In Yunnans Süden

Oktober 19, 2009 at 9:04 am (Uncategorized)

4.Oktober
Um 12 Uhr bringt uns der Bus nach Shangri-la zurück. Es ist ein kleiner Bus mit wenig Beinfreiheit und bis auf den letzten Platz besetzt. Nachdem der Kontrolleur alle Karten kontrolliert hat und der Bus losgefahren ist, lässt der Busfahrer noch einmal fünf Mönche einsteigen, die offenbar umsonst mitfahren dürfen. Die meisten Mitreisenden sind junge Männer – vermutlich Wanderarbeiter- die rauchen und die ganze Zeit laute chinesische Musik hören. Dafür entschädigt uns der Blick auf die gigantischen Berge und Täler, die trotz Schauerwetter prachtvoll und etwas furchteinflößend sind.
Wir finden sofort Unterkunft in dem Hotel, in dem auch Werner und Helga logieren und machen uns gleich in die Altstadt zum Essen auf. Im „Arro Khampa“, inzwischen unserem Stammlokal werden wir von Tendol und der ganzen Truppefreudig begrüßt, denn sie hatten noch gar nicht mit unserer Rückkehr gerechnet. Helga und Werner sind überglücklich, denn früher als erwartet haben sie die Permits für ihre Tibetreise bekommen und morgen soll es losgehen. Ein tibetischer Fahrer und ein sympathischer Übersetzer sind mit dem Jeep als Lhasa angereist. Der Abend klingt mit einem Absacker im Obergeschoss von Sonnys neuem Restaurant aus, in dem eine hauptsächlich von Europäern besuchte Moonshine-Party stattfindet.

5. Oktober
Zum Frühstück sind wir von Tendol ins Kinderheim eingeladen. Zum ersten Mal seit unserer Abreise gibt es „richtigen“ Käse, was wir sehr genießen. Dann werden Helga und Werner von allen Kindern verabschiedet. Wir dürfen um 11 Uhr wiederkommen, zwischenzeitlich besorge ich die Busfahrkarten nach Lijiang für den morgigen Tag. Tendol und ihr Mann Losang, ein für seine siebzig Jahre erstaunlich rüstiger und unermüdlich tätiger freundlicher Tibeter mit Schweizer Staatsbürgerschaft, fahren uns zu dem nahegelegenen Dorf, in dem Losang geboren wurde.

Losangs Bauernhof

Losangs Bauernhof

Seine Vorfahren waren Großgrundbesitzer, und während der Kulturrevolution mussten alle fliehen. 1980 konnte sein Vater zurückkehren und den zerstörten Bauernhof wieder aufbauen. Losang hat noch einen Anbau mit unverkennbar Schweizer Charme dazugesetzt. Heute leben seine 79-jährige Schwester, deren Tochter mit Mann und Kind dort und betreiben weiterhin traditionelle Landwirtschaft. Sie haben Yakkühe, Ochsen, Schweine und Hühner sowie Feldfrüchte. Die Tochter heißt uns willkommen, und lädt uns, nachdem wir herumgeführt wurden, zu einer tibetischen Mahlzeit ein.
Kupferkessel

Kupferkessel

Es gibt salzigen Buttertee, eine Art knuspriges Fladenbrot, in Butter gekochten gesüßten tibetischen Käse, und zum Schluss „Tsampa“, das sind Klöße aus frischem Gerstenschrot, die Losang mit den Händen mit Buttertee und Käse geknetet hat. Alles ist für meine Zunge sehr fremd, aber durchaus wohlschmeckend. Tendol führt uns noch zu einer Stupa, an der kleine Kinder spielen und von wo wir einen Blick über das Dorf haben, das von einer riesigen Feuchtwiese umgeben ist, auf der die Rinder weiden. Losang erzählt uns, dass dies im Winter ein Rastplatz vieler Zugvögel, zum Beispiel Schwarzhalskraniche, ist. Zurück im Kinderheim müssen wir uns von unseren Freunden verabschieden. Aber wir hoffen, dass es kein Abschied auf immer ist!

6. Oktober
Mit dem Bus von Shangri-la nach Lijiang. Freundliche Aufnahme im Panba-Hostel.

7. Oktober
Mit dem Bus von Lijiang nach Dali. Bekommen wieder unser altes Zimmer.

8. Oktober
Wir lassen uns vom Fahrer zu einer Seilbahn in die Cang Shan Mountains fahren.

Qinbi Stream  Jade Teich

Qinbi Stream Jade Teich

Zuerst bin ich etwas missmutig über die hohen Eintrittspreise (30 RMB Eintritt für die Berge, 80 RMB für die Seilbahn), doch bald stellt sich heraus, dass ein wunderbar ausgebauter Weg, der sich über 11 km entlang des Berghangs hinschlängelt, diesen Preis voll rechtfertigt.
Seven Dragon Maiden´s Pool

Seven Dragon Maiden´s Pool

Meist im Schatten eines Pinienwaldes verlaufend, eröffnen sich immer wieder schöne Blicke auf den Er’Hai See, die Städte Dali und Xiguan und die anderen am See liegenden Ortschaften. Die Sicht ist sehr gut, wir können den ganzen See in seiner 50km nordsüdlichen Ausdehnung überblicken. Zwischendrin gibt es tiefe Einschnitte und Kerbtäler, in deren Scheitelpunkten Wasserfälle herunterstürzen.
Felsdurchbruch

Felsdurchbruch

Nach 4 Stunden gemächlichen Wandern bietet sich eine Treppe zum Abstieg anstelle einer zweiten Seilbahn an, auch diese wunderbar ausgebaut.
Wanderweg am Felshang

Wanderweg am Felshang

Der 2,5 km lange Treppenweg (leider habe ich die Stufen nicht gezählt!) führt an einer Vielzahl von Grabstätten vorbei. Die meisten sind sarkophagartig, die älteren von Vegetation überwuchert, aber auch neuere mit Blumen geschmückt. Entlang einer alten Steinmauer gelangen wir zu einem Tempel, der offenbar nicht (mehr) religiösen Zwecken dient, sondern als Kulisse für Film und Fernsehen. Irgendwo müssen die vielen Eastern ja auch gedreht werden, die uns bei jeder Busfahrt mit ihren nicht endenden Kampfszenen langweilen! Taxifahrer bieten uns laut rufend ihre Dienste an, aber wir haben inzwischen herausgekriegt, dass sie sich diese unverhältnismäßig versilbern lassen, und so laufen wir lieber, bis wir mit müden Beinen in unserm „Three Pagoda Youthhostel“ ankommen.
Blick vom Dach des Three-Pagoda-Youthhostel

Blick vom Dach des Three-Pagoda-Youthhostel

9.Oktober
Ein fauler Tag in Dali. Wir schicken zwei Pakete nach Deutschland. Die Frauen in der Pststation sind sehr hilfreich beim Ausfüllen der Formulare und helfen beim Einpacken. Medikamente dürfen nicht verschickt werden. Den dicken Karton mit Tütchen gegen Verstopfung wollen wir aber nicht mehr herumschleppen. Dorothea fragt eine Krankenschwester, wo wir sie los werden können, und wir werden an ein Hospital in der Nähe verwiesen. Wir sprechen einen jungen Arzt an, der mit Hilfe seines Internethandys heraus zu finden versucht, um welches Medikament es sich handelt. In einer Station wird es uns abgenommen und wir bekommen als Dankeschön zwei Sticker einer Anti-Aids-Kampagne. Im „Sister’s Café“, wo wir leckere Applepie mit Eiskrem essen, warnt uns die Bedienung, als ich nach der Toilette fragen „No poupou, please!“

10. Oktober
Morgens wandern wir entlang einer im Bau befindlichen Magistrale, die sich in Verlängerung der „Three Pagoda“-Tempelanlage Richtung Er’hai-See erstreckt, nach Dali. Dort entstehen Hunderte buddhistischer Stelen, jede Einzelne in mühevoller Steinmetzarbeit hergestellt, und zwei große Tore, ein großes aus Holz in Tempelbauweise, davor eines aus Stein, welches wie alle anderen den Blick auf das folgende Bauwerk erst dann freigibt, wenn man daran vorbei ist. Es ist schon erstaunlich, wie viel Aufwand die Regierung in die Wiederherstellung religiöser Bauten steckt, nachdem sie während der Kulturrevolution zerstört oder zweckentfremdet wurden. An beiden Seiten der neuen Straße intensive Landwirtschaft ohne Maschineneinsatz mit schwerem körperlichem Einsatz. Uns begegnet eine kleine alte Frau, die in gebückter Haltung ein Bündel abgeernteter Pflanzenstängel mit Hilfe eines Kopfbandes schleppt, das sicher ihr eigenes Körpergewicht überschreitet.
Am anderen Ende der Straße ein unbewohntes Neubaugebiet mit leerstehenden Läden und Wohnhäusern, in der Mitte ein kolossales Bauwerk im Rohbau, an dem Schilder auf eine „Internationale Photoausstellung 2009“ hinweisen, die ganz sicher in diesem Jahr nicht stattfinden wird.
In Dali nehmen wir unser Frühstück im einem Straßencafé in der „Peoples Road“ ein, wo eine alte zerschlissene Bettlerin, eine alte Frau, die gestickte Täschchen verkauft, so wie ein Mann, der Touren in die Umgebung anbietet, auf ihr Publikum warten. Zu uns setzt sich ein Holländer, den wir zuvor schon zweimal kurz getroffen haben. Er hat Jahre zuvor in einem tibetischen NGO-Projekt als Lehrer gearbeitet. Jetzt hat er eine Bar in Chengdu und macht ein paar Wochen Urlaub in Dali. Er hat einen tiefen Einblick in die chinesische Lebensweise bekommen und vermittelt uns viele neue Sichtweisen. So dass das Prinzip „Leben und leben lassen“ im öffentlichen Leben gilt. So werden Rauschgiftkonsum und andere offiziell verbotenen Tätigkeiten toleriert, so lange man nicht die Interessen der Einflussreichen tangiert. Etwas schockierend ist für uns seine Erfahrung mit Tibetern, denen er eine antidemokratische, am theokratischen System orientierte Grundhaltung attestiert. An seiner Schule arbeitete nur ein chinesischer Lehrer, der von seinen Schülern geliebt wurde, weil er sich für die Bildung aller engagierte. Alle anderen Lehrer waren tibetische Mönche, die außer Mathematik nur das rituelle gemeinsame Beten unterrichten. Da wurde heftig mit dem Stock geprügelt, wenn einer nicht laut genug den Sprechgesang mitmachte. Außerdem hätten sie sich geweigert, Mädchen zu unterrichten, weil diese in der tibetischen Gesellschaft kein Recht auf Bildung besäßen. Offenbar ist auch der Tibetkonflikt eine Medaille, von der nur eine schmutzige Seite von den westlichen Medien wahrgenommen wird.
Nachmittags wandern wir noch einmal die Straßen empor, die von Dali Old Town aus zu den Kanghan Mountains führen. Auf kurzer Strecke geht die städtische Besiedelung in eine dörfliche über, die durch Feldbau gekennzeichnet ist. So endet unser Weg auf einem schlammigen Ackerpfad. Unversehens stehen wir vor einem Häuschen, in dem die 30 RMB einkassiert werden sollen, die der Eintritt in die Mountains kostet. Kaum vorstellbar, dass überhaupt jemand auf diesem unzugänglichen Weg Einlass begehrt! Wir jedenfalls wollen dies auch nicht und gehen einen anderen Weg. Plötzlich befinden wir uns zu unserem Schreck auf Militärgelände! Mit mulmigem Gefühl gehen wir zu einem Schlagbaum, an dem ein junger Soldat Wache schiebt. Er indes erhebt sich, salutiert und öffnet die Schranke für uns und lächelt, als wir ihm „Ni hao“ wünschen!
Es gelingt uns mit etwas Mühe, einen Gebirgsbach auf einer Mauer zu überqueren und zu unserem Hostel zurück zu kehren, ohne noch einmal auf die Hauptstraße zurück zu müssen. Um 4 Uhr lassen wir uns von einem Fahrer mit unserem Gepäck ins Zentrum bringen, um die Weiterreise anzutreten. Wir können unser Gepäck im Ticketbüro abstellen, noch eine Mahlzeit zu uns nehmen, bevor uns ein anderes Auto zu der Haltestelle bringt, an der um 6 Uhr der Nachtbus nach Jinghong abgeht.

Nachtbus nach Jinghong

Nachtbus nach Jinghong

Hier gibt es keine Sitze, sondern drei Reihen von Doppelstockliegen, auf denen wir uns mehr oder minder ausstrecken können. Da wir uns auf den hintersten Plätzen befinden, schaukelt der Bus selbst auf ebener Strecke mächtig. Es gibt keine Toilette an Bord, aber bei Einbruch der Dunkelheit gibt es einen Halt. Hier lernen wir Kerstin, eine junge Frau aus Stuttgart kennen. Danach gestaltet sich die Reise ziemlich dramatisch, als der Bus die Autobahn nach Kunming verlässt und einen kurvigen oftmals nur geschotterten Weg durch die Berge entlangfährt. Wir werden mächtig durchgeschüttelt, und an Schlaf ist nicht zu denken. Ab und zu hält der Bus für kurze Zeit und um drei Uhr morgens macht er sogar eine einstündige Pause. Danach bessert sich die Wegstrecke ein wenig, so dass wir doch ein bisschen Schlaf bekommen. Irgendwann überqueren wir den Wendekreis des Krebses. Nun sind wir erstmals in den Tropen! Um 8 Uhr morgens kommen wir am Fernbusbahnhof von Jinghong an.

11. Oktober
Zu Fuß erreichen wir unser neues Hostel, das Banna College Hotel, das im Eingangsbereich der örtlichen Universität liegt. Pausenlos strömen Studentinnen und Studenten in lockerer westlicher Kleider in beiden Richtungen vorbei, fast alle mit ein paar Mappen unterm Arm, wirklich eilig hat es niemand. Die Unterkunft ist mit 60 RMB unsere bislang billigste, aber durchaus gut ausgestattet. Zu dritt machen wir uns auf die Suche nach einem der im „Lonely Planet“ beschriebenen Cafés, aber der Plan stimmt nicht mehr.

Tropisches Jinghong

Tropisches Jinghong

Die Innenstadt ist sehr belebt und verkehrsreich, die Straßen sind palmengesäumt. Die Häuser sind in einem ganz anderen Stil als im nördlichen Yunnan gebaut und geben der Stadt ein exotisches Flair. Auch fällt uns auf, dass es auf den Schildern außer den chinesischen ganz andere, gerundete gibt, die der Thaischrift ähneln, aber weil das Englische fehlt, helfen sie uns nicht wirklich bei der Orientierung. Mittlerer Weile ist die Sonne herausgekommen und ohne Schatten ist es kaum auszuhalten. In einem Cafeé, in dem es keinen Kaffee gibt, bekommen wir ein Reisgericht zum Frühstück. Ohne dass wir richtig fündig werden, brechen wir unsere Erkundung erstmal ab und machen eine Mittagspause. Danach hat Kerstin schon alles Wesentliche herausgefunden. Wir bummeln herunter zum Mekongufer, der hier schon eine beachtliche Breite hat.
Neue Bruecke ueber den Mekong

Neue Bruecke ueber den Mekong

Die Uferpromenade ist sehr üppig ausgebaut. Wir schauen einigen Kindern zu, die in der starken Strömung schwimmen. Auf dem Rückweg kommen wir durch eine Parkanlage und ein enges Wohnviertel zum „Mekongcafé“, das von einem verwegen aussehenden Franzosen namens Greg geleitet wird. Er ist Sohn eines bretonischen Vaters und einer galizischen Mutter, spricht viele Sprachen, ist viel in der Welt herumgekommen und hat sich seit einigen Jahren hier in Xishuabanna niedergelassen, eine Chinesin geheiratet, mit der er einen süßen sechs Monate alten Sohn hat. Nach dem Abendessen mieten wir für den nächsten Tag Mountainbikes, mit denen wir einen Wasserfall in der Umgebung erkunden wollen.

12. Oktober
Leider ist Dorothea am nächsten Morgen nicht gut zuwege, so dass Kerstin und ich uns alleine auf den Weg machen. Nach Westen verlassen wir die Stadt, ausgestattet mit einer viel zu großmaßstäbigen Karte. Abrupt reißt das Verkehrsgetümmel ab und wir sind auf dem Land. Da wir uns unseres Weges überhaupt nicht sicher sind, fragen wir fast jeden uns begegnenden Menschen nach „Mandiang“, was meistens einen wortreichen Vortrag mit wenigen vagen Armbewegungen auslöst. Immerhin merken wir, dass wir uns gleich verfahren haben und erst nach einem Umweg über einen Autobahn-Neubau auf die richtige Straße kommen, auf deren glatten Betonpflaster wir gut vorankommen. Bei einem Straßenhändler kaufen wir eine große Ananas, die er gleich mit dem Messer in mundgerechte Stücke zerlegt. Wenig später entweicht plötzlich mit lautem Zischen die Luft aus meinem Hinterreifen. Zum Glück sind wir gerade in einem Dorf, wo man uns nur ein kleines Stück zurück zu einer Motorradwerkstatt schickt. Der Chef flickt den Schlauch sofort und lehnt jede Bezahlung ab. Wo gäbe es das bei uns? Einige Kilometer weiter endet die gepflasterte Strecke. An einer Baustelle hat sich ein Stau gebildet, weil die Strecke durch Baufahrzeuge blockiert ist. Alle Auto- und Motorradfahrer warten geduldig, bis die Sperrung aufgehoben wird. Zeit spielt offensichtlich hier nicht so eine große Rolle. Der Schotterweg steigt nur steiler an und wird hauptsächlich von Motorrädern befahren, die den Personen- und Lastenverkehr zwischen den Dörfern bewerkstelligen. Immer wieder fragen wir nach dem richtigen Weg, trotzdem landen wir schließlich auf einer extrem steilen und steinigen Piste, auf der wir nur noch schiebend vorankommen. Dort leben einige armselig wirkende Familien, deren Erwerb aus dem Anzapfen der Baumrinden rekrutiert. Den gewonnenen Naturkautschuk füllen sie in prall gefüllten Säcken ab. Unsere Frage nach dem Weg wird mit Kopfschütteln und dem Fingerzeig nach unten beantwortet. Schweren Herzens kehren wir um, denn der steile Aufstieg in der Hitze hat eine Menge Kraft gekostet. Wir überlegen hin und her, ob wir besser umkehren sollten, denn wir sind bereits gute vier Stunden unterwegs. Unten angekommen, fragen wir eine sehr freundliche Kioskbesitzerin, wie weit es noch ist, und sie deutet mit den Fingern an, dass es nur noch 5 km sind. Das gibt uns Hoffnung, unser Tagesziel doch noch zu erreichen. Der Weg führt nun steil abwärts, ist jedoch so holprig, dass wir stark bremsen müssen. Doch nach der angegebenen Strecke taucht tatsächlich ein Dorf auf und ein Schild fordert „Foreigners“ auf, sich registrieren zu lassen. Es dauert eine Weile, bis ein junger Chinese in Felduniform auftaucht. Er zeigt uns einen Zettel, der auf Englisch einige Fragen stellt, ob wir etwas zu essen haben wollen, ob wir uns mit dem Auto nach Jinghong zurück bringen lassen wollen (für 150 RMB!), übernachten wollen oder eine Führung zum Wasserfall haben wollen. Sie soll 3 Stunden dauern. Das müsste reichen, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein. Er setzt sich seine Volksarmeekappe auf und führt uns an Ackerrändern und abgeernteten Reisfeldern vorbei zu einem Bächlein, an dessen Rand sich der unwegsame Pfad zum Wasserfall entlang windet.

Aufstieg in den Regenwald

Aufstieg in den Regenwald

Im Regenwald herrscht feuchte Wärme, Trotz Sonnenscheins regnet es leicht, und es ist so glatt, dass ich mit meinen Sandalen mehrfach ausrutsche. Bald merken wir, wozu er seine Machete mitgenommen haben, denn zweimal springt er selbst erschrocken zur Seite und deutet auf eine armdicke, aber recht kurze Schlange, die eilig im Unterholz entschwindet. Wir sehen fantastisch farbenprächtige große Schmetterlingen und wundern uns über die Baumriesen, bei denen allein der Wurzelbereich uns deutlich überragt, und deren Kronen sich scheinbar in den Himmel strecken.
Kerstin

Kerstin

Als wir beim Wasserfall ankommen (nicht gerade spektakulär, wie wir angesichts des Bächleins schon vermuteten), sind wir triefnass von Schweiß und so verdreckt und schlammbedeckt, dass es den Neid aller deutschen Geländewagenfahrer hervorrufen würde! Auf dem Rückweg treffen wir auf einige einheimische Wanderer, die erfolglos versucht haben, auf Schlapplatschen hoch zu steigen. Plötzlich helle Aufregung. Einer hat mit der Machete eine kleine daumendicke Schlange halbiert, deren Größe und grüne Farbe vermuten lässt, dass es sich um eine extrem giftige Viper handeln könnte. Als wir wieder bei unseren Fahrrädern ankommen, ist es drei Uhr. Zunächst müssen wir uns den steilen Berg hoch quälen, was in der heißen Nachmittagssonne kein Vergnügen ist. Doch sobald wir wieder bei der freundlichen Kioskfrau vorbei sind, geht es nur noch bergab! Wegen der Unebenheiten müssen wir viel bremsen. Vom viel zu starken Festhalten an der Lenkstange schmerzt mir bald der Schultergürtel, bis ich entdecke, dass man sie nur leicht in der Handfläche führen und ihr Rütteln nicht mit den Armen aufzufangen braucht. Nun geht es leichter, und wir werden mutiger und lassen die wirklich guten Mountain Bikes mit halsbrecherischem Tempo über die Steine hüpfen. Tatsächlich brauchen wir für die Rückfahrt nur zwei Stunden und wundern uns, wie wir den langen Aufstieg trotz Umwegen geschafft haben. Ganz schön kaputt aber zufrieden kommen wir ins Hostel zurück und genießen eine kalte Dusche und ein noch kälteres Bier! Abends lädt uns Kerstin in ein Thai-Restaurant ein. Leider ist es nicht das im „Lonely Planet“ angepriesene, denn es hat keine englische Speisekarte und zumindest Dorothea hat Pech mit ihrer Wahl. Meine Fischsuppe ist lecker gewürzt, enthält aber einige Blättchen, deren Schärfe mit den Atem verschlägt und mich für einige Minuten kampfunfähig macht! Aber Kerstins Essen ist lecker, und da wir ohnehin brüder- (bzw schwester-)lich teilen, werden alle satt.

13. Oktober
Am frühen Morgen gehen heftige Schauer nieder und die Luft ist angenehm kühl. Heute ist Ausruhen angesagt! Wir schlafen lange und verfrühstücken Kerstins aus Deutschland mitgebrachtes Müsli.

Botanischer Garten

Botanischer Garten

Dann besuchen wir den nahegelegenen tropischen Garten, eine große Fläche mit großen Teichen und vielen gepflegten Gärten, deren exotische Pflanzen auch mit ihren lateinischen Namen ausgezeichnet sind mit englischen Texten erklärt werden.
Umwurzelter Baum

Umwurzelter Baum

Mittags landen wir in einem chinesischen Restaurant mit gutem Essen, aber leider viel zu großen Portionen.
Palmenblatt

Palmenblatt

Auf einem Markt erstehen wir etliche tropische Früchte, die wir zum Teil weder mit Namen kennen noch schon mal gegessen haben. Aber alles lecker. Nach dem Abendessen im Mekongcafé, wobei uns Greg seine chinesische Frau und sein Baby vorstellt, verabschieden wir uns von Kerstin, die mit dem Nachtbus (hoffentlich ein bequemerer als auf der Herfahrt) nach Kunming fährt und dann weiter nach Schanghai fliegt.

14. Oktober
Heute planen wir unsere Weiterreise! In knapp drei Wochen beginnt unser Gibbon-Experience. Wir können mit dem Schiff nach dem thailändischen Chiang Saen reisen und von da aus mit dem Bus nach Chiang Khong und über die Freundschaftsbrücke in das auf der laotischen Seite liegende Houayxai, wo unsere Exkursion beginnt. Da wir die verbleibende Zeit gut für einen Ausflug über das ebenfalls auf dem Wasserweg erreichbare Nam Tha nutzen können, und an einer der bekannten Eco-Exkursionen teilnehmen, beschließen wir, schon am kommenden Samstag an Bord zu gehen. Die Schifftickets bekommen wir problemlos bei Greg. Außerdem machen wir unsere Weihnachtsüberraschung für die Daheimgebliebenen fest, aber verraten wird natürlich nichts.

15.Oktober
Wieder haben wir für den heutigen Tag Fahrräder geliehen, mit denen wir Dörfer in der Umgebung erkunden wollen.

Symmetrie in der Natur

Symmetrie in der Natur

Leider ist unser Stadtplan mehrfach falsch und der Umgebungsplan viel zu ungenau ist. So landen wir auf der Ausfallstraße zum Flughafen. Unser Abstecher zu den „Dörfern“ endet rasch im Stadtrand. Stattdessen besichtigen wir nun den Manlingpark, der sich als Kleinod erweist.
Haupttempel im Manting Park

Haupttempel im Manting Park

Wir betreten ihn von der Südostseite her, sparen dadurch das Eintrittsgeld und stehen zuerst vor der Baustelle eines mit einem Palmwedeldach bedeckten steinernen Tempels.
Manting Park Brunnen

Manting Park Brunnen

Er gehört zu einem buddhistischen Kloster, dessen wenige Mönche auch mit handwerklichen Aufgaben gefasst sind. Einer sägt große Holzbauteile mit einer fußbetriebenen Stichsäge aus, andere bearbeiten die Ornamente mit Stechbeiteln oder übernehmen den Feinschliff mit elektrischen Schleifmaschinen. Ein offener aber ungenutzter Raum enthält einen 11m langen Tisch, dessen Platte aus einem einzigen gut 10cm dicken Holzbrett gefertigt ist.
Ein Riesentisch

Ein Riesentisch

Außerdem befindet sich hier eine Sitzgruppe aus Tisch, Bank und Sesseln, alles kunstvoll aus dunklem Holz geschnitzt. Tiefer im Park, oft hinter großen Palmen verborgen, entdecken wir eine prachtvolle schneeweiße Stupa,
Weisse Pagode

Weisse Pagode

Oktagonaler Pavillon

Oktagonaler Pavillon

einen oktagonalen Pavillon, der als Dokument der Dai-Baukunst wiedererrichtet wurde und als Bibliothek genutzt wurde und weitere religiöse Bauten wie die Statue eines jungen Mannes, der seine Hand in ein Wasserbecken taucht, das Ganze bewacht von grässlich wirkenden Drachen.
Schlange frißt Drachen

Schlange frißt Drachen

Beim Weiterfahren wandelt sich plötzlich das Stadtbild zu dörflichem Charakter. Entlang der Straße stehen offene Pfahlbauten. Darinnen sieht man Menschen in tiefer Mittagsruhe.

16.Oktober
Wenig erfolgreicher Ausflug mit den Fahrrädern auf das andere Mekongufer. Wir wollten zu den Daidörfern, landen aber im Nirwana, weil die Karte nicht ausreicht.

dörfliche Dai-Architektur

dörfliche Dai-Architektur

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2 Kommentare

  1. 12a said,

    Lieber Herr Barre!
    Wir hoffen es geht Ihnen gut, Sie erleben ja viele tolle Dinge, wie man an den wunderschönen Bildern erkennen kann! Wir (12a) hoffen, Sie bald gesund wieder zu bekommen! Physik ohne Barre ist wie lernen ohne Schokolade!!!!!!=) Liebe Grüße nach wo auch immer Sie gerade sind! Ihre 12a

    • barreoptuur said,

      Liebe 12a, danke für Ihren lieben Gruß! Wenn man so lange op Tuur ist, fragt man sich manchmal, ob man das Unterrichten nicht zwischenzeitlich vergessen hat. Da tut Ihr Kommentar richtig gut, und ich freue mich auf das nächste Jahr mit Ihnen! Erstmal schöne Ferien und einen guten Start ins Neue Jahr,
      Ihr Axel Barre

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