Nach Sandakan und zum Kinabatanganfluss

Februar 26, 2010 at 4:26 am (Uncategorized)

14.2.
David bringt uns mit unserem schweren Gepäck freundlicherweise bis zur Hauptstraße. Zu unserem Entsetzen hält der gebuchte Bus nach Sandakan nicht, obwohl wir heftig winken. Dorothea rennt geistesgegenwärtig hinterher und tatsächlich hält der Bus 100m weiter. Die Straße verläuft zunächst durch die schöne Berglandschaft rund um dem Mt. Kinabalu. Sobald es flach wird, geht der Weg gut 100km weit durch eine Ölpalmenmonokultur, seit dem Niedergang der Holzwirtschaft der Haupterwerbszweig der ganzen Region. Nach gut fünf Stunden kommen wir in Sandakan an, eine Großstadt, die sich über viele Kilometer an einer Bucht erstreckt. Nach unserer Karte liegt der Busbahnhof ganz nahe bei dem Hotel, das uns David vermittelt hat. Tatsächlich sind es mehrere Kilometer. Zu unserem Glück hält ein Kleinbus, in den wir mit unserem Gepäck gerade so hineinpassen, und bringt uns zum Sandakanhotel, von wo es tatsächlich ein paar Schritte bis zum En Khin-Hotel sind. Unser Zimmer ist reichlich einfach,aber es gibt ein eigenes Bad und sogar Airconditioning, die wir wegen der Hitze entgegen unserer Gewohnheit ab und zu einschalten.

Straße in Sandakan

Straße in Sandakan

Sandakan hat eine lange Geschichte als Handelsstadt, aber nach der vollständigen Zerstörung durch die Allierten am Ende des zweiten Weltkrieges ist es einigermaßen grässlich wieder aufgebaut worden. Nur Häuserblocks mit Geschäften im Erdgeschoss, während in den Obergeschossen der Blick ungestört in die einfachen Lebensverhältnisse der hier lebenden Bevölkerung fällt, häufig aus (illegal) von der Philippinen und aus Indonesien Eingewanderten bestehend. Aber es gibt ein angenehmes neu gebautes Hafenviertel mit Cafés und Restaurants, in denen wir gutes preiswertes Essen bekommen.Als ich im Hotel Sandakan für einen Gast gehalten werde, und per Internet mit der Familie telefoniere, wird direkt vor dem Haus ein Feuerwerk abgebrannt. Happy New Year!

15.2.
Eigentlich sollte um 8Uhr ein Bus nach Sepilok fahren, doch wegen des chinesischen Neujahrsfests ist alles anders. So müssen wir für 40 Ringit ein Taxi nehmen, das uns zu der berühmten Orang Utan Aufzuchtstelle bringt. Hier werden schon seit den Sechsziger Jahren Orang Utan Babys aufgezogen und mit großem Aufwand auf ein Leben in ihrer natürlichen Umwelt vorbereitet. Inzwischen ist ein riesiger Touristenrummel daraus geworden. Zur Fütterung um 10 Uhr sind gut 50 Touristen und etwa eben so viele Einheimische erschienen. Zunächst berichtet eine sehr engagierte Biologin über den Ablauf der Tätigkeit, anschließend gibt es ein gutes Video über die Aufzucht der meist verwaisten Babys. Häufig werden die Mütter von Einheimischen getötet, um die Babys trotz strengen Verbots unter völlig ungeeigneten Umständen als Kuscheltiere zu behalten. Erst als Erwachsene können die Tiere ausgewildert werden, indem sie aus der Aufzuchtstation per Hubschrauber in Waldgegenden gebracht werden, die ihrem Raumanspruch gerecht werden, und die wegen der Abholzung des Primärwaldes und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung sehr selten geworden sind.
Vor der Fütterung an einer Plattform, die nur wenige Meter von der Zuschauertribüne entfernt ist, warten schon etliche Jungtiere auf die bewusst eintönige Bananen- und Milchspeisung, die abzielt, sich den Rest ihrer Nahrung selbst aus dem Wald holen zu lassen. Mit von der Partie sind zahlreiche Makaken, die sich die eine oder andere Banane holen.

Orang Utan

Orang Utan

Danach hangeln sich die Orangs an Seilen und Ästen entlang und genießen sichtlich das Zuschauerinteresse. Nach Ende der Fütterung ziehen auch fast alle Zuschauer wieder ab. Nur wenige nutzen wie wir die Möglichkeit, eine Wanderung auf den dafür vorbereiteten Urwaldpfaden zu machen. Leider bietet der Birdtrail außer einem urigen Dschungel wenig Spektakuläres. Vögel jedenfalls sind nur zu hören. Auf dem Rückweg haben es sich zahlreiche Makaken auf den Geländern der Stege bequem gemacht und verhalten sich alles andere als furchtsam bei unserem Erscheinen. Im Gegenteil, einige männliche Tiere schüchtern uns mit Scheinangriffen mit gebleckten Zähnen ein. Ein besonders Furchtloser macht sich direkt an der Rezeption an einem Rucksack zu schaffen, den jemand unvorsichtiger Weise dort abgestellt hat. Ohne sich verscheuchen zu lassen, puhlt er eine Plastiktüte heraus, die er zum Glück liegen lässt, als nur Schuhe darin sind.
Abends buchen wir bei dem sehr hilfsbereiten Personal des Hotel Sandakan eine dreitätige Tour an den Kinabatangan-Fluss.

16.2.
Unser Trip sollte um 8.45 Uhr beginnen, doch durch ein Versehen werden wir erst um 12.30 Uhr von einem PKW abgeholt. Wir haben zuvor viel Zeit, uns das interessante Stadtmuseum anzuschauen. Die Bilder machen deutlich, dass Sandakan einst eine schöne Stadt war. Gleich darauf werden noch zwei kanadische Brüder namens David und Allen eingeladen, mit denen wir eine kurzweilige Unterhaltung haben.

Gomantong-Höhle

Gomantong-Höhle

30km vor unserem Ziel, dem Urwalddorf Sukau, halten wir an der Gomantong-Höhle, die wegen der ökologisch vertretbare Ernte von Schwalbennestern bekannt ist, die von den Tieren in 60 m Höhe gebaut werden. Zweimal pro Jahr werden diese in halsbrecherischer Weise über Leitern abgeerntet, ohne dass die Brut beeinträchtigt wird. Zu Dorotheas Vergnügen leben in der Höhle unzählige Fledermäuse, die zu meinem Missvergnügen die Holzstege mit einer dicken Schicht Guano bedeckt haben, in denen sich riesige Kakerlaken tummeln. Wegen des beißenden Geruchs sind wir froh, bald wieder draußen zu sein. Auf dem Weg finden wir handgroße Samen, die sich als wahre Flugkünstler erweisen. Lässt man sie aus den Fingern gleiten, schweben sie viele Meter weiter, ehe sie mit elegantem Schwung landen, wenn sie nicht durch den leisesten Luftzug wieder hochgerissen werden.
Eine halbe Stunde später kommen wir in Sukau an, das eigentlich nur aus einigen Holzhütten besteht. Unser „Green View B&B“, eine moderene Holzkonstruktion, liegt ein Stückchen weiter direkt am Kinabatanganfluss, dem größten Fluss Sabaas, der hier gut 100m breit ist. Wir werden von einer lebhaften jungen Frau begrüßt und in unser Zimmer eingewiesen, das uns gut gefällt und perfekt vor Insekten geschützt ist, was uns hier wegen Malaria und Denguefieber doch recht wichtig ist.
Kinabatangan

Kinabatangan

Gleich darauf startet unsere erste Bootstour. Unser Führer heißt Achmet, spricht recht gut Englisch und hat vor allem hervorragende Artenkenntnisse, die er durch dreijährige Begleitung eines japanischen Wissenschaftlers erworben hat. Und es gibt viel zu sehen!
Proboscis-Affen

Proboscis-Affen

In den Bäumen am Ufer finden wir Gruppen und Familien von Proboscis-Affen, die nur hier heimisch sind. Sie sehen wegen ihrer besonders bei den Männchen ausgeprägten langen Nasen recht witzig aus und wgen ihrer dicken Bäuche wirken sie plump. Doch sie sind tollkühne Springer, und wenn sie sich in Sekundenbruchteilen einen Urwaldbaum herunterstürzen, dann wirbeln abgerissene Blätter durch die Luft und Äste brechen krachend. Ansonsten gibt es viele Halbaffen, von denen sich die Langschwanzmakaken, die in den Bäumen herumturnen unterscheiden von den Kurzschwanzmakaken, die wir in Sepilok erlebt haben und die lieber am Boden bleiben. Ansonsten lassen sich die Tiere durch uns in keiner Weise stören, mampfen Blätter und gehen ihrer Lieblingstätigkeit, dem Lausen, nach. Die Sensation des Nachmittags ist ein ausgewachsener Orang Utan, der auf der anderen Flussseite ebenfalls hoch in einem Baum am Ufer sitzt und Blätter verspeist. Es ist ein Männchen und lebt daher solitär. Zum Schlafen bauen sie sich Nester aus übereinander gelegten Blättern und lieben es offenbar, jede Nacht in einem frischen Bett zu schlafen, denn die Baumkronen sind voller Nester. Zu hören sind Grey-leaf Monkeys. Die Vogelwelt ist ausgesprochen artenreich, wobei die weißen Reiher von der Anzahl überwiegen. Wir sehen Nashornvögel, einen Weißbauch-Fischadler, einen weiteren Greif namens Brahmanian Kite, große Purpurreiher. Ferner Schlangenhalsvögel, von denen im Wasser nur Hals und Kopf zu sehen sind, und die spritzend auffliegen. Gerne sitzen sie am Ufer und spannen ihre Flügel zum Trocknen auf. Auch der seltene Sturmstorch ist zu sehen. Eine besondere Augenweide sind die in 14 Arten vorkommenden Eisvogelarten, die sich besonders durch ihre Größe und durch ihr unterschiedliches, aber immer prachtvolles Gefieder von einander abheben. Der größte, etwa taubengroße Kingfisher hat einen roten Schnabel (Stork-billed Kingfisher), während der Blue-eared Kingfisher kleiner als ein Spatz ist.
Für das Abendessen bleibt nur eine Stunde Zeit, denn nach Einbruch der Dunkelheit beginnt gleich die nächste Bootstour.

Blauohr-Eisvogel

Wenn die auf einem Ast sitzenden Vögel mit einer Taschenlampe geblendet werden, können sie nicht wegfliegen und können aus nächster Nähe fotografiert werden. Wir sehen eine Eule (Buffy Fish Owl), außerdem zwei kleine Krokodile, die nur ihren Kopf aus dem flachen Wasser strecken und bei Annäherung rasch untertauchen, eine schwarz-gelbe Mangrove-Schlange, die von einem Baum herabkriecht und die leuchtenden Augen einer Wildkatze, wahrscheinlich Zivetkatze.

17.2.
Am nächsten Morgen ist schon in der Dämmerung der nächste Bootstrip dran, den ich wegen Unwohlseins auslasse. Nach dem Frühstück machen wir mit Achmed eine Wanderung durch den Sekundärwald. Auf der Bootsfahrt dorthin shen wir ein etwa ein Meter langes Krokodil, das auch für die Fischer zu einer tödlichen Gefahr werden kann. Kratzspuren an den Baumstämmen weisen auf den Malayenbären hin, auch Wildschweine haben ihre Spuren hinterlassen. Achmed füttert uns mit dem angenehm bitteren Innern der Rattanpalme, das auch als Malariamedizin verwendet wird, und wildem Ingwer. Die Nachmittagsbootsfahrt geht in einen zuwachsenden Nebenfluss des Kinabatangan, wobei wir unzählige Proboscisaffen und Makaken zu Gesicht bekommen.

Longtailed Makaks  beim Lausen

Longtailed Makaks beim Lausen

Außerdem sehen wir einen halbmeterlangen Waran, der sich züngelnd an einem Baumstamm bewegt und einen Bat-Eagle, der sich von Fledermäusen ernährt. Heute gibt es ferner eine Nachtwanderung, bei der Dorothea zahlreiche Fledermäuse (vermutlich Hufeisennasen) per Detektor nachweist.
bunte Zikaden

bunte Zikaden

An den Baumstämmen hängen prachtvolle „medicine beatles“, auf den Ästen sitzen schlafende Vögel.

Storchschnabel-Eisvogel

Am späten Abend sitzen wir mit unseren neuen Bekannten zusammen: ein Schweizer und ein deutsch-polnisches Pärchen,und ein junger Schwede namens Nils.

18.2.

Morgennebel

Morgennebel

Auf der Sonnenaufgangsbootsfahrt am nächsten Morgen genießen wir die neblige Flusslandschaft und beobachten zahlreiche Vögel. Zu hören ist der Indische Kuckuck, dessen Ruf sich von seinem europäischen Vetter unterscheidet und die Rufe von Gibbons. Nach dem Frühstück werden wir zusammen mit Nils nach Sandakan zurück.Tagsüber versuche ich Karten für die Busfahrt nach Semporna zu bekommen, was einige Stunden in Anspruch nimmt. Man schickt uns vom Busbahnhof zum Minibusbahnhof. Dort erfahre ich, dass die Busse ab Mile2, einem Vorort, abfahren. Auch dort muss ich mich erst zur Busstation durchfragen, dann klappt es wunderbar. Abends treffen wir uns mit ihm im Sails Café zum Essen. Dort wird immer um eine schriftliche Bewertung gebeten. Beim letzten Mal hatten wir über die eintönige chinesische Plingplongmusik gemotzt. Tatsächlich tönt jetzt westlicher Rock und Pop aus den Lautsprechern und die freundlichen Angestellten sind stolz, so schnell auf die Besucherkritik reagiert zu haben.

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1 Kommentar

  1. Friedjörg Meissner said,

    Ich kann die Motivation, diesen Beitrag zu verfassen, gut nachvollziehen. Das ist bestimmt manchen schon so gegangen.

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