Kappadokien

Oktober 4, 2013 at 3:57 pm (Uncategorized)

Die Brücke, die Europa und Asien verbindet

Die Brücke, die Europa und Asien verbindet

Bis zuletzt sind wir unentschlossen, auf welchem Wege wir weiterreisen wollen. Unser bevorzugtes Verkehrsmittel ist die Eisenbahn. Allerdings kann man zur Zeit nicht in einem Stück von Istanbul nach Ankara kommen, weil die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke erst ab Eskesehir in Betrieb ist, und bis zur Fertigstellung 2014 verkehren auf dem ersten Teilstück nur frühmorgens Züge. Die schönste, aber auch zeitaufwändigste Möglichkeit wäre, mit der Schnellfähre nach Bursa zu fahren, mit dem Bus nach Eskesehir und ab da mit dem Zug. Das ist aber an einem Tag kaum zu schaffen. Und so nutzen die unschlagbar günstigste und schnellste Alternative: den Fernbus. Direkt beim Hotel finden wir ein „Metro“-Büro, wo wir für nur 45 Tl eine Fahrkarte erstehen und mit dem Zubringerbus zum Otogar, dem Busbahnhof gebracht werden. Dieser hat unglaubliche Ausmaße und geht über drei Etagen. Ohne Probleme finden wir unseren Bus und bekommen unseren Platz zugewiesen. Da die großen Busunternehmen in scharfen Wettbewerb stehen, wird alles Erdenkliche getan, um die Reisenden zufrieden zu stellen. Die Busse sind blitzsauber und ein freundlicher Begleiter kümmert sich pausenlos, schenkt Kaffee, Tee oder Wasser aus und sammelt Abfall ein. Jeder Platz hat einen Bildschirm, den wir aber nicht nutzen können (und wollen). Sogar Internet ist verfügbar. Allerdings braucht man eine starke Blase, denn auf der sechsstündigen Fahrt hält der Bus nur einmal an einer Raststätte. Was tun, wenn man Durchfall hätte? Im Gegensatz zum Bus nach Istanbul, wo wir ohne Unterbrechung mit türkischer Schlagermusik traktiert wurde, kann man hier seinen Kopfhörer einstöpseln (oder nicht!) Auch von Tabakqualm ist man hier verschont, obwohl fast alle (selbst die alten Frauen) in der Pause ihre Zigarette qualmen.

Unsere Pension in Uchisar

Unsere Pension in Uchisar

In Ankara angekommen können wir gleich unser Ticket zur Weiterfahrt nach Kappadokien am nächsten Tag kaufen. Doch wo bleiben in der Nacht? In der Meinung, direkt beim Busbahnhof würden wir, wie in Istanbul, problemlos und in der direkten Umgebung eine preiswerte Unterkunft finden, habe ich mich nicht darum gekümmert, was sich jetzt rächt! Schon mit dem Gepäck den Bahnhof fußläufig zu verlassen, ist schweißtreibend. Draußen sind wir von dichtem Autoverkehr umgeben und haben den Blick auf entfernte Hochhausansammlungen. Ein Taxifahrer, der natürlich nur türkisch versteht und spricht, lockt uns in sein Auto. Mit Mühe und der Hilfe einiger Passanten können wir unser Anliegen klar machen. „No problem, no problem“ meint er, und zeigt mit den Fingern an, dass es nur 5 km zum Zentrum sind. Was sollen wir machen? Eine Stunde sind wir im dichten Feierabendverkehr unterwegs, während er mit seiner Schrottkarre halsbrecherisch und mit Hupe und Lichthupe seinen Weg bahnt. Unterwegs gibt er den Fremdenführer (natürlich verstehen wir kein Wort!), bietet Zigaretten an und raucht selbst eine – ein Orientale, wie er im Buche steht! Das Hotel, das wir schließlich erreichen, passt dazu: schrottige Sanitäranlagen mit Lüsterklemmenelektrizität und Geruch nach Qualm- obwohl das Rauchen verboten ist. Nur der Preis ist dreisternig und das Personal nett!

Am nächsten Tag fahren wir mit der Metro zurück zum Busbahnhof, in 10 Minuten sind wir da!

Uchisar- vor dem Kale

Uchisar- vor dem Kale

Der Bus nach Nevsehir fährt lange Zeit entlang eines Salzsees. Außer uns sind einige Touristen unterwegs. Bei der Rast kommen wir mit  Ruby ins Gespräch, einer jungen Engländerin mit pakistanischem Vater, die schon vier Monate unterwegs ist, alleine und mit dem Fahrrad! Sie will einmal um die Welt fahren, und macht in Kappadokien ein paar Tage Pause. Dann will auch sie durch den Iran reisen, dann aber durch Tschadschikistan, Turkmenistan und Kasachstan  über Pakistan nach Indien. Ihr Blog http://www.rubyrideon.com  ist sehr beeindruckend. Bewundernswert mutig!(Seitdem folgen wir ihrer Reise. Sieben Monate (im April 2014)später ist sie in Indien unterwegs. Unglaublich, wie oft sich unsrere Reisewege gekreuzt haben: Türkei, Iran, Emirates, Indien!).

In Nevsehir, dem Hauptort von Kappadokien, steigen wir in einen anderen Bus um, der uns nach Uchisar bringt, unserem ersten Ziel. Auf den wenigen Kilometern kommen wir mit einer jungen Frau aus Essen ins Gespräch, die ebenfalls schon seit mehreren Monaten unterwegs ist. Sie war in Marokko, in mehreren Staaten im Süden Afrikas sowie in Indien. Sie hat sich überall sehr gut gefühlt, nur nach Indien würde sie nicht noch mal alleine reisen. Zur Zeit macht sie ein Praktikum in Ankara und fährt nur für dieses Wochenende nach Göreme.

Feenkamine

Feenkamine

In Uchisar angekommen, schnappt sich eine ältere Frau namens Fatme Dorotheas Koffer, und geleitet uns ungefragt, aber mit der Aussicht auf ein paar Lire zu der Unterkunft, die wir am Vorabend gebucht haben. Ein Paradies, gerade im Vergleich mit der gestrigen Unterkunft, nur leider nicht eben billig! Der Innenhof ist mit Weinlaub überzogen, überall stehen Blumenkübel herum. Die Zimmer sind mit dem Tuffgestein gebaut, aus dem die ganze Gegend besteht, und die Kappadokien so berühmt gemacht hat. Nach dem Begrüßungstee erkunden wir den Ort und werden von dem erst drei Monate alten Welpen des Hauses begleitet.

Wohnhöhlen im Kale

Wohnhöhlen im Kale

Das Abendessen enthält ein äußerst vielfältiges Menu mit Dutzenden lokaler Spezialitäten, eine schmackhafter als die andere. Als  wir schon pappsatt sind, wird noch ein warmer Hauptgang, gefüllte Aubergine und verschiedene Nachtische gereicht. Einfach klasse!

Auch das Frühstücksangebot am Sonntag, dem 29. September, übertrifft unsere Erwartungen an Reichhaltigkeit und Schmackhaftigkeit.

Die Wohnhöhlen sind in den Fels geschlagen

Die Wohnhöhlen sind in den Fels geschlagen

Ich mache mich auf den Weg in das wenige Kilometer entfernte Göreme, der bekannteste und touristischste Ort Kappadokiens auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft. Auch hier ist die natürliche Umgebung überwältigend. Mit dem Bus geht es zurück nach Uchisar. Nachmittags nehmen wir einen Imbiss in dem direkt neben der Unterkunft gelegenen Restaurant, dessen lautstark deutschsprechender Inhaber uns mit seiner Fröhlichkeit zum Lachen bringt. Anschließend besteigen wir den „Kale“, Pflichtprogramm in Uchisar, der herausragende Tuffstein mit unzähligen Wohnhöhlen, von dem aus man den ultimativen Rundblick bis hin zu dem fast 4000m hohen erloschenen Vulkan Erciyes im Osten. Im Ort sprechen noch viele Männer französisch, denn hier befand sich eine Niederlassung des Club Méditerrané, bei dem viele Einheimische Arbeit fanden.

Feenkamine in Göreme

Feenkamine in Göreme

Der Kale von der Rückseite

Der Kale von der Rückseite

Am Montag, dem 30.September, heißt es früh aufstehen, denn das Highlight unseres Kappadokienaufenthaltes, beginnt schon vor Sonnenaufgang.

Die ersten Ballons werden aufgeblasen

Die ersten Ballons werden aufgeblasen

Um 5.10 Uhr holt uns ein kleiner Bus von unserer Pension ab, sammelt noch ein paar weitere Fahrgäste ein und fährt dann nach Göreme, wo einer Freifläche außerhalb von Göreme schon einige Hundert Touristen versammelt sind. Hier bekommen wir Kekse und Kaffee gereicht. In der Dunkelheit hören wir das Fauchen von Ventilatoren und erkennen schemenhaft, wie sich riesige Ballonhüllen aufblähen.

Hunderte Ballons am Morgenhimmel

Hunderte Ballons am Morgenhimmel

Gasbrenner schicken meterlange Flammen ins Innere. Im Morgengrauen werden wir dann zu unserem Ballon geführt. Der Korb hat eine gut ein Meter hohe Umrandung und ist in acht quadratische Abteile aufgegliedert, in denen jeweils bis zu vier Fahrgäste Platz finden. Wir haben Glück: in unserem Eckabteil sind wir zu zweit, und haben genug Bewegungsfreiheit und gute Sicht in alle Richtungen. Um uns herum steigen jetzt Ballons hoch. Schließlich steigt  auch unser Ballon langsam auf und gewinnt dann immer schneller an Höhe.

Sonnenaufgang vor derVulkansilhouette

Sonnenaufgang vor derVulkansilhouette

Unser englisch sprechender Pilot informiert uns über die Flughöhe. In achthundert Meter Höhe gleiten wir leicht ostwärts und erleben vor der Kulisse des 4000m hohen Vulkans Erciyes den Sonnenaufgang. Was für ein Glück, einen so strahlenden Morgen erwischt zu haben. Mit uns sind über 100 Ballons unterwegs. Nach einiger Zeit in der Höhe sinkt der Ballon abrupt ab. Durch die Kunst des Piloten findet der Sinkflug knapp zwei Meter über dem Boden sein Ende und wir gleiten unmittelbar über die bizarren Felsformationen dahin. Beim Wiederaufsteigen erleben wir den Sonnenaufgang erneut und haben in über 1000 Meter Höhe den ultimativen Rundblick Nach gut einer Stunde Flugzeit beginnt das Landemanöver. Noch ein bisschen Aufregung, als wir nur knapp über einer Stromleitung fliegen. Dann ergreifen zwei Helfer die ausgeworfenen Halteleinen und mit leichtem Schurren setzen wir sanft auf. Bevor wir aussteigen, wird der Ballon auf einen  bereitstehenden Anhänger

Zuckerbäckerlandschaft

Zuckerbäckerlandschaft

gehoben. Nach der Landung bekommen wir ein Zertifikat über unsere Teilnahme und ein Glas „Champagner“ gereicht. Danach werden wir mit Bussen zu unserer Unterkunft gebracht. Leider büße ich bei der Unternehmung mein Portemonnaie samt Perso ein. Bedauerlich, alle Versuche der Wiederbeschaffung bleiben erfolglos. Am Vormittag verlassen wir unsere geliebte Kilim-Pension in Uchisar und lassen uns mit dem Taxi nach Göreme bringen. Wir wohnen hier in der preiswerteren Rock Valley Pension, die sich sehr ruhig am südlichen Ende des Ortes befindet. Trotz des Touristenansturms hat Göreme seinen dörflichen Charme bewahren können.

Den ganzen Tag werden Kürbisse entkernt

Den ganzen Tag werden Kürbisse entkernt

Direkt vor unserem Fenster sitzen die Frauen jeden Alters vor einem Berg Kürbisse, die sie aufschneiden, um die Kerne heraus zu puhlen. Dabei schwatzen sie von morgens bis abends mit einander. Die Touristen sind zu einem großen Teil Chinesen, so zahlreich, dass man meint, die Türken bilden hier nur eine Minderheit!

Unterwegs mit dem Moped

Unterwegs mit dem Moped

In der vagen Hoffnung, das verlorene Portemonnaie wieder zu finden, mieten wir für wenig Geld einen alten Motorroller, und versuchen, unseren Landeplatz wieder zu entdecken. Doch die wenigen Merkmale, die uns in Erinnerung sind, reichen nicht aus. So lernen wir  aber die Landschaft aus einer anderen Perspektive kennen und fahren über Zelve und Ürgüp in einem weiten Bogen zurück. Wegen fehlender Ausschilderung verpassen wir die Abfahrt nach Göreme und fühlen uns auf der autobahnartigen Straße nach Nevsehir ziemlich unwohl. Die Strecke, auf der wir nach Göreme zurückfahren, ist ziemlich gebirgig und führt über Basaltpflaster auf Serpentinen. Wir sind froh, wohlbehalten zurückzukommen. Wir schlendern durch den Ort und finden hoch oben ein schönes Restaurant mit Blick über den Ort. Hierher kehren wir nach dem Dunkelwerden zum Essen zurück. Es wird uns in einem verschlossen Tontopf serviert, dessen Deckel man durch kräftiges Klopfen mit dem Messer entfernen muss. Als wir es nicht schaffen, übernimmt es der Kellner. Bei seinem kräftigen Schlag zerbricht der Deckel in Scherben, die im Essen landen. Das sei ganz normal, meint er.

Am Dienstag wandern wir bei bestem Wetter durch das Taubental nach Uchisar. Das Tal trägt seinen Namen nach den zahllosen Taubenschlägen, die in den Fels gehauen sind und noch heute genutzt werden. Der Weg verläuft zunächst ganz flach, enthält aber dann einige steile Anstiege, die einigen uns entgegen kommenden Wanderern offensichtlich Probleme machen. Auf dem Rückweg werden wir von einer Gruppe freundlicher englischer Mountainbiker überholt. Offenbar überschätzen sie ihre Fähigkeiten, denn am dem Steilstück landet einer auf dem Hintern, ein zweiter schürft sich beim Sturz den Oberarm auf, was er mit heldenhaften Lächeln verarbeitet, das ihm bei der Wunddesinfektion allerdings vergeht. Abends essen wir im erstklassigen „Topdeckrestaurant“, dessen tolle Atmosphäre allerdings durch zwei laute bayrische Ehepaare beeinträchtigt wird, die uns stark an Loriots Kosakenzipfel erinnern.

Am nächsten Morgen (Mittwoch, 2.Oktober) geht es mit dem Bus nach Nevsehir und von da aus mit einem Anschlussbus nach  Kaymagli

In der unterirdischen Stadt von Kaymagli

In der unterirdischen Stadt von Kaymagli

. Die gut halbstündige Busfahrt kostet ganze 8 Tl für uns beide! Hier gibt es eine unterirdische Stadt aus der Zeit des frühen Christentums. Hier konnte die gesamte Stadtbevölkerung vor feindlichen Belagerungen Zuflucht für mehrere Monate finden. Zahlreiche unterirdische Geschosse sind durch enge, nur in gebückter Haltung passierbare Gänge miteinander verbunden, die allesamt durch schwere kreisrunde Steinscheiben verriegelbar waren. Oben waren Stallungen und Vorratsräume untergebracht, in den tieferen Geschossen befanden sich Wohn-und Schlafräume, Küchen mit Herdstellen, Gebetsräume und Gräber. Wichtig das Belüftungssystem durch senkrechte Kamine, durch die noch heute frische Luft weht. Als zweites Ziel haben wir uns heute das von Kaymagli ca 40 km entfernte Soganli gewählt, das leider nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Vergeblich suchen wir in dem Ort nach einem Taxi. Am Parkplatz vor der unterirdischen Stadt fragen wir einen jungen Mann nach einem Taxi. Er malt als Fahrpreis 150 in den Sand. Als wir abwinken, fordert er uns auf, eine eigene Preisvorstellung zu machen. Ich biete 70 Tl an, was er zurückweist. Nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf 80 Tl, immerhin fast 30€! Er telefoniert ein Auto herbei, ziemlich altersschwach, sicher kein Taxi. Dessen Fahrer ist ausgesprochen höflich und freundlich. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir Soganli, das dem Fahrer offensichtlich völlig unbekannt ist,so dass er trotz Ausschilderung mehrfach fragen muss. In dieser Gegend gibt es keine Feenkamine mehr, aber das Wasser hat tiefe Schluchten in das weiche Gestein geschnitten. Soganli ist berühmt für seine Basiliken aus frühchristlicher Zeit, die hier auf einem Rundweg angeordnet sind und frei zugängig.

Heiligenbilder in der Schwarzkopfkirche

Heiligenbilder in der Schwarzkopfkirche

Die erste, genannt Schwarzkopfkirche, enthält beeindruckende Deckengemälde mit religiösen Motiven, die allerdings erst im frühen Mittelalter erneut aufgebracht wurden, nachdem die ursprünglichen nach einem Bilderstreit übertüncht wurden. Die gut erhaltenen Darstellungen sind beeindruckend, leider aber stark beschädigt. Dass religiöse Gründe dazu führten, dass den Heiligenbildern die Augen ausgeschlagen wurden, kann man ja irgendwie verstehen, aber die vielen Graffitti sind schon ärgerlich. Unser Fahrer weist uns auf eine Vertiefung im Boden eines Nebenraums hin, in der offensichtlich Wein gekeltert wurde. Weitere Kirchen heißen Schlangenkirche, weil hier der heilige Georg seinen Drachen erlegt haben soll.

Vor der Domkirche

Vor der Domkirche

Von der Architektur her ist auch die mehrgeschossige Domkirche beeindruckend wie überhaupt die unzähligen in die Steilwände gehauenen Höhlen. Auf dem Weg zurück werden wir von wolkenbruchartigem Regen und Gewitter überrascht, dem allerdings die Fahrer der Mopeds und nicht überdachten Trecker, die wir überholen, ungleich mehr ausgesetzt sind. Zurück in Kaymagli, schenkt uns der Fahrer süße Weintrauben und Äpfel aus seinem Garten, bevor er uns in ein Dolmus (Sammeltaxi) nach Nevsehir setzt. Dessen freundlicher Fahrer hat 10 Jahre in der Schweiz als Patissier gearbeitet und spricht ausgezeichnet französisch.

Am Donnertag, 3.Oktober, ist das Wetter schlecht. Es regnet den ganzen Vormittag und ist empfindlich kühl. Mittags wird es aber trocken. Wir machen eine spontane Wanderung zum bekannten Freilichtmuseum von Göreme, das bereits von zahlreichen Busbesatzungen belagert wird. Statt uns in das Getümmel zu stürzen, klettern wir rechts der Straße in den Felsen, wo wir außer einem tollen Blick den Zutritt zu mehreren Felshöhlen bekommen, deren Bemalung wiederum an frühchristliche Kirchen erinnert, deren Dichte ist erstaunlich ist. Etwa drei Stunden sind wir fast alleine unterwegs.

Abends fahren wir mit dem Bus in die  Karawanserei Saruhan in der Nähe von Avanos. Das historische Gebäude von 1249 ist in seiner ganzen Pracht wiederhergerichtet. In seinen hohen Mauern umfasst es einen offenen Innenhof mit einem Brunnen, an dessen Seiten mehrere große Gemächer angeordnet sind, in denen in früheren Zeiten Menschen und Tiere der Karawanen Unterkunft fanden. Im zentralen Gebäude finden Derwisch-Zeremonien auf einer quadratischen Fläche mit 10m Seitenlänge statt. Das Publikum sitzt auf Bänken vor jeder der Seiten, geschätzt 250 Teilnehmer. Zu Beginn schreiten 9  schwarz gekleidete Derwische mit hohen Fezen, sich verneigend, ein. Vier sind Musiker (ein Schlaginstrument, eine Art Zither, ein gitarrenähnliches Saiteninstrument und eine Flöte, vier weitere sind Tänzer. Der neunte, der sich durch seinen weißen Fez von den anderen unterscheidet, scheint der Oberderwisch zu sein. Die Zeremonie beginnt beginnt mit einem verhaltenen Sologesang eines der Musiker mit einer eigenartig lautstärkemodulierten Stimme. Dann setzt der Flötenspieler mit einer getragenen Melodie fort. Zither und Schlaginstrument kommen hinzu und die Musik wird lebhafter und rhythmischer. Dann legen die vier Tänzer das schwarze Obergewand ab, darunter tragen sie eine weiße Weste und einen langen weißen weiten Rock. Sie drehen sich, begleitet von den Musikern, im Gegenuhrzeigersinn gleichförmig um die eigene Achse, so dass der Rock einen breiten Kegel bildet. Die Arme sind erhoben, wobei eine Handfläche nach oben geöffnet, die andere nach unten . Die Köpfe sind geneigt, die Augen geschlossen. Im letzten Teil der Zeremonie hält der Oberderwisch eine Koranlesung. Ingesamt eine sehr fremdartige undurchschaubare Vorstellung.

Am Donnerstag (4.Oktober) bereiten wir uns auf unsere Weiterreise vor. In den Tagen zuvor sind wir immer wieder bei einem Handwerker vorbeigekommen, der aus den Hüllen von Flaschenkürbissen herstellt. Mit einer Art Zahnarztbohrer bohrt er Lochmuster in die Hülle, die mit bunten Einsätzen verziert werden. Eine, die uns gut gefällt, wählen für unseren Wintergarten zu Hause aus. Die Verkaufsverhandlungen bei einem Glas Tee finden mit einem Übersetzer in angenehmer Atmosphäre statt. Wir einigen uns auf den Kauf zweier weiterer kleiner Lampen, von denen eine ein „Geschenk“ ist. Das größere Problem ist der Versand. Im Postamt quetschen der Beamte die Lampen in den größten vorhandenen, aber immer noch zu kleinen Karton. Wir sind gespannt, ob er sein Ziel heil erreicht!

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3 Kommentare

  1. Kika und Peter said,

    Hallo Katinka, hallo Axel, ich weiß nicht wie ich euch erreichen soll. Bin zu blöde. Ich will sagen, der Bericht ist ist spannend und ich habe das Gefühl, ich bin ständig dabei auf eurer abenteuerlichen Reise.
    Meine iranische Freundin ist wahrscheinlich nicht in Teheran, sie antwortet nicht auf meine e-mail. Gruß Kika und Peter

  2. Sabine Giessner said,

    Hallo ihr 2 Weltenbummler, die Ballonfahrt muss ja wohl traumhaft gewesen sein! Schön, dass es euch gut geht und dass ihr wieder so viele tolle Erlebnisse habt. LG, Sabine und Ralf

    • barreoptuur said,

      Hallo Sabine und Ralf! Viele Grüße nach Melsdorf.

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