Bagan

Januar 21, 2014 at 9:04 am (Uncategorized) ()

Am Mittwoch (15.Januar) fahren wir am frühen Morgen mit dem Bus nach Bagan. Von der geplanten Eisenbahnfahrt hat uns die Hotelbesitzerin abgeraten, da die Strecke „bumpy“ sei. Nach den Erfahrungen der Fahrt nach Bago glauben wir ihr gerne, obwohl die achtstündige Busfahrt auch kein Zuckerlecken ist. Der Busfahrer lässt uns direkt vor unserem Hotel in Nyaung U heraus. Unser Zimmer ist nicht sehr ansprechend, aber der große Dachgarten im vierten Stock entschädigt für alles. Den Sonnenuntergang erleben wir am nahegelegenen Ayeyarwady (Irriwadi), ein kilometerbreiter Strom, in dem in der Trockenzeit große Sandbänke auftauchen.

Sonnenuntergang am Ayeyarwaddy

Sonnenuntergang am Ayeyarwaddy

Abends essen wir in einem birmanischen Restaurant, in dem wir die einzigen Gäste sind. Die ganze Familie ist hier beschäftigt. Großmutter und Tante sitzen auf einem flachen Tisch und putzen die ganze Zeit Gemüse. Es gibt nur ein Gericht (Hühnercurry), aber das ist sehr lecker. Das Bier muss aus einem anderen Geschäft geholt werden. Beim Essen schauen uns alle zu. Das ist uns etwas unbehaglich, aber es zeigt nur ihre Zuwendung und ihr Interesse an uns.
Am nächsten Tag mieten wir uns Fahrräder, mit denen wir auf sandigen Wegen zu den Pagoden gelangen. Es gibt über 2000 davon, soweit das Auge reicht! Die meisten sind gar nicht in unserer Karte eingetragen und doch den Besuch wert, denn man kann z.B. die Shwegugyi über schmale Treppen erklimmen und hat von oben einen wunderbaren Blick auf das Pagodenfeld. In einer kleinen Pagode entdecken wir eine Hufeinsennase (Fledermaus), die genau in der Deckenrosette hängt.
Als wir hungrig werden, lassen wir uns an einem schattigen Essenstand nieder, an dem eine freundliche Einheimische lecker duftende Speisen brutzelt. Offenbar ist ihr nicht klar, dass wir bei ihr essen wollen, denn wir warten eineinhalb Stunden. Dann aber wird uns ein leckeres Essen mit Fisch, Fleisch und Gemüse serviert. Als wir bezahlen wollen, winkt sie ab, wir sollten uns eingeladen fühlen! So gastfreundlich können nur Menschen sein, denen es eigentlich an allem mangelt!

Shewagon-Pagode

Shewzigon-Pagode

Dann schauen wir uns die prachtvolle Shewzigonpagode an, deren riesiger Stupa golden in der Sonne glänzt. Mit dem Bau im 11. Jahrhundert wollte König Anawrahta sein neu geschaffenes Großreich durch eine einheitliche Religion, den Buddhismus, festigen. Die Spitze des Stupa hat die Form einer Bananenblüte und wird von einem goldenen Hti gekrönt. Um den Stupa finden sich vier tazaung (Gebetshallen) mit stehenden Buddhafiguren, die von zahlreichen Gläubigen aufgesucht werden. Außerdem gibt es einen Natschrein mit 36 Nats und ihrem König Thagyamin. Nats sind Geisterwesen, oft Reinkarnationen lebender Personen, deren Verehrung (und Besänftigung) ein wesentliches Element des Buddhismus darstellt.
Nahe gelegen ist der Kyanzittha Umin, ein Höhlentempel, in dem interessante Wandmalereien zu bestaunen sind.Einige zeigen mongolische Krieger mit Kublai Khan, die Ende des 13. Jahrhunderts Bagan besetzt haben.
Den Sonnenuntergang erleben wir ebenfalls auf der Plattform der Shwegugyi Pagode, auf der sich einige westliche Jugendliche zum Meditieren niedergelassen haben, die Versenkung wurde durch einen Anruf auf dem Handy unterbrochen. Am Freitag mieten wir eine einspännige Pferdekutsche, von denen es 250 in Bagan und Umgebung gibt. Bagan liegt wenige Kilometer von Nyaung U entfernt. Seine Bewohner wurden vor einigen Jahren nach New Bagan umgesiedelt, so dass es hier nur noch Sehenswürdigkeiten und die dazugehörige touristische Infrastruktur gibt.
Unser erster Besuch gilt dem Shwe-leik-too-Tempel, wo wir von einem sympathischen jungen Mann (alle betonen, Studenten zu sein) herumgeführt werden. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn er möchte uns wunderbare Sandmalereien anbieten. Erfolgreich. Von oben ergibt sich ein schöner Blick auf das Raya-nda-zu-Pagodenfeld.

Bagan- Pagoden soweit das Auge reicht

Bagan- Pagoden soweit das Auge reicht

 

Ananda-Pagode

Ananda-Pagode

Ein Höhepunkt ist dann die Anandapagode, die Ende des 11. Jahrhunderts durch König Kyanzittha errichtet wurde. Zwei Korridore umlaufen den kubischen Bau, die von allen vier Seiten durch Gänge unterbrochen werden, die von den Vorhallen ins Innere verlaufen. An deren Enden stehen in hohen Räumen die vier Buddha Figuren Kakusandha, Konagomana, Kassapa und der gegenwärtige Gautama. Während des Rundgangs wird Dorothea von einem Herrn mit großer Entourage in ein Gespräch vor laufender Kamera verwickelt, der sich als Ministerpräsident der Mandalay-Division vorstellt. Vielleicht kommt sie ja in die Zeitung oder ins Fernsehen!
Kaum weniger eindrucksvoll ist die gewaltige Dhammayangyi-Pagode, die den gleichen Grundriss wie Amanda hat. In den hohen Gewölben entdecken wir Hunderte Fledermäuse, und außerhalb einen prächtigen Wiedehopf. Als wir gleich bei der Weiterfahrt auch noch eine endemische Vogelart, den Weißkehldrossling, beobachten, ist die Biologin hoch zufrieden.

Dhammayangyi-Pagode

Dhammayangyi-Pagode

Beim Mittagessen in einem vegetarischen Restaurant kommen wir mit einem jungen chilenischen Paar ins Gespräch-gut eine Stunde! Unser Kutscher ist etwas verstimmt, denn er wollte uns noch so viele Pagoden zeigen. Nach der am Ufer des Ayeyarwadi gelegenen Bu-paya-Pagode sind wir pagodenmüde und wollen nach Hause.
Abends essen wir in dem edlen und wunderschön ruhig am Flussufer gelegenen Bagan Beach Restaurant. Teuer, aber das war es wert.

Buddhaskulptur in der Anandapagode

Buddhaskulptur in der Anandapagode

Am Samstag besuchen wir zunächst den direkt beim Hotel gelegenen lebhaften Markt. Leider kann man keinen Schritt tun, ohne dass einem Verkäuferinnen aufdringlich zum Kauf nötigen wollen. Immerhin erstehen wir auf eigenen Wunsch einige Holzfiguren – von hier? Und eine Seiden(?)bluse. Der Obst-und Gemüsemarkt ist wohlriechend, der Fleisch- (wenig Fleisch, viele Innereien, Eingeweide, Fliegen) und Fischmarkt ziemlich eklig. Danach machen wir uns noch einmal mit dem Fahrrad auf den Weg. Nur mit einer unzureichenden Karte ausgestattet und birmanischer Schriftzeichen nicht mächtig, können wir uns in der abgelegenen Dornsteppe im Osten Bagans kaum zurechtfinden. Ob die schließlich gefundene einsam gelegene Pagode wirklich die Kon-daw-ghy-Pagode ist, wissen wir nicht. Wir wähnten uns ganz alleine, als wir uns oben einem Mönch gegenübersehen, der mit seinem an Mundverletzungen erinnerndes Khatgebiss freundlich grinsend seine Donation einfordert. Noch schwieriger ist es, den Hmya-tha Umin Höhlentempel zu finden. Nach vielen Fehlversuchen am Ziel, sind alle Eingänge verschlossen. Immerhin finden wir einen anderen Höhlentempel mit einem geöffneten Eingang.
Bagan hat uns gut gefallen. Trotz der Touristenströme hat die Stadt ihr klein städtisches Gesicht bewahrt. Und eine so geballte Sammlung von Altertümern haben wir nur in Angkor Wat in Kambodscha erlebt. Im Gegensatz dazu ist Bagan nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern lebendiges religiöses Zentrum des Buddhismus.

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1 Kommentar

  1. Hanne und Gunther said,

    Liebe Dorothea, lieber Axel,
    lieben herzlichen Dank für Eure lebendigen Berichte. Es ist toll, mit Euch gemeinsam nochmal die Wege zu gehn, die wir 2007 gegangen sind.
    Wir sind bei Euch. Vielen Dank noch nachträglich für die Karte aus dem Iran. Das wird vielleicht auch noch eine (letzte?) Fernreise für uns

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