Darjeeling

Dezember 13, 2013 at 1:07 pm (Uncategorized) (, )

Am Donnerstag (5. Dezember) verlassen wir Neil Island mit dem per Schiff um halb Neun. Unser Wirt war so freundlich, die Fahrkarten schon um 6 Uhr für uns abzuholen. In Port Blair sind merkwürdigerweise viele Hotels ausgebucht, aber schließlich finden wir doch ein sehr schönes, dessen sehr hilfsbereiter Manager uns beim Buchen eines Fluges von Kalkutta nach Bagdogra hilft. Dort kommen wir am nächsten Nachmittag ohne Probleme an. Wir wollen nach Darjeeling, merkwürdigerweise fährt kein Bus dahin. Warum, merken wir bei der Fahrt mit einem Taxi. Die Straße ist so schmal und so kurvenreich, dass es selbst für einen geprüften Autofahrer schwierig ist, dort hoch zu kommen. Die Fahrt durch die schroffe Gebirgslandschaft macht aber viel Spaß. Unser Taxifahrer, Sharad, ist ein sehr netter Kerl, der uns viel von sich und seiner Heimat erzählt. In Kurseon, wo die berühmte Makaibari-Teeplantage liegt, machen wir eine Pause und erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang hinter den Bergen. Auf den letzten 20 Kilometern wird die Straße immer wieder von den Gleisen der Himalaja Eisenbahn , der „toytrain“, gekreuzt. Auf den Straßen in den Ortschaften sitzen die Leute dick vermummt vor ihren Haustüren. Sie wärmen sich an Feuern, die sie in Blecheimern angezündet haben. Wenn kein Holz da ist, nehmen sie auch mal einen Autoreifen. Durch die geöffneten Haustüren weht der Wind außer dem Qualm wohl auch ein wenig Wärme in die Häuser. Der Verkehr auf den engen Straßen ist sehr lebhaft. Die Fahrzeuge sind oft grotesk überladen, nicht nur der Innenraum ist vollgestopft mit Leuten, sondern auch auf dem Dach sitzen junge Männer, was angesichts des Straßenzustand der helle Wahnsinn ist. Nach gut drei Stunden kommen wir in Darjeeling an.

Blick auf Darjeeling

Blick auf Darjeeling

Unsere holzgetäfelte Unterkunft hat den Charme eines Alpenhotels. Die freundlichen Wirtsleute sind Tibeter. Unser Zimmer im vierten Stock ist nur über steile Treppen erreichbar, zum Glück müssen wir unser Gepäck nicht selber hoch schleppen. Unser Zimmer ist sehr gemütlich, hat aber leider nur wenig Licht durch das Badezimmerfenster. Aber der darunter liegende Gemeinschaftsraum hat eine breite Fensterfront mit wunderbaren Blick auf die Himalaja-Bergkette und wird mit einem verqualmten Holzofen beheizt. Hier treffen wir Touristen aller Nationalitäten und Altersstufen, mit denen wir uns viel zu erzählen haben. Es ist ein lustiges Volk, und es gibt viel zu lachen. Unter den Reisenden sind auch viele ältere Semester, zum Beispiel George, ein ulkiger circa 70 jähriger Arzt aus Schottland, der keine Strapazen scheut. Am Samstag morgen treffen wir uns erneut mit Sharad, um weitere Aktivitäten zu planen. Außerdem ist er mir sehr behilflich, das Mobilteil meines verfluchten Tablets wieder in Ordnung zu bringen, und läuft mit mir vom Geschäft zu Geschäft in der verwinkelten Innenstadt. Leider stellt sich heraus, dass der Simkartenleser defekt ist. Der Familienanruf zum zweiten Advent muss daher ausfallen. Bei schönem Wetter machen wir einen Spaziergang zur Chowrasta, dem zentralem Platz. In einem Touristenbüro buche ich in einer spontanen Eingebung einen Paraglidingflug. Es geht sofort los! Ich werde zu einem erhöhtem Abhang gefahren. Mein jugendlicher Pilot schnallt mir und sich einen Tragegurt um und faltet den Schirm auseinander. Ohne dass ich eine Einweisung bekomme, schreit er plötzlich „run, run!!“ Mir ist ganz schön mulmig, als wir auf den wenige Meter entfernten Abgrund zu rennen. Aber der Schirm öffnet sich und wir schweben hoch über dem Tal. Ohne viel überlegen zu können, fotografiere ich, was mir vor die Linse kommt: die Berggipfel über den Wolken, das Tal, die Stadt. Als wir in eine Thermik kommen, steuert mein Pilot den Schirm hin und her, doch das ist mir doch zu viel des Guten! So landen wir nach einer gefühlten halben Stunde (tatsächlich nur 12 Minuten) wohlbehalten auf einem Sportplatz. Als wir bald darauf abgeholt werden, merke ich, dass wir in der kurzen Zeit viele Kilometer zurück gelegt haben.

Roter Panda im Zoo von Darjeeling

Roter Panda im Zoo von Darjeeling

Nachmittags besuchen wir einen Zoo, wohin ein schöner Spazierweg führt. Darjeeling klebt am Sattel eines Bergrückens, und alle Wege sind mit erheblichen Steigungen verbunden. Der Zoo zeigt vor allem Wildtiere, die aus der Region stammen, zum Beispiel roter Panda, Himalajawolf, Schneeleopard und Tiger. Direkt beim Zoo gibt es das Himalaya Mountaineering Institute, dessen Museum die Geschichte der Eroberung des Himalaja zeigt.

Tensing Norgai Statue

Tensing Norgai Statue

Vor dem Museum steht die ziemlich kitschige Statue von Tenzing Norgai, der zusammen mit Edmund Hillary als Erster den Gipfel des Mount Everest erreichte. Er hat die meiste Zeit seines Lebens in Darjeeling verbracht und wird hier als Nationalheld verehrt.
Am Montag stehen wir schon um halb 4 auf und treffen uns in der Dunkelheit mit Sharad, um zum Tigerhill zu fahren, der etwa eine halbe Stunde entfernt liegt. Am Wegesrand stehen eine ganze Reihe Frauen, die mit Kaffee und Tee Kannen ausgestattet sind und mitgenommen werden wollen. Oben am Tigerhill stehen bereits viele Autos, aus denen schaulustige Touristen quellen. Sie warten in der Kälte auf den Sonnenaufgang. Viele sitzen in Sesseln in einen zweistöckigen Glaspalast und starten in die Dunkelheit hinaus. Es aber noch eine ganze Weile, ehe sich im Morgengrauen die Kette des Himalaja erhebt. Als die Berge dann von der aufgehenden Sonne in ein goldenes Licht getaucht werden, ist die allgemeine Begeisterung groß. Am beeindruckendsten ist die Kulisse des Khangchendzonga, des mit über 8500 Metern für höchsten Bergs Indiens.

Blick vom Tigerhill auf den Himalaja

Blick vom Tigerhill auf den Himalaja

Viel kleiner weil weiter entfernt ist der Mount Everest zu sehen. Insgesamt sehr beeindruckend aber doch ein gewaltiges Touristenspektakel. Auf die im Rückweg besuchen wir in Ghoom das buddhistische Yiga Choling Kloster, eine kleine, sehr alte Anlage, in der etwa 30 Mönche wohnen.
Nach einen Frühstück im Hotel fahren wir mit Sharad zu der tief im Tal die gelegenen ältesten Teefabrik Indiens.Leider ist die morgendliche Arbeit in der Fabrik bereits zu Ende, so dass uns ein Arbeiter nur durch die leerstehenden Hallen führen kann und uns die Abläufe erklären kann. Auf Schildern am Fabrikgebäude wird auf die bioorganischeProduktionsweise hingewiesen und auf das Fair Trade Prinzip. Auf Nachfrage erfahren wir von dem Arbeiter, dass die ausschließlich aus Nepal stammenden Arbeiter einen Tageslohn von 90 Rupien (gut 1€) erhalten. Wieder einmal klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.
Nachdem wir am Dienstag unsere Weiterreise nach Thailand gebucht und dabei wegen einer Stornierung erstaunlich viel Geld versenkt haben, wandern wir einmal quer durch die Stadt zum Botanischen Garten. Das Straßengewirr kann durch keinen Stadtplan wieder gegeben werden, weil die im Zickzack verlaufenden Straßen durch steile Treppen miteinander verbunden sind. Unsere Empfindungen schwanken zwischen Abscheu und Begeisterung. Einerseits der allgegenwärtige Dreck und Gestank. Auch dass die Leute ständig auf die Straße spucken, übersteigt unsere Toleranz. Andererseits die immer freundlichen Menschen, ihre Hilfsbereitschaft und das bunte Treiben an den Verkaufsständen am Straßenrand machen einfach Spaß! Obwohl wir schon bald die Orientierung verloren haben, kommen wir im Park an, dessen Ruhe wohltuend ist und dessen verträumte Anlage uns gefällt.
Am Mittwoch besuchen wir das tief im Tal gelegene tibetische Selbsthilfezentrum. Seit ihrer Vertreibung 1959 leben hier bis zu siebzig Familien und Flüchtlingswaisen in einfachen Unterkünften und sorgen in einer Teppichknüpferei, einer Weberei und Lederwerkstatt für ihren Lebensunterhalt. Es gibt eine bemerkenswerte Fotoausstellung und einen Verkaufsladen. Eine aus Australien stammende Gruppe junger Mädchen leistet freiwillige Hilfe und bessert in mühseliger Arbeit die Straße aus.
Am Donnerstag nehmen wir noch einmal Sharads Dienste in Anspruch. Wir fahren über eine furchtbar holprige Straße zu dem an der nepalesischen Grenze gelegenen Ort Manaybajnang. Von dort laufen wir sehr steile Straße hinauf. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir ein kleines Kloster. Ein etwa zehnjähriger Mönch schließt uns den Tempel auf. Der Zutritt zu den Gebetsräumen ist uns verwehrt, um die hier in jahrelanger Meditation lebenden Mönche nicht zu stören. Nach einer weiteren Stunde kommen wir in einer kleinen Herberge an. Der heiße Tee ist besonders wohltuend, weil Wind und auftretender Nebel es empfindlich kalt werden lässt. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und einer gewissen Müdigkeit geben wir unser Ziel, das Kloster von Meghma, auf und kehren um. Immerhin haben wir 800 Höhenmeter zurückgelegt.
Am Freitagmorgen ist es nasskalt. Es ist so nebelig, dass man kaum 10m weit sehen kann. Das stört uns heute kaum, weil wir zusammen mit Martina, einer sympathischen englischen Ärztin mit deutscher Mutter, eine kleine Reise mit der berühmten Himalayaeisenbahn machen wollen, die seit 1999 zum Weltkulturerbe gehört.

D.ie "Toy Train" wird vorbereitet

Die „Toy Train“ wird vorbereitet

Wir haben Glück, denn heute gibt es Kohle und wir können mit einer der urigen Dampflokomotiven fahren. Tatsächlich erreicht sie unter lautem Gefauche und ständigem Einsatz der Dampfpfeife ein atemberaubendes Schritttempo und braucht für die knapp zehn Kilometer nach Ghoom mehr als eine Stunde. Die beiden Reisewagen haben gerade 32 Sitzplätze. Sie haben moderne Sitze, aber die geschnitzte Decke weist auf ihr Alter hin. In Ghoom gibt es ein kleines Eisenbahnmuseum, das wir besichtigen können, während der Zug wendet.
Vor einer Woche freuten wir uns auf eine Zeit ohne Hitze. Als wir heute aus dem Zug aussteigen, sind wir richtig durchgefroren und die Nase läuft. Schon freuen wir uns, dass es morgen wieder warm wird. Aber die Dampfeisenbahn ist ein Superabschluss unserer Indienreise.

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3 Kommentare

  1. Sabine Giessner said,

    Spannende Erlebnisse, die ihr im fernen Indien hattet! Zum Glück habt ihr aber selbst das Paragliding überlebt. Denkt bitte daran, dass wir euch nochmal wiedersehen wollen!
    Weihnachten werdet ihr dann wohl in Thailand verbringen. Wir wünschen euch ein frohes Fest und einen guten Rutsch dort. Eure Sabine und Ralf

    • barreoptuur said,

      Liebe Sabine und Ralf, Danke für eure Mail und herzliche Grüße aus Bangkok! Gestern sind George, Andrea und ihre Jungs hier eingeflogen, so dass wir Weihnachten und Neujahr in Familie verbringen. Jingle bells läuten auch bei 30 Grad! Euch und den Rehmchen ein schönes Fest und einen guten Rutsch! Ende Januar sind wir wieder daheim. Eure Reisegreise

      • Sabine Giessner said,

        Wenn ihr wieder da seid, kochen wir für euch ein indisches Essen. Bis bald, S+R

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