Constanta-Istanbul

September 26, 2013 at 8:55 pm (Uncategorized)

Am nächsten Morgen (Montag, 23.September) stehen wir um 4.45 Uhr auf. Trotz der frühen Stunde bekommen wir ein Frühstück und der Hotelmanager lässt es sich nicht nehmen, uns in der noch sternklaren Nacht mit dem Motorboot zum Anleger zu bringen, wo um 6 Uhr ein Schiff nach Tulcea abgeht. Es sind einige Angler auf Heimreise und einige Einheimische sind mit an Bord, darunter ein freundlicher älterer Herr, der uns auf Deutsch anspricht. Er war in den Achtziger Jahren als Schiffsingenieur in Wismar und Stralsund tätig. Kurz nach neun Uhr legen wir in Tulcea an und erwischen gleich den nächsten Bus nach Constanta.

Römische Säule in Constanta

Römische Säule in Constanta

Hier lassen wir uns mit dem Taxi zu unserem Hotel bringen, was sich als Autowaschanlage mit Übernachtungsmöglichkeit erweist. Modern und sehr sauber, aber außer uns hält sich niemand auf. Zum Glück ist es in fußläufiger Entfernung zum Busbahnhof Süd, wo wir gleich die Tickets für den Transfer nach Istanbul am nächsten Tag kaufen. Angenehme Überraschung: Sie sind billiger als die Internetinformation und vor allem: die Fahrt dauert nur zehn Stunden und nicht siebzehneinhalb! Allerdings ist die Ankunftzeit um Mitternacht nicht gerade praktisch.

Am schwarzen Meer

Am schwarzen Meer

Nachmittags machen wir uns auf einen Spaziergang Richtung Hafen. Der Autoverkehr ist sehr lebhaft. Zum Glück halten alle Autos an, wenn man einen Zebrastreifen betritt. Unangenehm fällt auf, dass die Fußwege oft durch parkende Autos versperrt werden. Außerdem gibt es erschreckend viele Straßenhunde, die sich an den Müllansammlungen herumtreiben, die überall herumliegen. Die Stadt, vor allem die Hafengegend ist gezeichnet durch den Kontrast von Verfall und Aufbruch.

Zerfallenes Haus

Zerfallenes Haus

Viele Häuser sind abbruchreif, doch nicht alle verlassen. Doch gleichzeitig wird überall gebaut.

Archäologisches Museum

Archäologisches Museum

Die Uferpromenade wird sehr aufwändig wiederhergestellt. Viele Straßen sind aufgerissen, so dass man sich nur mit Mühe seinen Weg als Fußgänger bahnen kann. Am Archäologischen Museum gönnen wir uns ein Essen in einem vornehmen Restaurant. Schließlich kaufen wir noch Reiseproviant und Frühstück für den nächsten Tag ein, im „Kaufland“. Es gibt hier ausschließlich deutsche Supermärkte, wie Lidl, Plus usw.
Am Dienstagmorgen mache ich mich noch einmal auf dem Weg zum archäologischen Museum, das gestern abend schon geschlossen hatte.

Amphoren

Amphoren

Ich bin beeindruckt von der Fülle der Exponate aus griechischer und römischer Zeit, die auch durch Säulenreste auf dem Herweg deutlich wurde. Offenbar bin ich der einzige Besucher in diesem schönen historischen Gebäude. Constanta wurde schon vor 2600 Jahren als griechische Kolonie gegründet. Heute hat es 400000 Einwohner und den drittgrößten Hafen Europas.

Remus und Romulus in Rumänien

Remus und Romulus in Rumänien

Mittags begeben wir uns zum Busbahnhof. Eine elende Kulisse für unsere letzte Stunde in Rumänien, Bettler (Zigeunerinnen mit Kleinkind, schwerst Behinderte), streunende Hunde. Wir sind froh, als der türkische Bus pünktlich losfährt. Die Plätze sind nur zu einem Drittel besetzt. Kaum zu glauben, dass die Firma bei solch niedrigen Fahrpreisen auf ihre Kosten kommt. Nach einer halben Fahrtstunde erreichen wir die bulgarische Grenze, wo man sich für die Passkontrolle viel Zeit nimmt. Da wir unsere restlichen Lei an die Bettler vergeben haben, müssen wir den Toilettengang mit einem Dollar bezahlen.

Am Busbahnhof

Am Busbahnhof

Die Fahrt durch Bulgarien geht direkt an der Schwarzmeerküste zunächst durch eine flache Landschaft mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Südlich von Varna wird es dann ziemlich gebirgig. An der Küste gibt es ganze Städte mit neuer Seebad-Architektur für Tausende Touristen. P1030652Insgesamt macht das Land einen im Vergleich zu Rumänien sauberen und wohlhabenden Eindruck, was vielleicht nur für die Küstenregion gilt. In der Luft Vogelschwärme, es handelt sich um Weißstörche auf ihrem Zug nach Süden. Aus Schleswig-Holstein sind sie schon seit August verschwunden!
Es gibt bei Burgos einen Stopp an einem Rastplatz, wo wir unseren mitgebrachten Proviant verspeisen bzw mit einem offensichtlich hungrigen jungen Mann aus Bari teilen können. Gegen 22 Uhr erreichen wir die türkische Grenze. Wir erleben eine Einreiseprozedur, wie wir sie in Europa 2013 nicht mehr für möglich gehalten hätten. Nachdem wir den Bus verlassen und einen Einreisestempel in den Pass bekommen, muss jedes Gepäckstück einzeln durchleuchtet werden. Schließlich komm noch ein junger Grenzbeamter in den Bus, und forderte jeden Einzeln in arrogant- aggressiver Weise auf, ihm den Einreisestempel zu zeigen. So ein Verhalten habe ich seit der DDR-Grenze zu Zeiten des Kalten Krieges nicht erlebt!

Hagia Sophia

Hagia Sophia

In der Türkei geht es dann auf der Autobahn sehr schnell voran, so dass wir tatsächlich um Mitternacht am Ziel sind. Die einstündige Fahrt auf endlosen Stadtautobahnen macht uns deutlich, was für eine Riesenstadt Istanbul mit heute 14 Millionen Einwohnern ist. Am Busbahnhof in Aksaray steigen wir in ein Taxi, welches uns auf dem Kennedy Cadiz entlang des Mamarameer-Ufers zum 17km entfernten Stadtteil Baykikör bringt, wo sich unsere Unterkunft, das Hotel Kuk befinden soll. Mehrfach muss er aussteigen, um bei anderen Taxifahrern den Weg zu erfragen. Am Hotel stürmt – nachts um halb zwei – der junge Portier heraus und lässt es sich nicht nehmen, unsere schweren Taschen gleichzeitig auf das Zimmer zu schleppen.

Blaue Moschee

Blaue Moschee

Am nächsten Morgen (Mittwoch, 25. September) nehmen wir unser Frühstück auf der Dachterrasse ein, von der man einen schönen Blick in alle Richtungen hat. Vor unserem Abmarsch müssen wir feststellen, dass unser Stadtplan nur das Zentrum erfasst, aber nicht die südlichen Stadtteile. Wir versuchen uns mit Google-Maps zu orientieren. Doch bald zeigt sich, dass wir den Weg zur nächsten Metro-Station nicht finden.

Am Marmarameer

Am Marmarameer

Wir sprechen mehrere Passanten an, die sich alle Mühe geben, ohne uns helfen zu können, hauptsächlich aus Verständigungsgründen. Endlich, an einer Tankstelle, finden wir einen deutschsprachigen jungen Mann. Er fordert einen Freund auf, uns mit dem Auto zu einer Station zu bringen. Der möchte für seine Hilfe kein Geld annehmen –typisch für die Gastfreundschaft, die wir an diesem Tag noch mehrfach erleben. An der Metrostation weiht uns ein anderer junger Mann in die Benutzung des Verkehrnetzes ein. Man kauft eine Karte, auf die man beliebige Beträge buchen kann. Die öffnet dann die Schranken zu den Metro- bzw Tramzugängen. Jede Fahrt – egal wie weit kostet 3 Tl (etwa 3€). So fahren mit der rappelvollen Tram bis zum Sultan Ahmet, dem touristischen Stadtzentrum. Hier wiederum kann man keinen Schritt tun, ohne von freundlichen jungen Männern zum Einnehmen von Mahlzeiten in den unzähligen Restaurants oder zum Kauf von Teppichen, Jacken usw. gedrängt zu werden. Soviel Zuwendung wird uns schnell zuviel, und wir fliehen, an der Sultan Ahmet Moschee vorbei in Richtung Ufer, wo zwar kaum Menschen sind, aber um so mehr Autoverkehr herrscht.

Alte Stadtmauer

Alte Stadtmauer

So kommen wir entlang der alten Stadtmauer wieder zurück ins Gedrängel, das sich Richtung Topkapi-Palast schiebt.

Vor dem Topkapi Palast

Vor dem Topkapi Palast

Trotz der beeindruckenden Optik verlässt uns die Lust zur Besichtigung, die wir vor langer Zeit (1977) gemacht hatten. Letzter Akt ist der Kauf eines vollständigen Stadtplans – vergeblich, alle erhältlichen Pläne zeigen nur das Zentrum. So wird auch der Rückweg zum Hotel zum Irrweg. Zunächst fahren wir drei Haltestellen zu weit. Dann helfen uns zwei – sowohl sprach- als auch ortskundige jungen Männer ungefragt weiter. Von der richtigen Haltestelle (Baykikör) weist er uns zu einem Minibus, in dem das wenige Fahrgeld einfach an den Fahrer weitergereicht wird. Das Wechselgeld komm wenig später durch viele Hände zurück. Haltestellen gibt es nicht. Man winkt zum Einsteigen und ruft, wenn man aussteigen möchte. Sympathisch unkompliziert.
Abends essen wir in einem kleinen Straßenrestaurant einen Fleischspieß. Bier bekommt man hier in der muslimischen Türkei in Restaurants nicht. Stattdessen probiere ich einen salzig-pikanten Rote Bete Saft. Nicht schlecht, aber…

Sultan Ahmet Moschee

Sultan Ahmet Moschee

Am Donnerstag (26.9.) fahren wir, inzwischen Minibus- und Tramerprobt über die Galatabrücke bis zur Endstation Kabatas. Hier liegen die großen Schiffe und prachtvolle Bauwerke (Dolmabahce-Palast).

Historische Fassade

Historische Fassade

Es geht steil bergauf zum Taksimplatz, der in den vergangen Monaten Schauplatz so blutiger Unruhen war. Davon ist nichts mehr spürbar.

Basikika Heiliger Antonius

Basikika Heiliger Antonius

Ein paar Touristen umgeben das Atatürk-Denkmal, das von einer historischen Straßenbahn umrundet wird. Wir schauen uns die christliche Triaskirche an, die drei Konfessionen versorgt, links orthodox, in der Mitte röm.-katholisch, rechts protestantisch. Entlang der belebten Istiklal – Einkaufsstraße finden wir zu unserer Überraschung zwei weitere christliche Kirchen. Eine enthält eine Bronzebüste des „Auschwitz-Märtyrers“ Maximilian Kolbe. Am unteren Ende der Straße gibt es einen Abschnitt, in dem ein Musikinstrumenten- Geschäft nach dem nächsten kommt. Hier macht es Spaß, herein zu schauen, zumal überall einige Könner am Werke sind!

Galataturm

Galataturm

Schließlich kommen wir am Galataturm an, der seit dem 5. Jh existiert und im 14.Jh als Christusturm neu errichtet wurde. Er ist 67m hoch und hat eine Aussichtsplattform, von der man eine fantastische Aussicht in alle Richtungen hat.

Blick Richtung Asien

Blick Richtung Asien

Interessant, dass von hier bereits im 17. Jahrhundert ein erfolgreicher Gleitflug unternommen wurde, der nach 7 km im asiatischen Üsküdar endete!
Unten am goldenen Horn kommt man durch eine Handwerkergegend, wo in zahlreichen Geschäften alles erhältlich ist, was es bei uns in Baumärkten gibt.

Handwerkerbasar

Handwerkerbasar

Alles ohne Verpackung. Direkt am Wasser ist der Fischmarkt, auf dem Fische vieler Arten zu Preisen angeboten werden, von denen man bei uns nur träumen kann. Die Fische werden pausenlos mit Frischwasser übersprüht, so dass es kaum riecht und auch keine Fliegen unterwegs sind. In einem der Stände, in denen Fisch gegrillt wird, lassen wir uns Calamares und eine Art Thunfisch servieren. Lecker, aber viel zu viel, das meiste lassen wir uns einpacken.
Zurück geht es über die Galatabrücke über das goldene Horn.

Galata-Brücke

Galata-Brücke

Die Brücke hat zwei Ebenen. Die untere enthält zahllose Restaurants. Über die obere rollt der Verkehr, wobei auch für Fußgänger viel Platz ist.

Angler auf der Galatabrücke

Angler auf der Galatabrücke

Am Geländer stehen unzählige Angler. Irgendwo muss der viele Fisch ja herkommen!
Auf dem Heimweg steigen wir bei einer Moschee an der Haltestelle Aksaray aus, die uns wegen ihrer filigranen Gestaltung fasziniert.
In der Abenddämmerung schreiben wir Postkarten auf unserer Hoteldachterrasse. Dorothea lauert mit dem Fernglas auf Zugvögel. Statt der erwarteten Störche sehen wir Schwärme von Bachstelzen auf dem Weg ins Winterquartier. Heimisch sind Mauersegler („alpine swift“), Falken, Sittiche und Nebelkrähen in großer Zahl.

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