Im Periyar-Wildschutzgebiet

Dezember 6, 2013 at 5:00 pm (Uncategorized)

Am Dienstag (20.11.) leisten wir uns den Luxus eines Mietautos, das uns zu unserem nächsten Reiseziel bringt. Bis Kottayam geht es durch das flache Backwatergebiet. Dann beginnt ein allmählicher Aufstieg, schließlich geht es steil bergan in die Western Ghats an Keralas Ostgrenze. Nach 4 Stunden erreichen wir Kumily. Dieser Ort grenzt an das 300 qkm große Periyar-Wildschutzgebiet. Am Ende werden wir mehrfach durch Straßensperren wegen eines Streiks aufgehalten. Freundliche junge Männer lassen uns aber nach wenigen Minuten weiterfahren. In Kumily kennt unser Fahrer das Greenview Familystay, das uns gleich zusagt. Wir bekommen ein Zimmer im zweiten Stock mit großem Balkon und Blick in den Wald, in dem viele Tiere zu beobachten sind.P1050520 Große schwarze Affen mit langen Schwänzen fressen Blätter von den nahestehenden Bäumen und toben auch mal über Dächer und Balkone. Streifenhörnchen sind zutraulich, aber auch ziemlich nervig durch ihre endlosen Warnrufe. Manchmal sehen wir Nashornvögel, die immer paarweise von Baum zu Baum fliegen.
Beim Abendessen im Dachgartenrestaurant lernen wir zwei Schweizer Krankenschwestern kennen. Eine hat gerade zwei Wochen im Krankenhaus verbracht , nachdem sie an Dengefieber erkrankt war. Wir nehmen uns vor, es mit dem Insektenschutz ernster zu nehmen, denn Madurai, wo sie sich infiziert hat, ist unser nächstes Ziel!
Am nächsten Tag erkunden wir den Ort, der auf Touristen ausgerichtet ist, in seinem Zentrum aber sehr indisch wirkt. Obst, Gemüse und lebendes Geflügel wird am Straßenrand verkauft.

Zucker in landesüblicher Verpackung

Zucker in landesüblicher Verpackung

Das halbe Pfund Zucker, was wir kaufen, wird mit einer Balkenwaage abgewogen, in Zeitungspapier eingewickelt und mit Bindfaden verschnürt. Endlose Schlangen von Autos, Rikschas und Bussen quälen sich durch die engen, schlaglochreichen Straßen.
Für den abend haben wir uns zu einer Nachtwanderung angemeldet. Kurz vorher geht ein tropischer Gewitterschauer nieder, der die Straße binnen Kurzem überflutet. Das Wasser geht bis zu den Waden. Die Wanderung findet trotzdem statt! Wir werden zunächst mit Leinensocken gegen die Blutegel ausgestattet. Schon bald zeigen uns die beiden Führer mit starken Taschenlampen Wildherden, die vor uns augenscheinlich keine Angst haben: Sambarhirsche und kleine Rehe, die zur Ernährung der letzten 46 von früher über 1000 freilebenden Tiger dienen. Außerdem Gaur (eine Art Büffel) und Stachelschweine. Es gibt hier einige Sandelholzbäume, die rund um die Uhr bewacht werden, um sie vor Wilderern zu schützen.
Am nächsten Morgen brechen wir schon um 5 Uhr morgens zu einer Jeeptour auf, an der außer uns zwei sympathische Malteser teilnehmen. Fast eine Stunde dauert die Anreise, bis wir zusammen mit einer Handvoll anderer Jeeps auf Pirsch gehen. Der Hinweis, dass wilde Elefanten aufgetaucht sind, veranlasst unseren Fahrer, einige Kilometer zurück zu rasen.Tatsächlich haben wir Glück und sehen eine Herde indischer Elefanten unweit des Weges weiden.

Wilde Elefanten

Wilde Elefanten

Nach einem Frühstück beginnt ein Marsch entlang eines auf und ab führenden Trampelpfads durch den Urwald, auf dem – an Spuren und frischen Dunghaufen erkennbar – vor Kurzem Elefanten unterwegs waren. Leider bekommen wir keine zu Gesicht, dafür einige der sehr seltenen Löwenschwanzmakaken. Unser Führer ist sehr kundig und beherrscht sogar die lateinischen Tier- und Pflanzennamen. Er achtet strikt darauf, dass während der Wanderung nicht gesprochen wird, um die Tiere nicht aufzuscheuchen. Nach dem Mittagessen machen wir eine Bootsfahrt auf dem Stausee, dann geht es mit dem Jeep zurück. Am nächsten Tag ist Shopping angesagt, denn unsere große Familie muss mit Weihnachtsgeschenken versorgt werden. Es macht aber auch Spaß, in den Geschäften umworben zu werden. Die Gegend ist wegen des Anbaus von Kaffee, Tee und Gewürzen bekannt, vor allem Kardamom. So kaufen wir ein Sortiment davon. In einem anderen Geschäft lassen wir uns Dutzende von Schals vorlegen und die Vorzüge des Materials zeigen. Neben Seide wird Kaschmirwolle verwendet. Deren Qualität ist davon bestimmt, welche Wolle der Kaschmirziegen verwendet wird. Am Edelsten ist die Halswolle, die als Peschmira bezeichnet wird. In der Reinform sehr teuer, wird sie auch als Mischgewebe mit Seide angeboten. Bei der Kaufentscheidung lassen wir uns vom Wohlgefühl beim Tragen leiten. In allen Geschäften werden wir von zugewandten und oft sehr gebildeten Verkäufern bedient, die sich alle Zeit der Welt nehmen. Natürlich bekämen wir nur bei ihnen die beste und preiswerteste Ware, während wir von den Nachbarn über’s Ohr gehauen würden.
In den letzten Tagen werden wir unfreiwillig Zeugen einer Totenzeremonie. Wir sind noch ahnungslos, als unsere Wirtin uns Kränze duftender Jasminblüten überreicht. Am nächsten Tag erfahren wir, dass ihre alte Schwiegermutter gestorben ist.Sie wird im Hause aufgebahrt und das ganze Dorf nimmt von ihr Abschied. Im Garten werden mehrere Palmen gefällt. Der geschmückte Leichnam wird dann am Sonntag im Garten unter einer Schicht von Palmenblättern verbrannt, wobei die männlichen Familienangehörigen den Sarg betend umrunden. Eine würdige Zeremonie, aber wir kommen nicht dazu, uns von unseren Wirtsleuten zu verabschieden, denn mittags fährt unser Bus nach Madurai ab. Wir müssen dazu die Staatsgrenze zwischen Kerala und Tamil Nadu zu Fuß überqueren. Der erste Teil der vierstündigen Fahrt ist wegen der Schlaglöcher, der Hitze, der Überfülle ziemlich nervig, doch dann bessern sich die Verhältnisse und wir kommen rasch voran. Madurai gilt als heimliche Hauptstadt des Südens und diesen Ruf verdankt sie ohne Zweifel dem Sri Meenakshi Tempel. Obwohl unser komfortables Hotel in der Neustadt nördlich des Flusses liegt, finden wir bald nach unserer Ankunft ohne Stadtplan dorthin. Kein Problem, die vier gewaltigen Tempeltürme, die mit unzähligen bunten Skulpturen geschmückt sind, sind von weither zu sehen.

Hindutempel in Madurai

Hindutempel in Madurai

Sie stehen in der Mitte der Seiten einer quadratischen Mauer von mehreren Hundert Metern Seitenlänge. Vor dem Haupteingang, wo man seine Schuhe abgeben muss, bildet sich eine Menschentraube, die in das Innere quillt. Es handelt sich fast ausschließlich um gläubige Hindus, die Männer mit bloßem Oberkörper, die den Heiligtümern zustreben, die ihnen vorbehalten sind. Der Weg dorthin führt an Hunderten von Granitsäulen vorbei. Überall brennen Öllampen. Es stehen Gefäße mit weißem Pulver herum, das ins Gesicht und an den Körper gerieben wird. Wir lassen uns von der Menge treiben und staunen über die bunte Vielfalt, ohne dass wir viel aufnehmen können. Klar, dass wir wiederkommen müssen!P1050542 Am nächsten Tag haben wir unsere Kamera dabei. Leider müssen wir sie gleich abgeben, denn die Fotoerlaubnis gilt nur für Handys! Trotzdem sind wir überwältigt gleichermaßen von den Räumlichkeiten wie von dem Treiben, das sich in ihm abspielt. Die Tausendsäulenhalle enthält tatsächlich 995 Granitpfeiler, in die meterhohe Skulpturen geschlagen sind. Viele Menschen liegen zwischen ihnen herum und wirken eher relaxt als ergriffen. In einer Halle haben Mönche, die nur mit weißen Lendentüchern bekleidet sind, Hunderte Seeschneckenhäuser mit roten Blüten geschmückt. Sie bewegen sich im Takte eines Vorbeters , dessen Rezitation von Instrumenten untermalt wird. Den Höhepunkt bildet eine Prozession, die von einem weißen Stier und einem Elefanten angeführt wird. Ein unvergessliches Bild.P1050533
Nachmittags besuchen wir das berühmte Mahatma Gandhi Museum. Es enthält eine umfangreiche Dokumentation des indischen Unabhängigkeitskampfes, an der offenbar seit der Eröffnung im Jahr 1959 nichts verändert wurde. Leider findet sich kaum Biografisches über Gandhi. Angeblich wird diese Sammlung überarbeitet. Schade!

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