In den Süden von Laos

November 26, 2009 at 1:11 pm (Uncategorized)

15. November
Zum Frühstück treffen wir uns zum letzten Mal mit Suki, die einen Flug nach Hanoi gebucht hat. Dort herrschen beneidenswerte 23°, während uns bei 34° eine längere Busfahrt bevorsteht. Um 12 Uhr werden wir mit einem Taxi zum Südbusbahnhof gebracht. Dort geht der VIP-Bus nach Pakse los. Er ist wirklich luxeriös und klimatisiert, so dass die Fahrt recht angenehm verläuft. Nach Einbruch der Dunkelheit treffen wir in Thakhet ein, einer Stadt, von der wir nur wissen, dass es inder Nähe eine 7km lange mit dem Boot befahrbare Höhle gibt. Zusammen mit anderen Touris fahren wir mit einem Tuktuk zur „Travellors Lodge“, die leider voll ist. Wieder mit dem Tuktuk zum „International Hostel“, einer echten Absteige.

Elektroinstallation im Feuchtraum

Elektroinstallation im Feuchtraum

Das erste Zimmer verlassen wir, weil es zu sehr nach Schimmel stinkt. Das zweite ist noch primitiver aber geruchsfrei. Die Elektroinstallation ist absolut abenteuerlich. Das Gefühl nach Trostlosigkeit überkommt uns auch auf der Suche nach einem Restaurant, so dass wir spontan beschließen, schon morgen nach Pakse weiter zu fahren. Was sollen wir auch in einer 7km langen Höhle, wo unsere Taschenlampen so funzelig sind? Mit dem Tuktuk erneut zum Busbahnhof. Unterwegs hält es an einem Stand und der Beifahrer kauft eine Limonadenflasche.
Tuktuk-Tankstelle

Tuktuk-Tankstelle

Es zeigt sich, dass es sich nicht um Limonade handelt, denn der Inhalt wird in den Tuktuktank gefüllt. Der Weg war überflüssig, den die Fahrkarten werden nur für den aktuellen Tag verkauft. Wir essen recht gut in einem Restaurant nahe dem Mekong, das einem Amerikaner gehört. Er gehörte der US Navy an und wollte eigentlich in der Philippinen leben, fühlt sich aber hier seit 7 Jahren recht wohl. Offenbar haben die Laoten keine Vorbehalte gegen die Nation, die vor drei Jahrzehnten ihr Land verwüstete.

16. November
Am Busbahnhof treffen wir Janien wieder, die inzwischen mit Gunther, einem Belgier, weiterreist. Es gibt viel zu erzählen. Wir haben nochnicht gefrühstückt, aber die lebenden Krebse, Ratten und ähnliche Leckereien können uns nicht überzeugen. Der Bus ist klimatisiert, so dass die Fahrt nach Savannakhet und von da nach Pakse trotz der Gluthitze einigermaßen gut auszuhalten ist. Kurz vor Pakse hält der Bus an einer Station. Ein Tuktukfahrer erscheint und ruft „Pakse, Pakse, Bus Stopps here!“, worauf viele der Touristen aussteigen. Da die Einheimischen sitzen bleiben, die Busbegleiterin schweigt und ich kurz vorher einen Kilometerstein „Pakse 17km“ gesehen habe, vermute ich einen Schwindel und behalte Recht. Alle steigen wieder ein und wir werden direkt in Pakse Zentrum ausgeladen. Leider ist das „Sabaidee2“ ausgebucht und wir müssen im Dunkeln weiter. Wir landen in einem modernen Guesthouse, doch leider stinkt es in den Zimmern derart nach Mottenpulver, dass wir nur eine Nacht bleiben. Zu Abend essen wir indisch mit Jennifer und Adam, einem amerikanisch-australischen Paar.

17. November

Bambusbrücke am Phaxuam-Wasserfall

Bambusbrücke am Phaxuam-Wasserfall

Gleich am nächsten Morgen ziehen wir ins Sabaidee2 um, das über sehr einfache aber geruchsfreie Räume verfügt. Der sehr nette Besitzer, Mr. Vong, der sehr gut französisch spricht, berät uns hinsichtlich unserer für die nächsten Tage geplanten Motorbiketour ins Bolavenplateau. Pakse liegt verkehrsgünstig am Zusammenfluss des Se Don Flusses mit dem Mekong. Eigentlich gibt es hier nichts Besonderes, aber die Atmosphäre ist freundlich und entspannt und man trifft überall auf freundliche Reisende, die alle das gleiche Ziel haben. Da kann man sich gut austauschen. Abends trinken wir mit Janien und Gunter Kaffee, dabei sehen wir auch Sascha wieder.

18. November
Wir können unsere Reisetaschen im Gasthaus lassen. Wir leihen uns ein Motorbike und starten schon um neun Uhr zu unserem Trip. Der Verkehr in Pakse ist etwas beängstigend, aber bald danach haben wir freie Straßen. Nach etwa 30 km erreichen wir Phaxuam Cliff, den ersten der vielen Wasserfälle, für die das Bolavenplateau berühmt ist. Er ist nicht sehr hoch, aber durch die Granitsäulen sehr schön anzusehen.

Am Phaxuam-Wasserfall

Am Phaxuam-Wasserfall

Hier trifft auch Gunter ein, der auf eigene Faust die Landschaft erkundet. Auf der Weiterfahrt wird es recht gebirgig, so dass unser etwas schwaches Gefährt nur im ersten Gang die stärkten Steigungen überwindet. Immer wieder überqueren wir schmale Brücken über unzählige Bäche. Dann geht es abwärts in eine flache Ebene, das eigentliche Plateau, wo Kaffee und Tee angebaut werden. Tagesziel ist Tad Lo, ein kleiner Ort, der an mehreren Wasserfällen gelegen ist.
Tadlo-Wasserfall

Tadlo-Wasserfall

Unsere sehr einfache Unterkunft liegt direkt an einem der Fälle.
Fischotter als Schmusetier

Fischotter als Schmusetier

Die Kinder hier haben einen jungen Fischotter als Spielgefährten und toben mit ihm im Wasser herum.
Dickhäuter

Dickhäuter

Auf unserem Abendspaziergang begegnen wir zwei Elefanten, die gerade in aller Ruhe den reißenden Bach überqueren. Außer ihren Mahouts tragen sie einige Touristen spazieren.
Monduntergang

Monduntergang

Nach Sonnenuntergang zeigt sich eine feine Sichel des untergehenden Monds. Der Sternhimmel ist prächtig, aber es fällt mir schwer, mich zu orientieren. Der große Wagen bleibt unter dem Horizont, und auch der Polarstern ist bei 15° Höhe nicht auszumachen. Die Wintersternbilder sind schon am frühen Abend zu sehen, Orion steht ungewohnt hoch am Himmel, scheint aber auf der Seite zu liegen. Die Nacht wird lausig kalt, kaum zu fassen nach den Tagestemperaturen, und wir frieren heftig unter unserem dünnen Deckchen. Unser Bike wird nachts eingeschlossen. Es ist in letzter Zeit zu Diebstählen gekommen, die wohl vom nahen Vietnam ausgehen.

19. November

Motorbikerin

Motorbikerin

Am nächsten Morgen fahren wir bis Ban Beng auf der Asphaltstraße weiter, dann biegen wir auf eine Staubstraße ab, die aber meist recht gut befahrbar, obwohl kaum befahren ist.
Kleine Plateujungfrau

Kleine Plateujungfrau

Die Landschaft ist idyllisch, und wir bekommen erstmals Kaffeesträucher zu Gesicht. Wir wechseln uns als Fahrer ab und haben beide Spaß an unserem Gefährt. In Thalang kommen wir wieder auf die Hauptstraße und kommen am frühen Nachmittag in Paksan an, wo wir in einem Gasthaus Unterkunft nehmen. Hier gibt es kaum Tourismus. Auf dem großen Markt herrscht reger Betrieb, und vom Apfel bis zum Zimmermannsnagel scheint es hier alles zu kaufen zu geben. In einem vietnamesischen Restaurant bekommen wir eine leckere Hühnersuppe. Der vietnamesische Kaffee tropft als extrem starker Mokka direkt in ein Tässchen mit gezuckerter Milch und ist süffig. Nach Einbruch der Dunkelheit fahren wir aus Langeweile noch ein wenig in dem ausgedehnten Straßendorf herum und entdecken in einem Restaurant Stéphanie und Caroline aus Paris bzw. Grenoble, die wir schon in Pakse kennengelernt haben.
Tad Yuang-Wasserfall

Tad Yuang-Wasserfall

Die Nacht ist wiederum eisig kalt, und auf dem Fenster steht ein heftiger Ostwind, aber diesmal haben wir warme Decken.

20.November

Tadfane-Wasserfall

Tadfane-Wasserfall

Heute haben wir uns drei Wasserfälle vorgenommen, aber es werden vier. Der erste ist auf unserer Karte gar nicht verzeichnet und liegt in einer Kaffeeplantage. Der freundliche Besitzer führt uns herum und ist sichtlich stolz auf sein beschauliches Eigentum.
Tad Champee Wasserfall

Tad Champee Wasserfall

Der zweite namens Tad Yuang ist wesentlich touristischer und stürzt aus großer Höhe herab. Unten werden wir durch den Nebel kräftig durchnässt. In einem Café mit Laden bekommen wir einen echten Espresso und können Kaffee für daheim mitnehmen. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den Tad Fane, der mit zwei kräftigen Bächen 120m tief stürzt. Den Abstieg müssen wir abbrechen, weil es einfach zu steil wird. Schließlich besichtigen wir den einsamen und romantischen Tad Champee Fall. Dann machen wir uns auf den Rückweg nach Pakse. Bei einem Halt an einem steilen Abhang sehen wir zwei Kinder, die je zwei Eimer Wasser mit einem Schultertragegestell nach Hause schleppen müssen. Das kleinere ist ein kaum fünfjähriges Mädchen, das auf halbem Weg erst einmal Kraft sammeln muss. Es ist richtig glücklich, als ich ihr auf den letzten Metern die schwere Last abnehme. Die letzten Kilometer im Verkehr von Pakse sind noch einmal aufregend, aber endlich können wir unser Vehikel unbeschadet beim Verleih zurückgeben. Abends wollen wir im Pakse-Hotel auf der Dachterrasse im siebten Stock essen, aber der Wind ist so heftig, dass wir lieber in einem ebenerdigen Restaurant speisen, wo wir uns mit einer älteren australischen Dame unterhalten. Auf dem Nachhauseweg kommen wir am Kloster vorbei, welches hell erleuchtet ist. Drinnen feiern Hunderte in weiße lange Gewänder gehüllte Männer und Frauen ein buddhistisches Fest. Alle Tische, Stühle und sogar die vielen Motorbikes vor dem Kloster sind durch weiße Fäden untereinander und mit den Skulpturen verbunden.

21. November
Um 8 Uhr werden wir von einem Kleinbus eingeladen, der uns zu den 4000 Inseln, unserem letzten Ziel in Laos, bringen soll. Der Bus ist mit 16 Touristen bis auf den letzten Platz besetzt. Nach zweieinhalb Stunden kommen wir in Ban Nakasang, dem Ablegeplatz der Longtailboote, an. Der Zubringer zum Bootsanleger ist so uneben, dass der Bus mehrfach aufsetzt. Am Anleger herrscht lebhaftes Treiben. Für die Weiterfahrt nach Kambodscha erwerben wir Busfahrkarten nach Kratje, viel zu teuer, wie sich später herausstellt. Dann springen wir samt Gepäck auf eines der Longtail-Boote, das die Touristen auf die Inseln Don Det und Don Khon bringt.

4000 Inseln

4000 Inseln

Leider steigen wir zu früh aus auf Don Det und ehe wir unseren Irrtum bemerken, ist das Boot bereits weitergefahren.
Im Longtailboot zu den 4000 Inseln

Im Longtailboot zu den 4000 Inseln

Die Tuktuk-Fahrt nach Don Kong soll 100000 Kip kosten, zu viel für unseren Geschmack. Dann bietet uns ein Bootsfahrer an, uns für 30000 Kip zu fahren, und so genießen wir unsere Individualreise zur Insel, die mit Don Det nur durch eine Eisenbahnbrücke aus der Kolonialzeit verbunden ist.
Alte Eisenbahnbrücke

Alte Eisenbahnbrücke

Gerade unter dieser Brücke finden wir Platz in einem Bungalow direkt am Mekongarm, der plätschernd an unserer Terrasse vorbeiströmt. Ansonsten herrscht hier Ruhe und Beschaulichkeit. Unsere Bungalownachbarn sind Katrin und Hendrik aus Bochum, die in der Landschaftsplanung bzw. Landschaftsbau beschäftigt sind und natürlich gibt es gemeinsame Bekannte aus der Fledermausszene, Am Spätnachmittag wandern wir durch die staubige Dorfstraße, in der Schweine wohlig in der Sonne grunzen, und durch Reisfelder, von deren Rainen uns Wasserbüffel anglotzen zu einem Wasserfall. Ich muss erst einmal verstehen, wieso es auf einer Insel einen Wasserfall geben kann, doch die Erklärung ist einfach. Der Mekong selbst staut sich vor den 4000 Inseln so auf, dass ein Gefälle von mehreren Metern entsteht. Dadurch ergießt sich der Strom in großer Breite über die Felsenkliffe der Insel. Außerdem liegt hier die Erklärung, weshalb die Franzosen ausgerechnet zwischen den Inseln Don Det und Don Khon eine Eisenbahn gebaut haben: Der Mekong ist hier nicht hinreichend schiffbar und so musste der Warentransport nach Laos hier über die Schiene abgewickelt werden.
Alte französische Lokomotive

Alte französische Lokomotive

Außer der Brücke zeugt noch ein rostiges Lokomotivenskelett in Brückennähe von dieser Epoche. Eine weitere Lokruine , genannt japanische Lokomotive, steht einige Kilometer weiter an der Südspitze der Insel, wo auch die mehrstöckige Verladerampe erhalten ist.
Sonnenuntergang auf unserer Terrasse

Sonnenuntergang auf unserer Terrasse


Abends wandert die Abendsonne auf unsere Terrasse und taucht alles in rötliches Licht. Unsere umfangreiche Sammlung an Sonnenuntergangfotos wird um einige erweitert. An Restaurants besteht hier kein Mangel. Überall wird neben den bekannten laotischen Gerichten Mekongfisch in jeglicher Form angeboten: Mit Kräutern gegrillt, im Bananenblatt gedünstet oder in einer tamaringewürzten Suppe, immer sehr lecker.
Fisch im Bananenblatt

Fisch im Bananenblatt

22. November
Morgens mache ich einen Lauf zu dem etwa 5 km entfernten Südstrand, um unseren geplanten Bootausflug zu erkunden. Auf dem Rückweg ereilt mich auf einem unebenen Wegstück das Pech zu stürzen und mir im Gesicht heftige Blessuren zuzuziehen.

Wasserbüffel

Wasserbüffel

Zum Glück muss ich nur noch 1 km zum Hotel humpeln und werde von den Dorfbewohnern mitleidig angestaunt. Dorothea versorgt mich hervorragend, aber für den Rest des Tages ist Wundenlecken angesagt, und auch für den

23. November
verzichten wir auf größere Aktivitäten. Abends überqueren wir die Eisenbahnbrücke und speisen dort in einem Gasthaus, wo wir auch Jennifer (aus USA) wiedertreffen. Ansonsten gibt es dort nur Deutsche und bedient werden wir ebenfalls von einem Deutschen, der hier seit 2001 zur Familie gehört und hier mehrere Monate im Jahr wohnt.

24. November
Heute wandern wir ganz einsam zum Südstrand und chartern dort ein Bötchen, das uns zu den Irrawaddydelphinen bringen soll.

Ohne Garantie

Ohne Garantie

Delphin-Suchbild

Delphin-Suchbild

Da es nur noch ein knappes Dutzend von ihnen gibt, haben wir keine hochgesteckten Erwartungen, aber tatsächlich sehen wir schon bald einen etwa 2m langen grauen Delphin aus dem Wasser auftauchen, zu atmen, um gleich darauf wieder abzutauchen. Zu unserer großen Freude haben wir in der nächsten halben Stunde alle paar Minuten einen Sichtkontakt zu insgesamt drei Tieren. Leider sind sie so schnell wieder verschwunden, dass wir trotz vieler Versuche das ultimative Foto nicht schießen können.
Nachtreiher

Kuhreiher?

Dafür sehen wir ganz aus der Nähe eine mit Hunderten von weißen Reihern besetzte Baumgruppe.
Der gut einstündige Rückweg gestaltet sich in der Mittagshitze recht anstrengend. Auffällig ist der Unterschied zwischen Sonnen- und Schattentemperaturen, auf unserer Terrasse weht ein kühles Lüftchen und es ist hier sehr angenehm.

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