Cameron Highlands

Februar 4, 2010 at 10:54 am (Uncategorized)

Kolonialarchitektur in Ipoh

Kolonialarchitektur in Ipoh

31.1.
Noch in der Dunkelheit verlassen wir die Starlodge und fahren mit der Fähre nach Butterworth. Kurz nach Sonnenaufgang (um 7.45 Uhr) fährt unser Zug nach Ipoh. Es ist eine Schmalspurbahn, die auf den unglaublich engen Gleisen kaum vorankommt. Für die 130 km braucht sie fast 4 Stunden. Die Wagen sind recht bequem eingerichtet, allerdings zwingt uns die Klimaanlage, unsere Winterpullover anzuziehen. In Ipoh angekommen, empfängt uns die Mittagshitze. Die Stadt wirkt wie ausgestorben, als wir mit unserem Gepäck an den prachtvollen Kolonialbauten vorbeischlendern. Wir finden ein einfaches, aber gutes Hotel, wo wir kurz duschen, um dann wieder ins Stadtzentrum zu gehen.
Ipohbaum-giftig!

Ipohbaum-giftig!

Hier ist es deutlich lebendiger geworden; der letzte Tag des Thaipusamfestes steht bevor! Wir fallen als Touristen ziemlich auf, und werden von den Einheimischen oft angesprochen und nach unserer Herkunft befragt. Abends mischen wir uns wieder unter das festlich gekleidete Volk, das geduldig auf das Herannahen des Zeremonienwagen wartet, um ihre Fruchttabletts durchdie heiße Asche weihen zu lassen. Die Straße schwimmt von der Kokosmilch, die beim Spalten der Nüsse ungenutzt anfällt. Nach dem Abendessen in einem chinesischen Restaurant mache ich noch einen Gang durch die Altstadt, in der sich die Feiernden dränge n, so dass stellenweise kein Durchkommen ist. Trotzdem mühen sich Autos einen Weg zu bahnen und kommen noch langsamer voran. Überall wird von dem am Straßenrand umsonst Angebotenem gegessen und getrunken. Es gibt keinen Alkohol und keine Raucher, wohl der auffälligste Unterschied zu unseren Großveranstaltungen. Alles wirkt trotz der Enge entspannt und heiter, und noch tief in der Nacht hört man die lauten rituellen Gesänge.

1.2.
Heute fahren wir mit einem betagten Bus in die Cameron-Highlands. Bald hinter Ipoh ragen hohe Gipfel auf, deren Bewaldung durch unzählige Steinbrüche verschandelt wird. Der Bus quält sich die kurvenreiche Straße hinauf. Bald tauchen die ersten Plantagen auf. Unter Kunststoffplanen werden Erdbeeren und Blumen kultiviert. Als wir nach zweieinhalb Stunden an unserem Ziel, Tanah Rata, ankommen, glauben wir, im Alpenvorland zu sein. Zum einen ist die Temperatur im Vergleich zu Ipoh geradezu arktisch, das heißt seit 4 Wochen erstmals unter 25°C. Zum anderen sind viele Häuser im Fachwerkstil gebaut. Ansonsten ist der Ort stark auf Touristen eingestellt und entsprechend frequentiert. Wir finden eine beschauliche Unterkunft in der am Berghang gelegenen Pension Jurina. Nach einem Riesenkaffee im Starbuck’s begeben wir uns in ein Internetcafé, um den Flug von Kuala Lumpur nach Kota Kinabalu zu buchen. Nachdem wir uns durch die aufwändige Onlinebuchung durchgequält haben, klappt es mit der Bezahlung nicht. Dreimal rufen wir in Deutschland bei der Kartenzentrale an, weil unsere Kreditkarten nicht akzeptiert werden. Schließlich erfahre ich, dass mein Geburtsdatum falsch hinterlegt ist. Man verspricht Abhilfe. Fast drei Stunden haben wir vergeblich vor dem Bildschirm verbracht. Abendessen in einem Deutsch-Schweizer-Restaurant mit chinesischer Leitung.

2.2.
Wir machen eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Parit-Wasserfall. Da die Wanderwege nicht markiert sind, können wir uns trotz Karte kaum orientieren. Unser erster Versuch scheitert an einer Straßenbaustelle, bei der 40m Weg durch umgestürzte Baumstämme blockiert sind. Nach dem unspektakulären Wasserfall wollen wir zu einem Aussichtsturm wandern, der aber umgestürzt ist. Den Versuch, zum 1812m hohen Berembangipfel weiterzugehen, brechen wir nach wenigen Schritten ab, weil wir nicht erkennen, welcher der vielen kleinen steilen Trampelpfade der richtige ist. Zu allem Überfluss geraten wir auf dem Rückweg auf den falschen Pfad und müssen auf dem Hosenboden rutschen, um heil zurückzukommen. Auf dem weiteren Weg kommen wir an einer Erdbeerfarm vorbei, auf der die Früchte in Regalen aus Kunststoffschläuchen hervorragen. Mit Hilfe einer Schere ist schnell ein Pfund geerntet, der Preis von 15 RM ist allerdings gepfeffert. Am Nachmittag nutze ich die ideale Temperatur zu einem Lauf, bin aber wegen Sackgassen immer wieder zum Umkehren gezwungen. Beim abendlichen Bier in einer Touri-Bar lernen wir eine Kanadierin namens Erin kennen, die in Abu Dhabi in der Lehrerfortbildung arbeitet. Sie reist mit permanent schlechtem Gewissen, weil sie meint, an der Situation der Menschen, insbesondere der Umweltverschmutzung, nichts ändern zu können. Wir erzählen ihr von Tendol und ihrem Kinderprojekt in Shangri La und dem Kinderkrankenhaus von Dr. Richner in Siam Reap, wo wir durch finanzielle Unterstützung durchaus meinen, einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation leisten zu können.

3.2.

Unser Führer erklärt die Teepflanzung

Unser Führer erklärt die Teepflanzung

Wir haben eine halbtägige Fahrt in die Umgebung gebucht. Ein sehr gut Englisch sprechender, lustiger älterer Fahrer holt uns und ein französisches Paar um 8.45 Uhr mit einem Landrover ab. Auf dem Weg zu einem der höchsten Gipfel, dem 6666 Feet hohen Brinchang, kommen wir an einer 6000 ha großen Teeplantage vorbei. Der Fahrer erzählt uns, dass die Pflücker zum jämmerlichen Lohn von 60 Cent pro kg Teeblätter die Sträucher in ca 1m Höhe abernten, wobei sie eine Gartenschere mit angehängten Eimer verwenden, der in eine Kiepe entleert wird. Die Sträucher sind schon 100 Jahre alt, in China sind sie bis 800 Jahre und in Indien bis 500 Jahre alt. Sie stehen dicht an dicht, so dass die Pflücker sich ihren Weg bahnen müssen. Am Gipfel, der voller Sendemasten steht, besteigen wir einen Aussichtsturm, von dem man bei guter Sicht bis auf die Straße von Malakka gucken kann. Wegen der Bewölkung haben wir nur einen weiten Blick in das Hochland.
Orchideen im Mooswald

Orchideen im Mooswald

Dann geht es wieder bergab und wir halten in einem ausgedehnten Mooswald, der schon 2,2 Millionen Jahren besteht. Die Bäume sind wegen der Höhenlagen unter 10m hoch und über und über mit Moosen bewachsen. An ihnen parasitieren viele Pflanzen, darunter schöne Orchideen. Unser Führer kennt sich außerordentlich gut mit der Vegetation aus und kann uns die zahlreichen Heilpflanzen mit ihren Wirkungen erklären. Er erzählt, dass es hier bis vor wenigen Jahrzehnten viele freilebende Raubtiere, darunter Tiger und Bären, gab. Sein eigener Hund ist in den Siebziger Jahren von einem Tiger angefallen worden. Später haben sich die Tiere wegen der Beunruhigung durch die menschliche Zivilisation tiefer in den Urwald zurück gezogen, wo sie heute noch anzutreffen sind. Noch immer gibt es hier zahlreiche Schlangenarten, wo denen man auf der Hut sein muss.
Später besichtigen wir die BOH-Teefabrik, die mit 6000t pro Jahr die größte im Lande ist und die 1920 von einem Briten gegründet wurde und seitdem im Familienbesitz ist. Allerdings können sie und die anderen Teefabriken den Bedarf Malaysias nicht decken! Auf dem Rundgang wird durch einen Führer und durch Schautafeln das Herstellungsverfahren gründlich erläutert, und man kann der Maschinenarbeit zuschauen. Natürlich kann man zum Schluss eine Tasse Tee genießen. Nicht schlecht, aber auch nichts anderes, als wir von zu Hause kennen!
Riesenheuschrecke

Riesenheuschrecke

Zum Abschluss des Vormittags besichtigen wir eine Schmetterlingsfarm, die viel mehr zeigt, als der Name verspricht, nämlich Riesenexemplare von Käfern, Spinnen, Heuschrecken, Schlangen, Geckos, Tausendfüßlern und Skorpionen.
Albinopython am Hals

Albinopython am Hals

Der humorvolle Führer macht sich einen Spaß daraus, die Tiere aus ihren Käfigen heraus zunehmen und sie den sechs Teilnehmern auf den Arm zu setzen. Es kostet mich einige Überwindung, den Körperkontakt mit einer Python, die sich neugierig an meinem Arm hochwindet. Andere lassen sich von Spinnen, Riesenheuschrecken und daumendicken Tausendfüßlern bekrabbeln; das ginge mir zu weit! Der Führer zeigt uns, dass die bis zu 10cm langen Skorpione kein Abwehrverhalten zeigen, wenn man sie am Hinterleib berührt, aber sofort ihren Stachel schnellen lassen, wenn man an den Vorderkörper oder den Scheren tastet. Abschließend können wir uns an den unendlich schönen, handtellergroßen Schmetterlingen erfreuen, die wir aber zum Teil auch in der freien Wildbahn erlebt haben. Nachmittags nimmt Dorothea noch an der Fortsetzung der Exkursion zu einem Wasserfall und vor allem zu einem Dorf der Orang Asli teil.
Aslimann mit Blasrohr

Aslimann mit Blasrohr

Unter dieser Bezeichnung werden alle Eingeborenenstämme Malaysias zusammengefasst. Zu Dorotheas Leidwesen haben sich die Einwohner dieses Dorfes ganz auf Touristenbelustigung eingestellt. Alle kauen Betelnüsse, und ein junges Mädchen raucht sogar einen Joint. Ihre Jagdspezialität sind Blasrohre, und natürlich dürfen sich auch die Gäste im Pfeilblasen versuchen. Früher haben sie die Pfeile mit dem Gift der inzwischen fast ausgestorbenen Ipoh-Bäume getränkt, das in wenigen Minuten zum Tod führt. Die Regierung unterstützt die Orang Asli regelmäßig mit Nahrungsmitteln und sorgt dafür, dass die Kinder in die Schule gehen.
Es ist natürlich die Frage, ob die traditionelle Lebensweise in einer so entwickelten Gesellschaft überhaupt aufrecht erhalten werden könnte.

4.2.
Trotz unserer schlechten Erfahrungen beim Wegefinden trauen wir uns, auf eigene Faust eine Dschungelwanderung zu unternehmen. Nach wenigen Minuten durchqueren wir einen wundervollen alten Garten, Tan’s Camelia Garden. Gleich danach beginnt der Urwald.

Baumfarn am Urwaldrand

Baumfarn am Urwaldrand

Der Weg ist voller Baumwurzeln und wir müssen über zahlreiche umgestürzte Baumstämme steigen. Ein Einheimischer, der mit Fotostativen und Netz den Berg besteigt, kreuzt unseren Weg, sonst sind wir ganz für uns und hören nur die Urwaldgeräusche, die von Vögeln und Insekten verursacht werden. Die Vegetation ist dicht, es gibt Baumfarne und viele Epiphyten, doch die Bäume erreichen nicht die Höhe, die sie in den warmen Regionen erreichen. Der Weg verläuft nahezu hangparallel, bis wir zu einer Weggabelung kommen und links abbiegen. Hier ist freie Fläche mit weitem Blick, offenbar ist der Wald wegen einer Hochspannungsleitung gerodet worden. An dem nun steil ansteigenden Weg sitzen eine junge und eine alte Aslifrau und zwei kleine Kinder. Die ältere nimmt keine Notiz von uns, während die jüngere unseren Gruß mit freundlichem Lächeln erwidert. Wir brauchen auf dem harten Lehmweg nur dem Verlauf der Hochspannungsleitung zu folgen, um auf den 1855m hohen Gunung Jasar zu gelangen. Ganz oben sitzt unser Einheimischer mit seinem Schmetterlingsnetz. Er ist Entimologe und kann Dorotheas Frage nach Fledermäusen nur so beantworten, dass es früher riesige Schwärme von Fruchtfledermäusen gegeben habe, die aber seit einigen Jahren abgewandert sind. Er erzählt von der Muluhöhle in Sarawak, in der Millionen von Fledermäusen anzutreffen sind. Noch ein Ziel für Borneo? Beim Abstieg kommen wir wieder in einen Mooswald, etwas weniger dicht als der gestrige, aber sehr bizarr durch die über und über mit Moosen verschiedener Farben und Formen bewachsenen Stämme.
Unser Garten säuft ab

Unser Garten säuft ab

Als wir loswanderten, war der Himmel wolkenlos. Auf dem Gipfel sahen wir erste Wolken aufziehen. Als wir in Tanah Rata ankommen, fallen erste Tropfen. Trotzdem wässert unser Pensionswirt seinen Garten mit dem Schlauch. Kaum sind wir im Haus, bricht ein tropischer Regen los, der stundenlang dauert und auf allen Flächen Wasserströme auslöst.

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2 Kommentare

  1. Thomas Bühring said,

    Ich wünsche Euch weiterhin eine spannende Reise, an der Ihr uns ja wenigstens ausschnittsweise durch die interessanten Beiträge teilhaben lasst.

    Wann und wo ist der Dia – Abend? Oder neuzeitlich die Präsentation per beamer?

    Herzliche Grüße
    Thomas

    • barreoptuur said,

      Hallo Thomas, danke für die Grüße! Ja, die Reise geht weiter und es gibt weitere Berichte! Grüße bitte die KollegInnen und vor allem meine alten Klassen von mir. Ich vermisse sie doch ein bisschen!

      Axel

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