Ankunft in Myanmar: Yangon

Januar 8, 2014 at 2:25 pm (Uncategorized)

Am Samstag ( 4.Januar) stehen wir wieder mal in aller Frühe auf, weil das Verschieben des Flugs auf einen menschenfreundlichen Zeitpunkt bei Air Asia unangemessen teuer gewesen wäre. Also schlürfen wir mit Andrea um fünf den Abschiedskaffee und lassen uns zum Do Muang Flughafen bringen, was trotz schneller Taxifahrt auf dem Highway eine halbe Stunde dauert. Kurz nach acht landen wir in Yangon. Der Flughafen unterscheidet sich in nichts von dem in westlichen Staaten, und die Einreiseformaltäten sind problemlos. Der erste Eindruck von Myanmar auf der Taxifahrt gleichen denen in Indien: alles etwas herunter gekommen, belebt und entspannt. „Same same but different!“ Anstelle eines schwarzen Punkts auf der Stirn haben sich die meisten Frauen , Männer und Kinder die Wangen, manchmal auch die Stirn mit einem gelblichen Klecks verziert. Manchmal ordentlich als Rechteck oder Kreis, oft auch nur als hingeworfener Pinselstrich. Er dient der Hautpflege und schützt vor der Sonnenstrahlung.
Unser Hotel, das wir erst am Tag zuvor gebucht hatten, ist nur auf den ersten Blick passabel. Das Zimmer wird durch das Bett fast vollständig ausgefüllt, es gibt keine Ablagemöglichkeiten und durch das winzige Fenster kann man den Menschen im Nebenhaus ins Frühstück fassen!
Mittags lassen wir uns per Taxi zur Sulepagode im Stadtzentrum bringen. Zum einen brauchen wir einheimisches Geld, zum anderen möchten wir eine andere Unterkunft suchen. Beides gestaltet sich schwierig. Nach einigem Suchen stoßen wir auf einen Moneychanger, der Euros zu einem günstigen Kurs in Kyat wechselt. Die Hotels, in denen wir nachfragen, vertrösten uns auf Morgen, vielleicht…

Straße in Yangon

Straße in Yangon

Um nichts unversucht zu lassen, rufe ich von einem öffentlichen Telefon in dem Hotel „Three Seasons“ an, das uns schon per Mail mitgeteilt hatte, dass es ausgebucht sei. Doch, es sei noch etwas frei, heißt es. Voller Freude lassen wir uns zu dem von unserem Nachbarn empfohlenen Hotel bringen, doch leider weiß man hier nichts von unserem Anruf noch habe man ein Zimmer frei. Es stellt sich heraus, dass die Nummer zu einem anderen Hotel gehört, das nicht weit entfernt liegt. Dort werden wir freundlich aufgenommen, jedoch liegt der Übernachtungspreis außerhalb unseres Spektrums, denn er muss in Dollar bezahlt werden. Unser Kontingent muss bis zur Abreise ausreichen!
Nochmal gehe ich zurück zum „Three Seasons“, wo ich gleich an der Pforte freundlich aber bestimmt zurückgewiesen werde. Nein, es sei bestimmt nichts mehr frei „I don’t lie!“ Nochmal versicherte ich ihm, wie hart ich versucht habe, genau in dieses Hotel zu kommen, und … es funktioniert! Er bittet mich herein, blättert minutenlang in seinen Unterlagen, zählt mit den Fingern nach und …hat noch ein Zimmer, schon sofort, wenn wir wollten. Sieg auf der ganzen Linie!!
Gegen abend lassen wir uns zur Shewagonpagode bringen. Dorothea hat einen Tipp bekommen, dass hier am Westtor bei Sonnenuntergang ein Fledermausausflug zu bestaunen sei. Doch zunächst fällt uns siedendheiß ein, dass wir unsere Hoteladresse nicht dabei haben. Wir bitten unseren Fahrer, uns die Straße zu sagen, wo er uns aufgelesen hat, doch er versteht unser Anliegen nicht. Doch findet sich einer, der uns versteht, und nun erinnert sich der Taxifahrer.

Ausflug der Fledermäuse

Ausflug der Fledermäuse

Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Wir laufen durch einen Park zum Westaufgang, einem von zwei Löwen bewachten Tor, hinter dem eine lange Rolltreppe beginnt. Die untergehende Sonne taucht den über hundert Meter hohen goldenen Stupa in gleißendes Licht. Plötzlich schießt ein nicht abreißender, nur wenige Meter breiter Fledermausschwarm am Tor vorbei über unsere Köpfe hinweg. Pfeilschnell, bunt durcheinander wuselnd und doch in dichtem Verband. Es müssen Hunderttausende sein, die bis in die völlige Dunkelheit aus dem Gebäude quellen. Dorothea macht mit dem Detektor mindestens zwei Arten aus. Ein Milan schwebt in den Schwarm hinein und holt sich sein Abendbrot. Es gelingt uns, dem Treppenaufgang von außen ein Stückweit zu folgen und die Ausflugsöffnungen genau zu lokalisieren. Einzelne Exemplare schwärmen auch im Rolltreppenbereich. Ein Jungtier ist auf einer Treppenstufe notgelandet, vermutlich eine Bulldogfledermaus. Ein einzigartiges Naturschauspiel, von dem wir nur durch Zufall erfahren haben.
Abendessen in einem voll besetzten typisch birmanischen Restaurant. Es gibt verschiedene Arten von Curry, die man am Buffet aussucht, dazu bekommt man ungefragt eine Suppe, einen Salat und pikante Saucen. Das Myanmarbier schmeckt!

ehemaliges Wohnhaus von Aung San

ehemaliges Wohnhaus von Aung San

Am Sonntagmorgen laufen wir zu dem als Museum gestalteten ehemaligen Wohnhaus des als Volksheld verehrten Aung San, der hier 1947 ermordet wurde. Ein charismatischer Volksredner und General, der Myanmar in die Unabhängigkeit führte, auf den Tag genau vor 57 Jahren. Auch seine Tochter Aung San Suu Kyi wuchs hier mit ihren Brüdern auf, wie man den vielen Bildern entnehmen kann.
Mittags ziehen wir in unser neues Hotel in der 52. Straße um. Es liegt am Ostrand des Stadtzentrums, nicht weit vom Yangonfluss entfernt, der sich hier Richtung Meer weitet. Uns fällt auf, dass von vielen Balkons Tüten an langen Strippen hängen, an denen alles mögliche Kleine hinauf und herabtransportiert wird. Die Nebenstraßen werden von Autos nur langsam befahren, Kinder und Jugendliche haben Spielfelder für Ballspiele aufgezeichnet, die oft von lautstarken Ghettoblastern begleitet werden.
Nachmittags wandern wir die belebte Maha Bandoola Rd bis zur Sulepagode, die das Zentrum markiert. Der Fußweg ist voller Stände, die meisten zum Essen, das in der Fettpfanne gebrutzelt wird. Daneben Obst und häufig werden Betelnüsse gehackt, die von fast allen Männern permanent gekaut werden, so dass man aufpassen muss, nicht in die blutroten Spuckflecken zu treten, die das Pflaster überall verzieren. Aber auch davon abgesehen lohnt es sich, auf seinen Tritt zu achten, denn die Betonplatten des Gehwegs sind oft beschädigt oder fehlen ganz. Dann landet man leicht eine Etage tiefer in der Kanalisation. Ferner gibt es Zeitungs- und Tabaksstände. Vor allem Frauen rauchen Zigarren! Dorothea entdeckt eine englischsprachige Zeitung, die mit 1200 Kjat ganz schön teuer ist. Im letzten Moment fällt unser Blick auf das Erscheinungsdatum: sie ist über eine Woche alt! Am Platz vor dem Rathaus hat sich eine Menschenmenge versammelt und applaudiert einem Redner, der wohl anlässlich des Unabhängigkeitstages hier redet. Wir laufen zum Ufer, das leider durch eine Mauer und eine vielbefahrene Straße abgeschirmt ist. Schließlich erreichen wir die Piers, an denen an Land wie im Wasser lebhaftes Treiben herrscht.

Boote am Yangonfluss

Boote am Yangonfluss

Nussschalenartige Motorboote verlassen laut knatternd die Piers und bringen ihre Passagiere zum gegenüber liegenden Ufer. Leider gibt es keine englischen Hinweisschilder und keiner versteht, dass wir zum Lanthidpier wollen und ein Schiffsticket nach Twante, einer Handwerkerstadt im Ayeyarwady-Delta, lösen wollen. Immerhin erfahren wir durch Gesten, dass der Schiffsverkehr eingestellt wurde. Schade!
In der 52. Straße nahe unseres Hotels Schall ununterbrochen eine Lautsprecherstimme mit einer monotonen hinduistischen Litanei. Wir erfahren, dass sie schon seit drei Tagen rund um die Uhr die Anwohner nervt. Tatsächlich hören wir sie die ganze Nacht hindurch, aber am Morgen bricht sie schließlich ab. Vielleicht hat jemand die Kabel durchtrennt…
Heute haben wir uns die Shwedagonpagode vorgenommen und nutzen die Kühle des Morgens. Schon von Weiten leuchtet uns der goldglänzende Stupa entgegen.

Diese Sternzeichen kennen wir nicht

Diese Sternzeichen kennen wir nicht

Zuvor besuchen wir die nahegelegene Wizarapagode, bei der der Innenraum des Stupas als Wald gestaltet ist. Die Kuppeldecke zeigt die wichtigsten Sternbilder durch Bilder mit kleinen Lämpchen. Anders als in der griechischen Mythologie sind Elefant, Muschel und Pferd wichtigen Sternbilder. In die Swedagonpagode gelangen wir durch den Südeingang. Bevor wir die Plattform betreten, müssen wir unseren Ausländerobulus (8000 Ky) entrichten und ich bekomme über meine Shorts einen Longi, das traditionelle Beinkleid gezogen. Steht mir nicht schlecht. Ein älterer Mann bietet sich uns als Führer an. Leider ist sein Englisch kaum verständlich und sein Redestil plapperhaft, so dass wir gerne auf ihn verzichtet hätten. Trotzdem ist das Erlebnis großartig. Auf der mit Marmor gepflasterten Plattform stehen tazaung (Gebetshallen), die mit großartigen Holzschnitzereien versehen sind, und zayat (offene Pavillons), in denen Bhuddafiguren aus Marmor und Messing verehrt werden.

Prachtvoller Stupa der Shwedagon-Pagode

Prachtvoller Stupa der Shwedagon-Pagode

Der Hauptstupa hat über 400m Umfang, enthält mehrere Terrassen, die mit über 1000 Diamanten, Rubinen, Saphiren und goldbelegten Kupferplatten verziert sind. Die Spitze endet in einer Wetterfahne und einer Diamantenknospe. Der Hauptstupa ist von 4 größeren und 64 kleineren Stupa umgeben. In den acht Himmelsrichtungen befinden sich reich geschmückte Schreine, die den einem bestimmten Wochentag Geborenen gewidmet sind.

Kult des

Kult am Schrein des Merkur

Für mich als am Samstag Geborener ist der Schrein des Merkur in der Südostecke zuständig. Ich begieße die blumengeschmückte Alabasterfigur und das ihr zugeordnete Wappentier (die Nagaschlange) mit Wasser. Dorothea ist am Donnerstag geboren, zu ihr gehört der Schrein des Jupiter am Westaufgang und das Wappentier ist die Ratte. Ferner beherbergt die Plattform zwei große Bronzeglocken und eine Fotoausstellung. Eine weitere Bilderausstellung über den chinesischen Bhuddismus wird während unseres Besuchs für die Besucher freigegeben. Die meisten Besucher sind Einheimische, die hier beten oder meditieren, einige liegen auch nur herum oder sie feudeln den Boden mit einem Riesenfeger, der von zehn Personen gleichzeitig über die Plattform geschoben wird. (Bringt Punkte für das Karma!)
Abends sind wir erneut in der Pagode, um den Fledermausausflug noch einmal zu erleben (und am Tag drauf noch einmal).
Wenn man morgens durch die Stadt läuft, begegnen einem große Gruppen von Mönchen, die meisten von ihnen Kinder, die singend Spenden erbetteln, Nahrungsmittel, aber gerne auch Geld. Wir schenken lieber Süßigkeiten, worüber sich viele Kleinere freuen. Zu unserem Erstaunen gibt es auch Mädchenorden, die wegen der kahlgeschorenen Schädeln auf den ersten Blick von den Mönchen nicht zu unterscheiden sind, und auch einige erwachsene Nonnen begegnen uns.

Auf der Plattform der Shwedagonpagode

Auf der Plattform der Shwedagonpagode

Am letzten Nachmittag machen wir eine lange Wanderung zum idyllischen Khandawgyisee, der zu einem großen Vergnügungspark gehört. Man kann auf der Südseite auf einem langen Holzsteg entlang laufen, von dem aus man einen schönen Blick auf die Swedagonpagode hat.
Abends treffen wir eine Holländerin, die seit März dieses Jahres ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs ist, zumeist alleine, später mit ihrem Begleiter. Sie ist entlang der großen Ströme durch Europa geradelt, durch die Türkei und den Iran, durch die ehemaligen Sowjetrepubliken bis China, durch Laos und Thailand und schließlich auf dem Landweg nach Myanmar. Dort seien sie ständig von Motorradfahrern verfolgt und überwacht, aber nicht behelligt worden. Uns wird bewusst, wie viel sich in Myanmar in der letzten Zeit verändert hat, zum Guten wie zum Schlechten. Die Hotelpreise sind gut doppelt so hoch wie in unserem Reiseführer von 2011 angegeben, ähnliches gilt für Eintrittspreise. Nicht richtig aber ist:
1. Dass Myanmar nur auf dem Luftweg erreichbar ist. Es gibt mindestens zwei auch für Ausländer offene Landübergänge.
2. Dass es in Myanmar keine Geldautomaten gäbe. Es gibt sie zumindest in Yangon in großer Zahl.
3. Dass man in Hotels nur mit Dollar bezahlen kann. Bislang konnte man alles auch in Kyat bezahlen.
Das befreit doch viele Touristen von der Sorge, nicht genug Bargeld mitgenommen zu haben!

Advertisements

2 Kommentare

  1. Sabine Giessner said,

    Hallo ihr, frohes Neues, erst einmal. Ihr habt ja inzwischen wieder viel Abenteuerliches erlebt. Wir freuen uns schon auf ein paar Fotos zu den ausführlichen Berichten. Macht’s weiterhin gut und genießt den letzen (?) teil eurer Reise. Viele liebe Grüße von Sabine und Ralf

  2. Ralf Gießner said,

    Hallo, ihr zwei, vielen Dank für eure Postkarte mit Bild der Darjeeling- Schmalspurbahn. Heute traf sie im nebelgrauen Flemhude ein. Hat nur 1 Monat und 3 Tage gebraucht. Bei euch ist es ja wohl wesentlich spannender als hier. Machts weiterhin gut, Ralf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: