Thaipusam

Februar 2, 2010 at 10:38 am (Uncategorized)

29.1.
Heute schaffen wir es, schon um 7 Uhr aufzustehen. Höchste Zeit, denn das Thaipusamfest ist schon seit dem frühen Morgen im Gange. Es handelt sich um ein hinduistisches Fest, das vor allem in Südindien, Singapur und Malaysia zum Vollmond im 10.Hindumonat Thai (Ende Januar, Anfang Februar) gefeiert wird, wenn Pusam, der Stern des Wohlergehens, über dem Osthimmel auftaucht. Hier ist Penang wegen seiner indischen Bevölkerungsgruppe nach Kuala Lumpur die wichtigste Stätte. Es ist ein Fest des Dankes und der Selbstkasteiung, gewidmet Lord Murugan, Sohn der mächtigen Göttin Parvathi. Der hinduistischen Mythologie zu Folge erhielt Murugan von seiner Mutter eine Lanze, um drei Dämonen zu töten, die die Welt plagten.Im indischen Viertel herrscht dichtes Gedränge festlich gekleideter Mensche, fast alles Frauen in prachtvollen Seidengewändern. Viele tragen Silbertabletts, auf den Obst und Früchte, darunter eine halbe Kokosnuss, appetitlich angerichtet sind.

Zeremonienwagen

Zeremonienwagen

Mit diesen Tablett drängen sie sich an einen silbergeschmückten Zeremonienwagen, der von zwei festlich dekorierten Ochsen gezogen wird.
Fruchtteller warten auf die Weihung

Fruchtteller warten auf die Weihung

Dort werden glühende Kohlestückchen in die Kokosnuss gefüllt, wodurch diese in Brand gerät. Zuvor sind offenbar große Mengen von Kokosnüssen zertrümmert worden, deren Reste zu Bergen zusammengekehrt werden.
Kokosnuss-Reste

Kokosnuss-Reste


Kaum ist der Wagen weitergefahren, erscheinen schon Kehrwagen und Müllfahrzeuge, in denen die Berge entsorgt werden. Vor dem Mariamman-Tempel, von dem aus die Prozession losgehen soll, steht ein geputzter Wagen, ansonsten ist hier alles ruhig. Mal sehen was der morgige Samstag, der Höhepunkt des Festes, bringt.
Cheong Fatt Tze Manson

Cheong Fatt Tze Manson

Mittags folgen wir einer einstündigen sehr interessanten Führung durch das Cheong Fatt Tze Manson, ein indigoblau gestrichenes Haus aus der Mitte des 19.Jahrhunderts, das der vom mittellosen chinesischen Einwanderer zum „Rockefeller des Ostens“ aufgestiegene Namensgeber für seine Familie errichten ließ. Es ist in interessanter und vielfältiger Weise nach Feng Shui Prinzipien aufgebaut. Es enthält in zweistöckiger Bauweise 38 Zimmer um einen Innenhof herum, die an Touristen vermietet werden, und verknüpft chinesische Gestaltungselemente wie der verblüffende Ying und Yang-Klappmechanismus der Holzjalousien mit europäischen Stilelementen wie den Jugendstil-Glasfenstern.
Fähre nach Butterworth

Fähre nach Butterworth


Nachmittags fahren wir mit dem alten Fährschiff nach Butterworth. Trotz der neuen, 13,5km langen Brcke, ist sie wohl das wichtigste Verkehrsmittel, das auf dem oberen Deck an die Hundert einheimische Passagiere und auf dem unteren ebenso viele Mopeds und Autos transportiert. Die viertelstündige Fahrt ist in Richtung Butterworth frei, in Gegenrichtung muss man einige Münzen einwerfen, um durch die Schranke zu kommen. In Butterworth kommen wir über eine Fußgängerbrücke zum Bahnhof, wo wir für den Sonntag Fahrkarten nach Ipoh erstehen.
Zurück im hei0en Georgetown trinken wir in dem indischen Restaurant einen köstlichen Johannisbeer-Lassy (=Joghurtshake). Wir kommen mit dem Besitzer ins Gespräch, und er erzählt uns, wo wir am nächsten Tag der Thaipusam-Prozession folgen können.

30.1.

vor Mariammantempel

vor Mariammantempel

Dorothea steht schon um 4 Uhr früh auf, um den Prozessionszug von Beginn an zu erleben. Tatsächlich setzt sich um 4.45 Uhr mit einer Fanfare und einem Böller ein von zwei geschmückten Wagen gezogener Wagen in Gang, dem aber nur ein Dutzend Gläubige, hauptsächlich Frauen, die Gefäße mit Milch tragen, folgen.
Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Bus zu einem kleinen Tempel, der uns als Ausgangspunkt für den eigentlichen Thaipusam-Zug genannt wurde.
Kavadi-Träger

Kavadi-Träger

Es sind hauptsächlich junge Männer, die seit Wochen gefastet haben, um sich heute der schmerzhaften Prüfung der Geißelung zu unterziehen. Sie sind nur mit einem orangefarbigen Umhang bekleidet, der den Oberkörper freilässt. Sie haben sich die Wangen mit einem Metallspieß durchbohren lassen.
Dreifach-Qualen

Dreifach-Qualen

Einige haben sich bis zu zwanzig Haken in die Rückenhaut bohren lassen, an die eine Art Geschirr geknüpft ist, andere auch silberne Glöckchen an Brust und Rücken. Bei kaum jemandem sieht man Blutspuren. Die Schmerzen werden tapfer ertragen oder vielleicht auch nicht empfunden, denn sie haben einen abwesenden Gesichtsausdruck und scheinen in einem Trancezustand zu sein, was durch die dröhnend laute Musik, die von überall herschallt, unterstützt wird.. Nun bekommen sie eine offenbar aus Holzbretter, Metallstangen und Styropor selbstgebaute Konstruktion übergestülpt, die sie auf den Schultern und Hüften tragen, wobei sie von Familienmitgliedern unterstützt werden. Auf den Traggestellen sind sehr unterschiedliche, bis zu zwei Meter hohe Styroporskulturen, Kavadi genannt, befestigt, die Wappen oder Göttergestalten und sehr häufig Hakenkreuze enthalten. Gruppenweise machen sich diese Skulpturenträger auf den Weg zum Nattukkotai-Tempel, der etwa 7 km entfernt ist. Wir folgen dem Menschenstrom. Beiderseits des Weges sind Stände verschiedener Sponsoren (darunter auch Deutsche Bahn) und Tische aufgebaut, auf denen kostenloses Essen und Trinken angeboten wird.
Am Nattukkotai-Tempel

Am Nattukkotai-Tempel

Je näher wir zum Ziel kommen, desto unerträglicher wird der Musiklärms, der aus den bis zum Anschlag aufgedrehten Lautsprecheranlagen kommt. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus Karneval, Jahrmarkt und Marathon, dessen Anstrengung den Statuenträgern ins Gesicht geschrieben steht.
Betende und Fotograf

Betende und Fotograf

Der religiöse Anlass des Festes wird erst am Ende des Prozessionszuges deutlich, den Betenden im Tempel, die in schamloser Weise von einem japanischen (?) Fotografen bedrängt werden und dem Besteigen eines Hügels, auf dessen Spitze die Statuenträger von ihren Lasten und Marterinstrumenten befreit werden.
Am Ziel

Am Ziel

Dort endet der Zug in einem Tempel, in dem die überraschend kleine silberne Statue von Lord Muruga mit Milchströmen übergossen wird, was natürlich reinigende Wirkung hat, vom Geruch aber sehr an eine deutsche Molkerei erinnert. Während für die einheimischen Thaipusam-Feiernden das Fest an den Tischen rund um die Tempelanlagen weitergeht, lösen wir uns überraschend unkompliziert aus der Menschenmenge und finden sofort eine Shuttlebus, der uns zum Fährterminal bringt.
Abends essen wir gemeinsam mit Dorthe und John im „Red Garden“. Es ist ein Open-Air-Restaurant, wo man sich Essen aus einem der vielen Essstände aller asiatischen Küchen rings um das Areal bestellt und an seinen Tisch bringen lässt.
Schließlich hören wir noch einmal den „Blue Diamonds“ zu, dann verabschieden wir uns von einander und uns von Penang, wo wir uns im Laufe dieser Woche immer wohler gefühlt haben.

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