Nachtrag Südafrika

August 15, 2010 at 12:28 pm (Uncategorized)

Die Katze lässt das Mausen nicht, und ich nicht das Reisen. Seit unserer Rückkehr uas Neuseeland im März war ich etwas beschäftigungslos, während für Dorothea der harte Arbeitsalltag begann. Also habe ich mit dem Reisen weitergemacht!
Im Mai war ich zwei Wochen mit dem Fahrrad unterwegs und habe Freunde und Verwandte in Norddeutschland abgeklappert. In Tagestouren nach Lübeck, dann Hamburg, Kakenstorf (Nordheide), Lüneburg, Hannover, Hameln. Den schönen Weserradweg flussaufwärts über Karlshafen nach Kassel. Von Gießen nach Frankfurt, an Main und Rhein entlang nach Eltville, in den Westerwald nach Eitelborn, dann rheinabwärts nach Bonn und schließlich Köln.
Im Juli mit Freund Thomas nach Sardinien auf einen Zeltplatz Amfibi-Treks in Santa Lucia im Nordosten unter Pinien in Strandnähe. Alles sehr schön, aber so heiß, dass wir uns tagsüber kaum bewegen mochten. Viele nette Begegnungen bei den gemeinsamen Mahlzeiten vor allem mit Holländern, die drei Viertel der knapp 200 Gäste stellten. Ausführlicher möchte ich von einer zwölftägigen Reise nach Kapstadt berichten. Im Internet bin ich auf AVIVA gestoßen, die Freiwilligenprojekte im Naturschutz und für soziale Dienste durchführen (www.aviva-za.com). Hier mein Bericht (im Telegrammstil, sorry!):
30.07.2010
Um 12 Uhr mit Moritz zum Flughafen Fuhlsbüttel. 15.45 Abflug nach Dubai mit Emirates. 21.30 angekommen (23.30 Ortszeit). Versuch im Sessel zu schlafen. Kaum möglich, da die ganze Nacht Betrieb.

31.07.
Um 6.45 MEZ Abflug nach Kapstadt. Ankunft um 15. 30 Uhr. Werde von Keenan, dem Fahrer von Aviva abgeholt und ca 30 Min zum Aviva Haus in Tableview, einem großflächigen Einfamilienhaus- Stadtteil der völlig zersiedelten Stadt gebracht. Werde in einen 4-Bettzimmer untergebracht. Außer mir nur 1 Mann (Yann), Rest junge Frauen aus England und USA.

Musik und Tanz im Moyo-Restaurant


Abends werden wir (9 W und ich) von Keenan zum MOYO-Restaurant in Stellenbosch gebracht. Open air, man kann sich sein Essen an verschiedenen Ständen selbst zusammenstellen. Barbecue, Gemüse. Wir bekommen zur Begrüßung weiße Blumen ins Gesicht gemalt. 4 fröhliche schwarze Mädchen singen tanzen und trommeln. Gute Stimmung. Auf dem Rückweg im Auto eingeschlafen.

01.08.10
Um 7 Uhr aufgewacht. Schöner sonniger Tag, aber kühl (ca 10° ) Yann schon weg, Rest schläft. Laufe zur Atlantikküste, viel Verkehr, schlechter Bürgersteig, ca 3km.

Am Strand von Tableview (sic!)

Hohe Wellen, schöner Sandstrand, einige Surfer. Zurück im Haus Küche aufgeräumt. Mit Dorothea telefoniert (Skype). Habe Netzadapter vergessen, muss Strom sparen. Am Kap der guten HoffnungUm 12 Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung mit 6 Freiwilligen aus dem anderen Aviva-Haus. Viel Verkehr, fast zwei Stunden unterwegs. Großes abgezäuntes Naturschutz gebiet. Warnung vor Baboos (= Paviane). Austieg zum alten Leuchturm, gute Aussicht, dann zu den Felsen. Um 17 Uhr zurück, Essen bestellt. Sonntags kein Wein! Essen kommt bald, Tandori chicken und Naan garlic bread. Auch beim benachbarten Chinesen: Sonntags kein Bier, kein Wein!

02.08.10
Um 7.30 aufstehen. Megan kennen gelernt = Mutter von’s Janze.

Mit Haylay und Diana in der Küche

Mit Haylan (aus Essex,England) und Diana (aus Rom, Studentin in London)zur Schule gefahren. Kleine Küche. Kartoffeln schälen für 36 Kinder, 1 pP und ein paar extra. In großen Topf auf Elektroherd aufgesetzt, aber es dauert ewig, bis sie kochen. Um 11.30 Uhr muss alles fertig sein : Kartoffelbrei, rote Bohnen aus der Dose, Fischstäbchen. Keine Chance, Kartoffeln werden nicht gar! Kartoffelstampfer überfordert, Meg holt Toast als Ersatz.

Die Kinder essen mit Appetit

Die Kinder (6 bis 11?) sind es zufrieden, essen mit Appetit, und holen nach, aber Fischstäbchen ( 3 pP sind abgezählt, keins mehr!, dazu gibt es Orangenschnitze und Saft. Alle zufrieden, Geschirr wird per Hand gespült, danach ins Lehrerzimmer. Lehrerinnen sind resolute Frauenzimmer. Danach in die Bibliothek. Lehrerin bittet mich, vorzulesen. Langweiliges Buch von zwei Tieren, die einen Schrank anstreichen.

Strahlemann

Lasse mir viel Zeit beim Vorlesen, mache Quatsch mit absichtlicher Verwechslung, aber die Kinder kennen das nicht. Viel Druck, keine persönliche Zuwendung. Mädchen weint bitterlich, mein Herz schmilzt dahin, Lehrerin:hör sofort auf, setz dich auf deinen Platz. Danach Haylan, 24, Grundschullehrerin erklärt Auftrag: Kinder müssen Bilder ausschneiden und passend aufkleben, sehr leicht, aber viele werden nicht fertig. Macht nix, Smalltalk im Lehrerzimmer, dann zum Haus. Yann noch im Bett, die ganze Zeit (auch des Nachts) mit seinem Laptop beschäftigt. Einkaufen zum Abendessen, Wetter wieder sehr schön, 1 Stunde laufen am Strand, wofür ich sehr bewundert werde. Bekomme eigenes Zimmer. (Megan

Megan

sei Dank). Telefonat mit D. aber zu viele im Raum. Abends: jeder kocht für sich, warum?

03.08.10
Um 8.20 wieder zur Schule. Diesmal mit Daniele, einem Italiener aus Mailand. Wir bereiten den Kartoffelbrei von gestern zu mit Cottage pie. Beefhack mit Mince wird mit einer Soya-Sauce vermischt, sollte lecker sein. Leider mögen es die Kinder nicht besonders, viele bringen die vollen Teller zurück und bitten um Orangenschnitze, die eigentlich nur die Beilage bilden. Zwischendurch eine interessante Diskussion mit Megan und Andrew, dem weißen Hausmeister der Schule über die politische Situation. Sie fühlen sich durch die schwarze Regierung unterdrückt, die bei allen Besetzungen eine strikte Quotierung entsprechend der Bevölkerungsverteilung vornimmt. So können die Weißen nur 10% der Studienplätze im Lande bekommen, unabhängig von ihren Fähigkeiten und den Qualifikationen, die sie mitbringen. Nachmittags laufen mit <Daniele, er macht früh schlapp, verspricht, morgen besser zu sein. Abends kochen Daniele und ich zusammen, es gibt Pasta mit Pesto, anschließend Auberginen und Kassler.

04.08.
Diesmal fahren Daniele und ich schon um 7.45 Uhr zur Schule. Wir müssen im ersten Unterrichtsblock Vertretungsunterricht machen. Zuerst versammeln sich alle im großen Saal. Alle Mädchen sitzen links aufgereiht auf dem Fußboden, die Jungen rechts. 90% von ihnen sind Schwarze. Eine junge Kollegin hält eine Ansprache zum Tagesthema Nationaler Frauentag, der gesetzlicher Feiertag am Montag ist. Sie hebt zwei „starke“ Frauen hervor, Mutter Theresa und die Jungfrau Maria. Anschließend wird gesungen. Ein religiöses Lied zur Melodie von Kumbaya Mylord und über Father Abraham, was den Kindern besonders viel Spaß macht, weil sie sich dazu bewegen können. Zum Schluss die Nationalhymne, alle müssen aufstehen.
Dann mit einer dritten Klasse in den Klassenraum. Wir haben eine Weltkarte mit, zeigen den Schülern unsere Heimatländer und lassen sie Fragen stellen. Dann lasse ich die Kinder die Kontinente zeigen, die meisten haben keine Ahnung! Jetzt steht Mathe auf dem Stundenplan. Ich lasse die Kinder die Vielfachen von Drei und von Vier in eine Tabelle eintragen. Das geht recht gut. Anschließend müssen sie vorwärts und rückwärts zählen und dabei anstelle der Vielfachen von Drei „Piep“ sagen, danach „Bumm“ für die Vielfachen von Vier. Der Hit ist natürlich die Kombination von Beidem, was wir erst tischweise üben. Schließlich bilden wir einen großen Kreis. Jeder, der einen Fehler macht, muss ausscheiden und sich hinsetzen. Das erfordert die volle Konzentration, aber bringt den Meisten Spaß.
Dann kommt auch die Lehrerin wieder und löst uns ab. Wir helfen noch ein Bisschen bei der Essenausgabe, danach hospitiere ich eine Doppelstunde bei Mr. Rademacher, einem humorvollen Kollegen, der gleichzeitig eine Fünfte in Kunst und eine Vierte in Geographie. Er erklärt ihnen die Subsidenz- und die kommerzielle Landwirtschaft, recht plastisch, aber der Sprechanteil der Kinder ist fast Null. Danach gibt es eine Stunde Bruchrechnung mit Legosteinen, die wiederum nur der Lehrer hat. In der letzten Stunde dürfen wir in der Bibliothek Bücher in Plastikfolie einschlagen. Nachmittags laufe ich wieder am Strand. Heute sind wir schon zu sechst beim gemeinsamen Essen, ich mache Bohnensalat (kennen die anderen nicht!), Kartoffeln und Kassler. Wir gucken noch einen Film, Bruce almighty, lustig und unterhaltsam.

05.08.
Heute gibt es Hühnerfleisch und Reis. Einfache Gerichte mögen die Kinder am Liebsten. Dach wieder Büchereinbinden in der Bücherei. Zur Abwechselung darf ich wieder ein Buch vorlesen, wie ein Mädchen vom Großvater lernt, wie man Bohnen zieht. Die Lehrerin ist unentwegt am Nörgeln, weil die Kinder angeblich zu laut sind. Ihr Unterricht ist grottenschlecht. Nachmittags Laufen und abends gemeinsames Essen as usual, dem Krimi im Fernsehen kann ich nicht folgen. Stattdessen lese ich „Der Turm“ im Bett.

06.08.
Heute ist Games Day. Dafür haben die meisten Kinder Hotdogs bestellt, die wir zubereiten. Es sind etwa 300 Stück! Der kleine Herd schafft es kaum, die Würstchen lauwarm zu kriegen. Brötchen aufschneiden, Tomatenketchup rein, Würstchen rein, in einen Karton für jede Klasse abzählen. Um 9.30 muss alles fertig sein. Dann kommen die Kinder zum Spielen raus. Sie haben Marken bekommen, mit denen sie sich brav bei den verschiedenen Aktivitäten einreihen.

Spieletag

Kegeln mit Wasserflaschen und Medizinball, Gegenstände im Sand suchen, Korbball werfen., mit Magneten angeln uva. Recht einfallsreich. Ich helfe bei einem Spiel, bei dem man versuchen muss, möglichst viele Wäscheklammern an einer losen Leine zu befestigen. Jeweils zwei treten gegeneinander an, während wir laut bis 30 zählen, was ganz schön auf die Stimme geht. Danach werden die Klammern gezählt (es sind zwischen 8 und 14), der Sieger darf sich einen Preis (lauter Plastikscheiß ) aussuchen.
Nachmittags fahren wir zu acht mit dem Taxi zum Tafelberg. Wir müssen lange auf die zwei Taxis warten., deshalb kommen wir erst kurz vor vier an der Seilbahn an. Wir wollen bergauf wandern und mit der Seilbahn zurück fahren.

Aufstieg zum Tafelberg

Deshalb müssen wir uns beeilen, denn die letzte Seilbahn fährt um 6 Uhr. Der Aufstieg dauert normalerweise zweieinhalb Stunden. Wenn man schnell ist, kann man es in eineinhalb Stunden schaffen. Wir haben noch eindreiviertel Stunden Zeit, aber sind wir schnell? Bald fließt der Schweiß und das Herz pocht. Drei kehren um, weil sie nicht mehr können. Wir anderen, Luc, 2m groß und superschlank aus Holland, Diana, 1,50m groß, Studentin aus Rom, Dennis, 35 Jahre, Physiker aus Bologna und ich, der Opa kämpfen uns hoch. Es sind nur 600 Höhenmeter, aber als wir die Passhöhe erreichen, wir wir alle vier ganz schön kaputt.

Auf dem Tafelberg

Aber wir werden mit einem grandiosen Ausblick auf die botanisch sehr vielfältige Tafelbergebene, die Wolkenfelder und die Steilhänge belohnt. Und wir sind rechtzeitig und haben nur eine Stunde und 25 Minuten gebraucht! Und ganz zum Schluss kommt noch Margaret aus Kanada an, mit der wir gar nicht mehr gerechnet hatten. Ganz schön stolz fahren wir mit der Seilbahn herunter, wo uns Daniele, ganz enttäuscht von sich selbst, erwartet. Mit viel Glück erwischen wir ein Taxi, das uns sechs für nur R170 zurückbringt. Abends bestellen wir Pizza, dazu gibt es Tiramisu, von Daniele und Diana mit Leibnizkeksen zubereitet. Im Fernsehen gibt es einen Afrikathriller, aber wir sind allesamt zu müde, um ihn zu Ende zu gucken.

07.08.
Um 9.15 Uhr fahren wir mit dem Taxi zur Victoria&Alfred Waterfront in Kapstadt. Wir buchen den Blueline-Bus, einen doppelstöckigen, oben offenen Sightseeing-Bus, den man an jeder Haltestelle verlassen kann. Mit dem Kopfhören kann man eine unterhaltsame Stadtführung, sogar auf Deutsch, bekommen. Die Route führt einmal um den Tafelberg herum, geschätzt knapp 100km.

Blüte in Kirstenbosch

Unser erster Halt ist der riesige Botanische Garten in Kirstenbosch, der zu Beginn des 20.Jahrhunderts angelegt wurde und sehr vielfältig ist, obwohl es jetzt im Winter wohl die wenigsten Blüten gibt. Danach geht es zu einem ebenfalls riesigen Vogelpark mit einer Unzahl von Volieren mit überwiegend einheimischen und deswegen für uns exotischen Vögeln.

Im Vogelpark

Nur wenige sind wegen ihrer Bissigkeit von der Besuchern getrennt, die meisten lassen sie bis auf kürzeste Distanz herankommen und nehmen kaum Notiz von uns, obwohl, vor allem die Eulen und Greife, durchaus imposant und ein bisschen einschüchternd sind.

Pinguine

Außerdem gibt es eine vielfältige Kleintierfauna vom Meerschwein bis zum Känguruh. Wieder auf dem Bus, geht es zu einer der vielen Townships, wo ein freundlicher Schwarzer namens Ken auf uns wartet.

In einem Township

Er führt uns durch die dicht besiedelte Siedlung, die überwiegend aus primitiven Hütten besteht, zum Teil aber auch aus einigen Hundert Steinhäusern, die in den letzten Jahren durch die Aktivität eines irischen Philanthropen errichtet wurden, die bis auf die fehlenden Toiletten durchaus menschenwürdige Familienunterkünfte bieten. Wir dürfen in einige Hütten und Häuser hineinschauen und dürfen alles fotografieren. Nur eine Frau in einem Pub keift uns an, wir sollten ihr gefälligst Geld geben, wenn wir sie fotografieren wollen. Überall laufen Fernseher. und es gibt eine Vielzahl moderner Haushaltsgeräte, trotzdem hinterlässt das Ganze einen eher trostlosen Eindruck, nicht zuletzt wegen der Enge und der der recht primitiven Sanitärbereiche. Übrigens sind viele Südafrikaner, Männer wie Frauen, Schwarze wie Weiße stark übergewichtig, das scheint hier zum Schönheitsideal zu gehören.
Wieder auf dem Bus fahren wir entlang der Atlantikküste durch Luxussiedlungen, die nur den Allerreichsten zugänglich sind. Im Meer sind sogar Wale zu sehen, leider bekomme ich sie nicht zu Gesicht. Zu alt? Schließlich kommen wir wieder in der V&A Waterfront an, und diesmal nehmen wir uns Zeit für diese sehr touristische und im Wesentlichen auf Shopping ausgerichtete Attraktion.

Victoria&Alfred Waterfront

Ansonsten ist sie wegen der maritimen Aktivitäten uneiniger historischer Bauten durchaus attraktiv.

Politikerskulpturen an der Waterfront

Wir fahren mit Lyndon‘s Taxi zurück, der für Aviva einen Sonderpreis macht und uns sehr freundlich bedient. Leider gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, die wir anstelle der Taxis benutzen könnten. Zwar fahren überall Minibusse herum, aber sie befördern ausschließliche Schwarze und gelten als unsicher für Touristen. Zuhause gibt es wieder ein gemeinsames Essen für uns Acht, die inzwischen eine kleine Gemeinschaft bilden, während sich die schon länger hier weilenden, überwiegend US-Amerikanerinnen etwas absondern.

08.08.
Fauler Sonntag. Es ist kalt und regnerisch, so dass wir den ganzen Tag drinnen hocken. Abends koche ich Spaghetti Carbonara, Salade Nicoise und Erdbeercreme, alle sind begeistert.
09.08.
Der heutige Montag ist Frauentag und gesetzlicher Feiertag.Das Wetter ist stürmisch und wechselhaft. Die Meisten haben eine Weintour gebucht. Dennis, Daniele und ich wollen Robben Island besuchen, wo Nelson Mandela 47 Jahre gefangen war. Wir fahren mit dem Taxi zur V&A Waterfront, von wo die Boote ablegen. Pech Nr. 1: Wegen des Sturms fallen heute alle Fahrten aus. Wir beschließen, stattdessen ein Auto zu mieten und laufen durch den Regen zur AVIS Kapstadt. Pech Nr.2: Weder Daniele, Dennis noch ich haben sowohl Führerschein, Kreditkarte und Führerschein dabei. Wir lassen uns zurück zum Haus fahren, erkundigen uns nach einer Autovermietung in Tableview und lassen uns dahin bringen. Pech Nr.3: geschlossen. Zur Autovermietung nach Milnerton. Glück Nr 1: Es klappt! Dennis fährt ins ca 130km entfernte Hermannus, das für seine Wale berühmt ist.

Viel Welle, wenig Wale in Hermannus

Doch so sehr wir in das aufgewühlte Wasser starren, kein Wal weit und breit. Während wir Fish&Chips zu uns nehmen, sehen wir viele Arme auf das Meer zeigen. Aha, es gibt sie also doch. Tatsächlich sehen wir vier Wale in etwa 300 Meter Entfernung, die uns von Zeit zu Zeit ihren massigen Körper zeigen. Einer steigt mit seiner ganzen Rumpflänge aus dem Wasser. Die Tiere verbringen die Wintermonate (August bis Oktober) hier an der Küste, ohne etwas zu fressen, um dann im Sommer in den krillreichen antarktischen Gewässern zu leben.

Felsenküste an der False Bay

Schon die Hinfahrt auf der sehr gut ausgebauten Hauptstraße durch eine fast alpin anmutende, oft an Norwegen erinnernde Berglandschaft war ein Erlebnis, die Rückfahrt entlang der kurvenreichen Küstenstraße an der Falsebay ist es erst recht! Bei einem Halt bei Strandfontein bekommen wir einige Pinguine in Armweite zu Gesicht und können uns an ihrem putzigen Verhalten freuen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir über Muizenberg, Kal Bay und Fish Hoek

Pinguinkolonie bei Simonstown

das große Pinguinreservat bei Simonstown auf der Kaphalbinsel, wo sich aus einem einzigen Paar in den Achtziger Jahren eine zu Tausenden Tieren zählende Kolonie entwickelt hat. Sie bilden offenkundig Paare und sind trotzdem sehr gesellig, immer etwas zögerlich und behutsam, aber ohne Scheu vor den staunenden Menschen, watscheln sie zu ihren abendlichen Aufenthaltsplätzen, hopsen possierlich von kleinen Stufen oder lassen sich ungeschickt von einem steilen Felsen herunter gleiten. Beeindruckend ist auch ihr Gesang, den sie aus ihren Verstecken im Gebüsch ertönen lassen. Balz? Abends gibt es Hotdogs und einen spektakulären lautstarken italienischen Streit zwischen Diana und Dennis. Leider ist die Stimmung danach geknickt.

10.08.
In der Schule machen wir heute Makkaroni mit Käsesauce, was die Kinder mögen. Hinterher helfe ich Chriszonia, einer Lehramtsstudentin, beim Abbau ihrer Unterrichtsgerätschaften. Sie bringt den Kindern Afrikaans auf eine mit viel Bewegung und Spiel verknüpfte Methode bei. Sie gesteht mir, dass sie froh ist, wenn sie ihr Praktikum an dieser Schule hinter sich hat, weil sie sich mit ihren fortschrittlichen Konzepten bei den konservativen Paukern ziemlich verloren vorkommt.
Nachmittags ein langer Strandlauf in der wieder den ganzen Tag scheinenden Sonne. Abends kocht Luc Nudeln mit Hühnerfleisch für alle. Daniele, der alte Lästerer, kann es nicht fassen, dass er dem Nudelwasser etwas Öl hinzufügt, ein Sakrileg! Die Italiener machen wieder Tiramisu.

11.8.
Heute ist mein letzter Tag, Hayley und ich bleiben nur bis 12 Uhr in der Schule. Danach der letzte Strandlauf, es ist wieder richtig warm in der Sonne. Um 15 Uhr werden Hayley und ich von Keenan zum Flughafen gebracht. Nach dem Einchecken ist noch viel Zeit, die wir Kaffee und Riesen- Kuchenportionen bei Meg&Beans zubringen. Um 18 Uhr hebt der Flieger ab und landet um 3 Uhr in der Frühe in Dubai. Um 6 Uhr geht es weiter. Im sitze im Heck des Flugzeugs nach Hamburg, bei bei den Turbulenzen wie ein Schiff auf hoher Fahrt schlingert. Kutz vor zwei Uhr landen wir in Fuhlsbüttel. Mit dem Flughafenbus geht es flott nach Kiel, wo ich von Dorothea erwartet werde.

Lohnt sich eine so lange Reise in einer so kurzen Zeit? Ökologisch sicher eine kritikwürdige Angelegenheit. Für mich aber schöne Erlebnisse und interessante Erfahrungen. Und unerwartete Einsichten in ein landschaftlich wunderschönes und sozial hoch problematisches Land!

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