Mount Kinabalu

Februar 19, 2010 at 1:31 am (Uncategorized)

9.2.
Wir ziehen mit unseren Reisetaschen zum nahegelegenen Taxistand und werden gefragt, wo wir denn hin wollten. Unser Gepäck können wir gleich in einem vergammelten Kleinbus verstauen, in dem schon eine alte und eine junge Mutter mit zwei Kinder warten. Wir tun das lieber im Schatten, denn bis zur Abfahrt dauert es noch eine halbe Stunde. Dann sind alle Plätze belegt und die Fahrt geht los. Bald hinter der Stadt geht es ins Gebirge und der schwach motorisierte Bus kämpft mit den LKWs auf den Steigungen. Ab und zu hält das Taxi, jemand steigt aus und andere ein. Die alte Frau verteilt Bananen und so geht die Zeit rasch vorbei. Immer näher kommen wir dem gewaltigen grauen Felsmassiv des Mount Kinabalu.
Das Taxi setzt uns freundlicherweise direkt vor David’s B&B ab, das einen halben Kilometer von der Hauptstraße inmitten der Landschaft liegt. David ist ein gut 50jähriger ständig rauchender, oft Bier trinkender Chinese, der sehr um das Wohl seiner Gäste bemüht ist, obwohl er mit den lausigen 20 RM pro Nacht kaum über die Runden kommen kann. Sein Holzhaus verfügt über sechs Zimmer, in denen wiederum sechs Doppelstockbetten stehen. Außer uns ist nur noch Jeremy Dauergast sowie zwei junge Deutsche, die gerade auf dem Berg sind. So haben wir ein ganzes Zimmer für uns und können uns nach Belieben ausbreiten. Wir gehen zum nahe gelegenen Dorf namens Kundasang, das eigentlich nur aus einer Reihe schäbiger Marktstände, einigen Geschäften und einfachen Restaurants besteht, wo wir uns ein lokales Essen an der Theke aussuchen.

Mt.Kinabalu im Abendlicht

Mt.Kinabalu im Abendlicht

In der Nachmittagssonne wird der Blick auf das Felsmassiv immer beeindruckender. David ist ein guter Koch, zum Abendessen gibt es Roasted Chicken. Bald danach kommen die beiden Deutschen ziemlich fertig zurück. Sie haben die 2400 Höhenmeter an einem Tag bewältigt, weil ihnen die Übernachtung in der Berghütte zu teuer war. In der Tat ist der Übernachtungspreis in den Ratan Laba Hütten absoluter Wucher und hat sich seit dem letzten Jahr fast verdoppelt, für uns ist es aber kaum vorstellbar, ohne sie auszukommen. Abends spalten und verzehren wir die von ihnen mitgebrachte Kokosnuss und tauschen bis in die Nacht unsere Reiseerfahrungen aus. David schläft längst und Jeremy hört Beatlessongs über Kopfhörer und trinkt ein Becksbier nach dem anderen.

10.2.
Am nächsten Morgen stehen 15 leere Bierdosen fein säuberlich auf dem Tisch, Jeremy hat eine Fahne und einen „Hangover“, aber er bietet sich an, uns auf einer Nebenstraße zum Kinabalu Nationalpark zu begleiten. Alle Leute, denen wir begegnen, grüßen uns mit freundlichem Lachen, auch aus den Autos und LKW’s heraus. Der Weg ging anfangs nur bergab, dafür die letzten zwei Kilometer steil bergauf. Jeremy muss uns seine gute Kondition beweisen, indem er immer 100m voran schreitet und den Rückweg entlang der Straße sogar joggt.Wir informieren uns beim Headquarter über den Aufstieg, den wir für übermorgen geplant haben. Anschließend machen wir eine einstündige Wanderung durch den tropischen Bergwald, bei der wir völlig allein sind, obwohl täglich Hunderte den Gipfel besteigen. Zurück fahren wir mit dem öffentlichen Bus. Gerade rechtzeitig, bevor ein ausgiebiger Schauer niedergeht. Gerade, nachdem es dunkel geworden ist, fällt überall das Licht aus und dadurch wird der Blick auf den Sternenhimmel noch prachtvoller.

11.2.
Nach dem Frühstück um 6.30 Uhr nimmt uns David in seinem 31 Jahrea lten Toyota mit nach Ranau,dem nächstgrößeren Ort, wo er Einkäufe tätigen will. Wir fahren gleich mit dem Taxi weiter nach Poring, wo sich ein weiter Teil des Nationalparks befindet. Besonders berühmt sind hier die schwefelhaltigen heißen Quellen, aber bei den hohen Temperaturen ist uns nicht nach warmen Bad zumute. Stattdessen wandern wir entlang eines „Canopywalkway“ auf einer schaukelnden Hängebrücke über den Baumwipfeln, besuchen einen Wasserfall und steigen dann zu einer Fledermaushöhle hoch.

In der Fledermaushöhle von Poring

In der Fledermaushöhle von Poring

Zu unserer Überraschung brauchen wir gar nicht durch den Höhleneingang hindurch, um die Tiere in großer Zahl ein und ausfliegen zu sehen. Nachdem der Detektor zuerst überhaupt kein Ultraschallsignal wiedergibt, finden wir es massenhaft über 100 kHz, einem Frequenzbereich, der von Arten derHufeisennasen genutzt wird. Die Fledermäuse bevölkern hier zu Hunderten den Höhleneingang, die meisten hängen kopfüber an der Decke.
Auf dem Rückweg unterhalten wir uns im Sammeltaxi von Ranau nach Kudasang sehr angeregt mit einem achtzehnjährigen Mädchen, das gerade die Abschlusstests an der Schule gemacht hat und auf einen Medizin-Studienplatz hofft. Wir erfahren Wissenswertes über das Schulsystem, wo der naturwissenschaftliche Unterricht in der High School auf Englisch erfolgt.

12.2.
Heute beginnt das langerwartete Abenteuer, der Aufstieg auf den Mount Kinabalu, der hier als Sitz der Toten verehrt wird.

Motto des Tages

Motto des Tages

Mit einem Taxi lassen wir uns zum Headquarter bringen, wo eine ziemlich aufwändige Registrierung erfolgt, und wir die Essenmarken ausgehändigt bekommen. Hier lernen wir unseren Guide kennen, der uns von Anfang bis Ende begleitet. Ein Kleinbus bringt uns zunächst zum Timpohon Gate auf 1890m Höhe, von wo der Aufstieg beginnt. Zunächst geht es ein Stück bergab, dann beginnen die hohen, oft durch Teakholzbretter gesicherten Felsstufen nach oben. Alle 500m gibt es eine Bank zum Pausieren, oft mit Toilette und Wasserstation ausgestattet. Zum Glück ist es bewölkt, so dass wir nicht unter hohen Temperaturen leiden. Zu Beginn werden wir oft von jungen Leuten überholt, doch bald holen wir die meisten wieder ein, weil sie ihr Tempo nicht durchhalten können. Ab der Mitte des Wegs kommen uns die ersten Absteiger entgegen, die am Vortag aufgestiegen sind. Witzigerweise entwickelt sich mit fast allen ein Smalltalk, mindestens ein breites Lächeln und „Hello!“. Das ist einfach nett und stellt ein Gefühle der Verbundenheit her, weil alle doch die nstrengung spüren. Nachdem wir den tropischen Bergwald verlassen haben, beginnt der Nebelwald, und in der Tat bleiben wir die ganze Zeit in den Wolken.
Über den Wolken

Über den Wolken

Je höher wir kommen, desto anstrengender wird der Aufstieg, weil die Luft spürbar dünner wird. Ich muss alle paar Minuten pausieren, weil das Herz rast. Doch nach Viereinhalb Stunden ist das Tagesziel erreicht, die Laba Ratan Hütten, in denen wir übernachten. Nach einer Dusche und bei einem Tee fühlt man sich gleich wieder fit und hat ausgiebig Zeit zum Plausch mit den etwa 50 Gästen, die nach und nach eintreffen. Bis zum Spätnachmittag stecken wir in der Wolke, dann reißt plötzlich der Nebelvorhang auf und die felsige Bergspitze zeigt sich in voller Pracht.
Mount Kinabalu in 3200m Höhe

Mount Kinabalu in 3200m Höhe

Alle stürzen mit ihren Fotoapparaten auf den Balkon, und es gibt sogar die Möglichkeit, die verwchwitzten Klamotten in der Sonne zu trocknen. Das Abendessen ist eines der besten, die wir seit langem gehabt haben: ein Buffet mit wunderbar gewürzten Fleisch-, Fisch- und Gemüsesorten, dazu Salat und Nachtisch. Das versöhnt uns etwas mit dem unverschämten Preis, den wir für die übernachtung bezahlen mussten. Gegen sieben Uhr ziehen sich alle zur kurzen Nachtruhe zurück. Wir teilen unser Vierbettzimmer mit zwei australischen Zwillingschwestern.

13.2.
Als um 2 Uhr morgens der Wecker klingelt, habe ich keinen Schlaf finden können und fühle mich ganz schön zerschlagen. Doch nach Rührei und Tee geht es schon besser. Um halb drei beginnen wir den Aufstieg zum Gipfel, über uns ein prachtvoller Sternenhimmel. Zum ersten Mal im Leben erblicken wir das Kreuz des Südens, weniger spektakulär als erwartet. Den Weg finden wir mit Hilfe unserer guten Stirnlampe, wobei unsrer Guide sich sehr gut um uns kümmert. Zu unserer Überraschung ist es zunächst weniger kalt als erwartet und wir legen einen Teil unserer Bekleidung ab, zumal wir auf den steilen Treppenstufen wieder schnell ins Schwitzen kommen. Nach einer Stunde lassen wir die Vegetationszone hinter uns. Auf dem nackten Felsen sind Taue gespannt. Bei den steilen Strecken sind sie eine gute Hilfe, weil man nun auch seine Arme einsetzen kann und nicht vom Weg abkommen kann. Trotzdem ist es in der Dunkelheit fast unmöglich, die Unebenheiten zu erkennen, und so kippe ich mitsamt Seil einmal in eine Spalte und hole mit ein mächtiges Hämatom am Ellenbogen zur Erinnerung. Ein langes Stück geht es nahezu hangparallel weiter, doch der letzte halbe Kilometer wird noch einmal richtig anstrengend, und auf allen Vieren erreichen wir nach drei Stunden den durch ein Schild markierten Gipfel.

Auf dem Gipfel

Auf dem Gipfel

Es ist 5.45 Uhr und der östliche Horizont beginnt zu glühen. Eigentlich bleibt man hier, um den Sonnenaufgang zu erleben. Aber es weht ein so eisiger Wind auf dem Gipfel, dass wir nach einer Viertelstunde im Morgengrauen mit dem Abstieg beginnen.
Vor Sonnenaufgang

Vor Sonnenaufgang

Nach Westen hin haben wir einen Blick ins Tal, nach Osten türmen sich die Wolkenberge, über denen gegen 6.15 Uhr die Sonne erscheint.
Gipfeltreffen

Gipfeltreffen

Obwohl es nun hell ist, ist auch der Abstieg zu den Laba Ratan Hütten anstrengend. Als wir um 8 Uhr dort ankommen, gibt es erstmal ein gutes Frühstück. Danach gönnen wir uns ein halbes Stündchen in der Waagerechten. Um 9.30 Uhr geht es hinunter ins Tal. Wiederum ist der Abstieg erstaunlich anstrengend und die hohen Stufen sind in den Knien zu spüren. So dauert es wiederum gut drei Stunden, bis wir unten sind. Ds einzig Angenehme ist der Ausblick, der weit auf das Meer hinaus reicht, und der Smalltalk mit den Entgegenkommenden, die in der Sonne schwitzen.Den meisten Respekt nötigen uns die Lastenträger ab, die das gesamte Essen und anderes Gepäck nach oben schleppen müssen, alleine ein Reissack wiegt 30 kg! Wir jedenfalls haben wacklige Beine, als wir uns bei einer letzten Mahlzeit im Headquarterrestaurant stärken. Zum Glück spricht uns der Taxifahrer, der uns vor zwei Tagen von Poring nach Ranau gebracht hat, an und ist bereit, uns für unsere letzten Ringit bis vor die Tür zu fahren. David ist sehr aufgeräumt. Seine Geschwister sind samt Familie anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes zu Besuch gekommen. Wir werden zu einem hervorragenden Supper eingeladen und genießen die familiäre Atmosphäre.

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