Der Iran- einfach überwältigend!

Oktober 28, 2013 at 10:33 am (Uncategorized)

Liebe Blogfreunde, vielen Dank für eure Geduld! Die Mullahs mögen wohl keine westlichen Blogs! So musste ich mit der Veröffentlichung unserer Reiseeindrücke warten, bis wir jetzt in Sharjah (VAE) eingereist sind! Macht es euch auf dem Sofa bequem, denn mein heutiger Artikel ist etwas länger!

Der Ararat

Der Ararat

Am Freitag (11.Oktober) beginnt unser Iran-Abenteuer mit einer halbstündigen Fahrt in einem mit Personen und Gepäck völlig überfüllten Dolmus. An der Grenze angekommen, werde ich ständig zum Geldwechsel aufgefordert. Das Passieren der türkischen Kontrolle geht schnell. Auf der iranischen Seite werden wir aufgefordert, uns zu setzen und der freundliche Beamte fragt uns nach unseren Reisezielen, insbesondere will er wissen, wie wir denn wieder nach Hause kämen. Nach 20 Minuten werden wir mit „welcome to our country“ entlassen und sind im Iran. Ich erwehre mich der vielen Aufforderungen zum Geldtausch, und bestehe auf Umtausch bei einer Bank. Allerdings zeigt sich, dass der Wechselkurs hier deutlich schlechter ist als bei den Inoffiziellen.

Neue Freundschaften

Neue Freundschaften

Mit uns verlässt eine Gruppe gutgelaunter iranischer Frauen die Grenzabfertigung, und ehe wir es uns versehen, sitzen wir mit ihnen und einem in der Türkei arbeitenden Dozenten in einem Bus zur 400km entfernten Stadt Tabriz. Sobald der Bus abfährt, verschwinden die Kopftücher und wir werden mit großem Interesse begrüßt. Eine junge Frau – Neda- ist Englisch-Lehrerin. Die anderen sind Susan und ihre niedliche 12jährige Tochter Armita, ihre Cousine mit ihrer bildschönen Tochter Mina und deren Freundin. Fotos werden gemacht und sogleich werden wir zur Geburtstagsfeier von Susans Mann in Tabriz eingeladen. Die Atmosphäre im fast leeren Bus ist fröhlich. Bald halten wir an einem Gartenrestaurant, essen gemeinsam Kebab, und ich habe keine Chance, zu bezahlen. In Tabriz hält der Bus am Randstreifen einer Hauptstraße und wir verschwinden mit Mann und Maus in einem Taxi, das uns zu Susans schöner Wohnung bringt. Unser Wunsch, in ein Hotel zu ziehen, wird kategorisch abgewehrt, ab sofort sind wir Gäste im „Hotel Akbar“, wie Susans netter Mann heißt. Außerdem gehört noch Armin, der 17jährige Sohn zur Familie, der als einziger gut englisch spricht. Es gibt Geburtstagstorte und Ständchen.

Ehsan spielt Gitarre

Ehsan spielt Gitarre

Arnim spielt gut Gitarre und wird nur von Ehsan übertroffen, der in einer Band spielt. Er ist Architekturstudent und spricht sehr gut englisch. Natürlich müssen auch wir etwas singen und spielen, was auf große Begeisterung stößt. Anschließend gehen wir gemeinsam in eine Pizzeria, sehr lecker, aber wieder dürfen wir nichts bezahlen. Wir schlafen in Armins und Armitas Zimmer, die auf dem Wohnzimmerfußboden übernachten müssen. Wir haben viel von der iranischen Gastfreundschaft gehört, aber in diesem Ausmaß haben wir sie uns nicht vorstellen können.

Unsere Familienbilder stoßen auf großes Interesse

Unsere Familienbilder stoßen auf großes Interesse

Am Samstag (12.Oktober) werden wir mit einem fürstlichen Frühstück verwöhnt. Es gibt verschiedene Sorten Brot, selbstgekochte Konfitüren, Honig, Sesamcreme, türkischen Honig, Kaffee und immer wieder Tee. Um zehn Uhr werden wir von Hamed, einem jungen Ingenieur und Freund der Familie zu einer Stadtbesichtigung abgeholt.

Der Arc

Der Arc

Nur wenige Minuten entfernt ist der „Arc“, ein Jahrhunderte alter massiver Torbogen und eine Art Wahrzeichen von Tabriz. Leider ist der historische Anbau weggesprengt worden, und durch eine moderne Moschee ersetzt worden. Hamed zeigt uns ein altes ehemaliges Bad, in dem verschiedene Cafés und Restaurants in sehr ursprünglicher Weise eingerichtet sind. Das Rathaus ist von einem deutschen Architekten im klassizistischen Stil gebaut worden, dazu gehört ein schöner Uhrenturm. Im Inneren gibt es ein Feuerwehrmuseum und vor allem einen Raum mit unvorstellbar großen und schönen Teppichen. In einem Park, wo wir eine Tasse Tee trinken, werden wir von einem alten Mann angesprochen, der sich nach unserer Herkunft erkundigt. Immer wieder bekommen wir das Gefühl, dass die Deutschen, warum auch immer, besonders beliebt sind.

Blaue Moschee

Blaue Moschee

Schließlich besichtigen wir die gewaltige Blaue Moschee, die immer von Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut wurde. Vor kurzem hat man davor Gräber aus der Eisenzeit entdeckt und Skelette freigelegt.
An dieser Stelle eine Erwähnung des Straßenverkehrs, der die Bezeichnung Chaos hoch drei verdient. Der PKW-Verkehr ist ein Kampf um jeden Zentimeter. Ständig wird die Fahrspur gewechselt, jeder Konkurrent erbarmungslos abgedrängt und natürlich mit Hupe und Lichtlupe auf sich aufmerksam gemacht. Das schwächste Glied in dieser Kette sind die Fußgänger, die überall, nicht nur auf den Zebrastreifen, versuchen die Straßen zu queren. Aber auch auf den Zebrastreifen kann man froh sein, wenn keiner einem über die Füße fährt. Hamed sagt, wer wegen eines Fußgängers am Zebrastreifen halten würde, würde bestenfalls ausgelacht.
Mittags besuchen wir Akbar in seinem Schreibwarengeschäft.

Abgooscht mit Susan, Armin, Armita

Abgooscht mit Susan, Armin, Armita

Anschließend bekommen wir in einem alten Restaurant, in dem ich nicht einmal Stehhöhe habe, Abgoosht, ein traditionelles Eintopfgericht mit Kichererbsen, Kartoffeln und Fleisch. Man isst zuerst die Brühe, bevor der Rest eigenhändig gestampft wird. Schmeckt gut! Nachmittags fahren wir mit dem Bruder von Akbar zu einem gut besuchten Vergnügungspark, in dem man um einen großen rechteckigen Teich schlendert. Tausende von Staren und Krähen bevölkern die umstehenden Bäume. Einige abgestorbene Bäume sind als Skulpturen gestaltet. Eine Gruppe iranischer Frauen läßt sich mit uns darunter fotografieren.
Abends sind die Eltern von Hamed und Arkans Bruder mit seinen kleinen Kindern zu Gast. Nach dem Essen tanzt das Kleinere der beiden Kinder für uns einen traditionellen Tanz! Dann werden wir über Deutschland befragt, insbesondere zu unserer Meinung zu Hitler. Unsere Antwort, dass wir uns als Deutsche für die Verbrechen schämen und dass heute der Nazismus keine politische Rolle mehr spielt, stößt auf Wohlwollen und Zustimmung. Ganz wichtig ist ihnen unsere Meinung zum Iran. Gelegenheit, unsere Verwunderung über die Gastfreundschaft, die uns überall begegnet, deutlich zu machen. Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck, dass die westlichen Sanktionen bald zurück genommen werden, die die Wirtschaft des Landes abwürgen. Die Meinung unserer Gastgeber zur politischen Führung ihres Landes wird ausführlich diskutiert.

Am Sonntag, dem 13. Oktober, der im Iran normaler Arbeitstag ist (Freitag ist Feiertag!) kommt Neda zum Frühstück.

Tabriz aus der Vogelperspektive

Tabriz aus der Vogelperspektive

Wir fahren mit ihr und Susan auf einen Berg in der Nähe von Tabriz. Oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt, aber auch auf den Smog, der über der Stadt lastet. Anschließend führt uns Neda durch einige Museen. In einem sind alle möglichen Gegenstände, zum Beispiel Lebensmittel, alles in Beton nachgebildet. Ein anderes ist Ruhestätte wichtiger Poeten, vor allem von Shahriar, einem Schriftsteller aus Tabriz aus dem 20.Jh., der hier tief verehrt wird. Mittags hat Susan wiederum ein üppiges Essen gezaubert, Forelle und Hühnchen mit Reis. Nachmittags fahren wir mit Susan, Armin und Ehran zum 80km entfernten Ort Kandohan. Susans Fahrstil ist im Wortsinn atemberaubend. Sie selbst lacht sich über unsere entsetzten Gesichtsausdrücke tot.

Kendoan- Irans Kappadokien

Kendoan- Irans Kappadokien

Kendoan ist Irans Kappadokien. In dem kleinen Ort leben die Menschen noch heute in Höhlen, die in den Stein gehauen sind. Anders als in Kappadokien ist der Tourismus kaum entwickelt, die Menschen leben in einfachsten Verhältnissen. Hauptverkehrsmittel sind Esel, die rittlings oder auch im Quersitz geritten werden. Neben unserem Interesse ist das heilkräftige Quellwasser aus Kendoan Anlass unserer Fahrt, das in alle möglichen großen und kleinen Behältnisse verfrachtet wird. Gegenstück zu diesem in der Vergangenheit stehen gebliebenen Ort ist ein supermodernes Einkaufszentrum, das unseren Malls in nichts nachsteht, wo ich ein langärmeliges Oberhemd erstehe. T-Shirts sind in der Öffentlichkeit ungern gesehen.
Eigentlich wollten wir schon heute nach Teheran weiterfahren, schon allein, um unsere Gastgeber nicht über Gebühr zu belasten. Leider wird dieser Vorsatz von Susan völlig missverstanden. Sie meint, wir würden uns bei ihr nicht wohlfühlen, wenn wir nicht mindestens eine Woche bei ihr blieben. Es kostet einige Mühe, das Missverständnis aufzuklären, und als Kompromiss einigen wir uns auf Montag (14.Oktober) als Abreisetag.
An diesem Vormittag wird uns von Hamed und seinem Vater der Basar gezeigt, der als größter überdachter Basar der Welt gilt. Hameds Vater ist Teppichhändler, der hier ein eigenes Geschäft hat und der ideale Begleiter für diesen Besuch ist. In Dutzenden von Geschäften werden uns die schönsten Teppiche gezeigt und erläutert. Dabei wird uns Tee angeboten, manchmal auch Süßigkeiten. Die Vielfalt ist überwältigend, viele Teppiche sind plastische Bilder und zum Teil ziemlich kitschig. Aber auch die Atmosphäre ist beeindruckend. Ausschließlich Männer sind hier beschäftigt. Ein Teppich hat es mir besonders angetan. Er ist aus Seide und Wolle im Gonbatstil gefertigt, der das Innere eines Deckengewölbes nachbildet. Hameds Vater bietet mir an, diesen Teppich zum halben Preis für mich zu kaufen und nach Hause zu schicken. Da kann ich nicht widerstehen!
Mittags sind wir bei Hameds Familie zum Mittagsessen eingeladen. Sie wohnen in einer edlen Wohnung und auch die angebotenen Speisen sind ausgesucht lecker. Hamed wird nicht müde, zu betonen, wie sehr sie sich durch unseren Besuch geehrt fühlen und dass wir jetzt zur Familie gehören. Wir wissen wirklich nicht, womit wir uns soviel Zuwendung verdient haben!

Juchuu- wir haben den Nachtzug erwischt!!

Juchuu- wir haben den Nachtzug erwischt!!

Dann wird es Zeit zur Abreise. Da wir ein ganzes Abteil für den Nachtzug nach Teheran gemietet haben (für kaum 35€!), beschließt Susan, uns mit Armin zu begleiten! In das ohnehin überladene Taxi zum Bahnhof wird noch jede Menge gutes Kendoanwasser für die Großmutter geladen. Dann geht es in rasender Fahrt auf Schleichwegen gegen die Uhr. Ausgerechnet heute fährt der Zug pünktlich ab, und wir sehen ihn gerade abfahren, als wir den Bahnhof erreichen. In aller Eile wird das Gepäck in ein anderes Taxi umgeladen, das mit Höchstgeschwindigkeit die Verfolgung aufnimmt. Am nächsten Bahnhof ist der Zug schon vorbei, aber nach einer Stunde haben wir den Zug überholt! Er hält hier etwas länger, da einige Reisende ihr Gebet auf dem Bahnsteig verrichten. So können wir es uns in unserem geräumigen Abteil gemütlich machen und verleben eine angenehme Nacht.
Am Dienstagmorgen (15. Oktober) läuft der Zug beim Hellwerden im 6 Uhr morgens in Teheran ein.

Susans Mutter bereitet das Essen vor

Susans Mutter bereitet das Essen vor

Von einem Taxi lassen wir uns zu Susans Mutter fahren, die zusammen mit ihrer schönen Enkelin Mine in einer luxuriösen und geräumigen Etagenwohnung wohnt. Sie ist eine herzliche Mittsechzigerin, die uns freundlich aufnimmt. Statt Hotel Akbar jetzt Hotel Mama, uns geht es einfach zu gut! Zum Frühstück kommt außerdem Mehdi, Susans jüngster Bruder, der einen erfolgreichen Geschenkartikelversand ganz in der Nähe besitzt.

Mit Mehdi im Königspalast

Mit Mehdi im Königspalast

Anschließend fahren wir durch die 14-Millionenstadt zum Königspalast, der in einem ausgedehnten Parkgelände am Stadtrand am Fuße des Elbrus gelegen ist. Der Bummel durch den Park nimmt einige Stunden in Anspruch, wobei wir auch den Palast des letzten Schahs Reza Pahlevi besichtigen können mit seinen ausgedehnten Gemächern und der noblen Ausstattung und den riesigen Teppichen.

Reza Pahlevi und Farah Diba

Reza Pahlevi und Farah Diba

In einem weiteren Palast mit marmornen Mauern dürfen wir im Inneren leider nicht fotografieren. Er enthält unter anderem einen Spiegelsaal, für dessen Fertigung allein vier Jahre benötigt wurden. Wände und die Decke sind mit tausenden vonkleinen Spiegeln verziert.

…und ihr Fuhrpark

…und ihr Fuhrpark

Schließlich besichtigen wir den Fuhrpark von Reza Pahlevi. Drei Rolls Royce „Silvershadow“, ein zweisitziges Mercedes Cabrio, etliche Mercedes 600 Staatskarossen, ein BMW Motorrad, verschiedene Geländefahrzeuge und ein Skiscooter.

Sheslik satt

Sheslik satt

Zum Mittagessen werden wir von Mehdi in ein internationales Restaurant eingeladen, dessen Inneres ganz aus Marmor gestaltet wurde. Es gibt „Sheslik“, eine Spezialität, deren Name nicht zu Unrecht an Schaschlik erinnert: Auf fast meterlangen Spießen sind Lammkoteletts, auf anderen Beefsteaks gebraten, deren Verzehr uns natürlich bei weitem überfordert. Anschließend zeigt uns Mehdi sein Büro im obersten Stock eines Hochhauses, in dem 3 Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter einen Versandhandel für edle Geschenkartikel (Uhren, Schreibetuis, Taschenmesser) betreiben.

Sara

Sara

Abends kommt auch Susans älterer Bruder mit seiner Familie zu seiner Mutter, und Mehdi erscheint mit seiner Frau Sara. Sie ist Pianistin und lehrt an der Teheraner Universität. Wir singen Lieder und Sara spielt auf einem mir unbekannten iranischen Saiteninstrument.

Überraschend macht Sara den Vorschlag, gemeinsam mit ihr, ihren Eltern und Mehdi nach Yazd zu fahren. Da dies ohnehin unser Reiseziel ist, stimmen wir nach kurzer Bedenkzeit zu. Auch Susan und Armin haben Lust, mitzukommen. Schnell packen wir unsere Sachen zusammen und fahren mit Mehdi und Sara zu deren neuer Wohnung, die modern und großzügig eingerichtet ist. Leider kommen wenig später Susan und Armin vorbei und erklären uns, dass sie wegen Armins Schule doch nicht mitkommen können und morgen wieder nach Täbriz zurückreisen müssen. Der Abschied fällt schwer, denn wir haben die beiden in der kurzen Zeit ins Herz geschlossen.

Mehdi und Benjamin

Mehdi und Benjamin

Am Mittwoch (16. Oktober) brechen wir nach dem Frühstück auf. Gerade haben wir unsere Taschen in Mehdis Auto verstaut, taucht Saras Vater auf und beschließt, dass wir alle gemeinsam in seinem Auto fahren. Immerhin sind wir 6 Erwachsene und dazu kommt noch Benjamin, der achtjährige Bruder von Sara. So muss einer sich in den mit Gepäck vollgestopften Gepäckraum quetschen, meistens ist das der nicht gerade schlanke Mehdi. An einer Tankstelle gelingt es einem Händler, der Familie noch zwei dicke Armeeschlafsäcke anzudrehen, diese sollten erst das 10fache kosten, aber nachdem es nach einem Schnäppchen aussah wurden auch diese noch in Kofferraum gepresst.
Dann trete ich mit Wucht in ein Fettnäpfchen, als ich Saras Mutter zur Begrüßung die Hand reichen will, wie es zuvor Dorothea gemacht hatte. Als strenggläubiger Muslima ist ihr dies nicht erlaubt, und sie wehrt kopfschüttelnd meine Begrüßung ab. Andere Länder, andere Sitten!
Nach mehrstündiger Fahrt erreichen wir Kaschan, das auf eine sechstausendjährige Geschichte zurückblickt und heute vor allem wegen seiner Teppichproduktion berühmt ist. Angeblich stammen auch die Heiligen drei Könige aus Kaschan.

Im Fin Garden von Kashan

Im Fin Garden von Kashan

Nach einem Mittagessen – wieder dürfen wir nicht bezahlen – besuchen wir den Fin-Garden, einen der schönsten, dem Paradies nachempfundenen Gärten Irans. Er wird von einer Quelle durchflossen, die von einem achteckigen Teich aus andere Teiche und Springbrunnen versorgt, die hohen Zedern und Orchideen bewässert, um dann durch Jubs genannte Kanäle an der Straße weiter zu fließen. Es gibt schöne Gebäude, von denen das Badehaus am Berühmtesten ist, weil hier der beliebte iranische Nationalheld und Premierminister Amir Kabir 1848 ermordet wurde.

Abbasianhaus in Kashan

Abbasianhaus in Kashan

Anschließend besichtigen wir noch das schöne Abbasianhaus, das durch seine Architektur in mehreren Ebenen und Höfen besticht.
Inzwischen kommt die Dämmerung, und wir haben erst ein Drittel des Weges nach Yazd zurückgelegt. So fahren wir noch eine Stunde durch die Dunkelheit nach Naien, wo wir in einem Hotel Station machen. Abends sitzen wir früchteessend im Garten und Saras knuffiger Vater stellt knifflige Fragen z.B. nach Ludwig Wittgenstein, der angeblich mit Hitler in eine Klasse gegangen sein soll (laut Wikipedia in die gleiche Realschule, aber nicht in die gleiche Klasse). Außerdem soll ich ein Goethe-Gedicht aufsagen (habe nun ach…), aber bei der Frage nach der Postmoderne in Deutschland muss ich passen.
Am Donnerstag (17.Oktober) fahren wir mit dem Auto nach Yazd weiter. Wir mieten uns in einem angenehmen Hotel ein, fahren anschließend zum Busbahnhof weiter und buchen die Weiterfahrt nach Isfahan am Samstag. Dann fahren wir ins Zentrum, wo wir im Verkehrsgedränge kaum weiterkommen. Trotzdem finden wir einen ideal gelegenen Parkplatz und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt. In den engen Gassen ist es erstaunlich ruhig, nur ab und zu knattert ein Moped vorbei. Yazd ist angeblich die älteste lebende Stadt der Welt. Zumindestens ist sie seit 7000 Jahren ständig bewohnt und wurde von Marco Polo als herausragend schöne Stadt und Handelszentrum beschrieben. Noch heute haben alle Gebäude der Innenstadt Lehmwände, die durch Pflanzenfasern verstärkt sind und sind aus Lehmziegeln gebaut.

Badgirs in Yasd

Badgirs in Yasd

Besonders auffällig die Badgirs auf den Hausdächern, Windfänger, die seit Jahrhunderten jede Windbrise einfangen und in die darunterliegenden Räume leiten oder auch ein Wasserbecken kühlen. Ziemlich umweltfreundliche Klimaanlagen! An vielen Stellen gibt es Treppen, die in dunkle Tiefen führen. Sara erklärt mir, dass man hier Wasser aus Qanats holen kann, Bewässerungskanälen mit sehr kleinem Gefälle, die zu Brunnen in der Wüste außerhalb der Stadt führen. Ansonsten kann man sich in den winkligen Gassen ziemlich leicht verlaufen, doch zum Glück haben wir unsere ortskundigen Führer, die uns zu der majestätischen Jameh Moschee führen. Das gekachelte Eingangsportal ist eines der höchsten im Iran und die beiden 48m hohen Minarette auch. Die Mosaike in der Kuppel und im Mihrab (einer Mekka zugewandten Gebetsnische) sind exquisit.

Hamman-e Khan Restaurant

Hamman-e Khan Restaurant

Mittags essen wir im Hamman-e-Khan Restaurant, das in einem unterirdischen restaurierten Hammam (Bad) mit stillen Wasserbecken unter Bogendecken eingerichtet wurde.
Anschließend besuchen wir „Alexanders Gefängnis“, dessen tiefer Brunnen angeblich durch Alexander den Großen gebaut wurde. Interessant ist hier ein Gewölbe, in dem sich ein quadratischer Grundriss mit zunehmender über verschiedene Vielecke in eine kreisrunde Kuppel umwandelt.
Bevor wir wieder ins Auto steigen, kaufen wir in einer berühmten Konditorei zwei kiloschwere Schachteln mit ausgewählten Süßigkeiten (z.B. Baklava), die wir unseren Gastgebern schenken wollen (Vergeblich).

Am Ateshkadeh

Am Ateshkadeh

In Yazd gibt es noch etwa 5500 Anhänger des Zoroastrianismus, die sich auf die Lehre von Zarathustra berufen und die vor der Ausbreitung des Islam durch die arabische Eroberung die wichtigste Religion darstellte. In der Altstadt gibt es einige Läden, in denen Handwerk zum Kauf angeboten wird, vor allem schön bemalte Kacheln. Außerhalb der Altstadt besuchen wir den Ateshkadeh, den zoroastrischen Feuertempel, in dem die ewige Flamme seit 1474 hinter einem Fenster brennt. In einem anderen Gebäude wird die Lehre Zarathustras, die sich mit dem ewigen Kampf des Guten gegen das Böse beschäftigt, auf Tafeln dargestellt, die in altes Englisch übersetzt wurden. Sie glauben an einen allmächtigen omnipotenten Gott Ahura Mazda. Da die Zoroastriker an die Reinheit der Elemente glauben, verweigerten sie die Beisetzung der Toten, um die Erde nicht zu verunreinigen. Stattdessen wurden sie auf den „Türmen der Stille“ den Geiern zum Fraß ausgesetzt. Heute werden sie stattdessen einbetoniert.
Am Ende unseres Ausflugs in Yazd werden wir zu unserem Hotel zurückgebracht. Der Abschied von unseren neuen herzlichen und großzügigen Freunden Sara und Mehdi fällt uns schwer, aber sie müssen zurück nach Teheran.
Den größten Teil des Freitags (18. Oktober) verbringen wir faul im Hotel, in dessen Außenbereich es gemütliche, schattige Sitzflächen in einer gepflegten Gartenanlage gibt, mit Kartenschreiben und der Planung unserer weiteren Reise. Erst am Nachmittag, wenn die Mittagshitze vorbei ist, lassen wir uns von einem Taxi in das historische Zentrum bringen und versuchen, uns ohne einheimische Helfer zurechtzufinden. Im Licht der sinkenden Sonne sehen die Lehmbauten und Moscheen besonders anheimelnd aus. Da die Geschäfte geschlossen sind, begegnen uns nur wenige Menschen.

Jaame-Moschee in der Abenddämmerung

Jaame-Moschee in der Abenddämmerung

Nach Sonnenuntergang wird die Jaamemoschee beleuchtet und vermittelt einen zutiefst orientalischen Eindruck. Als wir uns schließlich in der Dunkelheit doch verlaufen, bestellen wir uns von einem Hotel aus ein Taxi. Der ältere Fahrer, dem wir unsere Hoteladresse zeigen, ist offensichtlich Analphabet und muss sich Hilfe holen. Taxi fahren ist wie aller Transport im Iran spottbillig. Für die immerhin gut viertelstündige Fahrt zahlen wir umgerechnet nur etwa 1€. Als wir nach dem Abendessen in unserem Hotel noch ein bisschen im Garten sitzen, fällt uns die große Temperaturamplitude des Wüstenklimas auf: es ist empfindlich kühl.

Am Samstag, dem 19. Oktober lassen wir uns zum Busbahnhof bringen. Unser Bus nach Isfahan fährt um 11Uhr ab, und bringt uns zunächst nach Naein zurück, um dann westwärts zu fahren. Die wüstenhafte Landschaft wirkt trostlos in ihrer Kargheit und Weite. Die wenigen Lehmbauten, an denen wir vorbeikommen, mögen wohl einst als Karawanserei gedient haben. Auf endlos weiten Flächen versucht man, durch Buschpflanzungen der Erosion Einhalt zu bieten.
Gegen 15.30 Uhr erreichen wir das Busterminal von Isfahan, und lassen uns von einem Taxi in das Stadtzentrum bringen. Der Taxifahrer versucht, uns zu einem besonders günstigen Hotel zu bringen, aber wir bestehen darauf, an der Si-o-Se-Brücke auszusteigen, um selbst eines der zuvor im Lonely Planet ausgesuchten Hotels zu finden. Das ist trotz fehlenden Stadtplans auch gar nicht schwer, allerdings landen wir in einer ziemlichen Bruchbude mit harten Betten, zerbrochenem Klodeckel und stinkendem Bad, nicht so „nice“ wie angekündigt. Wir machen uns auch gleich auf den Weg zu der Si-o-Se-Brücke, eine der ältesten von 11 Brücken über den Zayandeh, der die Stadt in eine nördliche und südliche Hälfte teilt. Der Fluss ist – bedingt durch einen Staudamm, dessen Wasser die Stadt reichlich versorgt- völlig trockengefallen, man kann ihn in seinem Flussbett bequem überqueren, aber die Brücke, die nach ihren 33 Bögen benannt ist und 1599 gebaut wurde, ist eine vielgenutzte Fußgängerbrücke, in deren Nischen zahlreiche Jugendliche zusammensitzen, klönen oder Musik machen. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Die Straßen sind sehr gepflegt mit üppigem Baumbestand und sattgrünem Rasen. Kleiner Nachteil: es stinkt nach Hühnerkacke, die offenbar zur Düngung verwendet wird. Nach längerem Suchen finden wir ein Café, und staunen über den üppigen Preis! Allerdings: es ist „Illy“. Auf dem Rückweg erstehen wir „Gaz“, die Spezialität von Isfahan, eine Art Nougat mit bis zu 38% Pistazien.
Am Sonntag, dem 20.Oktober, beginne ich den Tag mit einem Lauf entlang des Flusses, der beidseitig mit einer schönen begrünten Promenade versehen ist. Als uns das Frühstück statt im Restaurant serviert wird, haben wir die Nase voll von unserer Unterkunft, und finden 100m weiter ein anderes Hotel, das zwar etwas teurer, aber unvergleichlich besser ist. Dann beginnt inmitten des superlauten Verkehrs auf den Hauptstraßen eine etwas nervenaufreibende Suche nach einer Bank, in der wir Geld tauschen können, und nach dem Tourismusbüro, wo wir eine Fahrkarte für die Fähre von Bandar e Abbas im Süden des Landes über den persischen Golf nach Sharjah in den arabischen Emiraten erstehen. Gerne würden wir auch eine Eisenbahnkarte nach Shiraz haben, aber die fährt morgens um halb drei! Da müssen wir leider eine siebenstündige Busreise auf uns nehmen! Eine freundliche Angestellte namens Rihana spricht uns an und lädt uns zu einem Besuch ihrer Englischschule am nächsten Tag ein. Wir sind gespannt!

In der Vaudkirche von Jolfa

In der Vaudkirche von Jolfa

An einer Mittagspause in unserer Luxusunterkunft machen wir uns auf den Weg nach Jolfa, dem armenischen Stadtteil von Isfahan. Er ist fußläufig erreichbar. Wieder staunen wir, wie gepflegt und anspruchsvoll in der Bausubstanz diese Stadt ist. Die Armenier sind im 16.Jahrhundert wegen ihrer unternehmerischen Fähigkeiten in Isfahan immigriert und mit besonderen Freiheiten ausgestattet worden, insbesondere, was ihre Religionsausübung betrifft. Es gibt 17 christliche Kirchen hier, aber nur zwei von ihnen werden von den noch 5500 Armeniern genutzt und sind für Besucher zugänglich. Beide Kirchen, die Bethlehem- und die Erlöserkirche (armenisch genannt Vaud-Kirche) stellen eine überraschende Verbindung islamischer und orthodoxer Baukunst dar. Im Inneren sind riesige Wandgemälde in prachtvollen Farben insbesondere über den Leidensweg Christi, der an Grausamkeiz in der Darstellung nicht zu übertreffen ist. Bei der Erlöserkirche gibt es ein großes Museum über die Geschichte der Armenier in Esfanhan.

Im Museum der Vaudkirche

Im Museum der Vaudkirche

Erwähnt wird hier auch der Besuch einer Gruppe deutscher Astronomen 1874, die hier in Jolfa einen Venustransit beobachtet haben. Besonders beeindruckend sind Fotographien über den Genozid an den Armeniern in der Türkei 1915- 1917. Mir fällt ein englischsprachiges Buch auf, in dessen Titel auf die Verantwortung Deutschlands für diesen Völkermord hingewiesen wird. Das ist mir neu und eigentlich nicht vorstellbar. (Trifft aber zu!)
Auf dem Rückweg hört Dorothea die Rufe der in großer Fülle entlang des Flussufers jagenden Fledermäuse.
Abends gehen wir im Nobahar-Restaurant gegenüber unserem Hotel, das als das beste von Isfahan gilt, essen. Der Laden ist proppevoll mit Touristen, das Essen schmeckt super. Am Nachbartisch sitzt eine einzelne Frau, Dorothea lädt sie ein, sich an unseren Tisch zu setzen, was sie gerne annimmt. Sie hat den merkwürdigen Namen Jugdeep, stammt aus Indien, wo sie Medizin studiert hat, und arbeitet seit 25 Jahren in Australien als Ärztin. Das Gespräch mit ihr ist intensiv und interessant, weil sie schon in der ganzen Welt herumgekommen ist und sich eine Meinung gebildet hat. Besonders schwärmt sie von Südamerika. Als wir erzählen, dass wir nach Indien wollen, ist sie entsetzt, und sagt, davon könne sie nur abraten. Sie kommt noch regelmäßig auf Besuch nach Indien, aber jedes Mal sei es schlimmer, was den Krach, den Schmutz, die Aufdringlichkeit und der krasse Gegensatz zwischen arm und reich angehe. Wir hatten ja schon vorher unsere Befürchtungen, aber diese werden doch unerwartet verstärkt. Es wird sich zeigen, ob sie zutreffen! Sie sagt, dass sie im nächsten Jahr mit ihrem Mann nach Dänemark kommen will. Natürlich laden wir sie ein, uns in Melsdorf zu besuchen, wie auch wir nach Australien eingeladen werden. Sie ist auch von diesem Land begeistert, nur von den Australiern und deren angeblich extrem faulen Lebensstil hält sie nicht viel.
Am Montag (21.Oktober) treffen wir beim Hotelfrühstück auf ein holländisches Paar, Kees und Deeny. Sie sind seit Anfang Oktober im Iran unterwegs und haben schon sehr viel mehr als wir gesehen. Insbesondere bekommen wir von ihnen eine Hotelempfehlung für Shiraz. Sie erzählen, dass sie seit vielen Jahren 3 Monate pro Jahr verreisen! Sie waren schon zwanzig Mal in Indien, und meinen, dass es trotz aller Ärgernisse ein faszinierendes Reiseland ist. Wir bekommen in einer halben Stunde so viele Tipps über das Land und Reiserouten, das wir kaum mitschreiben können. Eine tolle Begegnung.

Am Imamplatz von Isfahan

Am Imamplatz von Isfahan

Heute bummeln wir sehr entspannt zum Imamsquare, den wir dank unserer Ortskenntnis auf schönen Parkwegen erreichen. Es ist – nach dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking- der zweitgrößte Platz der Welt, ein ausgedehntes Rechteck mit schönem Teich. Er wirkt leer, obwohl sich eine Menge Besucher hier aufhalten. Viele lassen sich per Pferdekutsche um den Platz fahren.

Kuppel der Imam-Moschee

Kuppel der Imam-Moschee

Wir wenden uns der riesigen Imam-Moschee oder auch Jamee-Je-Abbasi-Moschee zu, die Anfang des 17.Jahrhunderts unter Shah Abbas I in 25jähriger Bauzeit von dem Baumeister Ali-Akbar-Bana-Isfahani errichtet wurde und in ihrer Ausdehnung mit ihren vier Iwanen und ihrer detailreichen Gestaltung überwältigend ist. Leider in der große Innenhof eingerüstet, was die Fotooptionen ziemlich einschränkt. In der großen Kuppel gibt es ein vielfaches Echo, wenn man zum Beispiel in die Hände klatscht. Ein Touristenführer stimmt ein religiöses Lied an und füllt mit seiner Stimme mühelos den gewaltigen Raum.

In der Azadegan-Teestube

In der Azadegan-Teestube

Da die Scheikh-Lotfallah-Moschee, unser zweites Ziel, wegen des Mittagsgebets geschlossen ist, machen wir uns auf den Weg zu der Azadegan-Teestube, die wir nach langer Suche und mehreren Nachfragen schließlich in einem kleinen Hinterhof, in dem ein Kupferschmied arbeitet und Geflügel herumläuft. Die Teestube ist ein ausgedehnter zweigeteilter Raum, die über und über vollgestopft ist mit allem möglichen orientalischen Kram, Petroleumlampen wie aus 1001er Nacht, Schwerter, jede Menge Schalen, Teekannen, Glasgefäße und Wanduhren. In der hinteren Hälfte sitzen viele Männer über ihrer Wasserpfeife, in der – wie wir später erfahren – ein „besonderer“ Tabak geraucht wird. In unsere Hälfte kommt eine Frau mit ihren drei flachsblonden Kindern, die Frau des Vorsitzenden der deutschen Handelskammer in Teheran, die sich zu uns setzt. Sie lebt schon seit sechs Jahren in Teheran, und möchte gar nicht mehr zurück, obwohl das wegen der Schulausbildung ihrer Kinder bald nötig sein wird. Auf meine scherzhafte Frage, ob an der deutschen Schule in Teheran Mathe- und Physiklehrer gebraucht werden, reagiert sie begeistert und gibt mir gleich die Telefonnummer des Schulleiters. Deutsche Lehrer werden dringend benötigt. Oh je, da komme ich ins Grübeln!

In der Lotfallah-Moschee

In der Lotfallah-Moschee

Nach dem die Gebetszeit vorbei ist, können wir nun die Scheikh-Lotfallah-Moschee besichtigen. Sie ist viel kleiner als die Jamee-Moschee und hat keine Minarette, aber sie ist ein wirkliches Kleinod mit ihrem vielfarbigen Fliesenmosaik.
Am späten Nachmittag holen wir Rihana aus der Touristenagentur ab. Sie nimmt uns in ihrem Auto mit zu ihrer englischen Schule. Sie fährt wie alle Autofahrer der Stadt, und lacht sich über unsere Schreckreaktionen kaputt, wenn es zu einem Beinahe-Crash mit Fußgängern, Fahrrädern oder anderen Autos kommt.

Rihana und der Leiter des Englischinstituts

Rihana und der Leiter des Englischinstituts

In dem Sprachinstitut werden wir von dem sechsköpfigen Kollegium freundlich begrüßt. Nacheinander besuchen wir drei Klassen, die ausschließlich aus Frauen sehr unterschiedlichen Alters, die meisten aber jung, gebildet werden. Die Lehrer, ausschließlich Männer, fordern sie auf, uns zu befragen, um ihre Kommunikationsfähigkeit zu schulen. Die Fragen werden ziemlich schüchtern vorgebracht, wie wir den Iran finden, was wir in Deutschland tun usw. Häufig kommt es zu komischen Situationen, was die Atmosphäre auflockert. Auf meine Frage, ob sie den Schleier tragen würden, wenn sie nicht dazu gezwungen wären, kommt spontan ein vielstimmiges Noyes, wobei das No deutlich überwiegt. Nach eineinhalb Stunden ist der Unterricht vorbei. Rihana sammelt irgendwo ihre Mutter ein und zeigt dann ihre Qualitäten als Fremdenführerin. Da es längst dunkel ist, bieten sich die alten beleuchteten Brücken über den Zayandeh als Ziel an. Wir kommen zuerst zur Shahrestan-Brücke, der ältesten aus dem 12.Jahrhundert, die im Vergleich zur Si-o-Seh-Brücke klein wirkt. An den Brückenköpfen sind hohe Räume, unter denen früher Kassierer saßen und die Maut für die Kamele eintrieben.

Die Khajubrücke bei Nacht

Die Khajubrücke bei Nacht

4 km weiter befindet sich die prachtvolle Khajubrücke aus der Mitte des 17. Jahrhundert. Hier gibt es zwei Ebenen terrassierter Arkaden, und in der Mitte einen schön dekorierten Pavillon, dem früher angeblich Shah Abbas II gesessen hat.

Löwe mit geheimnisvollen Augen

Löwe mit geheimnisvollen Augen

Rihana zeigt uns zwei an den Brückenenden aufgebaute Marmorlöwen, die aus der Zeit Schah Reza Pahlevis stammen. Von dem gegenüberliegenden sieht man nur die Augen in der Dunkelheit leuchten. Am Löwen selbst finden sich keine Merkmale, die dieses optische Phänomen erklären würden. Unter einem Brückenbogen sitzt oder steht eine Gruppe meist junger Männer, die in überbordender Freude ein Lied singen und durch rhythmisches Klatschen begleiten. Ein älterer Mann fordert mich zum Mitmachen auf. Rihana kann oder will uns nicht sagen, was sie gesungen haben. Der Weg zu unserem Nobahar-Restaurant gestaltet sich als mühselige Parkplatzsuche und zu allem Überfluss ist es überfüllt. So gehen wir stattdessen in ein einfaches italienisches Restaurant.
Am Dienstag (22.Oktober) verlassen wir die schöne Stadt Isfahan und steigen in einen Überlandbus nach Shiraz. Die siebenstündige Fahrt ist ziemlich eintönig, aber es gibt keine Alternative, weil es keine Städte dazwischen gibt, an denen man aus- und wieder zusteigen könnte. Bei Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Shiraz an. Hier gibt es einen Taxischalter, bei dem man erst die Fahrt bezahlt, dann einem Fahrer zugewiesen wird. Dieser ist offenbar nicht begeistert, und wendet sich einem anderen Kunden zu. Aber irgendwie klappt es doch, und in unserem Hotel „Korvar“, das uns von Kees und Diny empfohlen wurde. Abends versuchen wir, uns ohne Ortskenntnis in dem turbulenten Verkehr zurecht zu finden, und finden tatsächlich ein märchenhaft schönes Café mit Lifemusik und Restaurant, in dem es Schokoladeneis, Shiraz’ Spezialität gibt. Der Interpret, ein sehr gut aussehender Sänger, der mit einem Rhythmusinstrument traditionelle Lieder singt, begrüßt uns freundlich lächelnd, und als mir seine bildschöne Freundin ein strahlendes Lächeln schenkt, bin ich „hin und weg“. Im Iran gibt es auffallend viele schöne Menschen, viele hochgewachsen und schlank. Leider sind viele Frauen sehr stark geschminkt, vielleicht kompensieren sie damit den Zwang, ihre Haare zu verbergen und ihren Körper unter unförmigen Zelten verschwinden zu lassen.

Der Arc in Shiraz

Der Arc in Shiraz

Am Mittwoch (23.Oktober) besuchen wir zunächst die schöne Karim-Khan-Zitadelle mit vier 14m-hohen Rundtürmen, von denen einer wegen der unterirdischen Kanalisation ziemlich schief steht. Drinnen sind ein ausgedehnter Zitronengarten und ein Teich. Im Inneren der Gebäude finden wir einige interessante alte Fotographien und schöne Wandmalereien.
Vergeblich suchen wir nach einem Flug nach Bandar Abbas, um der 10stündigen Busfahrt zu entgehen: die Flüge der verschiedenen Airlines kommen alle zu spät für die nächtliche Fähre nach Sharjan. Aber wir können einen Nachtbus buchen, die zweitbeste Lösung. Im Hotel zurück buchen wir online einen Flug von Sharjan nach Mumbai, eine ziemlich nervenaufreibende Beschäftigung. Ganz leicht ist es dagegen, Hotels in Sharjan und Mumbai zu buchen!
Nach einer Mittagspause besuchen wir den ausgedehnten Vakilbazar, der kreuzförmig angelegt ist. Die von Karim Khan errichteten Gewölbeavenuen aus Ziegelsteinen sind eine architektonische Meisterleistung, die durch die unzähligen bunten Läden mit Teppichen, Stoffen und allem Möglichen zur Geltung gebracht wird. Auf dem Rückweg sehen wir, dass auf dem Platz eine Bühne und Hunderte Stühle aufgebaut werden.

Unser Shapuri-Märchenrestaurant

Unser Shapuri-Märchenrestaurant

Nach dem Abendessen in unserem Märchenrestaurant – das übigens Shapuri-Haus heißt und im Lonely Planet nicht erwähnt ist, kommen wir in der Hoffnung auf weitere Lifemusik zurück, aber es ist eine Kundgebung mit einem fulminantem Redner und einem frenetischen Publikum. Worum es geht, finden wir nicht heraus, bekommen aber ein Abschlussfeuerwerk mit.
Am Donnerstag (24.Oktober) lassen wir uns per Taxi nach Persepolis, dem wiederentdeckten Königspalast des ersten persischen Großreiches bringen. Die Fahrt dauert fast eine Stunde, aber dieser Aufwand lohnt definitiv. Die riesige Anlage ist gut besucht, aber in keiner Weise überfüllt.

Portal in Persepolis

Portal in Persepolis

Die Stadt ist unter der Eroberung durch Alexander den Großen abgebrannt, was wegen der hölzernen Dachkonstruktion naheliegend ist, aber gemessen daran ist der Erhaltungszustand der Reliefs fantastisch. Viele der Säulen sind geborsten oder umgestürzt, aber man bekommt einen guten Eindruck, wie die ganze Anlage von den achämenidischen Herrschern, vor allem Darius dem Großen(522 bis 486 v.Chr) und seinem Sohn Xerxes wohl hauptsächlich aus Repräsentationsgründen aufgebaut wurde. Das persische Reich erstreckte sich damals von Libyen bis Indien und von der Donau bis zum Nil. Besonderes Merkmal dieses Staates war der Respekt vor der Freiheit des Individuums und der Freiheit der Völker, wie sie durch die Inschriften auf der Lehmzylinder von Cyrus dem Großen zum Ausdruck kommt, von der eine Replik im Gebäude der UN-Vollversammlung in New York aufbewahrt wird. Auf den Reliefs ist der Aufmarsch der Delegationen aus der eroberten Ländern mit liebevollen Details dargestellt (Schnürsenkel und Ohrringe) in dichter Folge.

Relief-Detail

Relief-Detail

Besonders detailreich (wenn auch anatomisch nicht immer exakt) sind auch die Tierskulpturen (Schafe, Kamele, Esel und Löwen, die sich auf Stiere stürzen. Darüber schwebt der allmächtige Gott Ahura Mazda der Zoroastriker. Auf Spitze eines Berges, tief in das Gestein gemeißelt befindet sich eine Grabhöhle, die Artaxerxes II zugeschrieben wird. Wir hatten uns mit dem Taxifahrer auf eine Besichtigungszeit von zwei Stunden geeinigt, und kommen mit dieser Zeit gerade aus. Ein wirkliches Highlight unserer Reise.
Enttäuschend dagegen das Parsmuseum im Bagh e Nasar, dem sechseckigen Pavillon, in dem Karim Khan einst seine Gesandten empfing. Außer seinem Schwert und angeblich seiner Grabstätte ist nicht viel zu sehen, und auch der umgebende Garten gibt nichts Besonderes her. Da sind die 100.000 RL p.P.(ca 2,50€) unangemessen, gerade im Vergleich zu den 150.000 RL für das großartige Persepolis. Abends sind wir wieder in unserem Märchenrestaurant, wo wir schon wie Freunde begrüßt werden. Unser Sänger erzählt uns, dass er gerne in Barcelona Musik studieren will (Schlagzeug), aber gerade für junge Männer ist es (wegen des Militärdienstes?) fast unmöglich, eine Ausreisegenehmigung zu bekommen.

Am Freitag (25. Oktober) verbringen wir den Vormittag im Ehram-Garten, den schon der legendäre Hafis rühmte. In der Tat eine schöne Anlage, die von der Universität der Stadt als Botanischer Garten eingerichtet ist, obwohl sich einige Teile in keinem gepflegten Zustand befinden, und sich die Blumen jahreszeitbedingt nicht gerade ein Blickfang sind. Aber die hohen Zypressen und die Granatapfelbäume machen den Aufenthalt angenehm. Nachmittags machen wir uns auf eigene Faust in die Innenstadt. Unser Ziel ist die armenische Kirche, die wir erst nach längerem Suchen finden. Ein sehr freundlicher Herr zeigt uns das verschlossene Tor, an dem wir vergeblich läuten. Entweder schlafen oder beten sie, macht uns unser Helfer in Zeichensprache klar. Solche Begegnungen sind einfach nett, wohingegen das routinemäßige „Hello, where do you come from?“ vieler Jugendlicher auf die Dauer nervt. In den abgelegenen Gassen der Altstadt kann man sich von dem Lärm der Hauptstraßen schön erholen.
Abends essen wir in einer interessant aufgemachte Pizzeria, wobei wir bei der Auswahl der Speisen auf nonverbale Kommunikation angewiesen sind. Übrigens bedeuten angekündigte fünf Minuten Wartezeit in der Regel eine halbe Stunde, so auch hier, so dass wir die zweite Pizza nur noch einpacken können, denn es naht die Abfahrt nach Bandar Abbas. Am Busbahnhof herrscht ein unbeschreiblicher Verkehr, aber wir werden von einem Betreuer unter die Fittiche genommen, der uns im richtigen Bus unterbringt. Im Busfernseher sehen wir zum dritten Mal die gleiche Schmonzette. Die Filmauswahl scheint nicht üppig zu sein. Leider läuft die ganze Nacht Musik in unterschiedlicher Qualität und Lautstärke. Aber die Bussitze kann man fast in Liegeposition bringen und so finden wir ein paar Stunden Schlaf.
Wir müssen bekennen, dass wir einige Sehenswürdigkeiten der Stadt Shiraz ausgelassen haben, insbesondere die berühmten Moscheen und heiligen Schreine. Nach Isfahan kann es da keine Steigerung mehr geben! Leider haben wir Kulturbanausen auch die Grabstätten der berühmtesten Söhne der Stadt nicht gesehen, des berühmten Saadi aus dem 11. Jahrhundert und vor allem von Hafis aus dem 13. Jahrhundert, dem sich Goethe seelenverwandt fühlte. Immerhin lesen wir einige seiner Gedichte, deren Weinseligkeit und der schwelgenden Verehrung des weiblichen Geschlechts unser Bild des puritanischen Iran etwas erschüttern.
Am Samstag (26.Oktober) kommen wir bei Sonnenaufgang in Bandar Abbas an und lassen uns per Taxi zum Fährhafen bringen. Da unser Schiff erst um 21 Uhr ablegen soll, steht uns ein langer Wartetag in der klimatisierten Abfertigungshalle bevor. Draußen steigen die Temperaturen schnell auf Werte um die 40°C. Wir befinden uns an einem der Hitzepole der Erde! Als ich mich über das Angebot des Restaurants informieren möchte, ist mir ein junger hochgewachsener Iraner mit guten Englischkenntnissen behilflich. Als ermerkt, dass ich von dem Angebot (Kebab, Kebab, Kebab…) nicht so begeistert bin, lädt er uns ein, mit ihm per Taxi in ein Restaurant in der Stadt zu gehen. Hier ist das Essen prima! Unser Begleiter, der viele Jahre in Indien gelebt hat, arbeitet als Offizier in der Schiffahrts-Leitzentrale, und nimmt sich für uns Zeit, obwohl er eigentlich schon Dienstschluss hat. Zum Ausklang unserer Iranreise noch mal große Gastfreundschaft! Er war früher Mitglied der Basketball- Nationalmannschaft (jetzt wiegt er 130kg!). Von einem Freund, den er trifft, leiht er sich ein Auto und zeigt uns den ausgedehnten Strand der Stadt, an dem nur wenige Menschen zu sehen sind. Selbst zum Baden ist es zu heiß. Dieser Ausflug war eine willkommene Abkürzung unserer Wartezeit. An der Abfertigungshalle zurück, sind zwei Touristen da, Sohn Tobias und Vater Bernhard aus Freiburg, die mit ihrem Landrover in Richtung Kenia unterwegs sind. Während der endlosen Abfertigung taucht noch ein weiterer Deutscher auf, Friedrich, ein Rucksackreisender, den wir schon in der Türkei in Tatvan kurz gesprochen hatten. You always meet twice (mindestens, denn er will auch nach Indien). So bilden wir eine geschlossene germanische Gruppe im Passagieraufkommen der Überfahrt, an der sonst nur Einheimische teilnehmen. Auffällig, dass viele Frauen hier nicht nur Schleier tragen, sondern auch eine Burka oder eine merkwürdige Gesichtsmaske, die die Nase bedeckt und dem Gesicht etwas Vogelartiges gibt. Irritierend!(wie wir später erfahren, stammt diese Tradition aus der Zeit der Besetzung von Hormus durch die Portugiesen, vor deren Begehrlichkeit sich die Frauen durch diese Maskerade schützen wollten). Das Fährschiff, ein ziemlich schrottiges Exemplar, hat außer den paar Reisenden nichts an Bord, und der Landrover ist das einzige Fahrzeug im riesigen Passagierdeck. Gut für uns, denn so kann jeder eine ganze Bank im Passagierraum belegen, und wir haben eine angenehme Nacht, die letzte im Iran.

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2 Kommentare

  1. Sabine Giessner said,

    Hallo Dorothea und Axel, schön, dass wir wieder gedanklich miterleben können, was ihr so alles erlebt. Der Iran scheint ja wirklich ein sehr lohnenswertes Reiseland zu sein, nicht nur wegen der vielen tollen Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem wegen der freundlichen Menschen! Wir wünschen euch, dass ihr auch in Indien positive Eindrücke sammeln könnt. LG, S+R

    • barreoptuurAxel said,

      Hallo Sabine und Ralf,
      es ist schön, von euch auf unserer Reise begleitet zu werden! Gerade sind wir sehr faul am Strand von Palolem/Goa. Es ist hier paradiesisch, aber leider sehr heiß!
      Eure Dorothea & Axel

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