Barre op Tuur in Marokko

Dezember 28, 2014 at 9:56 pm (Uncategorized)

Unsere zweite Asienreise liegt schon fast ein Jahr zurück. Jetzt wo es beim Wintereinbruch in Europa ungemütlich wird, zieht es uns wieder in den Süden.

Um nach Marokko zu kommen, haben wir für den umweltschädlichsten, unbequemsten, dafür aber schnellsten und billigsten Weg entschieden. Am Allerbilligsten ist der Flug mit Ryanair, wenn man drangvolle Enge und Null Service in Kauf nimmt. Dazu müssen wir am 15.12.2014 um 7 Uhr morgens in den Zug nach Düsseldorf. Trotz Verspätung erreichen wir den Anschlusszug nach Weeze gerade eben. Der Busshuttle zum Airport erweist sich als Schulbus mit dem unhöflichsten Fahrer der Welt, der an jeder Milchkanne hält, so dass wir erneut in Zeitdruck kommen. Zum Glück ist die Warteschlange am Flugschalter so lang, dass wir noch rechtzeitig sind.

Riad Mayalina

Riad Mayalina

Mit einer halben Stunde Verspätung hebt der voll besetzte Flieger ab. Nach gut drei Stunden erreicht er sein Ziel, doch beim Landeanflug bei schlechtem Wetter setzt das Flugzeug hart auf und startet nach kurzem Bremsen erneut durch. Es wird mucksmäuschenstill im Flugzeug. Beim zweiten Versuch wieder ein hartes Aufsetzen mit hohem Tempo, aber nach einer harten Bremsung kommen wir heil zum Stehen. Wir hatten ein Hotel mit Abholung vom Flugplatz gebucht. Der arme Ali hat eine Stunde auf uns warten müssen. Trotzdem fährt er uns in seinem Uraltmercedes gut gelaunt zum Hotel. Das Riad Mayalina entpuppt sich als Traum aus 1001 Nacht. Wir werden mit dem traditionellen Thė à la menthe und köstlichem Konfekt empfangen, bevor wir unser alt und edles Zimmer beziehen.

 Riad Mayalina- Blick vom Innenhof

Riad Mayalina- Blick vom Innenhof

Das Riad liegt direkt an der Medina. Es ist schon spät geworden. Unser sympathischer Hotelboy geleitet uns durch die engen dunklen Gassen zu einem Platz mit vielen Restaurants. Weit und breit sind wir die einzigen Ausländer und werden von allen Seiten herein gebeten. Wir entscheiden uns für ein einheimisches Lokal, in dem wir bald die einzigen Gäste sind. Der Ober sieht mit seiner Wollmütze und seinem Khakioverall eher nach Müllmann aus. Das Kouskous mit Gemüse und Hühnchen ist sehr lecker und auch der Kaffee ist bemerkenswert. Leider gibt es keinen Wein. Um zehn Uhr fallen wir todmüde in unser Luxusbett.

Am nächsten Morgen entdecken wir, dass wir vom unserem Zimmer und erst recht von der Dachterrasse einen schönen Blick über die Stadt haben. Das Frühstück ist orientalisch und reichhaltig. Bevor wir los gehen, kommen wir mit Jérôme, einem sehr sympathischen Franzosen, der abwechselnd in Paris und in Fès lebt, und der außer uns der einzige Gast ist, ins Gespräch.,

Im Gemüse-Souq

Im Gemüse-Souq

Mit vielen guten Tipps ausgestattet und einem leicht mulmigen Gefühl machen wir uns auf in die Medina. In den Gassen herrscht reges Treiben. Oft muss man den Handwagen und Maultieren Platz machen, die für die Versorgung der Stände sorgen. Die Suqs, wie hier die Basare heißen, gliedern sich in Nahrungsmittelstände mit einem überbordenden Obst und Gemüseangebot, exotischen Fleisch- und Gewürzständen und Bereiche, in denen Stoffe und vor allem Lederwaren sowie Schmuck angeboten werden. Zu unserer angenehmen Überraschung werden wir von den Händlern weitgehend in Ruhe gelassen. Wir hatten mit mehr Belästigung gerechnet. Aber es fällt uns sehr schwer zu orientieren. Das Gassengewirr in der riesigen Medina ist beängstigend.

Zu eng für Autos

Zu eng für Autos

Wir müssen oft nach dem Weg fragen. Als wir ein starkes Bedürfnis nach einer Pause verspüren, haben wir Glück, dass der Besitzer eines Cafés mit Panoramablick gerade seine Tür aufschließt. Wir kommen sehr nett mit ihm ins Gespräch und werden mit einer Umarmung verabschiedet. Auf unserem Weg liegt nun die Karaouine-Moschee, die als wichtigstes Bauwerk von Fès gilt und die jetzt zwei Fakultäten der Universität beherbergt. Wir besichtigen einen Innenhof, in dem uns einmal mehr die vielgestaltigen Ornamente und Inschriften begeistern. Die Ornamentik weist so hochkomplexe geometrische Muster auf, wie sie nur eine hochentwickelte Mathematik hervor bringen kann. Zum Pflichtprogramm eines Medinabesuchs gehört das Gerberviertel, zu dem wir uns durch fragen müssen.

Im Innenhof einer Moschee

Im Innenhof einer Moschee

Man gibt uns einen jungen Mann namens Yusuf als Führer, der trotz oder wegen seines Dow Syndroms von jedermann freundlich begrüßt wird. Ohne seine Hilfe hätten wir das Gerberviertel in dem Gewirr enger Gassen und Gänge nie gefunden. Er liefert uns bei einem beeindruckend gut Deutsch sprechenden Führer ab (das also war der Deal!), der uns auf eine Brüstung führt, von der man in die zahlreichen Tröge blicken kann, in denen etwa ein Dutzend junger Männer in Wathosen ihrer Beschäftigung nach gehen.,

Im Gerberviertel

Im Gerberviertel

Dabei bekommen wir eine interessante Schilderung der Arbeitsschritte bei der Herstellung des Leders. Zuerst werden in einem Salzbad die Poren geöffnet. Das Kalkbad dient der Weichheit des Leders. Anstelle des giftigen Ammoniak verwendet man zum Gerben Taubenkot. Schließlich wird das Leder ausschließlich mit Naturfarben gefärbt. Getrocknet werden die Felle an den Hängen im Norden der Stadt, wohin sie von Maultieren transportiert werden und zu Hunderten ausgelegt. Bei der anschließenden Führung durch die Verkaufsausstellung müssen wir immer die weichen Leder befühlen und uns durch die Flammprobe von der Echtheit überzeugen. Am Ausgang werden wir von Yussuf erwartet, von dem wir uns schnell verabschieden, bevor er uns in die nächste Ausstellung abschleppt. Auch auf dem Rückweg zum Hotel fällt uns die Orientierung schwer. Den Nachmittag verbringen wir in der Waagerechten.

Am Bahnhof von Fès

Am Bahnhof von Fès

Abends der Kampf gegen die Türsteher der Restaurants. Man lockt uns mit Wein und Bier. Wir essen im gleichen Restaurant wie gestern, lassen uns auf ein Glas Wein bei der Konkurrenz bitten. Man stellt uns eine Colaflasche (!) mit eiskaltem Rotwein auf den Tisch. Nachdem man ihn lange genug mit den Händen gewärmt hat, ist er ganz gut genießbar. Beim Bezahlen will uns das Schlitzohr von Ober 120 Dh (fast 12€) abknöpfen! Auf meinen Protest reduziert er auf 80Dh, aber wir müssten morgen unbedingt bei ihm essen. Inschallah lautet Dorotheas vielsagende Antwort.

Am Mittwoch holt Ali, unser Chauffeur, uns zu einer Rundfahrt um die Medina ab.

Die Medina von oben

Die Medina von oben

Das Wetter, das gestern ziemlich regnerisch war, hat sich sehr verbessert. Wir fahren zunächst zum schönen Bahnhof und kaufen Fahrkarten nach Marrakesch am Freitag. Anschließend fahren wir auf der Prachtstraße zum Königspalast, an dessen Seite sich schöne andalusische Balkons aus Zedernholz erstrecken. Der nächste Halt ist auf einem Parkplatz am berühmten Stadttor Bab Bujeloud. Weiter geht es zu einem schönen Aussichtspunkt südlich der Medina.

Besuch einer Keramikausstellung

Besuch einer Keramikausstellung

Wir besichtigen dann eine große Töpferwerkstatt im Viertel Ain Nokbi. Hier wird aus dem grauen Ton aus Fès, der uns gestern im Regen die Schuhe vermatscht hat, die berühmte und hochwertige Keramik hergestellt. Aus dem feuchten Ton werden auf der Töpferscheibe Schalen, Tassen und andere Gefäße hergestellt. In der nächsten Station werden sie mit Ornamenten versehen. Der Brennofen ist riesig und wird mit den besonders heiß brennenden Olivenkernen beheizt. Bei 1000 bzw 1200 Grad wird die Keramik zweimal gebrannt. In einer weiteren Station werden aus bunten Keramikfliesen wunderbare Mosaiken gefertigt.

Verkaufsaustellung

Verkaufsaustellung

Schließlich werden die fertigen Gefäße bemalt. In der Ausstellung würde man am Liebsten alles kaufen, und genau dazu hat uns der Führer alles geduldig erklärt, aber zum Glück haben wir überhaupt keine Kapazität in unserem kleinen Reisegepäck.

Altes Tor

Altes Tor

Der letzte Halt unserer gut zweistündigen Tour ist auf der Nordseite der Stadt ein Aussichtspunkt mit den imposanten Mauerresten des Fort Chardonnet, wo uns ein freundlicher aber aufdringlicher Berber handgemachte Kelims oder schöne von seiner Frau gestrickte Wollmützen verkaufen möchte. Als wir nachmittags bei einem Spaziergang nochmal hier vorbei kommen, ist er immer noch da und kommt freudestrahlend auf uns zu. Unsere eigentlich als Rundweg geplante Wanderung müssen wir auf dem gleichen Weg beenden, denn die Stadtmauer erweist sich als undurchdringlich.

Am Donnerstag bleibt es sonnig. Erstmals sind wir beim Frühstück nicht allein. Ein junges Pärchen aus UK ist da, ferner eine allein reisende junge Frau aus Korea. Ihr gegenüber sitzt ein korpulenter Amerikaner, der noch heute allein in die Wüste weiter reisen will. Ganz schön mutig!

Wasserfall bei Sefrou

Wasserfall bei Sefrou

Wir sind mit Ali um 10 Uhr zu einer Halbtagestour Richtung Atlasgebirge verabredet. Als wir Fès verlassen, sehen wir im Süden die von ausgedehnten Schneeflächen bedeckten Hänge des mittleren Atlas. Unser Ziel ist Sefrou, eine Stadt mit ca 70000 Einwohnern am Rande des Gebirges. Auf dem Weg sehen wir viele Störche, die aus Europa kommend hier überwintern und die sich auf den Minaretten und auf Bäumen ihre Horste gebaut haben. Wir machen an einem Park mit einem Wasserfall halt. An ihm liegt eine Kasbah, ein riesiger verschachtelter Gebäudekomplex, in dem nur ein Familienclan wohnt. In Sefrou setzt uns Ali an einem Tor zur Medina aus, um uns eine Stunde später wieder abzuholen.

Im Zentrum von Balhoy

Im Zentrum von Balhoy

Die Medina ist nicht so ausgedehnt wie die in Fės, aber genauso belebt, und so verlieren wir auch hier schnell die Orientierung. In der Lebensmittelabteilung bestaunen wir die Massen an lebendigem Geflügel, die hier zusammen gepfercht sind, und teilweise zu mehreren an den Füßen zusammen gebunden sind. Hühnchen haben wohl nirgends ein artgerechtes Leben. Ich lasse mir bei einem Friseur die Haare schneiden, der sich viel mehr Mühe mit meiner Frisur gibt als von Deutschland gewohnt und nur knapp die Hälfte des Lohns verlangt. Mit einigen Schwierigkeiten finden wir Ali wieder. Auf dem Rückweg machen wir in einem Berberstädtchen Balhoy Halt. Es hat eine interessante Architektur, doch beim Fotografieren muss man aufpassen, dass man nicht unbeabsichtigt Frauen ablichtet. Eine protestiert lautstark, obwohl sie so weit weg ist, dass sie auf dem Bild kaum zu erkennen ist. Wir besuchen eine alte Frau, die in einer ausgedehnten Kalksteinhöhle offenbar vom Besuch von Touristen lebt.

Wohnhöhle in Balhoy

Wohnhöhle in Balhoy

Die langgestreckte Höhle ist mit allem möglichen Krimskrams dekoriert. Sie bereitet Tee für uns und zeigt uns alte Fotos. Mit ihren 84 Jahren ist die Alte ganz schön fit. Voll Stolz führt sie uns ihr Meisterstück vor: sie balanciert einen randvollen Wassereimer mühelos auf dem Kopf! Wir revanchieren uns mit Süßigkeiten und einem Schein.

Mit 84 Jahren kann ich das nicht mehr!

Mit 84 Jahren kann ich das nicht mehr!

Draußen lässt uns Ali den Weg durch den Ort alleine gehen, was einem Spießrutenlauf gleicht. Wiederholt werden wir von Männern angesprochen. Ihre aufgesetzte Freundlichkeit passt nicht zu dem ablehnenden Verhalten der Frauen. Es bleibt ein unbehagliches Gefühl. Zurück in Fès lassen wir uns von Ali am Stadtpark absetzen, einer sehr gepflegten und schön gestalteten Anlage.

Abends essen wir in einem kleinen, sehr gepflegten Restaurant in der Medina, ohne von Türstehern belästigt zu werden. Wir sind wieder einmal die einzigen Gäste, und werden von einer netten Köchin verwöhnt: Lammkeule mit Rosinen und Zimt, sowie Taubenpastete. Anschließend besuchen wir eine Dachterrasse, auf der Gitarre gespielt und gesungen wird. Wir sind dreimal so alt wie die anderen Gäste, die eifrig kiffen, aber das stört keinen großen Geist.

Am Freitagmorgen verlassen wir unser schönes Riad Mayalina, fahren per Taxi zum Bahnhof.

Oldtimerloks in Fès

Oldtimerloks in Fès

Um 11.40 fährt der durchgehende Zug nach Marrakesch ab. Die Abteile der 2. Klasse sind überraschend bequem und mit viel Platz ausgestattet. Obwohl der Zug sehr lang ist, füllt er sich schnell, und viele Passagiere müssen auf den Gängen stehen. Zuerst sitzen uns drei schweigsame ältere Menschen gegenüber.

Orangenbaum am Bahnhofsgleis

Orangenbaum am Bahnhofsgleis

Nachdem wir Rabat hinter uns gelassen haben, steigen zwei Studenten zu, die eifrig und in enger Kommunikation mathematische Probleme erörtern. Ich erzähle ihnen, dass ich Physiker bin. Schnell kommen wir in ein angeregtes Gespräch über Mathematik und Studium, über Deutschland und Marokko und alles Mögliche. Mein bescheidenes Französisch wird stark beansprucht, und ich bin bald ganz schön erschöpft. Trotzdem bringt es viel Spaß, auf ihre vielen Fragen zu antworten, warum Deutschland so stark is und was wir von Hitler halten. Sie beschweren sich über ihre Regierung, die nichts zur Förderung einkommensschwacher Studenten unternimmt. Kurz vor unserer Ankunft in Marrakesch um 18 Uhr quäle ich sie mit einer raffinierten Denksportaufgabe, die sie tatsächlich lösen. Am Bahnhof fallen wir auf einen Taxifahrer herein, der uns zu viel Geld für die Fahrt zum Hotel abknöpft. Die Fahrt endet in den Gassen der Medina, wo das Taxi nicht mehr durch kommt. Zwei Jugendliche schnappen sich unsere Koffer und bringen uns die letzten 200m zum Hotel. Ich will ihnen 20 Dh in die Hand drücken, da werden sie frech und verlangen 100 Dh. Da platzt mir die Hutschnur, und sie ziehen kleinlaut ab.

Riad Wyam in Marrakesch

Riad Wyam in Marrakesch

Das Hotel Riad Wyam ist große Klasse, und wir finden im dichten Trubel auf den Gassen auch ein gutes Restaurant.

Luxus im Badezimmer

Luxus im Badezimmer

Die Kutubiya-Moschee

Auch am Samstag ist der Himmel wolkenlos. Von der Dachterrasse des Hotels hat man einen wunderbaren Blick auf das schneebedeckte Atlasmassiv. Nach einem opulenten Frühstück bahnen wir uns einen Weg durch die betriebsamen Gassen, in denen man ständig Fahrrädern, Mofas und vor allem Eselkarren und Pferdefuhrwerken ausweichen muss. Es ist das normale orientalische Treiben. Erst auf dem zentralen Jamaa el Fna (Platz der Gehenkten) holt uns das Touristenspektakel ein: Schlangenbeschwörer und andere Gaukler buhlen um Aufmerksamkeit. Beeindruckend ist die riesige Kutubiya-Moschee, die 20000

Die Kutubiya-Moschee

Die Kutubiya-Moschee

Gläubigen Platz bietet und die Dächer der Medina weit sichtbar überragt. Davor liegt ein angenehm ruhiger Park mit Sitzgelegenheiten.

Störche auf dem Bab Agnaou

Störche auf dem Bab Agnaou

Um ihn herum pulst der Großstadtverkehr. Gegenüber von der schmucklosen Mauer des Königspalastes liegt das alte Stadttor Bab Agnaou, das zum Kasbahviertel gehört. Auf ihm brüten fünf (!) Storchenpaare. Sehr schön und mit Carraramarmor und wunderschönen Ornamenten versehen sind die erst vor 100 Jahren freigelegten Saadgräber. Von hier aus bummeln wir zum Bahiapalast, der aus einem Labyrinth von reich verzierten Gängen und üppigen Gärten besteht. Dann geht es zurück durch die engen turbulenten Gassen (ein Wunder, dass hier nichts passiert!) zu einer Mittagspause im Hotel.

Als es dämmert, bummeln wir wieder durch die Altstadt. Unsere Absicht, eine Runde durch die Medina zu drehen, setzen wir nicht um, weil man sich im Dunkeln im Gassengewirr nicht orientieren kann. So landen wir bald in unserem

Im Bahia-Palast

Im Bahia-Palast

Restaurant von gestern, essen leckere Tagines mit Pflaumen bzw. mit Feigen und sind früh im Hotel.

Ornamente an en Saadgräbern

Ornamente an en Saadgräbern

Am Sonntag weckt uns das Handy eine Stunde zu früh, weil ich versäumt habe, es auf westeuropäische Zeit umzustellen. Auch das Taxi hätten wir eine Stunde später bestellen können, denn unser Bus nach Essaouira fährt erst um 10.45 Uhr los. Die Fahrt im vollbesetzten Bus dauert drei Stunden, wobei wir zu Anfang das Atlasgebirge im Süden und später den Atlantik im Westen als Blickfang haben. An der Endhaltestelle werden wir von Taxifahrern überfallen. Natürlich sind sie überteuert, wenn es mir auch gelingt, Hassan um ein paar Dirham runter zu handeln. Nach einer halben Stunde sind am Ziel. Sidi Kaouki besteht nur aus einer Handvoll Gasthäusern, die ziemlich wahllos am Strand verstreut sind. Unseres heißt etwas abgehoben „Rėsidence Sidi Kouaki“.

Résidance Sidi Koaki- Innenhof

Résidance Sidi Koaki- Innenhof

Es ist ganz in blau-weiß gehalten und ist urgemütlich. Jetzt verstehen wir, weshalb im Reiseführer von Candlelight dinner die Rede war. Es gibt nämlich kein elektrisches Licht! Wir bekommen ein Zimmer auf der Dachterrasse. Es ist sehr einfach , aber ansprechend eingerichtet. Später erfahren wir, dass hier Paloma Picasso, die Designerin und jüngsten Tochter von Pablo, zu nächtigen pflegt. Sie sei so den Sternen am Nächsten! Gleich brechen wir zu einem Strandspaziergang auf.

Ozeanbrandung

Ozeanbrandung

Nach einem Imbiss zieht es Dorothea ins Bett und mich in die hohe Brandung. Ich bin der Einzige im Wasser! Mit 17 Grad ist es nicht gerade warm, aber im tosenden Wasser spürt man die Kälte nicht.

Nach der Abenddämmerung prangt ein prächtiger Sternhimmel mit ungewöhnlich heller Milchstraße. In das kleine mit Kerzen

Rainer und Harald im Restaurant

Rainer und Harald im Restaurant

ausgeleuchtete Restaurant strömt eine lustige auswärtige Abendgesellschaft. Wir haben Glück und bekommen Plätze direkt am Kaminfeuer, das von einem verschmitzten alten Berber, Larbi, der hier der gute Geist und gleichzeitig das Mädchen für Alles ist, geschürt wird. Unsere charmante junge Hausdame Rabia serviert gegrillte Dorade, dazu leisten wir uns eine Flasche marokkanischen Wein. Zu uns setzen sich zwei ältere deutsche Herren aus Kassel, Rainer und Harald, die hier schon oft hergekommen sind. Sie reisen gemeinsam seit Jahrzehnten durch die ganze Welt und können viel erzählen. Zur guten Nacht bekommen wir eine Wärmflasche ins Bett, obwohl es hier am Meer nachts nicht so stark abkühlt wie in den Städten. Das Rauschen der Brandung begleitet uns in den Schlaf.

Strandspaziergang

Strandspaziergang

Am Montagmorgen bekommen wir unser Frühstück auf der Terrasse, in die schon die Sonne scheint, serviert. Danach machen wir einen langen Spaziergang den menschenleeren Strand entlang nach Süden. Es ist windstill – ungewöhnlich für dieses Wind- und Kitesurferparadies – und eine leichte Schleierbewölkung macht

Wellenreiter

Wellenreiter

die Sonneneinstrahlung erträglich. Später kommen einige Wellenreiter an den Strand, denn trotz des fehlenden Windes ist die Brandung hoch.

Nachmittags trinken wir in unserem Nachbarresort Kaffee. Es ist voller Graffiti und zieht Surfer und Exhippies an, uns definitiv nicht. Nach dem Baden im Meer laufe ich am Strand entlang, was von den Hunden als Aufforderung zum Spielen missverstanden wird, während sie mich bellend begleiten. Nach dem leckeren Essen im Hotel (Tagine mit Fleischbällchen, da wir keinen Oktopus mögen) genießen wir abermals den Sternenhimmel, was mit Dorotheas Fernglas zum Erlebnis wird. Noch nie habe ich den Andromedanebel derart prachtvoll zu sehen bekommen!

Am Dienstagmorgen fahren wir mit einem klapprigen Taxi, das erst angeschoben werden muss, nach Essaouira, dem früheren Moribor. Wir kaufen zunächst unsere Fahrkarten nach Rabat.

Fischereihafen von Essaouira

Fischereihafen von Essaouira

Dann schlendern wir durch den imposanten Fischereihafen.

Frischfisch

Frischfisch

Wir kommen gerade zur rechten Zeit, denn die Boote landen gerade ihren Fisch an. Überall werden die vollen Kisten aufgebaut und zum Verkauf dargeboten. Selten haben wir so viele exotische Fischarten zu Gesicht bekommen. Barracudas, Katzenhaie, Mantas, Maränen, um nur einige zu nennen. Es gibt außerdem eine Werft, in der etliche Fischereiboote aus Holz in verschiedenen Bauzuständen zu sehen sind. Durch ein mittelalterliches Tor gelangt man in die Medina, die leider vom Tourismus beherrscht wird. Unseren Vorsatz, nichts zu kaufen, brechen wir in einer Ausstellung, die der die verschiedensten Produkte aus Thujaholz zu erstaunlich kleinen Preisen angeboten werden. Außerdem erwerben wir ein Fläschchen Arganöl, das die Spezialität der Region ist, und welches man sowohl für die Küche als auch für Kosmetik verwendet.

Festungsanlage

Festungsanlage

Wir bummeln an der Stadtmauer entlang der Scala de la Kasbah bis zur Bastion Nord, einer großen Verteidigungsanlage mit Dutzenden Kanonen aus Bronze und schönem Blick auf Felsen und Ozean.

Souqstand in Essaouira

Souqstand in Essaouira

Weiter durch belebte Einkaufstraßen durch Fisch – und Getreidesouc bis zum Stadttor Bab Doukalla, von wo die Stadtbusse starten. Zuvor noch ein Blick in die Mellah, dem Judenviertel, das wie überall in Marokko, nur aus verlassenen Ruinen besteht. Wir hatten uns vorgenommen, wenigstens einmal mit dem Bus nach Sidi Kouaki zu fahren, weil sie einen so schön herunter gekommenen Eindruck machen. Leider kann uns niemand sagen, wann der Bus abfahren wird (vielleicht um drei?), so dass wir wieder mit einem der klapprigen Mercedestaxis vorlieb nehmen müssen. Immerhin macht der Fahrer einen vertrauenswürdigen Eindruck, so dass wir ihn für unsere Rückfahrt über morgen früh buchen.

Sonnenuntergang am Strand

Sonnenuntergang am Strand

Bis zum Sonnenuntergang machen wir einen Strandspaziergang Richtung Norden. Beim Zurückkommen begegnen wir der Besitzerin Roro (angeblich heißt sie Rotraut) und ihrem Mann Herbert, die gerade aus dem unwinterlichen Deutschland zurück gekehrt sind. Beide leutselig und sympathisch.

Neue Gäste in Sidi Kouaki,links RoRo

Neue Gäste in Sidi Kouaki,links RoRo

Abends ist das Restaurant gefüllt mit Gästen. Einige sind von außerhalb gekommen, aber eine Gruppe von vier Frauen und zwei Männern aus Brasilien wohnen im Hotel. Sie sind unglaublich lebhaft, so dass wir uns kaum unterhalten können und schaffen es, geschlagene zwei Stunden ununterbrochen lauthals zu lachen. Roro und Herbert sind ebenfalls sehr kommunikativ und lassen etwas Vorweihnachtsstimmung aufkommen.

Am Heiligabend herrscht Windstille und praller Sonnenschein. Nach dem Frühstück machen wir wieder einen ausgedehnten Strandspaziergang. Der Strand ist nicht wirklich ein Traumstrand aus dem Hochglanzprospekt. Es gibt viele bunte Kieselsteine.

Kieselsteinstrand

Kieselsteinstrand

Teilweise liegen sie dicht an dicht, dann wieder gibt es große steinfreie Flächen. Auch der ockerfarbene Sand ist mal weich, dass man mit der Fußsohle ein sinkt, mal bretthart. Die meisten Strandläufer sind nicht die Urlauber, die einem ab und an begegnen, sondern die Lemikolen, die unablässig an der Wasserlinie entlang rennen und nach Nahrung picken. Also doch ein Traumstrand!

Unser letztes Bild

Unser letztes Bild

Abends findet das große Weihnachtsessen statt, für das RoRo und ihr Küchenteam den ganzen Tag gewirbelt haben. Eine einheimische Trommelgruppe wurde engagiert und spielt den ganzen Abend mitreißende Rhythmen. Eine der temperamentvollen Brasilianerinnen tanzt dazu geradezu ekstatisch. Im Restaurant sind die Tische in einer Reihe aufgestellt. Es herrscht eine festliche Stimmung und das Essen schmeckt fantastisch. Nachher mache ich eine kleine astronomische Führung. Eine der Teilnehmerinnen, Sabine – bekannt als Fernsehköchin – outet sich als Urenkelin eines jüdischen Physikers, der mit Einstein zusammengearbeitet hat.

Am ersten Weihnachtstag stehen wir noch im Dunkeln auf. Da die Belegschaft noch schläft, hat man uns ein kleines Frühstück bereitet. Leider ist der Kaffee schon kalt. Bei der Abreise gibt es ein peinliches Missverständnis. Wir hatten selbst ein Taxi bestellt, während Rabia auch eines für uns geordert hat. Im Trubel des Abends hat sie wohl vergessen, eines abzubestellen. Der Fahrer ist zu Recht sauer, und ich versuche, ihn mit ein paar Dirham zu entschädigen. In Essaouira sind wir eine Stunde zu früh. Ich frage einen Saftverkäufer, ob er auch Kaffee habe. Da schenkt er uns seinen gerade gefüllten Becher. Es gibt nette Menschen! Nach Rabat gibt es keine direkte Verbindung. Wir müssen erst mit dem Supratourbus nach Marrakesch fahren und dort in den Zug umsteigen.

In Rabat kommen wir gegen 5Uhr am Nachmittag an. Da die Taxifahrer unverschämte Preise verlangen, gehen wir trotz der schweren Tasche zu Fuß zum Hotel, das direkt an der Hauptstraße Rue Hassan II gelegen ist. Zum Glück bekommen wir ein ruhiges Zimmer, das recht günstig ist, aber nicht den Charme unserer bisherigen Unterkünfte besitzt. Das gilt auch für das nahe gelegene Restaurant und die unruhige Umgebung, so dass wir bald in der Waagerechten enden.

Am Morgen des zweiten Weihnachtstages, unseres letzten Reisetages, haben wir mehr Glück, und finden ein kleines Café, um unseren Kaffee in der Morgensonne zu trinken. Etwas anders als geplant, führt uns unser Spaziergang an die Atlantikküste, doch hier finden wir die Orientierung und schlendern am Strand entlang zur Kasbah des Oufaias, die an das Meer und den Fluss Bau Regreg grenzt, der Rabat von Salé trennt. Dieser älteste Teil von Rabat stammt aus der Almohadenzeit im 12. Jahrhundert. Durch zwei erhabene Tore gelangt man in das Innere der sehr pittoresken Altstadt. (Leider ist der Akku unseres Fotoapparat endgültig leer, ich vergaß, das Ladegerät einzupacken!) Auf dem Weg zurück kommt man in die Medina, die jetzt um 10 Uhr allmählich zum Leben erwacht. Kurz bevor wir zum Bahnhof aufbrechen, gönnen uns leckeres Gebäck in der sehr guten Konditorei am Hotel. Wir haben vorausschauend Fahrkarten der 1.Klasse gebucht, denn in Rabat kommt der Zug so überfüllt an, dass sonst keine Sitzplätze zu bekommen sind. Trotzdem wird es noch einmal spannend, denn der Zug hält auf freier Strecke für unbestimmte Zeit. Man entschuldigt sich für die unerwartete Störung, ohne zu sagen, wie lange es dauern wird. Offenbar ein Lokschaden, doch irgendwann geht es weiter. Noch zwei weitere Mal unterbricht der Zug seine Fahrt und kommt mit einer Stunde Verspätung in Fès an. Doch noch reicht die Zeit, um mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren. Der Flug nach Weeze ist angenehm mit einem netten marokkanischen Mann als Gesprächspartner. Nach dem ersten Bier seit langem im Bistro müssen wir noch einen längeren Fußweg zum Flugplatzhotel in der Kälte zurück legen. Hier kommen wir nur mit der EC-Karte rein, denn es gibt kein Personal. Aber es ist warm und trocken, was will man mehr?

Als wir am Samstag aus dem Fenster schauen, herrscht Sturm und Schneetreiben, so dass wir uns unseren Morgenkaffee am Bistro erst verdienen müssen. Der Bus bringt uns nach Weeze, wo wir auf den Zug nach Düsseldorf noch eine Dreiviertelstunde warten müssen. Erst in einer Unterführung, um uns vor dem Schneesturm zu schützen, dann im Unterstand am Gleis, wo wir mit einem jungen Mann aus Nigeria, einem pakistanisch-deutschen Pärchen und einer Mexikanischen Frau ins Gespräch kommen. Eine Multi-Kulti-Begegnung! Der Zug hat 20 Minuten Verspätung und ist bald proppevoll, so dass keine weiteren Fahrgäste mehr einsteigen dürfen, bei dem Wetter kein Spaß. Für uns verkürzt sich die Wartezeit auf den IC in Düsseldorf, wo wir uns im Bistro stärken. Hier geht’s ohne Probleme bis Hamburg, wobei das Wetter immer freundlicher wird. In Neumünster schickt uns die Zugbegleiterin aus dem Zug. Angeblich ein Stellwerkschaden. Keiner weiß, wohin. Dann – wieder alles einsteigen! Gegen 18 Uhr sind wir daheim in Melsdorf!

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