Wedder op Tuur!

September 16, 2013 at 9:12 pm (Uncategorized)

 

Etwa dreieinhalb Jahre nach unserer ersten Südostasien-Reise sind wir beide wieder „op Tuur“. Auch diesmal ist das Ziel Südost-Asien, und wieder wollen wir möglichst ohne Flieger auskommen, weil angeblich „beim Fliegen die Seele nicht mitkommt“.

Uns fasziniert die langsame Art des Reisens, bei der man die Landschaft an sich vorüber gleiten lässt, bei der man ein Gefühl für die Länge der zurückgelegten Strecke entwickelt. Vor allem aber, dass die Kommunikation nicht zu kurz kommt, dass man immer wieder auf Gleichgesinnte trifft, mit denen man sich austauschen kann. Reisebeginn ist also Samstag, der 14. September 2013. Das Ende ist noch offen, im März des nächsten Jahres wollen wir wieder nach Hause kommen. Bei diesem Reisezeitraum kann man als Individualreisender keinen Plan entwickeln, zumal ein Großteil des Vergnügen darin besteht, sich treiben zu lassen, sich solange an einem Ort aufhalten zu können, wie es einem gefällt und den weiteren Verlauf nach dem gestalten kann, was man unterwegs „erfährt“.

Und so ist nur die ungefähre Reiseroute in unseren Köpfen festgelegt. Die erste Reise führte uns durch das Baltikum, durch Russland mit der „Transsib“ bis Peking. Wir haben zwei Wochen in Südkorea verbracht, bevor wir mit dem Schiff zurück nach China kamen. Mit dem Zug reisten wir in die Provinz Yunnan, von Kunming nach Dali, Lijiang und „Shangrila“, bevor wir in Jinghong die Tropen erreichten. Mit dem Schiff ging es den Mekong abwärts nach Thailand. Mehrere Wochen verbrachten wir in Laos, reisten von Houixay nach Namtha, Luang Probang, Vientiane, Pakse, durch das Bolavenplateau, den „Threethousend Islands“ nach Kambodscha. Von Pnom Penh fuhren wir mit dem Schiff auf dem Tonle Sap nach Seam Reap,  besuchten Ankor Wat , und erreichten über Battambang erneut Thailand. Nach einem Badeurlaub auf Ko Samet ging es nach Bangkok, von wo wir anlässlich der Geburt unseres zweiten Enkelkinds einen zweiwöchigen „Heimaturlaub“ einlegten. Wieder zurück in Bangkok folgte ein Tauchurlaub auf Ko Tao. Wir verbrachten einige Zeit auf Penang/Malaysia, in den Cameron Highlands und Koala Lumpur. Von dort ging es nach Borneo. Wir bestiegen unseren ersten Viertausender und genossen die wunderbare Unterwasserwelt von Sipadan. Im Sultanat Brunai  verbrachten wir die letzten Tage in den Tropen, bevor wir in Auckland/Neuseeland wieder gemäßigte Breiten erreichten. Mit dem Wohnmobil reisten wir nach Wellington, erreichten mit dem Schiff die Südhalbinsel, wo in Christchurch unsere siebenmonatige Reise endete.

Diesmal gibt es natürlich eine andere Route.

 

Stuttgart- Budapest

Unsere Reise beginnt in Stuttgart, wo wir an der Einschulungsfeier unseres Enkelkinds Anton teilgenommen haben. Wir fahren mit dem ICE nach München und quetschen uns um 23.40 Uhr in den Nachtzug nach Budapest. Das Vierer-Liegewagenabteil ist so eng, dass wir unsere Rolltaschen nur mit Mühe in das Dachfach schieben können. Die Betten oben sind für mich zu kurz und natürlich ist es viel zu heiß. Doch während der Fahrt tut die Klimaanlage ihre Wirkung und wir verbringen eine ganz angenehme Nacht. Auf die Minute pünktlich rollt der Zug in Budapest Keleti  ein. Am Bahnsteig nimmt uns unser Bekannter Vasyl im Empfang. Dorothea hat ihn bei einer Fledermaustagung in der Ukraine kennengelernt. Er ist Zoologe und arbeitet in Ungarn als Gymnasiallehrer. Seine beiden Töchter Krisztina und Gabriela studieren an der Universität in Budapest. Die Beiden haben eine Zweizimmerwohnung in Budapest, in der wir wohnen dürfen. Als wir dort ankommen, hat Gabriela, die leidenschaftliche Hausfrau ist, schon ein leckeres Frühstück bereitet.

Bald brechen wir bei bestem Wetter mit unseren Gastgebern zu einer Erkundung auf. Mit der „roten“ Metro fahren wir ins Zentrum unter der Donau durch in das historische Zentrum von Buda.

Matyaskirche

Matyaskirche

Es ist – wie die Matyaskirche – sehr aufwändig renoviert und mit seinen weißen Sandsteingebäuden eine Augenweide. Dementsprechend viele Touris laufen herum und lassen sich zum Beispiel von einer definitiv lustigen Volkstanztruppe unterhalten oder zu einer Weinverkostung einladen. Wir kommen am Palast des Präsidenten vorbei, deren Schilderwachen mit ihren staksigen Bewegungen viel Publikum anlocken.

Schilderwache am Präsidentenpalast

Schilderwache am Präsidentenpalast

Dann geht es hinunter zum Donauufer und über die berühmte Kettenbrücke

Kettenbrücke

Kettenbrücke

in das Zentrum von Pest, das mit dem unglaublich prachtvollen Parlamentsgebäude

Parlament

Parlament

und zahlreichen Jugendstilbauten mindestens ebenso spektakulär ist.

Basilika in Pest

Basilika in Pest

In der Basilika werden wir Ohrenzeugen einer öffentlichen Probe eines Bach-Oratoriums. Inzwischen wieder hungrig, kehren wir in ein erstaunlich leeres stilvolles Restaurant ein, wo es leckere Gulaschsuppe und Palatschinken gibt.

Abends ziehen wir nach Einbruch der Dunkelheit nochmals los. Die Donaubrücken und die historischen Gebäude sind augenfällig beleuchtet. Von der Budaer Seite gehen wir über die  -Brücke auf die belebte und  entsprechend laute bis zum Oktogon-Platz. Von da geht es mit einer Uralt-Metro (die älteste auf dem europäischen Kontinent)  zum „Heldenplatz“, der trotz seiner großartigen Architektur und den zahlreichen Skulpturen wie leergefegt ist.

 

Ausflug nach Estergom

 

Tolstoibüste im Zentralpark

Tolstoibüste im Zentralpark

Am nächsten Morgen fahren wir mit Vasyl zur Enthüllung einer Skulptur im Zentralpark, die von einem ukrainischen Klassenkameraden von Vasyl geschaffen würde. Die Straße wurde aus diesem Anlass gesperrt, nur das diplomatische Korps durfte in seinen Limousinen vorfahren und steht in seinen schnieken Anzügen beieinander. Zunächst werden die russische und die ungarische Hymne (allerdings von einer Konserve) gespielt, dann halten der Budapester Bürgermeister, der russische Botschafter und der Kultusminister endlose Ansprachen, die jeweils ins Russische bzw Ungarische übersetzt werden. Dann wird die Tolstoj-Büste (von den Russen gesponsert) enthüllt, und das Spektakel ist vorbei.

Auf dem Rückweg kommen wir am Transportmuseum vorbei, für dessen Besichtigung uns leider die Zeit fehlt. Aber eine schöne Dampflok und einen Antonov Ant2-Doppeldecker können wir auch von außen genießen.

Dann machen wir uns auf den Weg in das nur 40 km entfernte Estergom. Aufgrund des schlechten Straßenzustands und des heftigen Verkehrs dauert die Reise gefühlt eine Ewigkeit. Estergom wird beherrscht durch die Kathedrale – Sitz des katholischen Erzbischoffs- für deren Eröffung Franz Liszt eigens die Gran-Messe komponierte und uraufführte. Die Maße der Kathedrale sind beindruckend – nach dem Petersdom und St:Pauls-Cathedral  die größte Europas- , vom Inneren her nicht viel verschieden von anderen. Wir nutzen die Möglichkeit die 70m hohe Kuppel zu besteigen. Von oben hat man natürlich einen gigantischen Rundblick, und ein besonderes akustisches Erlebnis, das uns der Aufseher stolz vorführt. Zwischen der äußeren Kupferhülle und der inneren Kuppeldecke gibt es einen ringförmigen Zwischenraum von ca 40m Durchmesser, in dem der Schall vielfach reflektiert wird. Stellt man sich genau diagonal auf, so hört man nicht nur auch die leisesten Flüstertöne seines Gegenübers, sondern hat auch die Empfindung, dass der Schall direkt von vorne kommt. Geht man nur einen Meter zur Seite, verschwindet dieser Eindruck.

Eigentlich wollten wir zu Fuß hinüber, aber nach der langen Treppensteigerei haben wir etwas müde Füße und fahren mit dem Auto über die im zweiten Weltkrieg zerstörte und erst vor zehn Jahren im ursprünglichen Stil wiederhergestellten Donaubrücke in die Slowakei. Lediglich ein Schild auf der Brückenmitte weist auf den Grenzübergang hin. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Burganlage von Estergom und die Möglichkeit, ein paar Euro loszuwerden, für die wir recht leckeres Eis erstehen.

Blick über die Donau auf die Kathedrale von Estergom

Blick über die Donau auf die Kathedrale von Estergom

Nach der zweistündigen (!) Rückreise nach Budapest werden wir von Gabriela mit einem üppigen Mittagessen erwartet.

 

 

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