Mandalay und das Ende unserer Reise

Januar 27, 2014 at 2:36 pm (Uncategorized) ()

Am Donnerstag (23.Januar) lassen wir uns zu dem kleinen Bahnhof von Hsipaw bringen.

Auf dem Bahnhof von Hsipaw

Auf dem Bahnhof von Hsipaw

Über eine Stunde vor Abfahrt des einzigen Zuges herrscht hier lebhaftes Treiben. Viele Einheimische warten, noch mehr Säcke und Pakete sind auf dem Bahnsteig gestapelt. Das Lösen der Fahrscheine nimmt viel Zeit in Anspruch. Diesmal wollen Viele, auch Einheimische, in der Upper Class fahren. Diese ist geradezu luxeriös ausgestattet, mit Polstersitzen und weißen Bezügen auf den Rückenlehnen. Um 9.40Uhr fährt der aus Lashio kommende Zug in sehr gemächlichem Tempo ab, heftig schaukelnd, wie wir es schon von unserer Fahrt nach Bago kennen. In Gokteik trifft er mit dem Gegenzug zusammen, was ich unbedingt fotografieren möchte. Kaum ist das Foto im Kasten, merke ich, das nicht der Gegenzug, sondern unser eigener inzwischen abfährt. So schnell ich kann, spurte ich hinterher. Ich schaffe es sogar am Gepäckwagen vorbei zu kommen, bevor ich in die offene Tür springe. Die beste aller Ehefrauen ist not amused über meine Einlage, zumal mir.das in der Transsib vor vier Jahren schon mal passiert ist. Wenig später schauen alle aus den Fenstern und Türen, denn wir passieren das spektakuläre Gokteik-Viadukt, das von amerikanischen Ingenieuren zu Beginn des 20.Jahrhunderts konstruiert wurde. Der Ausblick ist atemberaubend, während die Bahn im Schritttempo die über 100m tiefe Schlucht überquert.

Auf dem Gokteik-Viadukt

Auf dem Gokteik-Viadukt

Später eröffnet sich immer wieder der Blick auf das Viadukt, weil der Zug auf Serpentinen Höhe gewinnt. Pünktlich (!) um 4 Uhr erreichen wir dann Pyin oo Lwin, wo wir den Zug verlassen, weil er auf seiner Fahrt nach Mandalay hier eine zweistündige Pause macht. So teilen wir mit einem französischen Ehepaar ein Taxi. Eineinhalb Stunden später sind wir in unserem Hotel in Mandalay.
Am Freitag wollen wir nach Amirapura, wo sich bis in 19.Jahrhundert der Königspalast des birmanischen Reichs befand. Heute ist es vor allem wegen der U Bein-Brücke berühmt, der längsten Teakholz-Brücke der Welt. Nach dem Frühstück versuchen wir ein Taxi zu der gut 10km entfernten ehemaligen Hauptstadt zu bekommen. Für ein Auto sollen wir hin und zurück 20000 Ky bezahlen. Der Mopedfahrer, der mich eine Woche zuvor transportierte, verlangt 15000, was uns auch zu viel ist. Aber er engagiert einen jungen Fahrer, der mit 10000 einverstanden ist. Zu dritt auf einem Moped ist auch in Myanmar nicht erlaubt und ungewohnt ist es auch, aber es klappt ohne Probleme.

U Bein-Brücke

U Bein-Brücke

Die gut einen Kilometer lange U Bein-Brücke überquert einen Stausee des Ayeyarwaddy. Sie ist schon 200 Jahre alt, wirkt recht gebrechlich und ist nur für Fußgänger betretbar. Es gibt Sitzbänke und überdachte Pavillons, in denen Souvenirverkäufer auf Kundschaft warten. Eine Frau sitzt vor drei kleinen Käfigen. In einem sind Schleiereulen eingesperrt, im zweiten kleine Käuze und im dritten kleine Singvögel. Gegen eine Spende kann man den Tieren die Freiheit zurückgeben, aber wir lehnen dankend ab. Auf der anderen Seite spazieren wir unter Baumriesen am Ufer entlang, was leider durch Berge von Plastikmüll beeinträchtigt wird. Romantisch dagegen die Rückfahrt in einem Ruderboot, das im Stehen mit gekreuzten Rudern bewegt wird.

 

Auch so kann man rudern

Auch so kann man rudern

Bevor uns unser geduldig wartender Fahrer zurück nach Mandalay bringt, besuchen wir noch eine wunderbare Pagode, die zum Mahagondayon-Kloster, eines der größten im Lande, gehört. Nachmittags haben wir erneut unseren Mopedfahrer engagiert, um uns zum Mandalay-Hill im Norden der Stadt zu bringen.

 

Langer Aufstieg zum Mandalayhill

Langer Aufstieg zum Mandalayhill

Wir hatten erwartet, hier von Touristen erdrückt zu werden. Stattdessen sind wir beim Aufstieg über fast 1000 Treppenstufen fast alleine. Überall gibt es Steinbänke, um unterwegs zu verschnaufen. An zahlreichen Ständen kann man Souvenirs und Erfrischungen kaufen. Witzigerweise gibt es auf den Treppengängen viele Tiere, Hunde, Katzen sowie Familie Huhn, die sich hier heimisch fühlen. Auf der Spitze hat man einen großartigen Ausblick in alle Richtungen. Im Süden das von einem breiten Wassergraben und einer Mauer umgebene Stadtzentrum, im Westen der Ayeyarwaddy, im Norden die Ruinen von Mingon und im Osten die Shanberge. Natürlich gibt es eine Menge prachtvoller Skulpturen. Der Shweyataw-Buddha, dessen ausgestreckter Arm auf den (von den Briten 1945 zerstörten) Königspalast weist, wie der Erleuchtete es prophezeit hat: dass 2400 Jahre später am Fuße dieses Hügels eine große Stadt gegründet werde, was sich genau mit dem Umzug König Mindons von Aminapura nach Mandalay deckt. Und die Statue der Dämonin Sandra Mike Kit, die Buddha ihre Brüste schenkte, weil sie sonst nichts zu geben hatte.

Shweyataw-Buddha

Shweyataw-Buddha

Abends ein wunderbares Essen in einem vegetarischen indischen Restaurant.
Mandalay gefällt uns immer besser. Trotz einer Vielzahl von Tempelanlagen gibt es in der Stadt keine Altertümer. Das am Reißbrett entworfene Straßennetz ist rechtwinklig. Nach amerikanischen Vorbild sind die Straßen durchnummeriert, was die Orientierung sehr erleichtert. Mehr als drei Stockwerte gibt es nicht. Das Straßenbild macht insgesamt einen sauberen und gepflegten Eindruck.
Was uns immer wieder beeindruckt, ist das strahlende Lächeln, das uns immer wieder von völlig Fremden dargeboten wird.

Kuthodaw-Pagode

Kuthodaw-Pagode

Der Samstag beginnt mit einem großen Schreck. Zunächst ist Dorothea krank. Sie hat sich den Magen verdorben, und muss den Vormittag im Bett verbringen. Als ich zur geplanten Schifffahrt nach Mingun aufbrechen will, stelle ich fest, dass der Fotoapparat weg ist! Ich muss ihn entweder am Mandalay-Hill liegen gelassen haben, oder ihn auf der Mopedfahrt zurück verloren haben. Sämtliche Fotos von Bagan, Hsipaw und der Eisenbahnreise waren noch nicht gesichert. Kurz entschlossen lasse ich mich per Moped zum Mandalay-Hill fahren, und versuche den Souvenirfrauen klar zu machen, was ich suche. Ich hatte eigentlich keine Hoffnung, doch dann versteht eine, und strahlt mich an. Tatsächlich habe ich ihn beim Schuheanziehen liegen lassen, und sie hat ihn gefunden und verwahrt. Ich könnte ihr vor Dankbarkeit und Erleichterung um den Hals fallen, belasse es aber bei einem Finderlohn. Soviel Glück ist kaum auszuhalten!
Das Schiff nach Mingun ist inzwischen abgefahren, aber das kann meine Freude nicht mindern. Ich versuche, für uns Fahrräder zu leihen, ohne Erfolg. Stattdessen leihe ich mir vom Hotelboy das Moped aus, damit wir beweglicher sind.

Dorothea geht es inzwischen wieder besser, und so können wir einen Ausflug zur Kuthodaw-Pagode am Fuß des Mandalay-Hills machen. Hier lagert das größte Buch der Welt. Auf 729 weißen ,eng gemeißelten Marmortafeln ist hier die dreiteilige Buddhistische Lehre aufgeschrieben. 200 örtliche Kunsthandwerker haben über sieben Jahre gearbeitet, bis die Tafeln 1868 fertig gestellt wurden.Jede einzelne Tafel ist durch eine kleine weiße Pagode geschützt.

Eine Seite im gröüten Buch der Welt

Eine Seite im gröüten Buch der Welt

Anschließend fahren wir zum Osttor der Stadtmauer, um von dort zur Ruine des 1945 von britischen Fliegern zerstörten Königspalastes, dem durch den Roman von Amitav Ghosh berühmten Glaspalast, zu kommen. Das ganze Zentrum ist jedoch militärisches Sperrgebiet und wir müssten 20 Dollar Eintrittsgeld bezahlen, so verzichten wir. Viel mehr sind wir an Mandalays bekanntesten Kunsthandwerk, der Goldschlägerei, interessiert. Die Betriebe sind gar nicht so leicht zu finden. Wir entdecken sie durch die Hammerschläge, die aus dem Hinterhof in der 37th Street (80/81) zu hören sind. Hier wird in einem komplizierten Verfahren Bambuspapier hergestellt, das zur Produktion von Blattgold benötigt wird.

Goldschläger

Goldschläger

Zwei sehr muskulöse Männer schlagen im Sekundentakt mit einem 3kg schweren Hammer auf einen Stapel des pastenartigen Ausgangsmaterials. Die dazu benötigte Zeit wird mit einer schalenartigen Wasseruhr gemessen, die sich durch ein kleines Loch füllt. Im Betrieb nebenan wird dann das fertige, in quadrische Blätter geschnittene Papier zum Hämmern von Blattgold verwendet. Eine volle Stunde arbeiten die Männer, bevor sie sich eine Viertelstunde Pause gönnen. Man staunt, wie Menschen diese Strapazen aushalten und mag an die gesundheitlichen Folgen gar nicht denken. Nach sechs Stunden hat das Gold dann eine Schichtdicke von einem Tausendstel Millimeter erreicht. Frauen schneiden es in quadratische Plättchen und verpacken sie für die gläubigen Buddhisten, die damit die Buddhastatuen bekleben. Es wird außerdem zur Verzierung von Lackmalerei verwendet, oder man kann sich ein goldenes Emblem auf die Stirn kleben lassen.
Neben unserem Hotel befindet sich ein Fußballplatz, auf dem bei unserer Rückkehr ein Spiel ausgetragen wird, dessen Ohrenzeuge wir werden.

Nach dem Fußballspiel

Nach dem Fußballspiel

Solch einen frenetischen Jubel habe ich noch nicht erlebt, und der Jubel kennt keine Grenzen, als die Gastmannschaft mit 8:0 abgefertigt wird.
Abends wohnen wir einer Aufführung des Mandalay-Marionettentheaters bei, das auf eine lange Tradition zurück blickt. Zur kleinen Bühne gehören nur etwa 50 Plätze und ein Musikensemble aus vier älteren Männern, die alte Instrumente (Trommeln, Gong, Oboe und einer Art Xylophon manchmal ohrenbetäubend spielt. Die einstündige Vorführung folgt einem Programm von Tänzen mit clownesken Einlagen, bei denen die „Strippenzieher“ bisweilen auch zu sehen sind. Am Ende stellen sich die Darsteller, deren „Chef“ 83 Jahre alt ist, persönlich vor.
Am Sonntag beginnt dann endgültige Abschied von Myanmar. Die Fahrt zum Flughafen Mandalay ist noch einmal landestypisch: auf der zugigen Ladefläche eines Pickups, auf der wir mit dem sympathischen Sohn des Fahrers ins Gespräch kommen. Er studiert Biologie, spricht und versteht kaum englisch, aber er müht sich redlich. Im Flughafencafė können wir unsere letzten Kyat lassen, denn man kann sie nicht umtauschen. Der knapp zweistündige Flug nach Bangkok startet pünktlich.
Das Taxi vom Don Mueang Flughafen zur Khaosan-Straße soll 800 Bt kosten. Das finde ich, ist zu viel Geld und wir entscheiden uns, es mit ÖPNV zu versuchen. Allerdings ist es schon schwierig, die Bushaltestelle zu finden. Als wir es geschafft haben, fährt Bus 827 vor der Nase weg. Wir warten fast eine halbe Stunde im Verkehrslärm und Gestank. Schließlich steigen wir einfach in einen anderen Bus ein und haben Glück, eine englisch sprechende junge Frau zu treffen, die dem Fahrer unser Fahrziel mitteilt. Natürlich ist es der falsche Bus, und außerdem kann man wegen der Unruhen über haupt nicht mit dem Bus nach Khaosan fahren. Aber wir fahren eine Dreiviertelstunde in die richtige Richtung! Gemeinsam mit unserer Helferin steigen wir aus. Sie besorgt uns ein Taxi, das uns für den Taxameterpreis fährt (für Ausländer meist nicht möglich). So kommen wir für 120 Bt zum New Joe Guesthouse, wo wir schon vor 6 Wochen waren. Die Travellermeile ist ungewohnt leise, gut für uns! Es gibt kein Bier, weil wegen der heutigen Vorwahlen der Alkoholausschank verboten ist. Die Lage ist ziemlich gespannt. In den vergangenen Tagen kam es zu Ausschreitungen zwischen Oppositions-und Regierungsanhängern mit Toten. Weil auf den Hauptstraßen mit Behinderungen zu rechnen ist, beschließen wir, über morgens schon früh morgens zum Suvarmabhumi-Flughafen zu fahren, um unser Flugzeug nicht zu verpassen.
Am Montag, unserem letzten Tag schlendern wir in der gewohnten Hitze zu einem großen Park, der aber leider unzugänglich ist. Wir stehen aber direkt vor dem Eingang des Dusitzoos, den wir schon vor vier Jahren besucht haben. Er gefällt uns noch besser als damals. Am Dienstag fahren wir schon um 6 Uhr früh zum Flughafen, um wegen möglicher Behinderungen einen Zeitpuffer zu haben. Aber wir kommen ohne Probleme durch und müssen die Zeit bis zum Abflug 12.30 Uhr totschlagen. Unsere Condormaschine fliegt in 12 1/2 Stunden direkt nach Frankfurt. Unterwegs haben wir einen spektakulären Blick auf den Hindukush, der völlig unberührt von Zivilisation scheint. Aus 10 km Höhe wirkt alle Welt sehr friedlich! Nach kurzem Zwischenstopp in Frankfurt kommen wir kurz nach 22 Uhr in Hamburg an, wo wir von unseren Söhnen Johannes und Anton in Empfang genommen werden und nach fast 5 Monaten in den Schoß der Familie zurückkehren.

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