Bago

Januar 21, 2014 at 8:56 am (Uncategorized)

Am Dienstag (8.1.2014) bringt uns ein Taxi zum Hauptbahnhof von Yangon. Ein Träger schultert unsere beiden „Elefanten“ und schleppt sie zum Bahnsteig, in dem unser Zug gerade einfährt. Im „Upper Class“ Wagen sind wir die einzigen Fahrgäste. Im Gegensatz zu „Ordinary“ gibt es gepolsterte Sitze statt Holzbänken mit riesigem Platz dazwischen, ansonsten ist der Wagen genau so heruntergekommen wie alle anderen. Gleich werden wir von Mädchen unterschiedlichen Alters bedrängt, die uns hartnäckig Wasser, Obst und Süßigkeiten verkaufen wollen. Es fällt schwer, ihnen klar zu machen, dass wir wirklich nichts brauchen. Begeistert schauen sie sich unsere Familienbilder an, und freuen sich über die Bleistifte, die wir ihnen schenken. Auf die Minute pünktlich setzt sich der Zug sanft schaukelnd in Bewegung. Offenbar ist die Federdämpfung unseres Waggons defekt. Jedenfalls schaukeln sich die senkrechten Schwingungen so stark auf, dass wir uns nicht auf den Sitzen halten können und stehend abwarten müssen, bis sich die Lage beruhigt. So wird die gemütliche zweistündige Fahrt nach Bago zur Strapaze. Dort wird uns das Gepäck gleich abgenommen und der Weg ins Hotel gezeigt. Der Manager spricht gut Englisch und plant gleich unseren Aufenthalt. Unser Zimmer ist gut ausgestattet und abseits der lauten Hauptstraße, aber doch ziemlich siffig und laut. In einer Nebenstraße direkt am Fluss finden wir ein nettes Restaurant (leider unter jedem Tisch ein Spucknapf). Essen und Getränke sind sehr preiswert, und wir werden zuvorkommend bedient.

Goldener Felsen

Goldener Felsen

Am nächsten Tag haben wir ein Taxi gechartert, um den Goldenen Felsen von Kyaikhtyio zu besuchen. Der junge Fahrer, ein Verwandter unseres Hotelbesitzers, bringt uns um 6.30 Uhr nach Kinpun, dem Basislager für den Aufstieg. Der wird zum Glück durch LKW bewerkstelligt, auf dessen Ladefläche 8 schmale Sitzbänke aufgebaut sind. Über eine wacklige Treppe findet man Zutritt und wird mit 6 Passagieren je Reihe reingequetscht. Sobald der LKW voll ist, rast er den steilen und kurvigen Weg hoch.

Tempeltransporter

Tempeltransporter

Spätestens jetzt freut man sich über die Enge, denn sie schützt einen vor dem Rausfallen. Dreimal hält der Laster an Stationen, um entgegen kommende vorbei zu lassen. Dabei wird man permanent aufgefordert, einen Geldschein in Metalltöpfe zu deponieren, die einem eifrige Sammler entgegen strecken. Natürlich wird der Fahrpreis extra kassiert. Bis zu 40000 Pilger werden so pro Tag hochtransportiert, ein lohnendes Unterfangen. Den letzten Kilometer bis zu dem Heiligtum legt man zu Fuß zurück , barfuß. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann sich auch in einer Sänfte von vier Trägern hoch bringen lassen.
Da glänzt er in der Sonne, ein meterhoher Findling, der abenteuerlich in 1100m Höhe auf einer Felsklippe ruht. Kaum zu glauben, dass er über die Jahrhunderte nicht in die Tiefe gestürzt ist. Der Legende nach verdankt er sein Gleichgewicht nur einem einzigen Haar Buddhas, das im Inneren des Stupa befestigt ist. Auf mehreren Ebenen kann man diesen umrunden, wobei nur Männer direkt an den Felsen treten dürfen, um Blattgold aufzudrücken oder um zu beten.
In den zahllosen Buden kann man von Devotionalien bis zum Holzgewehr alles Mögliche kaufen, außer Ansichtskarten.

Warum nicht mal tragen lassen?

Warum nicht mal tragen lassen?

Als wir nach drei Stunden wieder im Basislager sind, ist unser Taxifahrer unauffindbar. Erst nach eineinhalb Stunden gelingt es uns, ihn mit Hilfe eines Restaurantbesitzers heran zu telefonieren. Hat wohl geschlafen, der Gute.
Abends im Restaurant haben wir eine witzige Begegnung mit einem Mönch, der uns mit einem gebrochenen Hessisch anspricht. Er hat zehn Jahre in Frankfurt gelebt, bevor er nach Myanmar zurückkehrte und in Kloster ging.
Am Freitag starten wir schon um 6.30 Uhr zu einer Exkursion zum Moying Kyi See. Wir sind mit zwei Mopeds unterwegs. Eines wird von unserem hilfreichen Hotelbesitzer Mr. Mg Hla gesteuert, das von einem jungen Mitarbeiter. Die gut einstündige Anreise ist wegen des unübersichtlichen Verkehrs, der oft schlechten Straße und der morgentlichen Kälte recht ungemütlich. Wir sind froh über eine kleine Teepause in einem Straßencafė. Nach einigen Kilometern Sandpiste erreichen wir das Naturschutzgebiet. Über lange Holzstege kommen wir zu einem Holzhüttenresort, wo wir offenbar die einzigen Gäste sind. Wir haben uns nicht angemeldet, und fehlt das Benzin für die geplante Bootsfahrt. Das ist bald beschafft und so fahren wir in einem langen Kahn auf den von Wasserpflanzen überwucherten See, dessen gegenüber liegendes Ufer trotz guter Sicht kaum zu erkennen ist. Es ist ein Vogelparadies. Besonders bemerkenswert ist der Klaffschnabel, ein Storch mit einem stets geöffneten Schnabel.

Wasserbüffel in ihrem Element

Wasserbüffel in ihrem Element

Viele Männer liegen mit ihren kleinen Booten im flachen Wasser und arbeiten an ihren Fischernetzen. Sie nehmen keine Notiz von uns, eben so wenig wie die zahllosen Wasservögel, die bei Annäherung erst im letzten Moment auffliegen. Außer Seerosen gibt es auf der Wasseroberfläche schöne Lotosblüten, auf deren Blättern die Wassertropfen schwimmende Inseln bilden. Ein schönes Bild bieten die Wasserbüffelherden, die bis zum Rücken im Untergrund einsinken und fast im Liegen die Wasserpflanzen abrupfen.
Auf dem Rückweg machen wir in einem einfachen Restaurant Halt. Hier isst man, was auf den Tisch gestellt wird, Auswahl gibt es nicht. Aber es schmeckt und man freut sich über uns.

Lotusblüten

Lotusblüten

Wir kommen dabei auch mit Mg Hla ins Gespräch. Auch er hat drei Söhne und eine Tochter sowie vier Enkelkinder, ein witziger Zufall. Er ist erst Fünfzig, und hat vor dem Hoteljob mehrere Jahre in Thailand gearbeitet und im Kloster gelebt. Die wirtschaftliche Situation des Landes sei sehr schlecht, vor allem junge Menschen fänden keine Arbeit. Aber alle blickten voller Hoffnung auf die Wahlen im nächsten Jahr, wenn Aung Sa Suu Chi vielleicht Staatspräsidentin wird.
Bevor wir wieder in den Lärm Bagos eintauchen, besuchen wir noch die auf der Spitze eines Hügels gelegene Waldpagode De Sum Ba. Von oben hat man einen schönen Blick in die fruchtbare Tiefebene, die sich bis ins Ayeyarwadydelta erstreckt.
Am Samstag sind wir nochmals mit Mg Hla auf dem Moped unterwegs, um einen Einblick in die Welt der Tempel zu erhalten. Wir beginnen mit Shewthalyaung, eines der größsten liegenden Buddhas des Landes.

Freundlicher Buddha

Freundlicher Buddha

Die fast 100m lange Statue ist erst vor wenigen Jahren fertiggestellt worden und hat noch kein Dach. Sie ist perfekt gestaltet und verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Bei der nächsten Pagode wollen wir eigentlich wegen des wunderbaren Ausblicks den Stupa besteigen. Das ist nicht möglich, weil die ganze Anlage über holt und geschrubbt wird – von der Armee. Mg Hla meint, dass die mit solchen Maßnahmen ihr Image in der Bevölkerung verbessern wollen. Ein Offizier begrüßt mich mit Handschlag und heißt mich in Myanmar willkommen. Ein junger Mann bittet uns höflich, uns mit seinen Familienangehörigen ablichten zu dürfen. Bevor wir uns die Pagoden im Osten Bagos anschauen, zeigt uns unser Führer eine Zigarettenfabrik, in der neben ein paar kälteren Frauen nur junge Mädchen beschäftigt sind.

Zigarettenherstellung

Zigarettenherstellung

Auf dem Boden sitzend belegen sie einen Zeitungspapierausschnitt mit einem Filter und zwei Tabakblättern, rollen und verkleben das Ganze, bevor die Röhre mit Tabakkrümeln vollgestopft wird. In kurzer Zeit ist ein ganzes Bündel dieser zwanzig Zentimeter langen Rauchobjekte fertiggestellt und mit einem Gummiband zusammen gehalten. Die Mädchen schenken uns ein strahlendes Lächeln und lassen sich gerne bei ihrer Arbeit fotografieren. Diese Zigaretten werden nur von der Landbevölkerung geraucht, die Städter bevorzugen Zigarren (die mir viel zu stark sind). Hier am Stadtrand gibt es keine Steinbauten, stattdessen Basthütten auf Pfählen. Ursprünglich gehört Bago zum Siedlungsgebiet der Mon, die aber von den kriegerischen Königen Bagans verdrängt wurden und heute hier nur eine Minderheit bilden.
Die Yan Pyay Man Pyay Pagode ist wegen eines riesigen Python berühmt.

Heiliger Python

Heiliger Python

Sie liegt bewegungslos in einem offenen Käfig und wirkt sehr vollgefressen. Angeblich ist er 150 Jahre alt und eine Reinkarnation einer früher hier lebenden Frau.
Als letztes schauen wir uns die Pou New U Pagode an, die mit über 100m den höchsten Stupa des Landes hat. Dorothea hat hier gestern abend einen riesigen Fledermausausflug beobachtet, ähnlich dem in der Shwedagonpagode in Yangon. Aber es handelt sich um andere Spezies, wie mit dem Detektor festzustellen ist.

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