Hsipaw

Januar 25, 2014 at 10:53 am (Uncategorized)

Am Sonntag (19.Januar) müssen wir wieder früh aufstehen, denn unser Boot nach Mandalay legt schon um 6 Uhr vom Jetty ab. So erleben wir Sonnenauf- und untergang an Bord eines etwas in die Jahre gekommenen Flussboots, auf dem reichlich bequeme Sitzmöglichkeiten auf und unter Deck gibt. Die Landschaft ist etwas eintönig. An den flachen Ufern wird intensiv Gemüseanbau betrieben. Nur selten tauchen Ortschaften auf, und auf der langen Strecke gibt es nur eine Brücke. Dagegen herrscht auf dem Fluss lebhefter Verkehr. Oft begegnen uns Schuten, die mit Kohle und mit Teakholzstämmen beladen sind.

Eine von vielen Teakholzschuten

Eine von vielen Teakholzschuten

Es erfordert aber große Ortskenntnis, auf dem Kilometer breiten, aber oft sehr Flachen Ayeyarwady zu navigieren. Ein festgefahrenes Schiff blockiert eine schmale Passage, und das Boot muss ein Stück zurück setzen, um den Engpass auf einem anderen Arm zu umgehen.

Das Flussboot steckt fest

Das Flussboot steckt fest

Ein anderes Mal sehen wir, wie ein großes Slowboat voller Passagiere an einer breiten Stelle festsitzt. Unser Schiff geht längsseits, vielleicht um beim Freischleppen zu helfen. Als aber ein Schlepper auftaucht, fahren wir weiter. Unverständlicherweise fährt das havarierte Schiff volle Kraft voraus weiter auf den Schlick, während der Schlepper vergeblich versucht, ihn seitwärts weg zu ziehen. Ansonsten verleben wir einen behaglichen Tag auf dem nur mäßig besetzten Schiff. In einer Flussbiegung begegnen wir riesigen Spülaggregaten. Wir erfahren, dass es sich um Goldgewinnung handelt. Leider werden dabei große Mengen von Quecksilber, mit dem das Gold extrahiert wird, freigesetzt mit bislang nicht abschätzbaren Gefahren für die Umwelt.

Goldsuche

Goldsuche

Eigentlich sollten abends um 6 Uhr ankommen, aber wie meistens in Myanmar verschiebt sich die Ankunft um gut zwei Stunden. Wir haben noch nicht festgemacht, da springen kräftige Frauen und Männer an Bord, um uns unser schweres Gepäck das steile Flussufer hochzuwuchten. Eigentlich nehmen wir solche Dienstleistungen ungern in Anspruch. Andererseits verdienen die Einheimischen damit ein paar Kjat, deren Ausgabe uns nicht im Mindesten kratzt.
Unser Hotel ist überraschend gut, aber vor dem Schlafengehen muss ich mich noch die Weiterreise kümmern. Wir wollen mit dem Zug nach Hsipaw fahren, und ich lasse mich von einem Mopedtaxi zum Bahnhof bringen. Dort erfahren wir, dass der einzige Zug um 4 Uhr in der Frühe startet. Um uns dies zu ersparen, fahre ich mit dem gleichen Taxi zum Busbahnhof und kaufe Tickets. Mein eifriger Fahrer telefoniert gleich mit einem Kollegen, der uns am nächsten Tag -leider schon um 5.15 Uhr- am Hotel abholt. Der Bus ist hoch modern und schnell. Wir sind mal wieder die einzigen Touristen im Bus, bei dem nicht nur alle Plätze, sondern auch die Notsitze besetzt sind. Das macht das Aussteigen auf freier Strecke zu einer Turnübung. Zu allem Überfluss sind gleich vier Reisende magen- oder seekrank, und müssen sich auf der kurvenreichen Strecke permanent und lautstark über geben. Nach zwei Stunden machen wir in Pyin oo Lwin Frühstückspause. Wir haben noch gar nicht damit gerechnet, als uns der Fahrtbegleiter Zeichen zum Aussteigen macht.
Hsipaw ist eine Kleinstadt mit dreißig Tausend Einwohnern und gehört zum nördlichen Shanstaat, kaum 200km von der chinesischen Grenze entfernt. Unser Guesthouse Mr. Charles ist eine Wucht, ein sehr freundliches Team, großzügige Zimmer mit eigenem Balkon, Badezimmer mit Wanne(!), tolle Architektur mit viel Teakholz. Dafür sind auch 48 Dollar nicht zu viel.
Hsipaw liegt an einem schnell fließenden Fluss Dot Hat Waddy (kleiner Fluss).
Es gibt ein paar Straßen mit viel LKW-Verkehr Richtung China. Aber sonst macht es einen eher dörflichen Eindruck mit viel Landwirtschaft. Aber auch hier entstehen Hotelbauten, man hofft auf den Tourismus infolge der Öffnung des Landes. In den Restaurants bekommt man aber vorwiegend Shanessen serviert, das meistens lecker schmeckt und Nudeln, Gemüse, Fleisch und Fisch enthält.
Am Dienstag versuchen wir, den Shanpalast zu besuchen, in dem bis zu ihrer Vertreibung in den Sechzigerjahren der letzte Shanfürst mit seiner aus Österreich stammenden Prinzessin lebte. leider ist das Tor verschlossen, aber eine Frau teilt uns mit, dass wir gegen 4Uhr nochmal wiederkommen sollten. So besuchen wir als Nächstes einen in einem Kloster gelegenen Tempel mit einem aus Bambus geschnitzten Buddha.

Bambusbuddha

Bambusbuddha

Überfall begegnen uns die Menschen mit strahlendem Lächeln, das auch zu einem ausgelassenen Lachen werden kann, wenn sie mich beobachten, wie ungeschickt ich über eine schmale Bambusbrücke balanciere.

Der Shanpalast

Der Shanpalast

Nachmittags ist der Shanpalast dann geöffnet. Wir werden von einer freundlichen älteren Frau begrüßt, die sich als Frau des Neffen des letzten Prinzen vorstellt. Dieser hatte während seines Studiums in Colorado eine Österreicherin Inge Sarpent kennen und lieben gelernt, um sie dann nach seiner Rückkehr als Prinzessin mitzunehmen. Sie lernte die Shansprache schnell und war beim Volk sehr beliebt. Als sich der Prinz weigerte, den neuen Machthabern Platz zu machen, wurde er verhaftet. Bis heute verweigert die Militärregierung Auskunft, was mit ihm geschah, aber seine Ermordung steht de facto außer Frage. Inge verließ Birma mit ihren zwei Töchtern. Erst vor einem Jahr wurde ihr die Rückreise gestattet , die sie wegen ihrer angegriffenen Gesundheit nicht mehr antreten kann. Die Hausverwaltung übernahm Donald, mit dessen Frau wir heute sprechen. Donald wurde ebenfalls -vermutlich, weil er Informationen an Touristen gegeben hatte und zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. 2009 wurde er frei gelassen, und empfängt wieder Gäste.
Das Anwesen strahlt morbiden Charme aus. Es muss hier einmal schön gewesen sein. Für den Abend ist uns der“sunset point‘ empfohlen worden. Da er am Ortsende am jenseitigen Flussufer liegt, lassen wir uns per Pickup zur Brücke bringen. Von dort laufen wir noch eine gute halbe Stunde bergauf, bis wir mit einem fürstlichen Ausblick belohnt werden.

Am Sunset-Point

Am Sunset-Point

Unterwegs kommen uns Kinder entgegen, jedes mit einem Tragholz beladen. In den großen Paketen befindet sich gebündeltes Brennholz, das sie ins Tal bringen. Auf dem Rückweg versuchen wir einen Weg in die Stadt abseits der Hauptstraße zu finden und verlaufen uns prompt in der einbrechenden Dunkelheit. Freundliche Anwohner ahnen, wohin wir wollen und geben uns Fingerzeige für die Richtung. Trotzdem dauert es eine Stunde, bis wir in unserem Restaurant ankommen, wo wir mit gebratener Ente für die Mühe entschädigt werden. Später auf der Terrasse ein geselliger Abend mit Travellern. Mit unseren Erlebnissen sind wir schon ein Bisschen Experten.
Am Mittwoch schließen wir uns einer geführten Wanderung an. Unser Führer ist ein lustiger Sechziger, der gut englisch spricht und immer zu Witzen aufgelegt ist. Sie richten gegen die Regierung oder gegen die Chinesen. Die offizielle Zeitung „New Light oft Myanmar“ nennt er „New Lies oft Myanmar“. Einige Berichte über China sind zu unappetitlich, um sie hier wiedergeben zu können.
Mit uns wandern ein ambitionierter kanadischer Wissenschaftler und seine mexikanische Frau, außerdem ein junges Paar aus Ibiza.

Nudeltrocknung

Nudeltrocknung

Wäsche am Fluss

Wäsche am Fluss

Wir besichtigen zuerst eine Nudelfabrik, in der riesige Mengen Reisnudeln hergestellt, an der Luft getrocknet und verpackt werden. Besonders aufregend ist eine Maschine, in der im Sekundentakt Teigplatten in eine Rolle eingefädelt werden. Man mag dem jungen Arbeiter gar nicht zusehen, der jedes mal seine Finger zentimeternah an die Walze bringen muss. Später dürfen wir einem Schmied und seinem Helfer bei der Arbeit zusehen, wie sie Macheten mit präzisen Hammerschlägen schmieden. Auf unserem Weg zu einigen Shandörfern wird die Vielfalt ihrer Landwirtschaft deutlich. Außer Reis wird Gemüse wie Auberginen, Tomaten, Stangenbohnen und Erbsen angebaut. Außerdem haben Schweine und Federvieh ein besseres Leben als ihre Artgenossen in Europa.

Junger Reiter

Junger Reiter

Wasserbüffel ziehen die Pflüge und Karren, dienen als Reittiere , nicht aber zur Fleischproduktion. Sie gelten als heilig, und wenn sie ihr Lebtag geschuftet haben, wird ihnen das Gnadenbrot gewährt, erzählt unser Führer. Wir schauen uns einen Tempel auf der Spitze eines Hügels und die Grabstätte der Shanfürsten an. In einem Nonnenkloster sehen wir kahlgeschorene Mädchen, die zum Teil noch Kleinkinder sind.

Kleine Nonne

Kleine Nonne

Mittags wird uns eine sehr wohlschmeckende Shannudelsuppe serviert. Der Rückweg führt führt durch eine idyllische Landschaft entlang des Flusses.
Leider müssen wir umziehen, weil unser schönes Hotelzimmer schon vorgebucht war. Das Ersatzzimmer ist zwar auch sauber, aber sehr basic. Auf Fernseher und Klimaanlage können wir gerne verzichten, aber ein eigenes Klo und ein Stuhl war schon nett. Aber es ist nur für eine Nacht und kostet weniger als die Hälfte.

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