Vang Vieng und Vientiane

November 17, 2009 at 11:55 am (Uncategorized)

8.November
Wir stehen noch im Dunkeln auf, um die Mönchprozession mit zu erleben. Schon vorher haben wir uns belehren lassen, als Beobachter größte Zurückhaltung zu üben. Tatsächlich handelt es sich um ein reines Touristen-Spektakel. Von überall her bringen Tuktuks Reisende an, die mit einem Kissen ausgestattet werden und sich die Reihe der Gläubigen einreihen. Verkäufer fordern zum Kauf von Lebensmitteln als Opfergabe auf. Neben Klebreis werden Tütensuppen, Bananen und Teichrosen angeboten. Die Mönchprozession zieht sich in einem großen Bogen durch die Altstadt, wobei die Einheimischen nur in den Nebenstraßen sitzen. Jedem Mönch legen sie ein Bällchen Klebreis in seinen Korb und der eine oder andere Geldschein wechselt seinen Besitzer. In der Hauptstraße reicht die Kette der Mönche kilometerweit und wird hemmungslos fotografiert. Selbst einzelne Mönche stehen dabei und fotografieren.
Um 9 Uhr werden wir abgeholt und fahren zum Busbahnhof, wo wir in einen Minibus gestopft werden. Die Hauptstraße, die Luang Prabang und Vientiane verbindet, führt durch steile Gebirge und ist unglaublich kurvenreich. Obwohl wir einen modernen leistungsstarken Hunday-Minibus haben, kommen wir nur langsam voran und werden mächtig durchgeschüttelt. Fünf Stunden brauchen wir für die knapp 200 km bis Vang Vieng.

Blick von unserer Terrasse

Blick von unserer Terrasse

Diese Kleinstadt bietet überhaupt kein städtisches Bild, sondern profitiert ausschließlich durch seine fantastische Lage am Nam Song Fluss, umgeben von gezackten Kalksteinfelsen, vom Touristenstrom. Die zahllosen Guesthouses und Lokale zielen vor allem auf jugendliche Backpacker, die hier die große Party erwartet.
Neben der Brücke

Neben der Brücke

Unsere Unterkunft an der Bambusbrücke ist extrem günstig, aber auch spartanisch ausgestattet.

9.November
Morgens ziehen wir 50 m weiter in einen wunderschön direkt am Fluss gelegenen Bambus-Bungalow um. Wir genießen die nach Norden zeigende Terrasse sehr, denn hier ist es den ganzen Tag schattig. Die Tagestemperaturen sind seit Luang Prabang, wo es frühmorgens noch recht kühl war, um etliche Grade gestiegen. In der Mittagszeit ist es in der Sonne nicht auszuhalten. Suki und ich nehmen am Nachmittag am Tubing teil, für das Vang Vieng berühmt ist. Wir leihen uns einen LKW-Schlauch und werden mit einem Tuktuk zur Einsetzstelle gefahren. Außer uns sind ein paar mit äußerst knappen Bikinis „bekleidete“ Mädchen an Bord, die hier im prüden Laos ihre Reize zur Schau stellen. Peinlich! An der Einsetzstelle erwartet uns Hedonismus pur. Massen von Jugendlichen tummeln sich auf den Stegen und obwohl es gerade erst Mittag ist, sind die meisten schon besoffen. Von überall her dröhnt Partymusik über den Fluss. Schnell hüpfe ich auf meinen Reifen, um dieser Hölle mittels der Strömung zu entweichen. Doch alle 50 m steht ein weiterer Musikschuppen, auf dem gesoffen und getanzt wird. Eifrige Angestellte werfen einem an Flaschen befestigte Seile zu, damit man ein Bierchen zu sich nehmen kann. Einige Sportliche lassen sich an Seilbahnen und großen Schaukeln oder mit Wasserrutschen auf die Flussmitte transportieren, um dann mit großem Geplatsche ins Wasser zu fallen. Zum Glück ist die Szene bald vorbei und man kann die schöne Natur und den Blick auf die Kalkfelsen voll genießen. Die Strömung ist allerdings, abgesehen von einigen Stromschnellen, recht langsam, so dass es volle zwei Stunden, bis wir an der Bambusbrücke ankommen. Unterwegs kommt man sich wie eine Schildkröte auf dem Rücken vor. Außer ein bisschen Gepaddel mit den Armen kann man kaum manövieren. Zudem wir man von unten her auf die Dauer ungemütlich kalt, während man von oben in der prallen Nachmittagssonne brät.
Als wir abends in Restaurant sitzen, kommen viele Tuktuks mit laut gröhlenden Jugendlichen zurück. Offenbar waren sie zu besoffen, um wie geplant um dem Schlauch zurück zu kommen, oder sie haben einfach den Einbruch der Dunkelheit vergessen. Ballermann in Laos.

10. November
In der Frühe leihen wir uns einen Motorroller.

Axel auf Mofa

Axel auf Mofa

Für mich das erste Mal auf so einem Gefährt, und nach einigen unbeholfenen Versuchen gewöhne ich mich an die Fahrtechnik. Es ist ein recht starkes und leicht zu handhabendes Zweirad und bringt uns beiden viel Spaß, obwohl wir unvernünftiger Weise auf Helme verzichtet haben. Angenehm ist auch der Fahrtwind, der die Tageshitze erträglich macht. Dorothea dirigiert uns mittels einer sehr guten Karte an unser Ziel. Nach etwa 10 km biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren entlang eines holprigen Weges über eine sehr schmale Holzbrücke, auf der uns einige Rinder entgegen kommen. Im Bach baden Kinder und haben Spaß. Bald kommen wir an einen kleinen Stand, wo wir von einem sehr freundlichen, gut Englisch sprechenden Mann begrüßt werden.
Tropfsteine

Tropfsteine

Für einen kleinen Eintritt zu der Pha Thao Kalksteinhöhle werden wir mit Taschenlampen ausgerüstet. Nach wenigen Schritten gelangen wir über Holzleitern zu dem Höhleneingang, die über einen sandigen gut begehbaren Boden und ausreichend Stehhöhe verfügt. Die ganze Zeit sind wir in der sehr malerischen Höhle alleine. Es gibt mehrere mit einander verbundene Kammern, von denen Dolinen und kleine Gänge ausgehen. Die Decke besteht aus blauem, wie bemalt aussehenden Gestein, das von weißen glitzernden Kristallen umgeben ist. Überall hängen kleine und große Stalaktiten herab und vom Boden wachsen Stalagmiten bis an die Decke. Es ist wie im Märchen.
Fledermäuse

Fledermäuse

An der Decke hängen Fledermäuse, die sich von unseren Blitzaufnahmen nicht stören lassen, aber gelegentlich geräuschlos umherfliegen. Außerdem finden wir eine Art Heupferdchen mit unglaublich langen Antennen.
Höhlenbewohner

Höhlenbewohner


Am Spätnachmittag besuchen eine organische Farm, ein Projekt, bei dem Maulbeeren ökologisch kultiviert werden und Maulbeerprodukte verwertet werden. Man kann hier auch übernachten und gesund essen, aber leider tönt der Musiklärm von der nahegelegenen Einsetzstelle so laut herüber, dass wir uns mit einem fruchtigen Maulbeertee zufrieden geben und den hüpfenden Menschenmassen auf den Stegen zusehen.

11.November
Heute leihen wir uns Fahrräder und fahren über die Bambusbrücke durch die malerische Karstlandschaft. Nach allen Seiten werden die Schönheit von Höhlen angepriesen, die wir besuchen sollen.

Phakhamhöhle

Phakhamhöhle

Wir fahren zur ca 7km entfernten Poukhamhöhle. Unter dem Höhleneingang befindet sich eine blaue Lagune, in derem klaren Wasser sich Kinder und Erwachsene tummeln.. Bis zur Höhle müssen wir eine extrem steile Felsentreppe hochsteigen. Die Höhle selbst ist sehr groß, aber extrem unwegsam. Nur mühsam tasten wir uns auf den rutschigen Felsbrocken vorwärts und unsere Taschenlampen reichen kaum aus, um den Höhlenboden geschweige denn das von Stalaktiten übersäte Deckengewölbe auszuleuchten.
Höhlenspinne

Höhlenspinne

Die angekündigten Fledermäuse finden wir nicht, dafür aber eine handtellergroße Monsterspinne, auf die ich beinahe meine Hand gesetzt hätte. Die Sicherung der Höhle ist grotesk, ab und zu kann man sich an einer Bambusstange entlang hangeln oder ein gemalter Totenkopf weist auf einen Dolinenkrater hin, dessen Grund man mit der Taschenlampe nicht erkennen kann.. Am Ende sind wir froh, diese unwirtliche Welt erschöpft und dreckig, aber unverletzt verlassen zu können.
Die kurze Rückfahrt ist in der drückenden Mittagshitze kaum zu ertragen. Wieder in unserer Unterkunft läuft uns trotz kalter Duschen der Schweiß unablässig den Körper herunter. Auch nachts ist es noch so warm, dass wir kaum in den Schlaf finden.

12. November
Um 8.30 sammelt ein Bus alle Vientiane-Reisenden ein und das Gepäck wird auf dem Dach eines alterschwachen aber nicht unbequemen VIP- Busses geladen. Nach knapp drei Stunden kommen wir in Vientiane an. Ein Tuktuk bringt uns in die Innenstadt. Ein Hostel ist schnell gefunden, aber leider ist gerade der Strom ausgefallen und damit auch das Wasser. Auf eine kalte Dusche müssen wir erstmal verzichten, dabei ist es heute mit 38° unerträglich heiß! Wir gehen erst einmal etwas Kaltes trinken. Nachmittags begebe ich mich ins Einwanderungsbüro, denn unsere Visa laufen bald aus und müssen verlängert werden. Dazu müssen erst einmal seitenlange Antragsformulare ausgefüllt werden. Am Schalter darf erst mal bezahlt werden: 3$ + 2$ für jeden Tag Verlängerung. An einem weiteren Schalter gebe ich die Pässe ab und hoffe, dass wir den Stempel kriegen. Pustekuchen! „Tomorrow morning“.

Freitag, der 13. November
Voller Hoffnung begebe ich mich erneut ins Einwanderungsbüro, doch es heißt, bis mittags habe man ein Meeting, am Nachmittag möge ich wiederkommen. Ich sage, es ginge mir schlecht (was auch stimmt) und wolle doch nur die Pässe abholen. Tatsächlich kommt nach 10 Minuten ein Offizier und bearbeitet meine Akte eine Viertelstunde lang (was immer es zu bearbeiten gibt). Doch dann schüttelt er bedauernd den Kopf. Nach diesem Fehlschlag fahren wir mit einem Tuktuk zur kambodschanischen Botschaft und beantragen mit den zweiten Reisepässen Visa. Auch hier können wir nur bezahlen und Passbilder abgeben. Aber am Nachmittag klappt alles. Laos-Visa bis zum 26. November und Kambodscha-Visa für ein halbes Jahr. An Tagen wie heute kann man tagsüber ohnehin nichts anderes machen!

14. November

Pha That Luang das nationale Monument

Pha That Luang das nationale Monument

Morgens wandere ich zum Pha That Lunang, um das wichtigste, nationale Monument zu betrachten. Es sind im Tempelbereich viele festlich gekleidete Menschen zu sehen, Singvögel werden an die Gläubigen verkauft, denn mit ihrer Freilassung kann man Wünsche verbinden.
Singvögel zu kaufen

Singvögel zu kaufen

Vor dem Tempel werden besonders goldene, gelbe oder orange Gaben in himmelbettähnlichen Gestellen angeordnet.
Tempelmarkt

Tempelmarkt

Im Tempel selbst tafeln alte, honorige Mönche. Sie werden bedient von jungen Mönchen, die unter vielen Verbeugungen die Speisen arrangieren. Ich bin offenbar in das That Lunag Festival geraten, dem größten Tempelmarkt in Laos.
Nachmittags besichtigen wir in der Hoffnung auf klimatisierte Räume das laotische Nationalmuseum. Es verdient die Note „erstaunlich!“ In überhitzen Räumen gibt es verblasste Fotos mit nichtssagenden Bildunterschriften zur Kolonisierung Laos durch Frankreich, der Wiederbesetzung durch die Franzosen und die heldenhaften Führer der ruhmreichen Volksbefreiungsarmee. Dazwischen Pappmaschee-Dioramen, auf denen kaum etwas zu erkennen ist, verrostete Waffen. Weder die Leiden der Bevölkerung unter dem infernalischen US-Bombardement noch die Entwicklung nach der Etablierung der Volksrepublik 1975 werden angemessen dokumentiert. Wir kommen auch am ehrwürdigen schwarzen Stupa vorbei, einem der ältesten Bauwerke in Vientiane.
Schwarzer Stupa

Schwarzer Stupa


Patu Xay

Patu Xay

Am Spätnachmittag wandern wir zum Patu Xay, das wie eine Kopie des Arc de Triomphe in Paris wirkt, obwohl auch dieses 1962 errichtete Betonbauwerk mit buddhistischen Elementen ausgestattet ist.
Blick vom Triumphbogen

Blick vom Triumphbogen

Von oben hat man einen schönen Blick auf die davorliegenden Grünanlagen und die gesamte Stadt.
Wat Sisakhet

Wat Sisakhet

Bei Sonnenuntergang wandern wir zum Kloster Wat Si Saket, dem ältesten Tempel in Vientiane. Durch den maroden Bauzustand gibt es in den Dächern zahllose Möglichkeiten für eine Fledermauskolonie, die schon von Weitem durch die Soziallaute zu hören ist.
Kotansammlung am Fledermausquartier

Kotansammlung am Fledermausquartier

Während wir auf ausfliegende Tiere warten, kommen zwei Mönche, die sich mit mir über Detektoren und Fledermäuse unterhalten. Als es 20 Minuten vor 18.00 Uhr zum Gebet läutet, geht der eine nur sehr ungern. Er hätte gerne mal was im Detektor gehört. Schließlich fliegen einzelne große Tiere aus, die zweitaktigen Signale liegen bei 34-35 kHz.
Abends sitzen wir im Vendôme, und speisen fürstlich. Schmeckt wie in Paris, nur die laue Luft, die freundliche Bedienung und der Preis sind typisch laotisch. Als ich nach einem Bier alleine nach Hause gehe, erfahre ich allerhand Zuspruch durch Damen undefinierbaren Geschlechts. Ein diensteifriger Mann: „Tuktuk, Sir?“ „No Thank you“ „Opium, Sir?“ „No No Thank you!“ „A lady for the night, Sir?“. Eine echte Dienstleistungsgesellschaft .

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: