Von Wellington bis Christchurch- glückliche Heimkehr

März 22, 2010 at 8:05 pm (Uncategorized)

11.3.
Unbehelligt von Politessen machen wir uns am frühen Morgen zum Bluebridge Fähranleger auf. Wir sind so zeitig dort, dass wir eine Fähre früher als die gebuchte erwischen und praktisch keine Wartezeit haben. Hier verbringen wir nur wenig Zeit mit Frühstücken, denn der Blick vom Deck lockt.

Hafen von Wellington

Hafen von Wellington

Nicht nur die Ausfahrt bei bestem Wetter aus dem schönen Wellington ist sehenswert, auch die Überfahrt durch die Cook Strait und vor allem die Fahrt durch eine Fjordlandschaft zu dem Südinselhafen Picton ist begeisternd.
Fjordlandschaft

Fjordlandschaft

Hier ist nicht so viel los, aber es gibt ein interessanten Marinemuseum, das ausschließlich einem hier untergebrachten Großseglers gewidmet ist.
Alle Mann auf dem Sonnendeck

Alle Mann auf dem Sonnendeck

In Kalkutta gebaut, diente er als Truppentransporter im Krimkrieg, als Gefangenentransporter und später als Auswandererschiff nach Australien und Neuseeland. Er transportierte unter anderem Tee nach England, wurde als Kühlschiff zum Fleischtransport verwendet, verlor seine Besegelung zugunsten eines Dampfantriebs und endete als Kohlentransporter, bevor er, halb unter Wasser liegend, vor dem endgültigen Verfall gerettet und konserviert wurde.
Picton

Picton

Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zur Nordküste entlang einer extrem kurvenreichen Straße bis Havelock, einem Hafenstädtchen, in dem einst Ernest Rutherford, NZ’s berühmter Atomphysiker, zur Schule gegangen ist. Der Zeltplatz verfügt über eine gut ausgestattete Küche nebst Grillplatz, was wir zu einem Lamm-Festschmaus zu gutem neuseeländischen Rotwein nutzen.

12.3.
Weiter geht es Richtung Nordwesten. Nelson ist die größte Stadt der Region und einen Stadtbummel mit Kaffee wert. Der Geburtsort von Rutherford ist das nahegelegene Brightwater, jedoch finden wir keine Gedenkstätte. Wir biegen nach Norden ab und kommen nach Überwindung eines kurvigen Bergpasses nach Marahau, das am Rand des Abel Tasman Nationalparks gelegen ist.

Niedrigwasser in Marahau

Niedrigwasser in Marahau

Hier gibt es ungewöhnliche 6 Meter Tidenhub. Bei einer kleinen Wanderung im Sandwatt können wir beobachten, wie das auflaufende Wasser in wenigen Minuten große Inseln erobert.
Die Flut kommt schnell

Die Flut kommt schnell

Wie an der heimischen Nordseeküste laufen Austernfischer, von denen es außer der schwarzweißen auch eine schwarze Art gibt, und Brachvögel die Wasserlinie entlang.

13.3.

Aquataxi an Land

Aquataxi an Land

Die Touristenattraktion von Marahau sind die Aquataxis, die unweit unseres Übernachtungsplatzes starten. Die Motorboote werden an Land bestiegen und von Traktoren auf Bootswagen zum Ufer gebracht. Sie sind stark motorisiert und fahren mit 35 Knoten die Küste entlang. Der Abel Tasman Nationalpark war früher Farmland und Steinbruch und wird seit 70 Jahren wieder aufgeforstet.
Tonga Bay

Tonga Bay

Es gibt mehrere sandige Buchten, in denen am sich vom Taxi absetzen und wieder einsammeln lässt. Die Boote haben zwei Anker, von denen einer etwa 20 Meter vom Strand entfernt gesetzt wird. Beim Ablegen wird die Ankerkette motorisch eingeholt und damit vermieden, dass die Schraube mit dem Sand in Kontakt kommt. Wir wandern bergauf und berab entlang eines sehr schönen, aus festem Lehmbogen bestehenden nahezu küstenparallelen Weges gut drei Stunden lang von der Tonga Bay zur Torrent Bay.
Torrent Bay

Torrent Bay

Da wir bis zur Abholung noch eine Stunde Zeit haben, laufen wir auf dem Niedrigwasserweg, sprich auf dem Watt bis zum Anchorage Bay. Der Chauffeur des Wassertaxis genießt es, Höchstgeschwindigkeit zu fahren und legt sich nach Motorradart gewaltig in die Kurve. Besonders beeindruckt sind wir von dem ruckfreien Afsetzen auf den Bootsanhänger. Abends essen wir in dem zum Zeltplatz gehörigen Restaurant, dessen gute Küche uns überrascht.

14.3.
Heute geht es zurück nach Süden.

Ernest Rutherford Memorial

Ernest Rutherford Memorial

In Brightwater entdecken wir nun doch die Ernest Rutherford gewidmete Gedenkstätte, die sich seinem Leben und seiner wissenschaftlichen Leistung in angemessener und informativer Form widmet. Auf der Weiterfahrt nach St Arnaud sind wir praktisch allein auf der Straße. Hier gibt es einen idyllischen See, der zu einer Kaffeepause einlädt.
See bei St Arnaud

See bei St Arnaud

Unangenehm sind hier nur die vielen Hummeln, die offenbar ausgehungert sind und uns direkt um den Kopf brummen. Auf der Weiterfahrt nach Blenheim kommen wir in die Weinbauregion des Landes, so dass die Straße kilometerweit durch Rebenfelder führt. Blenheim ist ein ziemlich langweiliger Ort, den wir nur zum Einkaufen nutzen. Dann fahren wir noch gut 100 km an der Pazifikküste nach Süden. Die Küste ist felsig, und die Brandung erzeugt einen beeindruckenden Gischt.
Gischt am Pazifik

Gischt am Pazifik

Zu unserer Überraschung beobachten wir auf den Felsen zahlreiche Robben, an die man auf wenige Meter herankommen kann, ohne dass sie sich beim Faulenzem stören lassen.
Robbenfelsen

Robbenfelsen

In Kaikora fahren wir gleich zur einer Walbeobachtungsstation, um eine Fahrt zu buchen, und bekommen eine für den nächsten Tag. Wir übernachten auf einem voll belegten Zeltplatz.

15.3.

Felsküste bei Kaikora

Felsküste bei Kaikora

Martina und Markus, Kika und Dorothea machen eine Wanderung um eine Halbinsel bei Kaikora. Es ist Niedrigwasser und es gibt viele Robben zu sehen.
Mittagsschläfchen

Mittagsschläfchen

Leider wird unsere Walbeobachtung abgesagt, weil die Wale verschwunden sind. Abends gibt es leckeren Fisch vom Grill und selbstgemachten Kartoffelsalat.

16.3.
In der Nacht kommt Schlechtwetter auf, es regnet und stürmt. Aber am Morgen zeigt sich das Wetter wieder von seiner besten Seite. Wir haben Glück und können doch noch unsere Walbeobachtungsfahrt machen. Mit dem Bus werden wir zu einem Bootssteg gebracht und klettern in ein hochmodernes Motorboot. Die See ist noch sehr aufgewühlt und etwa die Hälfte der Passagiere werden seekrank. Man sieht eine Vielzahl von Seevögeln, vor allem eine kleinere Art, die als „Patrols“ bezeichnet werden und Albatrosse. Diese riesigen Vögel, deren Flügelspannweite mehrere Meter misst, gleiten ohne Flügelschlag direkt über den Wellen und sind begnadete Segler. Das Boot fährt etwa 20 Seemeilen auf das Meer hinaus, die Wassertiefe beträgt bis zu 1300m. Von Zeit zu Zeit hält es an und wir können auf das Oberdeck. Gleichzeitig wird das Meer mit Richtmikrofonen nach den Klicklauten der Wale abgehorcht. Wir erwarten Pottwale, die größte Zahlwalart. Leider vergeblich! Nach zwei Stunden müssen wir kehrtmachen, ohne etwas von diesen Tieren gesehen oder auch nur gehört zu haben. Sehr schade, aber zum Trost bekommen wir 80% des Fahrpreises rückerstattet und wir bekommen über einen Großmonitor einen Haufen Informationen über die hier lebenden Meeressäuger und ihre Bedrohung. Den Nachmittag verbringen wir faul an einem Parkplatz an der Felsenküste, dann fahren wir weiter südwärts über extrem kurvenreiche Straßen. Zum Schluss geht es landeinwärts nach Hanmer Springs, der durch seine heißen Quellen berühmt ist und ein Wintersportzentrum ist. In der Tat sind die Bergspitzen schon weiß, aber es dauert noch ein paar Monate bis zum Winter. Wir gehen in ein öffentliches Schwimmbad, dessen zahlreiche Becken durch die heißen Quellen gespeist werden. Das Wasser ist bis 41° heiß. Einige Becken sind schweflig, sicher sehr gesund, aber wegen des Gestanks wenig erquicklich. Gutes Abendessen in einem Restaurant und Übernachtung auf einem schönen Zeltplatz. In der Nacht regnet es wieder und es wird richtig kalt. Morgens sind alle Berge schneebedeckt. Der Winter kommt.

17.3.
Heute fahren wir nach Christchurch, unsrem ultimativen Reiseziel. Wir stellen die Camper auf einem Übernachtungsplatz ab und fahren mit dem Bus ins Zentrum. Im Bus sitzen Schülerinnen und Schüler in ihren Schuluniformen. Sie sind so hoffnungslos altmodisch, dass bei uns kaum jemand so etwas freiwillig anziehen würde. Christchurch ist eine Stadt mit Flair.

Straßenbahn in Christchurch

Straßenbahn in Christchurch

Im Zentrum verkehrt eine Museumsstraßenbahn, allerdings zu einem unverschämten Preis. Aber auch ohne sie kann man einen Bummel durch das Stadtzentrum genießen.
New Regent Street

New Regent Street

In der New Regent Street haben die Häuser aus dem 19.Jahrhundert im Erdgeschoss Geschäfte, im Obergeschoss sind malerische Wohnungen mit Erkern und Feuerleitungen. Heute ist irgendein irischer Feiertag und in den irischen Pubs herrscht Hochbetrieb. Kika lädt uns zu einem Abschiedsfestessen ein.

18.3.
Wir liefern unser Wohnmobil bei einem Verleiher ab, es gibt keine Probleme und wir werden anschließend zum Flughafen gefahren. Um 17 Uhr beginnt der Mammutrückflug. In Sydney steigen wir um in ein Flugzeug nach Dubai und müssen uns von unseren Verwandten verabschieden. Wir fliegen erstmalig in einem Airbus A380, dem mit 80m Spannweite und 70m Länge und 2 Decks größten Flugzeug der Welt. Auch in der Economy-Klasse, die im Hauptdeck untergebracht ist, hat man mehr Platz als in anderen Jumbos, alle anderen Unterschiede fallen dem normalen Fluggast nicht auf. Nach 14 Stunden erreichen kommen wir in Dubai an, wo trotz 5 Uhr Ortszeit viel Betrieb herrscht und wir für unseren Kaffee lange anstehen müssen und mit Mühe einen Sitzplatz erobern. Als wir um halb neun in den Flieger nach Hamburg einsteigen, erhaschen wir einen Blick auf den höchsten Turm der Welt, dem man auf die Entfernung seine 818m Höhe nicht ansieht. Nach insgesamt 31 Stunden Reisezeit erreichen wir Fuhlsbüttel, der uns nach den Riesenflughäfen in Sydney und Dubai klein und gemütlich erscheint.

Der Empfang in Hamburg

Der Empfang in Hamburg

Am Ausgang wartet ein Willkommentransparent auf uns, das von Johannes und Andrea gehalten wird, die überraschend aus Berlin zum Abholen gekommen ist. Auch Birgit und Mi Hyun sind zu unserem Empfang gekommen. Mi Hyun hat einen leckeren Imbiss für uns vorbereitet und wir können ein bisschen erholen. Gegen Abend werden wir von Andrea nach Melsdorf gefahren. Nach 7 Monaten und 17 Tagen Reise sind wir wieder in den heimatlichen vier Wänden. Später, als Moritz, Anton und Michelle auch aus Hamburg anreisen und wir zu erzählen beginnen, stellen wir fest, dass wir nicht nur unendlich viel erlebt und Eindrücke aus Fernost gewonnen haben, sondern dass wir auch unendlich viel Glück hatten. Keine gesundheitlichen Probleme, keine bedrohlichen Situationen, kein Diebstahl und kein Verlust; das kann man nach so einer langen Reise kaum als selbstverständlich hinnehmen. Ein wenig Wehmut ist da, aber auch Freude auf vor uns liegende Betätigungen. In einem sind wir uns einig: Häten wir noch einmal die Chance, eine so lange Reise zu unternehmen, wir würden es genau so machen. Mal sehen, was kommt…

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2 Kommentare

  1. Gesa said,

    Hallo Herr Barre,

    durch Zufall bin ich auf Ihre „Barre op Tuur“-Seite gestoßen und habe sie mit großer Begeisterung „verschlungen“.

    Ihr Mut, ihre positive Einstellung, ihre Ausdauer und ihre Abenteuerlustigkeit sind bewundernswert!

    Ich kann mir kaum vorstellen, welch eine Bereicherung die gesammelten Eindrücke sein mögen. Darum wird Sie so manch Einer beneiden (ich zum Beispiel).

    Viele liebe Grüße aus Osnabrück
    Gesa Weinert

    (geb. Setter; Abitur 2003)

    • barreoptuur said,

      Liebe Gesa, über Ihren Kommentar habe ich mich sehr gefreut! Auch Monate nach dem Ende unserer Reise steckt mir das Reisefieber in den Knochen! So nehme ich demnächst an einem Freiwilligenprojekt in Südafrika teil. Ihnen alles Gute! Ihr Axel Barre

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