Intermezzo in Sharjah

Oktober 30, 2013 at 9:29 am (Uncategorized)

Am Sonntag (27.Oktober) tauchen in der Frühe die Skylines von Dubai und Sharjah aus dem Morgennebel auf. Die Einreisekontrolle dauert ganz schön lange, und die Räumlichkeiten haben den Charme der Grenzübergänge der ehemaligen DDR. Was für ein Filmschnitt, als wir in „die Freiheit“ entlassen werden. Alles in Sharjah ist piekfein. Kaum, dass wir danach schauen, hält ein Taxi mit englisch sprechendem Fahrer, und was für ein Fahrzeug im Vergleich zu den Schrottkisten, mit denen wir in letzter Zeit zu tun hatten! Der Verkehr rollt ruhig und diszipliniert, nach all dem Chaos in der Türkei und vor allem im Iran. Auch unser Hotel ist gediegen, obwohl nicht teuer und mit ausgesucht freundlichem Personal. Bis auf die tropischen Temperaturen scheinbar ein Wohlfühl-Ort, doch bei soviel Luxus vor allem in der Architektur fehlt etwas Charakteristisches, was dieser Kunstwelt Leben verleihen würde.

Moschee in Sharja

Moschee in Sharjah

Die Strandpromenade ist kaum 100m vom Hotel entfernt, endet aber nach weiteren 100m abrupt, weil hier das Resort vom „Radisson Blue“ anfängt. Wir müssen es entlang einer vielbefahrenen Straße umrunden. Die Rasenflächen entlang der Straße werden durch kein Kräutlein verunziert, überall wird gewässert und gezupft. Nach 20 Minuten stehen wir endlich an einer kleinen Bucht, an der geangelt wird und sogar Einige baden. Wir beschränken uns auf ein Fußbad in den badewannenwarmen Wellen. Zu unserem Erstaunen ist- den Industrieabwässern zum Trotz- der kleine Strand mit Tausenden Korallenbruchstücken übersät. Beim Rückweg bemerken wir, dass im Gegensatz zu den großzügigen Fahrbahnen auf den Straßen für Fußgänger keine Wege oder Übergänge vorhanden sind. Wozu auch, es gibt praktisch keine, alle Wege werden offenbar per Auto zurückgelegt, wobei die Kleinwagenklasse nicht vertreten ist. Die meisten sind in edlen Offroadfahrzeugen unterwegs. Abends lassen wir uns mit dem Taxi in den Al Majaz-Park im Stadtzentrum bringen, der sich entlang der großen Khalidlagune erstreckt. Ein Paradies für Kinder, die hier auf Rollern, Rädern und ähnlichem herumflitzen. Auf dem Heimweg laufen wir auf einer kilometerlangen palmenbestandenen Promenade, über der es von Fledermäusen wimmelt. Auf der Rückfahrt erzählt uns der – wie viele – aus Pakistan stammende Taxifahrer, dass nur 20% der Einwohner der Emirate Einheimische sind, wobei die Männer leicht an ihren Gewändern und der arabischen Kopfbedeckung zu erkennen sind. Für sie arbeitet eine Heerschar ausländischer Gastarbeiter in allen denkbaren Jobs, die mit ihren Familien in den unzähligen Mietwohnungen leben. Viele sind aber auch alleine fern ihrer Heimat da.
Am Montag (28.Oktober) werden wir noch in der Dunkelheit von dem Muezzim der direkt am Hotel gelegenen Moschee unsanft geweckt. Sein in Brülllautstärke vorgetragener Gesang will kein Ende nehmen. Da etwa alle 500m eine weitere Moschee steht, mischt sich das Ganze zu einer unerträglichen Kakophonie. Das war in dem doch so islamfixierten Iran besser! Noch vor dem Aufstehen wird uns das Frühstück auf das Zimmer gebracht, viel zu viel, doch in der Zusammenstellung wenig befriedigend. Am Vormittag wandern wir in einem der Temperatur angemessenen Tempo zum Hafen, in dem farbenprächtige Yawls mit Gütern aller Art per Hand beladen werden.

Im Hafen von Sharjar

Im Hafen von Sharjah

Angeblich kann man hier auch als Passagier nach Indien reisen – eigentlich faszinierend, aber in der Hitze unvorstellbar! Danach kommen wir zum belebten Fischmarkt. Die angebotenen Fische sind oft sehr groß, die meisten Arten sind uns unbekannt. Abends zieht es uns wieder in das Al Fardan Centre, das an den Al Majaz-Park anschließt. Es wird alle halbe Stunde eine musikuntermalte Lightshow mit Wasserfontänen veranstaltet. Auf dem Rückweg schlendern wir durch ein Souc, der arabischen Art von Basar. Welch ein Unterschied! Dort eine Vielfalt von Läden für alles Mögliche mit dem Duft orientalischer Gewürze, hier eine Aneinandereihung edelster Schmuckläden, in denen überwiegend russische Touristinnen zu sehen sind.
Am Dienstag (29.Oktober) entdecken wir ein Kunstmuseum, in dessen klimatisierter Luft wir ein Stündchen Abkühlung finden. Bei freiem Eintritt besichtigen wir zuerst eine gar nicht uninteressante Ausstellung über Modedesign und –fotografie des frühen 20. Jahrhunderts. Faszinierend ist eine weitere Ausstellung- genannt das Licht des Orients, in der Künstler des 19.Jahrhunderts ihre Wahrnehmung des Nahen Ostens auf die Leinwand gebracht haben. Die farbenprächtige, detailbesessene Darstellung der Menschen in ihrem Tagesgeschäft, der perspektivischen Wiedergabe der Architektur und der eigenartigen Landschaften beeindruckt uns sehr. Nach einem kleinen Imbiss in einem indischen Restaurant ist es Zeit, zum Flughafen zu fahren und unser indisches Abenteuer beginnen zu lassen.

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