Reise nach Laos

Oktober 19, 2009 at 9:29 am (Uncategorized)

17. Oktober
Um 7.30 Uhr soll unser Schiff nach Thailand abfahren, wir wollen eine halbe Stunde früher da sein. Um Viertel nach Sechs winken wir ein Taxi heran. Der junge sehr unerfahrene Fahrer ignoriert unsere Zielangabe, die Ablegestelle, die wir bereits gestern in Augenschein genommen haben. Trotz unseres Protests fährt er erstmal in die falsche Richtung und berät sich erstmal mit einem anderen Fahrer. Dann, nach zweimaligem Wenden fährt er in die richtige Richtung. Am Fährhafen herrscht tiefe Nacht, eine halbe Stunde lang passiert gar nichts. Wir befürchten, den Tag verwechselt zu haben, unser Empfinden für Wochentage ist ohnehin verloren gegangen. Dann um kurz nach Sieben, steigt ein Amerikaner aus einem Taxi und bald darauf ein Reisebus mit einer übernächtigten deutschen Reisegruppe und schließlich ein paar freundlichen Thailänder. Nun wissen wir endlich, dass wir uns nicht geirrt haben. Doch es dauert noch eine ganze Zeit, bis das Fährterminal geöffnet wird, ein gutes Dutzend von Zollbeamten einmarschiert, unsere Pässe kontrolliert und das obligatorische Fiebermessen stattgefunden hat. Endlich geht’s an Bord eines kleinen schnellen Motorboots mit ca 40 bequemen Sitzplätzen unter Deck, von denen gut die Hälfte besetzt sind. Um 9 Uhr geht es dann wirklich los. Das Boot fährt erst sehr langsam stromabwärts, wobei die Wassertiefe mit langen Messstäben geprüft wird.

Auf dem Mekong

Auf dem Mekong

Der Mekong wird zunehmend schmaler und reißender und windet sich mit zahlreichen Schleifen durch die Berge Yunnans. Der Steuermann ist mit dem Fluss gut vertraut und lenkt es mit hoher Geschwindigkeit an den großen Felsbrocken vorbei, die im Flussbett herumliegen.
Steiniges Flussufer

Steiniges Flussufer

Mit Schwimmweste kann man auch das kleine Achterdeck betreten, wo man die abwechselungsreiche Partie hautnah erlebt und sich die Zeit vertreiben kann. An den Ufern tut sich kaum etwas, nur wenige kleine Siedlungen tauchen auf, keine Brücke verbindet die Ufer und nur selten begegnet uns ein Frachtschiff. Nach wenigen Stunden und vom Wasser kaum bemerkbar verlassen wir China. Am linken Flussufer liegt nun Laos, am rechten Myanmar. Beide Ufer sind sehr hügelig und bewaldet und ausgesprochen spärlich besiedelt. Auf den Sandbänken beiderseits des Stroms liegen bisweilen lange Holzboote. Manchmal spielen kleine Jungen am Flussufer, die uns freundlich zuwinken. Unter Deck kommen wir mit Santee, dem Amerikaner ins Gespräch, der seit 7 Jahren in Asien lebt und an Universitäten in China und Thailand als Lehrer gearbeitet hat und nun wieder nach Thailand reist, um eine neue Stelle zu suchen. Er ist kenntnisreich und außerordentlich gebildet. Ich führe mit ihm lange Gespräche über die beiden Relativitätstheorien, Quantenphysik und Astronomie und er ist an den Umständen unserer Tätigkeitsfelder sehr interessiert. Er empfiehlt uns eine Unterkunft in unserem Zielort Chiang Saen, obwohl er nicht sicher ist, ob er Zeit hat dort zu übernachten. Uns gegenüber sitzt eine gutmütige chinesische Frau, die etwas Englisch spricht, und die, wenn sie nicht gerade schläft, uns mit Nüssen und Früchten versorgt.
Einmal legt das Boot kurz auf der laotischen Seite an, und sogleich stürmen die kleinen Jungen heran, um zu gucken.
Neugierige Jungen

Neugierige Jungen

Zwei Crewmitglieder verhandeln mit Männern am Ufern um ein merkwürdig aussehendes Bündel, das schließlich an Bord gereicht wird. Es stellt sich als Paket zusammengeschnürter getrockneter Flughunde heraus, welchem Zweck auch immer sie dienen mögen. Man macht mir deutlich, dass Fotografieren dieser Szene unerwünscht ist, offenbar soll von diesem Handel nichts dokumentiert werden.
Ein Buendel Flughunde

Ein Buendel Flughunde

Bald darauf legt das Boot am burmesischen Ufer an. Hier geht es um eine Box, die an Bord verschwindet. „Drugs“, flüstert uns eine chinesische Passagierin, die hier nicht zum ersten Mal reist. In der Tat nähern wir uns dem berühmt-berüchtigten „goldenen Dreieck“, bis vor Kurzem dem Hauptumschlagplatz harter Drogen, bis die thailändische Regierung durch eine sehr rigide Antidrogenpolitik dem Treiben zumindest auf ihrem Hoheitsgebiet ein Ende gesetzt hat.
Abendstimmung

Abendstimmung

Schließlich, nach 10 Stunden Fahrzeit taucht am rechten Ufer Thailand auf, viel stärker besiedelt und durch religiöse Statuen und schöne Bebauung bunter wirkend, und wir erreichen, Chiang Saen. Die Kontrolle der thailändischen Beamten ist unkompliziert. Santee telefoniert ein Auto des Viang Yonok Hotels herbei, das einige Kilometer entfernt an freier Natur an einem großen See liegt. Wir kommen uns vor wie im Paradies, als wir von der gut Englisch und sogar ein wenig Deutsch sprechende Besitzerin Vassana auf das Freundlichste empfangen werden. Alle Zimmer sind in separaten Bungalows auf einer großzügigen, sehr gepflegten Gartenanlage untergebracht. Die Ausstattung der Räume lässt, gemessen an allen unseren Unterkünften auf unserer Reise keine Wünsche offen inklusive Satellitenfernsehens und Klimaanlage.
Handtuchelefanten

Handtuchelefanten

Zuerst werden wir aber zum Abendessen auf die große überdachte Hauptterrasse geladen. Außer uns Dreien ist nur noch ein Schweizer Paar anwesend. Bald sitzen wir alle um einen großen Tisch herum, lassen uns von Vassana zum Bier einladen und tauschen uns stundenlang aus. Vassana ist mit einem Engländer namens Ian verheiratet, der als erfolgreicher „Heavy Metal“-Musiker weltweit auftritt – im nächsten Jahr womöglich beim „Wacken“-Festival! Wir sehen uns ein Video von der Einweihungfeier ihres Hotels an, auf das sie zu Recht sehr stolz ist, weil sie es sich als eines von elf Geschwistern hart erarbeiten musste. Durch die Namensgebung und die Gestaltung der Mauer um das Hotel erinnert sie an die antike Stadt Yonoknarkpan des Lanna- Königreichs.
Mit Vassana und Santee

Mit Vassana und Santee


Nur auf die Chinesen ist Vassana nicht gut zu sprechen, sie hält sie für geldgierig, rastlos und allem Schönen und Wertvollem im Leben abgeneigt. Nach unserer Erfahrung ein doch zu hartes Urteil!

18. Oktober

Unser Bungalow

Unser Bungalow

Nach dem Frühstück fährt der Fahrer Santee und mich zu einer Bank in Chiang Saen, die trotz des Sonntags geöffnet hat. Ein reizendes junges Mädchen wechselt unsere übrig gebliebene chinesische Währung in thailändische Baht um und schenkt uns zum Abschied einen Müsliriegel. Von so viel Charme lasse ich mich gerne bezaubern. Inzwischen ist es so heiß geworden, dass wir die uns angebotene Radtour auf den Spätnachmittag verschieben.
Abkuehlung tut not!

Abkuehlung tut not!

Nachmittags bummeln wir ein wenig am See entlang, der ein Vogelschutzgebiet bildet.

Der Chiang Saen See

Der Chiang Saen See

Wir sehen weiße Reiher, Bülbüls und viele andere Arten, die Dorothea nicht so schnell identifizieren kann. Abends sehe ich einen großen Greif (Adler oder Geier), aber leider guckt die Expertin zu spät. Zum Hotel gehört ein kleiner Swimmingpool, der bei dieser Wärme der einzig erfrischende Aufenthaltsort ist. Zum Abendessen gibt es leckeren Fisch, der frisch im See gefangen wurde. Köchin ist Vassanas Mutter. Vassana setzt sich nach dem Essen zu uns und erzählt von der Zerstörung der Stadt Yonnok vor 1500 Jahren durch ein Erdbeben, bei der angeblich 200000 Menschen um Leben gekommen sind. Meines Wissens gab es in Nordeuropa zu dieser Zeit keine so großen Ansiedelungen!
In der Nacht Gewitter.

19. Oktober
Um sieben Uhr ein wunderbarer Lauf am Seeufer entlang. Als sich der Weg vom Seeufer entfernt, kehre ich um. Mit Google Earth stelle ich später fest, dass ich hätte weiter laufen können, da ich schon mehr als die Hälfte des Rundweges zurückgelegt habe.
Danach fahren wir mit den Fahrrädern nach Chiang Saen. Es fällt nicht leicht, uns an den Linksverkehr zu gewöhnen, und wir müssen gegenseitig erinnern, die richtige Straßenseite zu benutzen. Schließlich müssen wir für Neuseeland üben!
In und um Chiang Saen gibt es viele, oft sehr zerfallene Wats, religiöse aus Ziegeln errichtete Kultstätten, die aus Zeit des Königsreichs stammen.

Ein Wat

Ein Wat

Gut erhalten ist die breite Stadtmauer. Direkt am Mekong stehen zahlreiche Liegen, an denen Thai-Massagen angeboten werden. Wir lassen uns eine Stunde lang professionell durchkneten und ich nehme sogar eine Pediküre und Maniküre in Anspruch.
Ruine der Stadtmauer

Ruine der Stadtmauer

Wir fahren am Mekong entlang und dann im Bogen durch die Stadt zurück.
20. Oktober
Vormittags fahren wir in einem Kajak auf dem Chiang Saen See herum, der in seiner Ausdehnung dem Westensee vergleichbar ist. Auf dem See fahren einzelne, meist mit zwei Männern besetzte Boote. Einer steht in kurzen Intervallen in dem schmalen Boot auf und schleudert gekonnt ein weißes Netz in den See, das kurze Zeit darauf wieder eingeholt wird. (Am Vorabend gab es bei Vassana den frischen Seefisch gebraten zum Abendessen). Nach zwei Stunden haben wir den See weitgehend abgefahren und der Fahrer sammelt uns samt Boot wieder ein. Auf dem Rückweg schwimmt eine Herde Wasserbüffel an uns vorbei. Man sieht nur ihre Gesichter aus dem Wasser auftauchen, so dass sie fast wie Krokodile aussehen. Nachmittags wollen wir den See mit dem Fahrrad erkunden. Zu Beginn fahren wir sehr schön auf schmalen Pfaden am Ufer entlang. Dann weicht der Weg immer stärker von der Uferlinie ab und bald landen wir auf der Hauptstraße. Ich erinnere mich, dass ich bei meinem Lauf am See entlang in Sichtweise dieser Straße umgekehrt bin und so fahren wir viele Kilometer, um diese Stelle wiederzufinden und so die Umrundung des Sees abzuschließen. Doch nach vielen Fehlversuchen müssen wir aufgeben und fahren über die Straße zurück zum Hotel. Abends unterhalten wir uns lange mit einem französisch-polnischen Pärchen.

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