Ankunft in Kerala

November 25, 2013 at 7:05 am (Uncategorized)

Eigentlich wären wir gerne länger in Goa geblieben. Aber in Indien muss man einfach Zugfahrten lange im Voraus buchen, deshalb müssen wir abfahren, als wir uns gerade richtig wohlfühlen. So besteigen wir am Montag (11.11) in Magao den Zug nach Kerala mit einstündiger Verspätung. Diesmal reisen wir first class in einem AC 3-Tier, also in einem klimatisierten Waggon mit 3 übereinander liegenden Betten. Eigentlich kein großer Unterschied zur zweiten Klasse, aber wir haben ein ganzes Abteil für uns. Im Zug werden wir mit Essen und Getränken versorgt, aber der Blick in das Küchenabteil ist schockierend. Essen, Essenreste, Abfall, schlafende Mitarbeiter, alles bunt durcheinander.
wir wollen nach Kochin fahren, aber weil der Zug dort kurz nach Mitternacht ankommt, fahren wir bis zum frühen Morgen weiter bis zur Hauptstadt Tivandrum ganz im Süden. Dort haben wir Glück. Wir bekommen Fahrkarten für den nächsten Zug nach Kochin und sogar Sitzplätze, obwohl der Zug ziemlich ausgebucht ist.

Am Hafen von Cochin

Am Hafen von Cochin

Kochin hat einen riesigen natürlichen Hafen, um den sich der belebte Hauptstadtteil Ernakulum, die Insel Wellington und die Halbinsel Mattancherry gliedern. Unser vom Reiseführer hochgelobtes Hotel erweist sich als billig, aber ziemlich schäbig. Es liegt in einem betriebsamen Geschäftsviertel, in dessen Straßen es entsetzlich laut zugeht und in dem kaum Platz für Fußgänger bleibt. Es gibt unzählige kleine Geschäfte. Weil alles verpackt ist, hat man eigentlich keine Ahnung, was in ihnen verkauft wird. Wir finden aber ein Geschäft, um unseren defekten Computer reparieren zu lassen. Es soll zwei Tage dauern, aber nach 3 Tagen heißt es, dass unser geliebtes kleines Netbook nicht repariert werden kann. Um uns die Zeit zu vertreiben, fahren wir mehrfach mit dem Fährschiff zur Halbinsel Mattancherry, wo es viel anheimelnder ist. Hier befindet sich auch das von den Portugiesen gegründete Fort Kochin, das später von den Holländern übernommen wurde. Es gibt viele Touristen hier, denen ständig von den Rikschafahrern ihre Dienste angeboten werden. Um dem zu entgehen, und weil die Wege doch ziemlich lang sind, leihen wir uns Fahrräder. Es sind uralte Gefährte der Firma Herkules, die schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel haben, mit denen man kaum vorwärts kommt, und Bremsen geht auch nicht.

Chinesisches Fischernetz

Chinesisches Fischernetz

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten sind die chinesischen Fischernetze, die seit Jahrhunderten in Betrieb sind und immer noch funktionieren. Das Netz hängt in einem quadratischen Holzrahmen, der von einem großen Schwebebalken getragen wird. Dieser wird von Felssteinen, die an dicken Tauen hängen, im Gleichgewicht gehalten. Zum Absenken laufen vier Männer auf dem Rahmen entlang, und ziehen ihn wenige Minuten später wieder hoch. Der Fang wird herausgenommen und sofort an der gegenüberliegenden Straßenseite zum Verkauf angeboten.
Mit den Fahrrädern erreichen wir auch das jüdische Viertel. Die Juden hatten hier schon eine Niederlassung, bevor Kochin von den Portugiesen erobert wurde.

Die Synagoge auf Fort Cochin

Die Synagoge auf Fort Cochin

Ihre Synagoge wurde von ihnen niedergebrannt, aber schon im siebzehnten Jahrhundert wieder aufgebaut. Es ist die älteste Synagoge des British Commonwealth. Als wir dort ankommen, wird schon überall geputzt , denn morgen kommt Prinz Charles und Lady Camilla zu Besuch. Die Synagoge ist ein entzückendes kleines Kirchlein. Der anschließende Besuch im Mattancherry Palast ist außerordentlich lohnend. Er wurde dem indischen Herrschern, den Rajas, von den Portugiesen zum Geschenk gemacht und ist jetzt ein Museum. Es enthält wunderbare Wandgemälde, holzgeschnitzte Sänften, Roben und Porträts der indischen Herrscher.
unser Frühstück nehmen wir in einem Kunstcafe ein, in dem es außer schönen Bildern einer jungen indischen Künstlerin auch einen wirklich guten Kaffee gibt, der in Indien gar nicht so leicht zu bekommen ist.

Kunstcafé in Mattancherry

Kunstcafé in Mattancherry

Abends essen wir in einem Dachrestaurant unweit unseres Hotels. Am ersten Abend gesellt sich ein junger Mann zu uns, der sich und seinen Freund als Ingenieurstudenten vorstellt. Nach den üblichen Fragen, woher wir kommen und wie uns Kerala gefällt, sagen sie, wie gerne sie uns in den nächsten Tagen ihr Land zeigen würden. Ich rieche den Braten und frage sie, ob sie als Ingenieurstudenten denn auch Mathematik hätten. Sie bejahen und ich stelle ihnen eine einfache Aufgabe aus dem Einmaleins. Als sie nach mehreren Versuchen immer noch nicht das richtige Ergebnis haben, schleichen sie beschämt weg und wir sind sie los.
Am Donnerstag Mittag (14.11.) fahren wir mit dem Bus nach Alleppey, das wegen seiner vielen Kanäle auch das Venedig des Ostens genannt wird. Die Busfahrt ist auch ein Erlebnis der besonderen Art. Mit Glück bekommen wir in der überfüllten Klapperkiste zwei Plätze. Der Busfahrer muss es besonders eilig haben, denn er rast trotz der schlechten Straße mit Dauerhupen auf der rechten Fahrbahn, also der Überholspur, und die entgegenkommenden Fahrzeuge müssen schauen, wo sie bleiben. In Alleppey  ziehen wir ein Hotel in der Nähe des Busbahnhofs, das wiederum unsere Erwartungen nicht erfüllt. So nehmen wir uns vor, in Zukunft nicht mehr am falschen Ende zu sparen, und ziehen am nächsten Tag in ein wirklich schönes Hotel um.

Am Strand von Alleppey

Am Strand von Alleppey

Alleppey ist der ideale Ausgangspunkt für Touren auf den Backwaters, einem riesigen Kanalsystem, das wohl in der Hauptsache der Bewässerung der großen Reisfelder dient. Die meisten Touristen lassen sich in großen Hausbooten durch die idyllische Landschaft fahren. wir wählen stattdessen ein kleines überdachtes Boot, das von einem freundlichen Einheimischen in aller Ruhe gepaddelt wird. So haben wir Muße, in aller Ruhe den vielen Menschen zuzuschauen, deren Behausungen am Ufer dicht an dicht stehen. Das Wasser ist hier einfach alles. Vor jedem Haus steht eine Frau und wäscht die Wäsche. Dabei werden die Wäschestücke eingeseift, gespült und auf einem Stein ausgeschlagen.

Auf den Backwaters

Auf den Backwaters

Ich frage unseren Führer, ob heute Waschtag sei, aber offenbar wird hier jedes Wäschestück täglich frisch gewaschen. Außerdem werden hier die Kochtöpfe geschrubbt, die Kinder eingeseift und anschließend springen die Männer und Frauen in voller Montur selbst in den Bach. Einmal verletze ich mich am Finger. Ein Mann reißt einige Blätter von einem Strauch ab und tropft ihren Saft auf die blutende Wunde.
Wir nutzen die Gelegenheit, unseren Führer mit dem Stechpaddel zu unterstützen, aber bei Gegenwind ist das auch notwendig, um überhaupt voran zu kommen. Zum Abschluss unserer Fahrt bekommen wir ein leckeres Mittagessen auf einem Palmblatt serviert.
Nachdem mein Laptop und mein Handy nicht mehr benutzbar sind, kaufe ich in einem kleinen Laden, in dem es vom Haarshampoo bis zum Kochtopf alles zu kaufen gibt, einen kleinen Tabletcomputer. Zwar überfordert mich das Ding in vieler Hinsicht, die Tastatur ist für meine Finger viel zu klein, aber ich kann nun endlich meinen Blog fortsetzen, den ich seit 2 Wochen nicht schreiben konnte. Ich benutze die Möglichkeit zur Mikrofon-Eingabe. Das geht erstaunlich leicht, und man sehe mir nach, dass es mit der Rechtschreibung, zum Beispiel der Großschreibung am Satzanfang nicht mehr so perfekt ist. Am schwierigsten ist es, die SIM Karte für das Mobiltelefon anzumelden. Das dauert 3 Tage und kostet mich jede Menge Schweiß.

Touristenboot auf den Backwaters

Touristenboot auf den Backwaters

Am Montag ist hier in Alleppey Streik. Als wir aufwachen, ist nichts zu hören, kein Verkehrslärm, kein Gehupe, nichts! Die Straßen sind wie leergefegt, die Geschäfte sind geschlossen und leider auch die Restaurants, so dass wir in unserem Hotel nur ein notdürftiges Frühstück und Mittagessen bekommen. Abend um 6 Uhr ist der Streik beendet. aber da es sich für die Restaurants nicht lohnt, für ein paar Abendstunden zu öffnen, haben wir einige Mühe, um ein Abendessen zu bekommen.

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1 Kommentar

  1. Sabine Giessner said,

    Hallo ihr, viele Grüße aus dem orkanumtosten Schleswig-Holstein. Alles, was nicht niet-und nagelfest ist, fliegt zurzeit durch die Gegend. Schade, dass ihr keine Fotos mehr einstellen könnt, aber danke vielmals für den Lagebericht aus Kerala! LG, S+R

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