Am Inlesee

Januar 21, 2014 at 9:01 am (Uncategorized)

Am Samstag (10.1.) bringt Mr. Mg Hla uns persönlich zum Nachtbus zum Inlesee und verabschiedet sich herzlich von uns. Außer uns steigt noch ein holländisches Ehepaar, Lea und Richard, in den schon voll besetzten Bus ein. Die Fahrt durch die Dunkelheit dauert eine Ewigkeit. Irgendwann kommen wir durch die neue Hauptstadt Nay Pyitaw, die in ihrer Prachtentfaltung und der gespenstischen Leere einen unheimlichen Eindruck macht. 1998 hat sich das Regime und die Militärführung in einer Nacht- und Nebelaktion hierhin zurück gezogen. Im Laufe der Nacht verlassen alle Einheimischen den Bus, und eine Handvoll Touristen bleibt über. Um halb sechs werden wir schlaftrunken und fröstelnd in die kalte Nacht herausgescheucht, ohne recht zu wissen, wo wir sind. Zusammen mit Lea und Richard entern wir ein Taxi, das uns nach Nuaung Shwe bringt. Die Holländer haben ein Hotel gebucht. Wir haben Glück, dass auch für uns Platz ist.

Ganz schön kalt am Inlesee!

Ganz schön kalt am Inlesee!

Wir genießen den Luxus eines geräumigen Zimmers mit Balkon, wo wir uns mühsam aufwärmen und ein wenig Nachtschlaf nachholen können, bevor wir um neun Uhr in der Morgensonne frühstücken. Nuang Shwe ist ein kleiner Ort vier Kilometer nördlich des Inlesees, der vom Tourismus überrollt wird. Überfall entstehen neue Hotels und neben unserem kleinen Teakwood Hotel entsteht ein vielgeschossiger Anbau, der in zehn Tagen eingeweiht werden soll. Noch ist der Charme eines stillen Dörfchen vorhanden, doch das wird sich ändern. Wir schauen uns den betriebsamen Kanal an, auf dem die typischen langgezogenen Motorboote laut knatternd ihren Dienst tun. Nahebei befindet sich eine schöne verspiegelte Pagode. Mitten im Ort ist die

Yadana Man Aung-Pagode

Yadana Man Aung-Pagode

, die durch filigrane Mosaike im Shanstil besticht. Im Inneren sind Relikte aus der Vergangenheit ausgestellt, alte Muscheln und ein Sägezahn. Außerdem befinden sich hier lebensgroße Figuren, die wichtige Stationen aus dem Leben Buddhas darstellen. Ferner finden wir einen Fußabdruck Buddhas.
Wir finden ein schönes Restaurant, das wir auch abends mit Lea und Richard besuchen.
Unsere für den nächsten Tag geplante Bootsfahrt auf den Inlesee müssen wir aus gesundheitlichen Gründen um einen Tag verschieben. Unser Fahrer holt uns am Dienstag gegen neun im Hotel ab. In unserem Boot stehen zwei bequeme Sessel. Es ist erstaunlich stark motorisiert und macht locker 15 Knoten. Nach 4km auf dem Kanal erreichen wir den Inlesee, der mit 16km Länge und 11km Breite einer der größten in Myanmar ist. Der Volksstamm, der am und vom Inlesee lebt, heißt Intha.

Einbeinruderer

Einbeinruderer

Sofort fallen uns die Einbeinruderer auf, die an der Spitze ihres schmalen Bootes stehend, ein Bein um ein Ruder schlingen und es mit einem Arm als Hebel mit kreisenden Bewegungen vorantreiben, und dadurch einen Arm frei haben, um damit am Netz oder einem großen konischen Korb hantieren zu können. Da diese Männer am Abend noch dort sind, vermuten wir, dass sie an der Stelle „Touristen-Foto-Dienst“ haben.
Auf dem See, der nur drei Meter tief ist und erstaunlich klares Wasser hat, haben sie große schwimmende Gärten angelegt, auf denen sie Gemüse anbauen und mehrfach pro Jahr ernten. Sie wohnen in einfachen Stelzenhäusern, die kleine Dörfer bilden, in denen sie ausschließlich mit flachen Ruderbooten unterwegs sind.
Am Seeufer mehr oder minder verborgen liegen die von betuchten Touristen besuchten Edelresorts, wo man Hunderte von Dollar pro Nacht lassen kann. Am Ostufer zieht sich durch die Berghänge eine Schneise entlang. Vermutlich wird hier für die Millionäre eine eigene Straße gebaut.
Wir überqueren den See in Nord-Süd-Richtung und legen an einem verlassenen Marktplatz an. Die stattfindenden Märkte wechseln in einem Fünftage-Rhythmus. Von dort führt ein überdachter Weg zum Zhang Tho-Kloster, das ebenfalls verlassen scheint. Doch aus dem Nichts taucht doch ein junger Mönch auf und fragt nach „Donation“. Es gibt schöne Stupas hier, doch es gibt sie überall, so dass man ihnen zu wenig Beachtung schenkt. Ein Stück zurück machen wir in einem schwimmenden Dorf Ywa-ma halt, wo wir als erstes eine Weberei besichtigen.

Webstuhl von vor hundert Jahren

Webstuhl von vor hundert Jahren

Eine englisch sprechende Frau führt uns herum und erklärt sehr interessant. Zum Beispiel zeigt sie uns die Fäden in einem Lotusstengel und wie diese zu Garn versponnen werden. Die Webstühle sind hundert zehn Jahre alt und voll mechanisch. Die Weberin zieht im Sekundentakt an einer Kette, wodurch das Schiffchen zur anderen Seite geschossen wird. Diese Arbeit sieben Tage die Woche und viele Jahre lang. Das kann nicht ohne gesundheitliche Dauerschäden bleiben, erklärt uns eine holländische Touristin, mit der wir später in einem Restaurant auf Stelzen zu Mittag essen. An einem Longhi arbeitet eine Frau vier Tage!

Silberschmied

Silberschmied

Später besichtigen wir eine Silberschmiede, in der alles in mühseliger Handarbeit produziert wird. Die ganze Familie ist hier beschäftigt. Der vielleicht zwölfjährige Sohn fügt Millimeter kleine Ringe zu einer Kette zusammen. Er geht nicht zur Schule, erklärt uns sein Bruder, der uns herum führt. Mutter und Tochter erledigen den Verkauf.
Später fahren wir einen Fluss aufwärts, wobei unser Fahrer zentimetergenau durch schmale Wehre hindurchsteuert. In Indein legen wir an, wo sich in der Umgebung des Klosters ein Pagodenwald befindet. Viele sind restauriert, die meisten aber in einem ruinösen Zustand und zum Teil geplündert. Beim Aufstieg zum Kloster passieren wir Hunderte Meter lange Verkaufspassagen mit erstaunlichen Auslagen. Wirklich antik oder geschickt gefälscht? Auf dem Rückweg stellt unser Fahrer für eine halbe Stunde den Motor ab, damit wir den Sonnenuntergang hinter den Shanbergen genießen können.
Zum Abend essen wir wieder mit Lea und Richard, mit denen wir eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut haben.

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