärme für die Regenwaldvegetation verantwortlich ist. Unsere herzliche Herbergsmutter verwöhnt uns mit einer echten Hühnersuppe. Dazu gibt es Bier und Mescal, einen Agavenschnaps wie Tequila, nur viel schärfer.

Am Mittwoch besuchen wir, wieder unter Führung des Herbergsvaters, zu einem Wasserfall, in dessen Teich man sich wunderbar erfrischen kann. Zuvor haben wir seine Enkelin aus dem Kindergarten abgeholt und die vielen kleinen Kinder mit einem Ständchen überrascht. Dann reisen wir weiter nachXochitlán, einem urwüchsigen Städtchen mit einem Zentralplatz, der mit klassischer Musik beschallt wird, einer schönen Kirche und zahlreichen Restaurants. Wir entscheiden uns für das  Musėo, unter dessen Glastischen eine erstaunliche Sammlung von Militaria und anderem Schnickschnack dargestellt und für wenig Geld zum Verkauf angeboten wird.

Der Donnerstag überrascht mit bestem Wetter, nachdem es in der Nacht wieder heftig geschüttet hatte.

Erfrischung am Wasserfall

Erfrischung am Wasserfall

Wir fahren zu einem nahegelegenen Ort, von wo ein langer Treppenweg zu einem Wasserfall führt, in dessen Teich man wieder schön schwimmen kann. Kaum sind wir fertig, wird der Teich von einer aufgeregten Kinderschar in Beschlag genommen. Unser Führer zeigt uns einen Kletterpfad, auf dem man zu einem weiteren Wasserfall und über einen Höhenweg zum Ausgangspunkt gelangt.

Markus raut sich was

Markus raut sich was

Das Wetter bleibt den ganzen Tag sonnig, angeblich ist es der sonnigste Tag des Jahres. Trotz der Wärme fahren wir zu einem Botanischen Garten, wo wir eine sehr engagierte Führung bekommen und in die Besonderheiten der hiesigen Vegetation eingeführt werden. Abends sitzen wir zum letzten Mal in großer Runde beisammen im Restaurant. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, die nicht beeinträchtigt wird, als ein wolkenbruchartiger Regen einsetzt, der zu kurzen Stromausfällen führt.

Farn im botanischen Garten

Farn im botanischen Garten

Am Freitagmorgen regnet es immer noch in Strömen. Markus und Don Jose verladen nur die regendichten Koffer auf dem Autodach, die Taschen werden innen gestapelt. Dann geht es in gut dreistündiger Fahrt zurück nach Puebla, zunächst zum Busbahnhof. Hier trennen wir uns von den jungen Leuten, die von Mexiko aus nach Yukatan fliegen wollen. George, Markus und wir beide lassen uns zum Flughafen bringen, denn wir haben für den Rest der Reise einen Mietwagen gebucht. Der Verleiher ist ein völlig inkompetenter Mensch, der über eine Stunde braucht, um die Formalitäten zu erledigen. Wir haben einen VW Jetta gebucht, doch das einzige verfügbare Fahrzeug ist ein Mercedes A-Klasse, der einen viel zu kleinen Kofferraum hat. So ist die Rückbank zur Hälfte mit Gepäck voll , und daneben müssen sich zwei Personen quetschen. Autofahren ist in den Städten nicht unbedingt ein Vergnügen. Alle paar Meter kommt ein „Reductor“, eine Betonschwelle, die man nur im Schritttempo über fahren kann, wenn man sich nicht die Felgen oder Stoßdämpfer ruinieren will. Besonders tückisch sind sie, wenn sie unvermutet auf der Landstraße auftauchen, zumal nicht immer ein Warnschild da ist. Da hilft nur eine Vollbremsung. Nach drei Stunden erreichen wir Ouaxaca, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, die uns sehr gefällt. Besonderes Glück haben wir mit unserem Hotel, das von einer warmherzigen Frau geleitet wird. Sie spricht englisch (eine Ausnahme!) und hat gute Tipps für uns. Nur wenige Schritte entfernt liegt der Zocalo, an dessen Rand sich das „größte Café Mittelamerikas“ befindet, 200m Tische im Freien. Dahinter zahllose Restaurants mit vielfältiger Küche. Nach dem Essen genehmigen wir uns immer einen „Don Julio“, einen leckeren Tequila. Am Samstag bekommen wir dank Georges Unbeirrbarkeit am Flughafen einen neuen Mietwagen Renault Duster, in dem wir endlich Platz für unser Gepäck haben.

Geschwister und Kaktus

Geschwister und Kaktus

Bäumchen

Bäumchen

Auf dem Monte Alban

Auf dem Monte Alban

Für den Tag haben wir einen Ausflug zur Pazifikküste geplant, aber wir haben die Entfernung unterschätzt. Nach drei Stunden kehren wir um. Stattdessen besuchen wir die Pyramiden auf dem Monte Alban, einem hoch über Ouaxaca gelegenen, künstlich abgeflachten Berg, auf dem die Zapoteken und später die Mixteken auf einem sehr großen flachen Gelände im ersten Jahrtausend ein zeremonielles Zentrum geschaffen haben.

Am Sonntag fahren wir schon um 9 Uhr in Richtung Salina Cruz los. Obwohl kaum Verkehr ist, brauchen wir für die gut 200 km über 5 Stunden. Das liegt an der extrem kurvenreichen Strecke durch eine idyllische, aber schwer zu bereisenden Gebirgslandschaft. Erst kurz vor der Pazifikküste fallen die Berge jäh ab und geben den Blick auf den Ozean frei. Salina Cruz ist ein bedeutender Hafen und Marinestützpunkt. Es herrscht auch am Feiertag ein reges Treiben auf den Straßen. Nachdem wir die gebuchte Unterkunft wenig ansprechend finden, zieht es uns erstmal an den Strand, wo wir in ein Café einkehren. Die Dünung ist trotz ablandigen Windes wirklich eindrucksvoll. Leider herrscht Badeverbot, und als ich nur bis zu den Waden ins Wasser gehe, verstehe ich diese Maßnahme. Der Sog ist sehr stark. Nach Einbruch der Dunkelheit kehren wir noch einmal zum Essen hierher zurück, das wir auf dem Balkon zusammen mit dem Tosen der Wellen einnehmen.

Pazifische Brandung

Pazifische Brandung

Am Montag haben wir die längste Tagesetappe vor uns und starten mit gehöriger Skepsis, werden aber angenehm überrascht. Die Route ist viel weniger gebirgig als die letzte, und der LKW-Verkehr geringer als befürchtet. Bei Sayula biegen wir auf die Autobahn nach Villa Hormosa , die allerdings ein ziemlicher Acker ist. Außerdem findet auf dem Seitenstreifen Radfahrer- und Fußgängerverkehr statt. Zudem tragen viele auffallend hübsche Damen auf ihre Art zum Verkehrsaufkommen bei. Unser Ziel ist die wegen ihrer Antiken berühmte Stadt Palenque, die sich als sehr quirlig herausstellt. Unser Hotel ist reichlich edel, aber nach so einer langen Reise kann man sich etwas Komfort gönnen.

Am Dienstag gibt es ein Frühstücksbuffet direkt am Pool, ganz schön abgehoben. Wir fahren mit dem Auto zu den Mayapyramiden. Der Massenansturm und die Abzocke am Eingang lassen einen ins Zweifeln kommen. Aber sobald man in das Innere dieser Anlage kommt, ist man mit allem versöhnt.

Eine der vielen Pyramiden von Palenque

Eine der vielen Pyramiden von Palenque

Im Museum in Mexiko City haben wir das Grabmal von Fürst Pakal II gesehen, hier stehen wir vor seinem Palast, dem Templo del Sol, dem Tempel de la Cruz (der höchste) und dem Templo de la Cruz Foliata (von wo man einen spektakulären Blick ins Land hat, sowie zahlreichen anderen Tempeln, die man alle erklimmen kann und deren Reliefs uns begeistern, obwohl es sich zumeist um Duplikate handelt. Trotz tropischer Hitze ein unvergesslicher Eindruck! Nachmittags fahren die Mitreisenden zu einem 35m hohen Wasserfall. Abends gehen wir ins Zentrum, zum Zocalo, wo das Leben brodelt. Wir landen in einem Maya-Restaurant, wo außer Touristen auch Einheimische zum Essen kommen. Eine allein reisende junge Frau aus Nürnberg setzt sich zu uns, und ist offensichtlich froh, jemand zum Klönen zu haben. An unserem Tisch kommen ständig Kinder, kaum 5 Jahre alt, vorbei, die uns Süßigkeiten und anderes zum Kauf anbieten. Natürlich kaufen wir ihnen nichts ab, um diese unselige Ausbeutung nicht zu unterstützen, aber diese um ihre Kindheit betrogenen Geschöpfe tun uns unendlich Leid.

Am Mittwoch beginnt unsere letzte schweißtreibende Etappe nach Chetumal. Die Temperaturen überschreiten 30 Grad, und in der Mittagszeit steht die Sonne fast im Zenit, so dass kein Schatten zu finden ist. In Chetumal ist am frühen Nachmittag nichts los. Die Hotelsuche nimmt einige Zeit in Anspruch, schließlich landen wir im teuersten vor Ort, das aber wirklich schöne Zimmer hat. Abends gehen wir in ein schönes Restaurant am Hafen, in dem wir schon unseren Ankommcafė getrunken haben. Für 22 Uhr ist eine Lifeband angekündigt, aber als sie um 23 Uhr noch nicht aufgetaucht sind, gehen wir ohne Musik ins Bett.

Chetumal liegt in einer Bucht, in der man zwar einen schönen Blick auf das Wasser, aber keinen Badestrand hat.

Warnhinweis in Belice

Warnhinweis in Belice

Nach Norden müsste man ca 100 km fahren, dazu haben wir keine Lust. Nachdem wir am Donnerstagmorgen etwas unentschlossen herumstreifen und sich eine Bootsfahrt als zu teuer herausstellt, fahren wir kurz entschlossen in den Nachbarstaat Belize. Wir haben keine Ahnung, wie umständlich (und teuer) Grenzformalitäten sein können, sonst hätten wir weise auf diesen Trip verzichtet. Nach kurzer Fahrt landen wir in einem kleinen Nest namens Corozal, in dem eine unglaublich entspannte Atmosphäre herrscht. Die Leute sind allesamt sehr freundlich, und es ist ganz ungewohnt, sich auf Englisch verständigen zu können.

Belice Coazon

Belice Coazon

Obwohl das Wasser sehr trüb und der Untergrund sehr steinig ist, wagen George und ich ein Bad in der Karibik und schauen den Pelikanen und Fregattvögeln zu. Auf dem Rückweg fahren wir eine halbe Stunde in die falsche Richtung, bevor wir in endlose Schlangen an der Grenzabfertigung kommen. Hundert wartende Leute und ein Stempelmann, kaum nachvollziehbar in einem Land, wo alle nach Arbeit suchen. Abends ist es überraschend schwierig, ein Restaurant zu finden. Es gibt Dutzende Hotels, aber nur eine Handvoll Restaurants und unter denen sind etliche geschlossen. Aber mit Hilfe eines Taxis werden wir fündig.

 

Der Ober wundert sich, dass wir draußen sitzen wollen, obwohl es doch so eine schöne Klimaanlage und Fernsehen gibt. Abends erwacht Chetumal zum Leben. Alle Welt drängelt sich am Hafen, wo ein Crêpestand am nächsten steht. Nachts können wir es in unserem Zimmer nur mit Durchzug aushalten.

Am Karfreitag treffen wir unsere jungen Leute am Flughafen wieder. Sie waren eine Woche in Tulum und wären fast zu spät gekommen, weil sie nicht mitbekommen haben, dass die Uhren in Yukatan eine Stunde vorgehen. Der Flug hat ein unerwartetes Highlight, als der Flugkapitän uns auffordert, einen Blick nach links auf den Popocatepetl zu tun.

Popcatepetl in Aktion

Popcatepetl in Aktion

Ich bekomme einen gewaltigen Schreck, als aus dem Vulkan eine riesige Rauchsäule aufsteigt, die weit in den Himmel ragt. Offenbar hat gerade eine Eruption stattgefunden. Der Landeanflug nach Mexiko Stadt ist auch im Hellen ein Erlebnis. In unserem schönen Hostel treffen wir auch Moritz, Martje und Kay wieder, die eine Woche an der Pazifikküste und in San Cristobal unterwegs waren. Nachmittags bummeln wir durch die sommerlich warme Stadt und kaufen Mitbringsel auf einem Kunstgewerbemarkt.

Am Samstag besuchen wir morgens den prachtvollen Präsidentenpalast, in dem sich die berühmten Murales (Wandgemälde) von Diego Rivera befinden. Nachmittags zieht es uns abermals in das Anthropologische Museum. Diesmal lassen wir uns mehr Zeit und beschränken uns auf die Ausstellungen, an deren Fundort wir waren, vor allem Teotihuakan und Palenque. Abends machen sich alle jungen Leute auf die Heimreise. Wir lassen uns von George in Las Sirenas, ein schönes Restaurant mit Dachterrasse direkt an der Kathedrale einladen.

Der Ostersonntag ist unser letzter Tag. Dorothea und ich fahren mit der Metro in den Stadtteil Coyacan. An jeder Station steigt ein Straßenhändler zu, der mit lauter Stimme Erfrischungen, Süßigkeiten etc für wenige Pesos anpreist. Nie habe ich gesehen, dass irgendjemand etwas kauft, aber es muss wohl für den Lebensunterhalt reichen. Wir laufen durch einen gepflegten Park, in dem viele Hundert Jogger unterwegs sind. Nach einer weiteren Viertelstunde Fußmarsch sind wir am Ziel, dem Frida-Kahlo-Museum. Gerade haben wohl etliche Reisebusse ihre Ladung abgelassen.

Trotzki

Trotzki

Jedenfalls ist die Besucherschlange so lang, dass wir erst das Wohnhaus von Leo Trotzki aufsuchen, der nach seiner Flucht aus der Sowjetunion hier die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte, bevor ihn Stalins Schergen aufspürten und trotz aufwändiger Bewachung ermordeten. Als wir zu Frida Kahlow zurückkommen, ist die Schlange noch einmal um das Doppelte gewachsen. Schade, uns fehlt die Zeit zum Warten. Um halb sechs lassen wir uns zum Flughafen bringen. Wir verbringen eine erstaunlich gute Nacht im Flieger. Nach kurzem Zwischenhalt in Paris landen wir kurz nach sechs Uhr in Hamburg.

 

 

 

 

 

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