Bangkok

Januar 16, 2010 at 7:52 am (Uncategorized)

9.Januar
Nach drei Wochen im winterlichen Deutschland sind wieder zurück in Bangkok. Irgendwie war ich nicht wirklich in der Heimat angekommen. Zwei Wochen hatte ich mit dem Jetlag zu kämpfen, wurde am Spätnachmittag todmüde und wachte in der Nacht zu Unzeiten wieder auf. Dabei war es richtig schön, unser zweites Enkelkind Justus kennen zu lernen, mit der Familie Weihnachten und mit Freunden Sylvester zu feiern. In den letzten Tagen vor der Rückreise konnten wir sogar von der Haustür aus Skilauflauf machen. Die Zugfahrt durch das winterliche Norddeutschland, die fahle Wintersonne über der verschneiten Landschaft war richtig romantisch. Trotzdem fühle ich mich erst jetzt in Bangkok wieder richtig da. Die Umstellung auf die Ortszeit hier und der Temperaturschock von Minusgraden auf über 30° fiel mir nicht schwer. Auch Dorothea meint, ich sei hier wie verwandelt, und ich selbst spüre die gleiche Gelassenheit, die mich während unserer ganzen Reise mit einer Art Hochgefühl erfüllt hat. Dieses Land, diese Gegend macht etwas mit mir, und bevor ich darüber grüble, woran es liegt, genieße ich es lieber und denke, es wird mich immer wieder nach Südostasien ziehen.

Denkmal mit Schwein

Denkmal mit Schwein

Wir hatten das New Joe Guesthouse schon zu Hause aus gebucht, was sich als Glücksfall herausstellt. Die Fahrt mit dem Airport Expressbus 2 endet im Zentrum von Banglamphu, wie der lebhafte touristische Stadtteil Bangkoks heißt, und es sind nur ein paar Schritte zu unserer Unterkunft, die über freundliches kompetentes Personal, ein schönes Open Air Restaurant und akzeptable Zimmer mit Bad und einem kleinen Balkon zu einem günstigen Preis verfügt. Nur eine Querstraße weiter liegt die Thonon Kaosan, in der von früh bis tief in die Nacht die Party abgeht. Mehr als Gucken in diese Szene verlockt es mich nicht, in der leicht bekleidete TouristInnen sich mit feierhungrigen Thais treffen, Unmengen billigen Biers in sich hineinschütten, und den Akkha-Ffrauen, denen wir schon im Norden von Laos begegnet sind, irgendwelchen Schwachsinn abkaufen. Dazu tönt aus jedem Restaurant brüllend laute Livemusik, die sich zu einer kaum erträglichen Kakophonie mischt, doch die Volksmassen fühlen sich angezogen. Zum Glück hört man in unsrem Zimmer fast nichts von dem Krach. Dorothea, die stets und überall schlafen kann, verbringt 14 ungestörte Stunden im Bett und ich bummele bis in den frühen Morgen durch die Gassen, bis auch in Mitteleuropa Nachtschlaf angesagt ist. Neben lauter Fröhlichkeit gibt es auch unübersehbare Schattenseiten in dieser Szene. In allen dunklen Ecken liegen obdachlose Menschen und finden mitten im Lärm ihren Schlaf. Wer wach ist, bettelt um Almosen, und einige sind selbst dazu zu schwach, völlig abgemagert scheinen sie auf ihren nahen Tod zu warten.

10.Januar
Als wir aufwachen, ist es bereits 13.45 Uhr. Schnell machen wir uns auf den Weg, um noch etwas vom Tag zu haben. Dabei entdecken wir ein attraktives schnelles und preiswertes Verkehrsmittel, die Flussschifffahrt auf dem Mae Nam Chao Praya, der mit seinem weit verzweigten Delta Bangkoks maritime Lebensader bildet. Hier weht immer ein kühles Lüftchen und der Ausblick ist fantastisch. In wenigen Minuten sind wir in Thonburi, einem alten Stadtteil auf dem Westufer des Flusses angekommen. Wir schlendern am Flussufer ein Stück nach Süden und sind erstaunt, wie ruhig und verträumt es hier ist. Wir überquren den Fluss auf der Unabhängigkeitsbrücke und kommen auf einen belebten Markt auf dem östlichen Ufer. Für einen Besuch des Wat Pho, dessen atemberaubende Fassade über die Mauer leuchtet, ist es schon zu spät. An der weißen Mauer des Königspalastes auf der anderen Straßenseite entlang kommen wir zu dem kleinen Königsgarten, in dessen gepflegten Anlagen unzählige Jogger ihre Runden drehen. In einer unscheinbaren Straße entlang eines kleinen Kanals, dem Khlong Lawt, begegnen wir einem geschmückten Schweinedenkmal. Merkwürdig, was man so alles verehren kann. Abends gehen wir zu einem kleinen Musikclub, in dem eine blutjunge Band Rockmusik zum Besten gibt. Nicht schlecht, aber auf die Dauer zu laut. Direkt nebenan spielen zwei Sologitarristen Rockoldies. Einer von ihnen hat eine Stimme wie Tom Waits und beherrscht sein Instrument, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören.
11. Januar

Füsse des liegenden Buddha

Füsse des liegenden Buddha

Perlmutt

Perlmutt

Heute wachen wir „schon“ am späten Vormittag auf. Auf dem Weg zum Motorboot trauen wir unsren Augen nicht. Ins Gespräch mit einem Einheimischen vertieft, steht Suki, wie sie leibt und lebt, und von der wir uns im November in Vientiane verabschiedet hatten! Die Freude über unser unerwartetes wie unwahrscheinliches Zusammentreffen ist gegenseitig. Gemeinsam besuchen wir Wat Pho, in dem es von Superlativen nur so strotzt: Größter und ältester Wat Bangkoks, älteste Universität. Eine Hauptattraktion ist der größte liegende Buddha der Welt, 46m lang und 15m hoch aus goldbedecktem Gips gefertigt. Die meisten Besucher sind Einheimische, die immer wieder betend niederknien und Geldscheine in überfüllte Spendenboxen stopfen. Liegende Buddhas sind besondere Heiligtümer, weil sie ihn kurz vor dem endgültigen Eintritt ins Nirwana darstellen, Beeindruckend ist die Liebe zum Detail, in an dieser gewaltigen Skulptur zu finden ist. Die Fußsohlen sind aus reich verziertem Perlmutt gearbeitet und stellen 108 verschiedne laksana (Buddhacharakteristika) dar. Umgeben ist dieser Tempel von einer Vielzahl glitzender Stupas und unzähligen Buddhaskulpturen. Dutzende Tempelwächter, aus Granit gehauen, haben unverkennbar chinesischen Einschlag.
Tempel-Bauarbeiterinnen

Tempel-Bauarbeiterinnen

An einigen Tempeln werden Restaurationen durchgeführt, die Bauarbeiter sind ausschließlich Frauen, die schwere Lasten per Hand oder handbetriebenen Maschinen transportieren.
Intarsienarbeit

Intarsienarbeit

Schwere Tische und Bänke werden in mühevoller Kleinarbeit mit Intarsien versehen. Hier wiederum sind nur Männer beschäftigt, die die Auslegemuster vorzeichnen, mit kleinen Stechbeiteln ausheben, bevor die Perlmuttausschnitte eingeklebt werden. Von einem freundlichen Holzschnitzer erfahren wir, dass er an einem Möbel zwei Monate arbeitet. Welch ein Aufwand in diesem armen Land!
goldener Buddha

goldener Buddha

Weil es für einen Besuch des Königspalastes wiederum zu spät ist, entschließen wir uns für Wat Traimit, der in Chinatown gelegen ist. Die weit leuchtende goldene Stupa ist der Tempel des goldenen Buddhas, dessen wahrer Kern vor 50 Jahren zufällig entdeckt wurde, als bei Kranarbeiten die Stuckhülle beschädigt wurde. 5,5 Tonnen reinen Golds sind in dieser 3m hohen Statue dem Zugriff birmanischer Plünderer entzogen worden.
Am Spätnachmittag mache ich einen Lauf auf einem großen Oval, das von großen Straßen umgeben als Parkplatz und verschiedenen Veranstaltungen wie Kinovorführungen Straßenhandel oder als Massageplatz dient. Eigentlich in der unmittelbaren Umgebung unseres Hostels gelegen, ist er durch ein Labyrinth vielbefahrener Straßen fast unerreichbar. Die Stadtplaner scheinen vergessen zu haben, dass es außer Autos auch Fußgänger gibt!

11.Januar
Entlang dieses Ovals erreichen wir am Vormittag Ko Ratakosin, das von einer weißen Mauer umgeben Thailands größte Heiligtümer enthält.

Klosterbauten auf Ko Ratanakosin

Klosterbauten auf Ko Ratanakosin

Außer dem Königspalast, der heute nur noch zeremoniellen Zwecken dient, enthält er den Tempel des Smaragdbuddha, der eigentlich aus grüner Jade gefertigt ist. Gemessen an seiner prachtvollen Umgebung und vieler betender Gläubigen wirkt diese nur 66cm große Skulptur, die als wichtigstes Heiligtum des thailändischen Buddhismus gilt, eher unscheinbar. Umheben ist dieser Tempel von prachtvollen Gebäuden des königlichen Klosters.
Wandbemalung im königlichen Kloster

Wandbemalung im königlichen Kloster

Die Wandelgänge sind mit liebevoll gestalteten großen Bildern mit mythologischen Motiven geschmückt, auf denen die Kernelemente durch Silberintarsien hervorgehoben sind. Wir finden ein großes Modell von Angkor Wat und erkennen vieles wieder, was wir vor wenigen Wochen bei unserer Kambodschareise bewundert haben. Der Königspalast ist eine nicht unbedingt überzeugende Mischung von italienischer Renaissance mit Thaiarchitektur, dennoch sehr prunkvoll..Wärme und Menschenmassen treiben uns nach einigen Stunden aus den Palastmauern zum Fluss, wo wir mit einer Personenfähre nach Thonburi übersetzen. Wir wollen eine .Bootsfahrt auf den Kanälen machen, finden aber zunächst keinen Anleger, So fahren wir am Pier wieder auf die andere Seite, und lassen uns von einem tüchtigen Vermittler zu einer individuellen Bootstour überreden. Auch wenn wir den Fahrpreis um ein Drittel herunterhandeln, sind 1000 Bt für eine einstündige Bootsfahrt eine ganze Menge.
Venedig des Ostens

Venedig des Ostens

Dafür haben wir ein Longtailboot ganz für uns, auf dem locker zwanzig Fahrgäste Platz gefunden hätten. Schnell merken wir, warum Bangkok das Venidig des Ostens genannt wird. Entlang der Flussufer finden sich schön eingegrünte Pfahlbauten und das Bötchen scheint das wichtigste Verkehrsmittel zu sein.
Blick vom Wat Arun

Blick vom Wat Arun

Zum Schluss besichtigen wir noch das imposante Wat Arun, an dem wir schon so oft vorbeigekommen sind. Was von weitem wie aus Granit gehauen aussieht, erweist sich aus der Nähe als eine hübsche Einlegearbeit aus zerbrochenem chinesischen Porzellan. Man kann das nach der Göttin Aruna benannte Wat bis auf halbe Höhe auf extrem steilen Treppen besteigen und hat von oben einen weiten Ausblick auf die Skyline Bangkoks.
Abends fahren wir mit dem Boot nach Chinatown, wo wir geschäftiges Treiben auf den Straßen erwartet hatten. Davon finden wir kaum etwas, die Märkte sind beim Abbau, die meisten Geschäftegeschlossen. Immerhin bekommen wir in einem gut gefüllten Straßenrestaurant ein leckeres chinesisches Essen. Wir bekommen sogar einen Bus, der uns durch die Altstadt bis nach Bang Lamphuu zurückbringt. Der Bus fährt an einem kilometerlangen Blumenmarkt vorbei, dessen aufwändige Gebinde und Gestecke fast ausschließlich für religiöse Zwecke bestimmt scheinen.

12.Januar
Wir laufen durch die heiße Stadt zum königlichen Dusitdistrikt. Auf dem Weg bekomme ich in einem klimatisierten Salon einen wirlich guten Haarschnitt samt Beseitung störender Gesichtshaare und Kopfmassage für unglaublich günstige 60 Bt verpasst. Der königliche Distrikt ist geradezu martialisch bewacht von kampfbereiten Soldaten, ohne dass wir irgendwelches Bedrohungspotenzial erkennen. Obwohl der König seit den dreißiger Jahren keine politische Macht hat, wird um ihn und die königliche Familie ein Personenkult betrieben, der für westliche Besucher ziemlich unverständlich ist. In jedem Geschäft, an jeder Straßenecke begegnen einem große Portraits, die Schiffe, die nachts beleuchtet auf demFluss fahren, tragen „long live their majesties“-Botschaften und Majestätsbeleidigung ist ein schweres, mit Gefängnis geahndetes Verbrechen.

Waran im Zoo

Waran im Zoo

Ziel unseres Besuchs ist der Tierpark, der im vorigen Jahrhundert aus einemBotanischen Garten entstand. Die gezeigte Fauna ist natürlich die gleiche wie in europäischen Zoos. Witzig ist das Zusammenleben wilder und gefangener Tiere. So brüten auf dem Dach des Vogelgeheges eine Vielzahl wilder Pelikane. Afrikanische Hirsche werden offensichtlich von Krähen gepieksackt, ohne sich gegen die behänden Vögel, die ihnen am Schwanz herumpicken.
Auf dem Rückweg besteigen wir noch den Golden Mountain, einen Tempel, der in zwanzigsten Jahrhundert auf dem gesammelten Aushub von Kanälen errichtet wurde. Von oben haben wir wiederum einen weiten Ausblick über die Stadt.
Als wir wieder im Hostel sind, fühlen wir uns erschöpft von der Wärme und genervt vom Verkehr mit dem unerträglichen Geknatter der Tuktuk. So sehr uns die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und der Freundlichkeit der Bewohner gefallen hat, bedauern wir nicht, dass morgen Abreisetag ist. Wir lernen Elsa kennen, eine sympathische Studentin aus Wuppertal, die zwei Monate allein durch Südostasien reist. Für ihre geplante Tour nach Kambodscha und Laos können wir ihr Tipps geben. Wir erfahren wiederum einiges über Neuseeland, das sie von Auckland nach Christchurch bereist hat, wie wir es im März beabsichtigen.

Advertisements

1 Kommentar

  1. Langhans said,

    Hallo Ihr Beide,
    schön, wieder von Euch zu hören.Hier liegt immer noch viel Schnee, Manke hat gestern die Dachrinnen mit dem Flammenwerfer enteist…so langsam nähern wir uns der Karnevalszeit am warmen Ofen sitzend. Manke schwingt sich jeden Morgen auf die A5, schade, daß es hier keine Flusstaxis gibt. Übermorgen reisen wir für 1 Tag ins Sauerland zum Skifahren, das ist so ein ganz anderse Prgramm wie bei Euch im warmen Thailand. Toll, daß Ihr eine Informantin für Neuseeland kontaktet habt. Wir freuen uns schon. Sonst ist hier alle o.k, der Alltag rollt wie gehabt,
    liebe Grüsse und genießt die Farben, Tempel und die Sonne,

    Martina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: