Im hohen Norden und tiefen Süden Thailands

Januar 5, 2014 at 5:09 am (Uncategorized) ()

Um zehn Uhr morgens-mit zweistündiger Verspätung-kommt unser „Nachtexpress“ am 23.Dezember in Chiang Mai an. Unser Hotel, eine ehemalige Schule, liegt etwas außerhalb. Wir merken gleich bei der ersten Fahrt, dass Taxipreise Verhandlungssache sind, und das man leicht ein Mehrfaches des reellen Preises zahlt, zumal wenn man Ausländer ist und sich nicht auskennt. Die Hotelanlage ist, abgesehen vom Frühstück, recht luxuriös und verfügt über einen 25m-Pool mit erstaunlich kaltem Wasser.
Die Altstadt bildet ein von einer Stadtmauer umgebenes Quadrat von gut zwei Kilometer Seitenlänge, obwohl sie nicht das Stadtzentrum enthält. Dieses befindet sich jenseits des östlichen Mauerabschnitts und wird durch den Fluss Ping begrenzt, der die Stadt von ihren Außenbezirken trennt. Mit nur 140000 Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt Thailands, obwohl sich das Stadtgebiet riesig ausdehnt. Es herrscht aufgrund der Höhenlage ein angenehm kühles Klima.
Unser erster Spaziergang führt uns zum Fluss, wo wir ein nettes Restaurant für unser Weihnachtsmenu finden. Weiter geht es durch das Osttor in die Altstadt. Leider ist es schon zu dunkel, um sich zu orientieren. Aber wir finden ein preisgünstiges Restaurant mit exzellentem Thaifood.
Am Heiligabend ist in der Stadt von Weihnachten keine Spur. Im Stadtzentrum herrscht lebhafter Betrieb, alle Geschäfte sind geöffnet. Dagegen ist unser Flussrestaurant abends festlich dekoriert, es gibt eine Zwei-Personen-Band, die allerdings ziemlich unweihnachtliche Rockoldies spielt. Wir haben unsere LED-Weihnachtskerzen mitgebracht und zelebrieren eine kleine Bescherung. Dazu gönnen wir uns eine sündhaft teure Flasche Nero d’Avola.Am ersten Weihnachtstag haben wir eine „Gibbons‘ Flight“ Tour gebucht, von der merkwürdigerweise in unseren Reiseführern keine Rede ist, und die wir nur durch Zufall entdeckt haben.

Am Start von "Gibbons's Flight"

Am Start von „Gibbons’s Flight“

Dazu werden wir mit einem Minibus in die Berge im Norden Chiang Mais Richtung burmesische Grenze gebracht. Hier steht dichter Regenwald. Wir werden mit Helm und einem Rollen-Tragegestell (Harnet) ausgestattet und bekommen zwei einheimische Führer zugewiesen, die sich als engagiert, hilfsbereit und ausgesprochen humorvoll erweisen. Sie geleiten uns zu den Baumriesen, zwischen denen dicke Drahtseile gespannt sind (Ziplines). Auf denen werden die Rollen eingesetzt. Man macht von den Podesten einen Schritt ins Ungewisse, und schon gleitet man, ohne Arme und Beine einsetzen zu müssen, zum gegenüberliegenden Baum, wo man vom Guide in Empfang genommen wird. Wir sind beeindruckt vom Sicherheitsstandard. Überall ist man durch Karabinerhaken vor dem Absturz gesichert, überall übernehmen die Guides die sicherheitsrelevanten Handgriffe. Welch ein Unterschied zu unserem Ziplining in Laos vor vier Jahren, wo wir nach einer Einweisung alles selbst machen mussten! Der Pfad besteht aus einem guten Dutzend Seilen unterschiedlicher Länge bis zu etwa 500m. Dazwischen gibt es schaukelnde Hängebrücken und ein paar Stationen, an denen man senkrecht abgeseilt wird. Einmal kann man den freien Fall erleben, bevor man von einem Rückengurt aufgefangen wird. Insgesamt ein vergnügliches und aufregendes Erlebnis. Nach dem Mittagessen halten wir noch am Fuße eines Wasserfalls, an dem ein Treppenpfad in die Höhe führt.

Ritt auf dem Elefanten

Ritt auf dem Elefanten

Am zweiten Weihnachtstag steht als Gegenstück eine Busfahrt in eine der vielen Elefantenstationen , von denen es in der Umgebung von Chiang Mai eine ganze Reihe gibt. Es beginnt mit einem halbstündigen Bamboo Rafting, wobei ein Bambusfloß von zwei Flößern auf einem rasch fließenden Fluss entlang gesteuert wird. Dann kann man in einem Stadion eine Elefantenshow erleben, bei der ein halbes Dutzend Dickhäuter ihre Kunststücke in Begleitung ihrer Mahouts vorführen: Aufschichten einer Baumstamm-Pyramide, Fußballspielen, Turnstückchen. Das Albernste ist das Elefantenmalen, wobei mit dem Rüssel realistische Gemälde auf das Papier gezaubert werden. Bei genauem Hinschauen entdeckt man, dass der Mahout seinen Schützling am Ohr zieht und damit die Rüsselbewegungen steuert. Von wegen künstlerische Begabung! Dann kommt der Elefantenritt. Zu zweit sitzt man in luftiger Höhe in einer Art Sänfte, während der Elefant zweimal den Fluss durchquert und Hügel überwindet. Unangenehm aufdringlich der Mahout, der scheinbar scherzhaft an die Hunderte Baht erinnert, die das wert sei. Danach steigen wir in einen von zwei Zeburindern gezogenen Ochsenkarren, der deutlich macht, wie beschwerlich das Reisen im letzten Jahrtausend war. An einem Stand wird Zuckerrohr angeboten. „Cow eat sogar!“ ermuntert uns unser Wagenlenker. Man eats money, wäre wohl passender.
Auf dem Rückweg machen wir an einer Orchideenfarm Halt. Hier werden die Blüten mittels Lack stabilisiert, mit Gold eingefasst und zu filigranen Schmuck verarbeitet.
Abends treiben wir uns auf dem Nachtbasar herum und staunen über die ungebremsten Möglichkeiten, aus Ramsch Geld zu machen.
Den nächsten Tag verbringen wir mehr oder weniger alle im Bett, um unsere Verdauungsprobleme zu kurieren.
Am 28. Dezember fliegen wir erst nach Bangkok, und von dort aus gleich weiter nach Trang an der thailändischen Andamanküste. Obgleich beide Flüge von der gleichen Gesellschaft durchgeführt werden, war es nicht möglich, sie als Paket zu buchen. So müssen wir unser Gepäck erst aus- und gleich wieder einchecken. Zum Glück reicht die Zeit gerade. So sind wir schon mittags in Trang , und finden ein nicht zu teures Taxi, das uns zum 40 km entfernten Pier von Pakmeng bringt. Es herrscht gerade Niedrigwasser. Zum Glück finden wir schnell ein Longboat, das uns in einer Stunde zur Insel Koh Ngai bringt. Es weht ein kräftiger ablandiger Wind, und der Schiffer muss oft gegenlenken, damit das kleine Boot nicht in der Brandung kentert. Wohl deshalb legt es nicht an dem Pier direkt vor unserem Ressort an, sondern ankert am Sandstrand, so dass wir uns beim Aussteigen nicht zum letzten Mal nasse Hosen holen. Unser Gepäck wird von Hotelangestellten trocken an Land gebracht. Unser Hotel liegt an der Südspitze der nur aus Felsen und Korallen bestehenden Insel und ist nur durch eine zwanzigminütige Wanderung zu erreichen, teils entlang des Strandes, zum Ende hin durch einen felsigen auf- und abführenden schmalen Pfad, auf dem Kraxeln und Balancieren angesagt ist.

Südspitze von Koh Ngai

Südspitze von Koh Ngai

Unser Hotel besteht aus einer Vielzahl kleinerer Hütten und einem langgestreckten Trakt von Einzelzimmern, von denen wir vier belegt haben. Sie haben einen Balkon mit Blick auf Palmen und den Strand. Es gibt zwei zum Wasser offene Restaurants, durch die meist kräftiger Wind streicht. Das Personal besteht zum überwiegenden Teil aus Birmanern, die freundlich, zupackend und hilfsbereit sind, aber kaum englisch sprechen. Sie werden von einer jungen, dynamischen Thailänderin per Walky Talky angeleitet, die alles wunderbar im Griff hat, alle unsere Wünsche, vor allem die Buchung von Booten und Taxis perfekt organisiert. So verbringen wir entspannte Tage einschließlich der Sylvesterparty mit üppigem Buffet, nettem Beiprogramm und einem schönen Feuerwerk. Nichtzahlende Gäste des Resorts sind einige Warane, die besonders beim Frühstück darauf warten, dass ein Brocken für sie abfällt. Sie sind gut 1m lang. Wir sind nicht darauf erpicht, nähere Bekanntschaft mit ihnen zu machen, zumal ein Biss von ihnen angeblich ziemlich infektiös ist.

Ungebetener Gast

Ungebetener Gast

Am Fantasyresort gibt es eine deutsche Tauchschule, in der Ferdinand und Leander einen Tauchschein machen können. George und ich machen einen Auffrischungskurs und nehmen an Boots-Tauchgängen teil. Die Sicht unter Wasser ist wegen des Seegangs nicht überragend. Nicht zuletzt wegen unserer jungen Schweizer Tauchlehrerin und der guten Ausrüstung bringt es viel Spaß.
Am Neujahrstag mieten wir erst ein Longboat zu einer Fahrt zur Emerald Cave, was schon wegen unserer der rauen See ein Abenteuer ist. Dort liegen schon ein halbes Dutzend Boote vor Anker, während die Fahrgäste über Bord springen und mit Schwimmweste im Schlepptau des Anführers in die knapp hundert Meter lange völlig finstere Höhle zu durchschwimmen. Am anderen Ende landet man in einer kleinen halbkreisförmigen Grotte mit feinem Sandstrand, um den sich hundert Meter hohe senkrecht abfallende Felsen gruppiert haben.
Am letzten Abend auf der Insel essen wir außerhalb unseres Resorts in einem Strandrestaurant. Der Rückweg wird zum Abenteuer. Es ist gerade Hochwasser, das jetzt bei Neumond besonders hoch aufläuft. Der steife Ostwind sorgt für hohe Wellen. Dass wir auf dem Kraxelpfad nasse Füße bekommen würden, war voraus zu sehen. Tatsächlich werden wir von Kopf bis Fuß durchnässt.
Auch am nächsten Morgen, als wir uns vom Longboat zurück zum Festland bringen lassen, gibt es eine kräftige Spritzwasserdusche. Mittags sind wir zurück in Bangkok. Vom Flughafen Do Muang fahren wir mit der Eisenbahn zum Bahnhof Hua Lampeng, original Holzklasse. Die Fahrt durch die Slumviertel dauert über eine Stunde. Den Nachmittag verbringe ich mit dem nur teilweise erfolgreichen Versuch, druckfrische Dollars für unsere Myanmarreise zu besorgen. Am 3. Januar verabschieden wir George nach Frankfurt, und es ist auch unser letzter Tag in Thailand. Mit Andrea besuchen wir Wat Trai Mit. Der Goldene Buddha wurde schon im 13. Jahrhundert gegossen, kam aber erst im 19.Jahrhundert nach Bangkok. Erst in den Fünfziger Jahren gelangte er an seinen jetzigen Platz. Beim Anheben der Skulptur riss ein Seil. Dabei platzte ein Stück der Ummantelung ab, und an entdeckte, dass sich unter der Hülle eine Skulptur aus purem Gold befindet, die man nun in der Spitze des Wats bewundern kann. Nicht nur wegen des unermesslichen Werts schauert es Einen. Die Anmut und würdevolle Haltung lässt verstehen, warum dies ein von tiefer Religiosität erfüllter Ort ist.
Ein Erlebnis ganz anderer Art haben wir in der nahegelegenen Chinatown, wo wir in einem der vielen Restaurants eine Kleinigkeit essen wollen. Die aufgedunsene Besitzerin zeigt uns die Jahrhunderte alte Holzvertäfelung. Andere Orte, zum Beispiel die Küche, sollte man besser nicht in Augenschein nehmen. Das Essen ist kaum genießbar, und es verschlägt uns vollends den Appetit, als uns die Vettel dafür einen vierstelligen Betrag in Rechnung stellt. Zum Glück nur Baht!

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