Ankunft in Thailand

Dezember 24, 2013 at 9:37 am (Uncategorized) (, , )

Am Samstag (14.Dezember) werden wir um 6 Uhr früh mit dem Taxi zum Flughafen Bagdogra gebracht, von dem aus unser Abstecher nach Darjeeling begonnen hatte. Wir genießen den Luxus eines Direktfluges nach Bangkok in der Business Class (weil die Economy ausgebucht war). Bei der Abfertigung wird uns noch einmal das volle Programm der indischen Bürokratie geboten. Zahllose Beamte lassen uns erfahren, dass niemand aus Indien ausreisen darf, ohne zum Beispiel die Telefonnummer des letzten Hotels aufzusagen.
Aber schließlich sitzen wir in den extrabreiten Sitzen der Drukair-Maschine (Bhutan), lassen uns von der wunderschönen Stewardess Essen auf Porzellangeschirr und Weißwein in Glasgefäßen servieren und verschmerzen den sündhaften Flugpreis. Nach drei Stunden erreichen wir Bangkok, wo wir nach zwei Minuten unser Visum haben. Am Ausgang werden wir von ausgesucht höflichen jungen Männern nach unseren Wünschen befragt. Doch als wir anstelle eines Taxis lieber öffentliche Verkehrsmittel benutzen wollen, endet die Hilfsbereitschaft abrupt. Aber freundliche Menschen zeigen uns den kostenlosen Shuttlebus und geben uns einen -leider falschen- Tipp, welchen Bus wir benutzen sollen. So müssen wir nach fast einstündiger Busfahrt (30 Baht) eine ebenso lange Taxifahrt (300 Baht) machen, um zum New Joe Guesthouse in Banglamphoo zu kommen, in dem wir schon vor vier Jahren logiert hatten. Wieder mögen wir das gemütliche Outdoorrestaurant, den freundlichen Service und das preiswerte Zimmer. Nur an die schweißtreibende Temperatur können wir nur schwer gewöhnen, zumal wir uns beide eine Erkältung eingefangen haben. Außerdem dröhnem außer dem Lärm der nahen Kaosanstreet (die Travellermeile) auch Lautsprecherstimmen von einer politischen Demonstration in der Nähe herüber. Die Auseinandersetzungen zwischen den „Roten“ und den „Gelben“ waren bis vor Kurzem noch gewalttätig. Wir hoffen, dass die gegenwärtige Verhandlungsbereitschaft anhält.
Die angenehmsten Verkehrsmittel in Bangkok sind die Expressboote auf dem Chao Praya, dem belebten Fluss. Hier weht immer eine kühlende Brise, die Boote sind billig, geräumig, schnell und verkehren alle paar Minuten. Der Anleger Praya Artid ist nur zehn Minuten vom New Joe entfernt. Nach kurzer Fahrt sind wir am Anleger Oriental und erreichen in einer knappen halben Stunde das iCheck Inn Silom Hotel, wo wir ab dem 19.Dezember Zimmer gebucht haben. Mit dem Taxi fahren wir zum Bahnhof Hua Lamphon, wo wir den Nachtzug nach Chiang Mai buchen wollen. Am Fahrkartenschalter erfahren wir, dass alle Züge ausgebucht sind, doch wieder haben wir Glück. In einer kleinen Agentur bekommen wir die gewünschten Tickets. Dummerweise buche ich einen Tag zu früh, weil ich unsere Hotelbuchungen nicht im Kopf habe, aber die lassen sich korrigieren.
Am Montag fahre ich zur Botschaft von Myanmar, um die Visa zu beantragen. Unerwarteterweise reicht die Warteschlange bis auf die Straße. Deshalb begnüge ich mich, die Antragsformulare zu sammeln und die Bestimmungen zu erfahren.
Am Nachmittag haben wir unser erstes Thailand-Eisenbahnerlebnis. Das große Gepäck haben wir im Hotel lassen können. Unser Ziel ist Cha am, ein Seebad an der Westküste des Golfs. Der Zug besteht aus vielen Holzwaggons, die sicher schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel haben, aber recht neue Sitze haben. Pünktlich fährt der Zug ab, und ruckelt im Schneckentempo über die meist ungeschweißten Gleise. Die ganze Zeit ziehen Verkäufer durch die Abteile und preisen leiernd ihre Ware (Speisen und Getränke aller Art) an. Mir ist schleierhaft, wie der Zug für die kurze Strecke mehr als vier Stunden brauchen kann, nach Plan, tatsächlich werden es mehr als fünf. Als wir in der Dunkelheit in Cha am ankommen, hält unser Wagen gut 100 Meter vor dem Bahnsteig. Wir zögern, auszusteigen, erst als der Schaffner uns „jump! jump!“ zu ruft, springen wir aus dem anfahrenden Zug und stampfen über den Schotter zum Ausgang. Wir haben Glück, die letzten Plätze in einem Sammeltaxi zu bekommen, das uns zu unserem kleinen Seaside Hotel bringt.

Hotel Cha am

Hotel Cha am

Unsere beste Wahl auf dieser Reise, ein freundliches großes Zimmer mit Seeblick vom Balkon, ein freundlicher Berliner Besitzer, der uns morgens eigenhändig das Frühstück macht. Zum ersten Mal seit drei Monaten wieder frische Brötchen, selbst gemachte Marmelade und Leberwurst!

Am Strand von Cha am

Am Strand von Cha am

Dann ein Spaziergang am kilometerlangen Sandstrand. Es ist windig und leicht bewölkt. Die Thais finden es kalt, für uns ist es angenehm warm, an der Luft wie beim Baden. Nachmittags leihe ich mir ein Fahrrad, um mit einem Miniaturplan den deutschen Bäcker ausfindig zu machen. Vom Hospital aus sind es nur 300 Meter. Aber niemand weiß, wo das Hospital ist! Nach fast einer Stunde Herumirrens und zahllosen Fragen schaffe ich es dann doch und kann ein paar Scheiben Schwarzbrot heim bringen.
Am nächsten Morgen genießen wir eine hervorragende Thaimassage. Danach noch ein Bad in den Wellen, bevor wir von unseren freundlichen Gastgebern mit Motorrollern zur Bushaltestelle gebracht werden. Der Minibus ist in drei Stunden zurück in Bangkok. Hier lernen wir den Skytrain als attraktives günstiges Verkehrsmittel kennen.
Am Donnerstag fahre ich schon um 6 Uhr früh zum Flughafen, um Schwager George abzuholen. Gemeinsam fahren wir um 11 Uhr noch einmal, und sammeln Dorotheas Cousine Andrea sowie Ferdinand und Leander, ihre Jungs, ein. Damit ist die Familie komplett zum Weihnachten Feiern!
Natürlich brauchen unsere jetlaggeplagten Besucher etwas Erholung, deshalb machen wir am Nachmittag nur einen kleinen Ausflug zum Lumpinipark, einer Freizeitoase mitten im geschäftigen Stadtzentrum. Ein schöner Park mit zwei Seen, um die ein breiter Spazierweg führt. Viele joggen hier in der lauen Luft. An einem Ausgang beteiligen sich gut hundert junge und ältere Menschen zu flotten Rhythmen an einer Tanzgymnastik. Um den Park eine Kulisse von Hochhäusern, deren Vielfalt und anmutende Architektur sich wohltuend von der Monokultur westeuropäischer Metropolen unterscheidet. Abends essen wir in einem gemütlichen Straßenrestaurant im Silomviertel, bevor wir durch das Gedränge des Nachtmarkts zurück zum Hotel finden.

Familienbesuch

Familienbesuch

Am Freitag reihen wir uns früh in die Warteschlange vor der Myanmar Botschaft ein und bekommen erfreulich schnell ein Visum, das noch am selben Tag ausgestellt wird. Viele Antragsteller sind Langzeittouristen, die in Yangon nur ihr Thailandvisum für die nächsten 90 Tage abholen.
Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Chao Praya Boot zum Wat Arun, dem mächtigen Stupa auf dem Westufer, der mit Tausenden chinesischer Porzellanscherben verziert ist. Auf extrem steilen Stufen gelangt man auf einen Gang, von dem man einen wundervollen Blick auf die Skyline, vor allem aber auf den Wat Pho Tempel und den Königspalast hat. Wir chartern ein Motorboot, das uns eine Stunde durch „schwimmenden Gärten“ entlang eines belebten Kanals bringt. Am Ufer dösen zahlreiche meterlange Warane. Frauen in kleinen Ruderbooten bieten uns ihre Ware an. An einer Stelle kann man die riesigen, wohlgenährten Fische mit Toastbrot füttern. Am Wat Pho quetschen wir uns zu sechst in ein TukTuk und lassen uns nach Chinatown bringen. In diesem geschäftigen Stadtteil ist ein Laden neben dem nächsten. Ohne Ortskenntnis suchen wir lange nach einem Restaurant , denn jede Straße hat ihr eigenes Gewerbe und wir befinden uns gerade in der Straße, in der es nichts außer Schläuchen gibt. Nach dem Essen trennen wir uns, denn ich will rechtzeitig im Hotel sein, um unsere Visa abzuholen. Mein Taxi bleibt wegen einer Demonstration im Verkehrsstau stecken. Die anderen sind per Boot schon vor uns eingetroffen, aber es ist nicht zu spät. Abends erkunden wir nochmals den Nachtmarkt, der auch die sündige Patbongstreet umfasst. Essen in einem edlen indischen Restaurant.
Am Samstagvormittag nehmen wir uns Zeit für einen der schönsten buddhistischen Tempel. Wat Pho ist vor allem wegen des riesigen liegenden Bhudda bekannt. Die Perlmuttintarsien an den Fußsohlen sind faszinierend in ihrer üppigen Ausgestaltung. Ein Gang enthält Dutzende verschiedene goldglänzende Bhuddafiguren, alle von schlankem Wuchs und mit einer charakteristischen Haltung mal der linken, mal der rechten, mal beider Hände. Völlig anders als die sitzenden Bhuddas mit ihrer Körperfülle, die offenbar aus einer anderen Epoche oder einer anderen Religionsrichtung stammen.
Nachmittags fahre ich mit Leander und Ferdinand ins Panzip Plaza, einem riesigen Computerkaufhaus, das aus Hunderten kleiner Läden besteht. Wir steigen am Siamcenter aus, dessen Ausdehnung und Betriebsamkeit alles in den Schatten stellt, was ich an Einkaufszentren erlebt habe.
Am Sonntag ist der Königspalast auf dem Programm, der schon lange nicht mehr Sitz des wie ein Gott verehrten Monarchen sondern religiöses Zentrum ist, das in seiner Prachtentfaltung ohnegleichen ist. Im Mittelpunkt steht hier der Smaragdbuddha, eine nur sechzig Zentimeter große Jadeskulptur, die dreimal pro Jahr von einem Mitglied der Königsfamilie mit einem neuen Gewand versehen wird. Sie thront über einem hohen Altar, vor dem eine große Schar von Gläubigen betet, bevor sie von einem herrisch agierenden Aufseher per Handklatschen weiter gescheucht wird.
Eine Wandmalerei, die sich über vielleicht 100m erstreckt, stellt die Mythologie der Thai in einem an Fantasy erinnernden Stil in zumeist düsteren Tönen dar, wobei die agierenden Personen durch Blattgoldornamentik quasi aus dem Gemälde heraustreten. Die ganze Anlage ist eine wahre Augenweide, und man fragt sich, wie ein armes Volk solche Reichtümer hervorbringen konnte. Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Eine lästige Stunde, die wir als Sicherheitsreserve eingeplant haben, verbringen wir in der ungemütlich lauten Bahnhofshalle, bevor wir unseren Nachtzug nach Chiang Mai besteigen. Die Stimmung sinkt, als wir statt der erwarteten 1.Klasse in der beengten 2.Klasse landen.

Speisewagenfete im Chiang Mai-Express

Speisewagenfete im Chiang Mai-Express

Es herrschen lausige Temperaturen und alle Versuche, das Personal zum Abschalten der Klimaanlage zu bewegen, scheitern. Notgedrungen begeben wir uns in den nicht klimatisierten Speisewagen, wo eine zehnköpfige Reisegruppe mit fetziger Musik und viel Bier schon mächtig in Stimmung ist. Irgendwie springt der Funke über, und so verbringen wir einen der lustigsten und ausgelassensten Abende, an die wir uns erinnern können. Nur an Karneval könnte man in Deutschland so viel Spaß haben, meint Dorothea.

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