In Yunnans Norden

Oktober 18, 2009 at 7:03 am (Uncategorized)

17. September
Heute fahren wir weiter nach Dali. Am Fernbusbahnhof werden wir von unerwünschten Helfern bedrängt, dabei sind wir doch schon so reisefit, dass wir selbst unsere Fahrkarte kaufen und den richtigen Bus finden, der uns auf der Autobahn nach Xiguan bringt, wie die Neustadt von Dali heißt. Ein hilfsbereiter Mitfahrer hilft uns, den Stadtbus zur Altstadt zu finden, und ruft für uns in der gebuchten Unterkunft an. Dort fahren wir am „Old Dali Inn“ vorbei, aber die Busbegleiterin weist uns freundlich an, im Bus zu bleiben. An der Endhaltestelle dürfen wir aussteigen und da wartet tatsächlich ein Auto mit einem freundlichen jungen Mädchen auf uns. Allerdings fährt sie nicht zurück, sondern bringt uns in die 3 Pagoden Jugendherberge etwa 10 Fußminuten außerhalb der Altstadt. Zuerst befürchtet wir, verschaukelt worden zu sein, doch die Jh bietet echten Hotelservice und ist total ruhig und idyllisch gelegen, was wir nach den turbulent lauten Nächten im „Hump“ sehr begrüßen. Schon bald gehen wir in die Altstadt, in der sich Marmorwerkstadt an Marmorwerkstadt reiht.

Marmorbilder

Marmorbilder

Was sich alles aus Marmor herstellen lässt! Besonders beliebt sind Marmorbilder, gerahmte Motive aus dünn geschnitten Marmorplatten.
Mannshohe Vasen in Dali

Mannshohe Vasen in Dali

Es stellt sich heraus, dass unsere ursprünglich gebuchte Unterkunft gar nicht mehr existiert und dass die Jugendherberge der Nachfolger ist. Welch Glück, alleine wären wir nie darauf gekommen. Wir finden ein europäisch angehauchtes Restaurant mit nettem Flair und gutem Essen. Die nächste Querstraße heißt „foreigner avenue“ und hier ist man in einer Glitzerwelt mit Open Air Restaurants im Tempellook, wirklich sehr hübsch, aber natürlich der pure Kommerz, erst recht in der Fuxing Lu, der Hauptgeschäftsstraße, die sich über 3 Kilometer vom Nordtor zum Südtor erstreckt.
Wuhuatempel

Wuhuatempel

Mittendrin liegt das Wuhua-Building, ein prachtvoller Tempelneubau mit wunderschönen Holzschnitzereien auf drei Ebenen, die man besichtigen kann.
Schnitzereien am Wuhuatempel

Schnitzereien am Wuhuatempel

Dass es in Dali auch normale Menschen gibt, merken wir erst auf dem Nachhauseweg, der uns durch ein Wohngebiet führt, in dem man von der Straße direkt in die offenen Wohnbereiche schaut.
Dali ist eigentlich nur in zwei sich kreuzenden Straßen sehr touristisch, in allen anderen Gassen spielt sich ein beschauliches Straßenleben ab.
Ein Gemüsemarkt

Ein Gemüsemarkt

Ich vermute auch, dass es sich um eine wohlhabende Gegend handelt, denn alle Häuser sind aufwändig verziert. Auch gibt es keine Bettler auf den Straßen.

18. September
Nach dem chinesischen Frühstück (Hefekloß, Reis, immerhin ein Kaffe aus dem Automaten) machen wir uns auf zu den drei Pagoden, nach dem unsere Jugendherberge benannt ist.

Die drei Pagoden spiegeln sich in einem Teich

Die drei Pagoden spiegeln sich in einem Teich

Nach langem Suchen nach dem Eingang sind wir etwas geschockt vom Eintritt (121 Y), stellen aber fest, dass er sich nicht nur auf die Pagoden, sondern auf eine riesige Tempelanlage dahinter bezieht. Die Pagoden selbst sind ein Wunder, im 7. Jahrhundert erbaut, haben sie viele Kriege und einige Erdbeben überdauert im Gegensatz zu der Tempelanlage, die wohl ganz neu und mit gewaltigem Aufwand wiedererrichtet wurde.
Der Chongsheng Tempel

Der Chongsheng Tempel

Die Tempel liegen in einer wunderschön gestalteten Umgebung wie dem „See, um sich an Bilder wieder zu erinnern“, in dem sich die Pagoden spiegeln. Die buddhistischen Tempel sind in Ebenen angeordnet.
Einer der Tempel bei den drei Pagoden

Einer der Tempel bei den drei Pagoden

Immer wenn man meint, die letzte erklommen zu haben, tut sich dahinter eine neue auf, bis man endlich nach unzähligen Treppen vor dem letzten Tempel mit der Statue des zur Erleuchtung gelangten Buddha angekommen ist. Davor liegt ein Brunnen mit Skulpturen von neun badenden Drachen, hinter dem das Leben des Buddha auf Reliefszenen dargestellt ist.
Brunnenrelief

Brunnenrelief

Den letzten und am Höchsten gelegenen Turm kann man besteigen und hat einen prachtvollen Blick auf den Er’Hai-See, an dessen Ufern Dali und Xiguan liegen.
wir kurz vor der Erleuchtung

wir kurz vor der Erleuchtung


Nach einem Mittagsschläfchen gönnen wir uns beide in Dali eine Fußmassage. Das von einer Frau geleitete Geschäft hat mehrere kaum zwanzigjährige Masseure angestellt. Wir dürfen aus einer Reihe von Massageangeboten auswählen, die sich aber wohl nur in der zum Fußbad zugesetzten Essenz unterscheiden, in dem unsere Füße zunächst eingeweicht werden. Dann geht es los mit einer Rücken-, Hals- und Kopfmassage. Dann kommen sie richtig zur Sache, erst mit den Unterschenkeln und den Füßen. Eine geschlagene Stunde lang werden alle Knöchelchen und Sehnen bearbeitet, teilweise etwas schmerzhaft, aber insgesamt sehr wohltuend und entspannend. Solchermaßen erholt, trinken wir Kaffee und essen leckere Apfelpastete. Bis zum Dunkelwerden spazieren wir durch die Gassen bis zum Osttor. Beim Zurückkommen entgehen wir knapp einem leichten Gewitter. Abends planen wir unsere weitere Tour und melden uns für das Gibbon Experience in Laos an, von dem uns die beiden deutschen Frauen am Baikalsee so begeistert erzählt haben.

19. September
Heute leihen wir uns Fahrräder, um eine kleine Tour zum Er’hai-See zu machen. Unseren ersten Versuch mit einem Tandem brechen wir ab, denn wir sind zu wackelig und die Bremsen zu schlecht. Aber mit Mountainbikes kommen wir gut voran. Nachdem wir Dali an der Nordseite passiert haben, kommen wir an Feldern vorbei, auf denen die Reisernte voll im Gange ist.

Reisernte

Reisernte

Die geernteten Büschel werden mit einfachen Maschinen gedroschen. Die Reiskörner werden auf der Straße zum Trocknen ausgebreitet und zertreten, wohl um die Spelzen abzutrennen. Fast alles wird mit der Hand und überwiegend von Frauen gemacht. Sie schleppen große Bündel, tragen Erntegeräte und ziehen hochbeladene Wagen, nur selten begegnet uns ein uralter Traktor.
Erhai Hu Hafenzugang

Erhai Hu Hafenzugang

Der Er’hai-See ist ca. 40 km lang und 4 bis 8 km breit, aufgrund des heftigen Ostwinds herrscht kräftiger Wellengang. Viele Bäume stehen im Wasser, es ist wohl ein besonders hoher Wasserstand.
Der Er'hai See

Der Er'hai See


Am Seeufer tritt eine junge Frau auf uns zu und bittet uns, ein Foto von ihr zu machen.
Autor mit Hut am Er'hai Lu

Autor mit Hut am Er'hai Lu

Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie Indonesierin ist mit amerikanischer Mutter und chinastämmigem Vater. Sie heißt Rebecca und arbeitet in Peking als Englischlehrerin, um gleichzeitig Mandarin an der Uni zu studieren. Wir vereinbaren, die Radtour gemeinsam fortzusetzen. Doch leider stellt sich heraus, dass in der Zwischenzeit ihr Fahrradreifen von bösen Buben zerstochen wurde. Ein Chinese bietet ihr an, ihr Fahrrad per Pferdewagen zurück zu transportieren, und so fahren wir alleine durch ein pittoreskes Dorf und eine Landstraße nach Dali zurück. Wir trinken einen Saft in einem kleinen Café, dessen junge Besitzerin Liz sich freundlich mit uns unterhält und uns ihre sechs Hundebabies zeigt. Ein Holländer, den wir vorgestern schon im Restaurant sahen, spricht uns auf Deutsch an. Er lebt in Chengdu und hat dort eine Bar, obwohl er ursprünglich nur ein Freiwilligenjahr absolvieren wollte. Er empfiehlt uns, ein paar Tage nach Shuanglang, einem Dorf auf dem Westufer zu reisen, wo es sehr idyllisch sein soll. Schaun mir mal!
Dann suchen wir ein Restaurant und treffen – Rebecca, inzwischen mit repariertem Fahrrad. Gemeinsam essen wir in einem netten Restaurant und kommen so richtig ins Plaudern,
Rebecca

Rebecca

wobei sie sich als sehr gebildete junge Dame mit amerikanischem Highschoolabschluss erweist. Sie schwärmt von deutschem Kaffee und Kuchen, den sie in München kennengelernt hat. Sie erzählt uns von Indonesien, der politischen und sozialen Situation dort, von China und den USA und wir sind erstaunt über ihren Kenntnisreichtum. Und jetzt kommt’s: Sie ist Läuferin und plant, am 6. Dezember am Angkor Wat- Halbmarathon in Kambodscha rund um die weltweit größte Tempelanlage teilzunehmen. Das passt hervorragend zu unseren Reiseplänen, und wir haben beschlossen, zusammen zu laufen. Wär doch der Hammer, wenn das klappt!!

20.September
Nach dem Aufstehen jogge ich seit Langem zu ersten Mal ein Stündchen – der Halbmarathon will vorbereitet sein. Es geht überraschend gut, leider muss ich viele Abgase einatmen.
Heute werden wir von einem unfreundlichen Fahrer in die kühlen Berge der Cangshan Mountains gebracht, die sich als bis 4000m hoher Gebirgszug entlang des Er’hai-Sees erstrecken. Wir wandern zu einem Wasserfall vom Peach Stream, zu dem ein malerischer einsamer Weg führt.

Am Peachstream

Am Peachstream

Wasserfall

Wasserfall

Danach laufen wir in die Altstadt von Dali, um nett was zu essen. Unterwegs kommen wir an unzähligen Gruben und Kuhlen vorbei, wo Männer per Hand den Boden abtragen, den sie dann in Schalen wegtragen. Sie suchen nach Marmorsteinen, aus denen sie hauchdünne (3 -12 mm) Bilder fabrizieren. Die Marmorierung ist die Landschaft in die dann weitere Landschaft gemalt wird – schön aber für die Weiterreise zu schwer!
Die Menschen hier vom Stamme der Bai tragen – offenbar für die Touries – schöne bunte Kleider, sogar die Klofrauen sitzen in Tracht im Häuschen.
Markt trotz Großbaustelle

Markt trotz Großbaustelle

Die Bäuerinnen auf dem Markt sehen normalerweise immer toll aus. Schmale, dunkle Gesichter, schwarze Tücher etwas turmartig um den Kopf, sehr bunte, gestickte Kleidung, schwerer Silberschmuck. Die Frauen haben ihre Utensilien in der Bluse am Busen über dem Gürtel.
Die Babies und Kleinkinder sind mit gestreckten Beinen senkrecht auf den Rücken gebunden. Ich habe Mütter gesehen, die in einer Garküche nachts essen und über dem Popo gucken kleine Füße raus, der Kopf des Kindes ist mit einem Tuch abgedeckt. Sie schlafen, wenn Mutter isst.
Abends gehe ich noch mal in die Stadt und versacke ein wenig in der Prajna Bar bei drei Captain Morgans. Dafür nette Gespräche mit Liz, der chinesischen Inhaberin.

21. September
Den ganzen Morgen regnet es Bindfäden und es ist viel kühler geworden. Erst mittags begeben wir uns in die Old Town und essen lecker zu Mittag (Chicken with green papaya). Abends nutze ich die kühle Luft zu einem Lauf bis zum Südtor.

Auf der Stadtmauer

Auf der Stadtmauer

Abends nehmen wir am gemeinsamen Essen im Hostel teil. Es schmeckt ausnehmend gut.

22. September
Um 8.30 Uhr lassen wir uns vom Fahrer zur Bushaltestelle bringen und besteigen den sehr komfortablen Expressbus nach Lijiang. Auf der schmalen Straße sind viel langsame Gefährte unterwegs, die der Busfahrer ziemlich mutig überholt. Entlang der Straße sind viele Menschen auf den Feldern tätig. Die Reisernte ist voll im Gange, die meisten Flächen sind bereits abgeerntet. Auch Tabak wird geerntet und auf hochbeladenen Handkarren zu den Dörfern geschleppt. Alles macht einen sehr beschaulichen und pittoresken Eindruck, aber es ist mit endloser Schinderei verbunden. Ein Bauer pflügt seinen Acker mit einem vorsintflutlichen Holzpflug, der von einem Wasserbüffel gezogen wird. Die Fahrt geht über einen 3000m hohen Pass, der trotz der Höhe bewaldet ist. Erst weiter nördlich zeigt sich nackter Fels. Nach drei Stunden kommen wir in Lijiang an. Gemeinsam mit Judy, einer älteren kreglen, alleinreisenden Australierin lassen wir uns von einem Taxi zu unserer Unterkunft bringen, dem Panba Hostel, das sehr ruhig in der Altstadt gelegen ist.

Dachterrasse des Panba-Hostels

Dachterrasse des Panba-Hostels

Unser Zimmer ist wiederum sehr schön. Wir haben einen kleinen Dachbalkon mit einem schönen Ausblick über die Dächer auf die gegenüberliegenden Gebirgszüge. Der Hunger treibt uns in ein Gasthaus, wo Dorothea Käsepfannkuchen und ich eine Gemüse-Fleischpfanne serviert bekommen.
Restaurant in Lijiang

Restaurant in Lijiang

Nach einer Mittagspause begeben wir uns in die berühmte und sehr belebte Altstadt mit vielen Gässchen mit buntem Kopfsteinpflaster, kleinen Bächen und hübschen laubüberwachsenen Häusern. Wirklich ein sehr malerischer Ort, der hier im Zentrum natürlich extrem touristisch ausgerichtet ist. Geschäfte mit Schmuck und bunten Kleidungsstücken wechseln mit Fressständen und Kunsthandwerkerwerkstätten ab.
Der Marktplatz in  Lijiang

Der Marktplatz in Lijiang

Auf dem kleinen Marktplatz führen Naxi-Frauen Volkstänze auf, wobei der schlechte Lautsprecher wohl kaum die Qualität der berühmten wiedergibt. Über enge Treppen steigen wir auf eine Anhöhe, von der wir wieder einen traumhaften Blick auf die Stadt und die Berge haben. Abends lassen wir uns von jungen Mädchen in ein typisches Naxi-Restaurant entführen, das Essen (Hühnchen mit Gemüse und Zwiebeln, dazu fast rohe Bratkartoffeln) ist ziemlich ölig, aber trotzdem lecker. Den Abend lassen wir mit einer Flasche Yunnan-Rotwein (sehr leicht und süß, eher wie Fruchtwein schmeckend) ausklingen.

23. September
Wir sind wegen der schlechten Wettervorhersage etwas unsicher, ob wir weiterreisen sollen oder nicht. Aber offenbar hat das Wetter die Vorhersage nicht gelesen, jedenfalls wird es warm und trocken. Mittags besuchen wir den „Schwarzer Drachen Teich Park“, eine wunderschönen Anlage an einer großen Quelle aus dem 17. Jahrhundert.

Teich des schwarzen Drachen

Teich des schwarzen Drachen

Wir wollen von dort aus den Elefant-Hill besteigen, jedoch verweist uns eine Kontroll-Madam darauf, dass man zur Sicherheit nur in Vierergruppen aufsteigen darf. So müssen wir warten, dass wir uns einer Gruppe anschließen können. Das ist gar nicht so einfach, denn ein paar Mal gibt es eine lautstarke Diskussion mit der Madam und einige Leute kehren resigniert um, und auch mein lauter Protest nützt nichts- Sie verlangt, dass sich die Gruppe schriftlich für unsere Sicherheit verbürgt! Endlich findet sich ein chinesisches Pärchen, das für uns Alten unterschreibt, und wir können gemeinsam aufsteigen, Es geht über einen endlosen Treppenpfad zu einer kleinen etwa 500m höher gelegenen Pagode, was uns ganz schön in Schweiß bringt. Dafür werden wir mit einem grandiosen Blick auf Lijiang und die im Osten liegenden Berge belohnt und der Pfad ist ebenfalls sehr malerisch.
Blick vom Elephant Hill

Blick vom Elephant Hill

Als wir wieder unten ankommen, stellen wir fest, dass wir nur anders herum hätten gehen müssen, dort gibt es zwar auch ein Schild, aber keine Kontrolle.
Teich des Schwarzen Drachen von der anderen Seite

Teich des Schwarzen Drachen von der anderen Seite

Wieder zurück im Hostel, erholen wir uns auf unserer Dachterrasse und haben ein nettes Gespräch mit Stephane, einem jungen Franzosen, der seit Mai in China und Südostasien unterwegs ist. Morgen werden wir gemeinsam in der Tigersprungschlucht wandern, und zwei junge Engländerinnen aus unserem Hostel, die wir am Abend treffen, werden mit dabei sein.
Als wir am späten Abend noch ein Tsintao-Bier (eine ehemals deutsche Brauerei aus der Kolonialzeit- sehr lecker!) auf der Terrasse trinken, hören wir ohne Detektor Fledermäuse. Mit dem Detektor stellt sich heraus, dass die Laute unter 10 kHz liegen. Dorothea ist begeistert und vermutet Bulldogfledermäuse (Tardariden).

24. September
Um 8 Uhr werden wir von einem Minibus nach Qiaotou, dem Ausgangspunkt für Wanderungen in die Tigersprungschlucht, gebracht. Wir sind außer uns Stéphane aus Frankreich und Laura und Claire aus England, alle drei Ende Zwanzig und sehr nett. Der Ort liegt am Yangtze-Fluss, einem der größten Flüsse Chinas, der hier nahe der Quelle schon recht breit, aber schnell fließend mit gelblichem Wasser strömt.

Der Jangtze

Der Jangtze

Der obere Weg durch die Schlucht zweigt kurz hinter dem Ort ab und steigt rasch an. Er liegt in der prallen Sonne (die Vorhersage war mal wieder falsch). Entlang des Wegs in der Einsamkeit bieten uns alle paar Kilometer freundliche Frauen frisches Obst an. Wir essen frische Gurken und Kaktusfeigen. Der Weg ist mit gelben oder roten Pfeilen gekennzeichnet.
Erste 4000-er am Ostufer

Erste 4000-er am Ostufer

Eine Abzweigung kündigt ein Naxi Guesthouse an, das aber nicht in Sicht kommt. Weil der Pfad außerdem bergab führt, beschließen wir, wieder zum Hauptweg aufzusteigen, was sich als Fehler erweist. Eine auf dem Feld arbeitende Frau macht uns durch Zeichen deutlich, dass wir umkehren sollen, so dass wir nach einem wohl zweistündigen Umweg wieder auf dem richtigen Pfad landen.
Teepause

Teepause

Es beginnt leicht zu regnen, was wegen des hier beginnenden steilen Abschnitts eine Wohltat ist. Er ist auf der Karte als 16-Kurvenweg bezeichnet, es müssen aber deutlich mehr sein, und wir sind bald an der körperlichen Leistungsgrenze angelangt. Auf 2.500m Höhe wird die Luft deutlich schneller knapp. Aber die Mühe lohnt. Auf dem Kamm und entlang des nun beginnenden steilen Abstiegs eröffnen sich immer wieder schwindelerregende Ausblicke auf den in der Tiefe tosenden Strom und auf die Felsenkette auf dem anderen Ufer, die weit über uns in den Himmel ragt.
Blick in die Tiefe

Blick in die Tiefe

Unmöglich, diesen Eindruck auf einem Bild festzuhalten!
und in die Höhe

und in die Höhe

Unterwegs treffen wir mit einigen kleinen Grüppchen von Wanderern zusammen, die in der gleichen Richtung unterwegs sind.
Stéphane

Stéphane

Plötzlich wird der Pfad von einer kleinen Viehherde versperrt. In der Mitte steht ein gewaltiger Bulle, der gar nicht daran denkt, uns vorbeizulassen. Ein älterer Neuseeländer rät uns, einen kleinen Umweg zu machen, denn der Bulle sei aggressiv.
Ein Bulle versperrt den Pfad

Ein Bulle versperrt den Pfad

Wir folgen seinem Rat, obwohl das Tier auf mich lammfromm wirkt, zumal eine Kuh liebevoll mit ihm schmust. Bald darauf kommen wir an unserem Tagesziel, dem Teahouse Guesthouse an, wo sich schon ein munteres Völkchen aus aller Herren Länder versammelt hat, das begierig ein kühles Bier schlürft und lebhaft miteinander über das Erlebnis plaudert. Wir lernen ein älteres Paar aus Auckland und Boston kennen (die auf einem Segelboot leben und durch die Welt reisen)und ein Ehepaar aus Indien. Er heißt Shankar und hat in Tübingen studiert. Lachend erzählt er, dass er in Deutschland sich einen anderen Vornamen zugelegt hat, weil jedermann mit Shankar eine Geschlechtskrankheit assoziiert hat. Zwei weiteres Paare, mit denen ich ins Gespräch komme, sind Holländer und erstmals auch Deutsche. Nach Sonnenuntergang sitzen wir im Dunkeln, weil die Elektrizität nicht funktioniert, aber es weiter gegessen, geredet und gelacht. Gerade als wir im 20 Uhr zu Bett gehen, geht das Licht an!

25. September
Nach dem Frühstück wandern die Gruppen weiter. Auch wir machen uns auf den Weg, der zum Glück überwiegend bergab führt. Uns fällt auf, dass auf allen Feldern Cannabispflanzen wachsen. Stéphane ist Spezialist und befindet, dass die Früchte noch nicht reif zur Ernte sind, obwohl der Haschgeruch recht intensiv ist.

Cannabis im Maisfeld

Cannabis im Maisfeld

Wir kommen unter einem gewaltigen Wasserfall vorbei, der direkt unterhalb des Weges den Fels herunterstürzt.
An einem Wasserfall

An einem Wasserfall

Nach vier Stunden kommen wir bei Tina’s Guesthouse an, wo wir den 4Uhr-Bus zurück buchen. Zuvor steigen wir ohne Gepäck über eine sehr steile Wand über Leitern und Treppen bis direkt an den Fluss, wo wir die geballte Kraft des Wassers unmittelbar erleben.
wenige Meter über dem Wildwasser

wenige Meter über dem Wildwasser

Der Aufstieg ist in der Wärme sehr schweißtreibend,
Aufstieg auf der langen Leiter

Aufstieg auf der langen Leiter

aber wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Bus, der uns in drei Stunden zurück nach Lijiang bringt.

26. September
Heute schlafen wir lange. Mittags wandern wir zum Lion’s Hill, einem Hügel, auf dem ein fünfgeschossiger Tempel steht. Am Eingang bekommen wir ein Räucherstäbchen in die Hand gedrückt und ein frommer Chinese stimmt ein Lied für uns an. Natürlich gibt es einen Schlitz für einen Geldschein für diese Wohltat Von oben haben wir einen schönen Blick über Lijiang. Der Nachmittag vergeht mit Postkartenschreiben. Abends essen wir in einem Restaurant, erstmals ohne englische Speisekarte. Es geht und mein dockdockdock macht deutlich, dass wir Hühnchen essen wollen. In einem heftigen Schauer laufen wir zum Hostel zurück und haben einer nette und interessante Plauderei mit Laura über Gott, China und die Welt. Der gut Englisch sprechende Mann am Empfang macht lange Ohren.

27. September
Zusammen mit Laura und Claire lassen wir uns zum Busbahnhof bringen und fahren mit dem Expressbus nach Shangri-La (auch Zhonghian genannt). Den ersten Abschnitt bis Qiaotou kennen wir schon von unserer Tour zur Tigersprungschlucht, dann geht es recht flott weiter am Ufer des Yangtzee. Nach insgesamt vier Stunden kommen wir bei schönem Sonnenschein am Ziel an und nehmen ein Taxi zu unserer Unterkunft (Barley’s Guesthouse), wo wir ein schönes, mit bunten Farben ausgestaltetes Zimmer bekommen. Den Namen Shangri-La hat diese Stadt erst 1957 angenommen nach dem legendären Ort in dem Roman „Lost Horizon“ von James Hilton, in dem ein entführtes Flugzeug in den 30er Jahren hier in der Gegend notgelandet ist, was wohl auf einem wahren Hintergrund besteht. Das Buch ist hier überall zu bekommen und ist nun meine Bettlektüre.
Die Altstadt ist ausgesprochen malerisch und erinnert durch die Holzhäuser mit großen Giebeln an ein Alpendorf.

Gasse in Shangi la

Gasse in Shangi la

Es ist viel weniger Betrieb als in Lijiang und es herrscht eine friedliche und gemächliche Atmosphäre.
Apropos Atmosphäre, die 3.300m Höhe spüren wir ganz schön. Ich habe leichte Kopfschmerzen und beim Bergauflaufen kommen wir ordentlich ins Pusten. Vor einem tibetischen Restaurant spreche ich einen Mann auf Englisch an und frage nach einem Geldautomaten. Er fragt gleich zurück, woher ich käme und unterhält sich dann gleich in bestem Deutsch mit süddeutschem Akzent mit mir.
Sonny

Sonny

Er ist in der Schweiz aufgewachsen und ihm gehört nun dieses Restaurant, in dem tibetische Waisenkinder kellnern lernen. Mit den Einkünften werden weiterhin Schulen für Waisenkinder n Tibet und Shangri-La finanziert, die seine aus der Schweiz stammende Mutter gegründet hat. Natürlich sage ich gern zu, dass wir zum Abendessen dorthin kommen werden. Wir bummeln zuvor durch die Altstadt und steigen zu einem der vielen Tempel hinauf. Die buddhistische Religion spielt offensichtlich hier eine noch größere Rolle als in andern Gegenden Yunnans. Viele Menschen kommen zum Beten hierher und drehen an einer riesigen Gebetsmühle.
Gebetsmühle am Jishentempel

Gebetsmühle am Jishentempel

Staat und Kirche haben sich hier offensichtlich arrangiert und seit der Öffnung Chinas zum Westen ist die Religionsausübung gestattet. Eine Skulptur zeigt einen tibetschen Mönch, der sich einem freundlichen Arbeiter mit dankbarer Geste nähert. Das tut schon ein bisschen weh, wenn man an die vielen Opfer der Säuberungen der Kloster Tibets denkt.
Abends treffen wir uns mit Laura und Claire, die in einer Jugendherberge untergekommen sind. Wir essen gemeinsam in besagtem Restaurant und sind mit unseren verschiedenen Menüs, die wir uns teilen, sehr zufrieden. Es wird viel Yakfleisch verarbeitet, welches sehr würzig schmeckt, obwohl es etwas zäh ist. Wir unterhalten uns angeregt über unsere jeweiligen Reisepläne. Die Beiden mussten ihre Pläne komplett umwerfen. Sie wollten durch Tibet nach Katmandu reisen, um im Himalaya zu wandern. Über den Nationalfeiertag hat die Regierung aber den Zutritt von Touristen nach Tibet untersagt, und so müssen sie einen teuren Flug nach Indien unternehmen. Schade, dass sich unsere Wege trennen.

28. September
Wir frühstücken sehr schön in einem kleinen Café, anschließend machen wir uns auf einen Spaziergang durch die Stadt.

Kinder sind überal niedlich

Kinder sind überal niedlich

Unser erster Versuch, ein kleines Kloster im Süden ausfindig zu machen, scheitert an Ortskenntnis. Die Neustadt von Shangri-La (Zhondian) ist sehr belebt. Mitten drin steht ein riesiger Palast mit einer vergoldeten Kuppel, der dem tibetischen König Gesar Khangar gewidmet ist.
Gesar Museum

Gesar Museum

Leider ist der Aufstieg zum Dach wegen Umbauarbeiten nicht möglich. Auf unserem weiteren Weg finden wir auf einer Anhöhe eine weitere kleine Klosteranlage, die aus mehreren Stupas und einem kleinen Tempel besteht.
Stupas am kleinen Kloster

Stupas am kleinen Kloster

Er scheint uns verlassen, doch beim Eintreten erscheint ein kleiner Kindermönch und fordert uns mit freundlichen Gesten zum Weitergehen auf.
Abends treffen wir uns zum letzten Mal mit Laura und Claire und verbringen einen netten Abend mit ihnen in einem Restaurant, das, wie wir herausfinden, ebenfalls Sonny gehört. Die Beiden reisen morgen weiter durch die Berge nach Chengdu. Wir verabschieden uns herzlich.

29.September
Nach dem Frühstück ziehen wir in ein anderes Hostel um, weil Barley’s wegen der Ferien die Zimmerpreise von 180 Y auf 500 Y (= 50 Euro) erhöhen wollte. Die neue Unterkunft ist mit 700 Y für drei Nächte nicht gerade billig, aber immerhin. Wir wandern zu der Klosteranlage, die wir am Vortag verfehlt haben.

Tempel am Guishan Park

Tempel am Guishan Park

Hier sind nur wenige Mönche, außerdem laufen viele Hühner und Hähne herum, die nur der Eier wegen gehalten werden. Ansonsten dürfen sie bis zu ihrem Lebensende herumscharren. Wir haben einen großartigen Ausblick über die Stadt und die umliegenden Berglandschaften. Und können unseren Nachmittagsspaziergang optisch planen. Er führt im Osten der Stadt zu einer Stupa, die im Sattel zweier Berge liegt. Früher als erwartet sind wir dort und haben wiederum einen großartigen Ausblick. Wir wandern im Bergsattel weiter und kommen auf eine Quellwiese, die von vielfältiger Bergvegetation bestanden ist. Wir finden Edelweiß und Enzian. Die Herbstfärbung macht die Pflanzendecke zu einem gelb und rot leuchtenden Teppich. Weniger erfreulich ist das Bild, was sich hinter den erodierten Hängen bietet. Die Hänge sind in großer Ausdehnung zerfressen von Tag-Abbauflächen. Auf dem gleichen Weg wieder zurück. Abends gibt es Regen und Gewitter. Nach dem Abendessen in Sonnys Restaurant suchen wir eine besonders schöne Künstlerkneipe auf, in der dezente klassische Musik läuft. Das Interieur ist ganz in rot gehalten, nur wenige Öllampen erleuchten den in Sitznischen gegliederten Raum. Die Preise sind allerdings happig.

30.September
Vormittags mache ich einen Lauf durch die Neustadt. In einem Internetcafé schauen wir uns unsere „Post“ an. Abends gehen wir in das Kinderheim, das von Sonnys Mutter gegründet wurde.

Kinderhaus

Kinderhaus

Schon beim Betreten des Hofs winken uns Basketball spielende Jungen freundlich zu. Eine Erzieherin in Begleitung eines Englisch sprechenden Mädchens bietet uns Tee an und gibt uns ein Informationsblatt. Heute sind alle 63 Kinder wegen des Feiertags anwesend. Sie begrüßen uns alle mit beiden Händen und einem Willkommengruß. Es ist uns etwas peinlich und hat etwas Rührendes die meist kalten Händchen und Hände der vielleicht vier- bis sechszehnjährigen Kinder zu drücken. Bald kommt Tendol, Sonnys Mutter, herein und begrüßt uns wie alte Freunde. Allerdings verwechselt sie uns mit einem deutschen Paar, welches sie erwartete und das wenige Minuten später eintrifft. Es handelt sich um Helga, einer Kosmetikerin aus Stuttgart und Werner, einem pensioniertem Versicherungsangestellten. Beide gehören einer Organisation an, die sich in Europa für die Rechte der Tibeter einsetzt. Auch sie wollen durch Tibet nach Nepal reisen und müssen erstmal abwarten, bis die Sperrung Tibets aufhört.
Nun führen die Kinder für uns auf einer großen Bühne Tänze auf.
Tanzdarbietung im Gyalthang-Kinderhaus

Tanzdarbietung im Gyalthang-Kinderhaus

Es erinnert mich sehr an die Monatsfeiern .in der Waldorfschule. Später treten alle Kinder alleine oder in kleinen Gruppen auf die Bühne und tragen ein Lied vor. Ich fotografiere und Tendol erzählt Dorothea etwas über die Kinder, die sie meist von der Straße aufgelesen hat und die hier eine Schulausbildung bekommen. Nach dem Ende der Schulzeit bekommen einige von ihnen die Möglichkeit, in den zwei Restaurants zu arbeiten, die Sonny gehören. Einige ältere Kinder tragen militärische Felduniformen. Tendol erzählt, dass sie durch die Schule, in der sie paramilitärischen Unterricht erhalten, zum Tragen dieser Uniformen verpflichtet werden.
Zum Ende des fast zweistündigen Programms tanzen wir gemeinsam mit den Kindern, tragen selbst einige deutsche Lider vor und zum Schluss singen wir alle zusammen den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“, den Tendol den Kindern beigebracht hat. Danach lädt sie uns zum Nudelessen in einem nahe gelegenen einfachen Restaurant ein. Mit dabei sind zwei ältere tibetische Ehepaare, die gerade aus Lhasa zu Besuch sind.
Tendol mit Freunden aus Tibet

Tendol mit Freunden aus Tibet

Wir erfahren, dass Tendol als kleines Mädchen als Flüchtlingskind – wohl im Gefolge der chinesischen Besetzung nach Indien kam. Dort wurde sie ausgewählt, in die Schweiz reisen zu dürfen und in einer Pflegefamilie aufzuwachsen, von der sie voller Dankbarkeit erzählt Später hat sie hier geheiratet. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie nach Tibet zurückgekehrt und hat 1993 ein Kinderhilfswerk in Lhasa, und später in Shangri-la gegründet, worin sie ihre gesamten Ersparnisse und die Pensionskasse ihres Mannes einfließen ließ. Jetzt finanzieren sie die Projekte nur über Spender und Sponsoren.
Für uns eine außerordentliche beeindruckende Begegnung!
Viel Spaß beim Abendessen

Viel Spaß beim Abendessen

1. Oktober
Um 9 Uhr sind wir mit Werner und Helga in Sonnys Restaurant verabredet. Es ist aber noch zu und Sonny versucht mit allen Mitteln, seine jugendlichen Angestellten wach zu kriegen, die offenbar verschlafen haben. Erst, als einer über den Balkon in das Restaurant einsteigt, bekommen wir Zutritt und ein Frühstück. Sonny rät uns zu einer Wanderung zum Ringatempel und einem anschließenden Bad in den heißen Quellen. Dazu brauchen wir einen Führer, den Sonny herbeitelefoniert. Es ist Gonpo, ein junger Tibeter, der in Indien gut Englisch gelernt hat.

Gonpo

Gonpo

Zunächst sucht er für uns ein Taxi, das wir für den Rückweg brauchen. Dann betreten wir den gleichen Weg, auf dem wir vorgestern schon zu der Stupa aufgestiegen sind. Helga und Werner sind geübte Bergwanderer, aber wir lassen uns viel Zeit. Gonpo erzählt uns, dass wenig Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Tibeter genommen wird. Für sie sind einige Berge heilig, was man an großen Holzbündeln, die auf den Gipfeln errichtet sind, erkennt. Trotzdem wird an ihnen Tagebau betrieben. Der Weg verläuft auf und ab. Werner hat einen Höhenmesser. Mehrfach zeigt er, wenn wir Werner fragen, die Höhe von 3333 m an, eine für den Abend verhängnisvolle Schnapszahl. Über einen Pass gelangen wir zu einem ausgedehnten Dorf namens Ringa. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Yak- und Rinderherden grasen auf den nassen Flächen, Schweine und Hühner dürfen frei herumlaufen im Gegensatz zu ihren europäischen Artgenossen.
Glückliche Schweine

Glückliche Schweine

Die wenigen Menschen, denen wir begegnen, winken uns zu und grüßen uns freundlich. Nach vier Stunden entspannten Wanderns sammelt uns unser Taxi ein und fährt uns zunächst zum Ringatempel, der auf der Spitze eines steilen Hügels liegt.
Trümmerberg am Ringakloster

Trümmerberg am Ringakloster

Durch Gonpos Erklärungen wird dieser auf den ersten Blick nicht besonders aufregende Tempelbesuch zu einem interessanten Erlebnis. Der Tempel wurde errichtet, nachdem ein Panschen Lama hier einst gebetet hat. Im Tempel sind fünf „Darin Buddhas“ dargestellt. Ihnen sind die sieben Schalen mit frischem Wasser geweiht, das im Buddhismus eine besondere Bedeutung hat ebenso wie das Licht, das von den schwachen, mit Yakbutter gespeisten Lämpchen ausgeht. Hier leben nur zwei Mönche gemeinsam mit ihren vielen Hühnern.
Werner und Verkäuferinnen

Werner und Verkäuferinnen

Wir kaufen ein langes Band mit Gebetsfahnen, was wir zu den Tausenden anderen zwischen zwei Bäumen befestigen.
Gebetsfahnen

Gebetsfahnen

Danach fahren wir zu den heißen Quellen, die am Grunde eines extrem steilen Tals aus dem Felsen stürzen. Man hat dort ein Schwimmbad eingerichtet. Das einzig Beeindruckende ist der Eintrittspreis von 80 Y. Das Wasser ist algig und riecht nach Schwefel.
Abends laden wir Gonpo zum Essen ein, wo er uns ausführlich von seiner Familie in Lhasa, seinem Bruder, der als Mönch in Indien lebt, seiner Ausbildung dort und seiner abenteuerlichen Rückkehr nach Tibet erzählt. Wiederum eine herzliche und beeindruckende Begegnung.

2. Oktober
Um 9.20 fährt unser Bus nach Deqin ab. Es geht schon bald ins Gebirge. Die Straße ist eng und der Rand oft ungesichert, so dass man ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn man die Steilhänge herunterguckt.

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Unterwegs muss der Bus zweimal halten, unsere Pässe werden eingesammelt und die Nummern notiert. Eine große Brücke überquert den Yangzee.
Brücke über den Yangtzee

Brücke über den Yangtzee

Hier macht der Fahrer eine Lunchpause. Auf der Weiterfahrt bieten sich atemberaubende Ausblicke auf die schneebedeckten sonnenbeschienenen Felsberge.
Meili Schneeberge

Meili Schneeberge

Bei 4.293 m ist die Passhöhe erreicht, für uns beide ein Höhenrekord. Nun geht es abwärts und nach insgesamt 6 Stunden Fahrzeit ist Deqin erreicht. Die Stadt macht einen chaotischen Eindruck. Wir finden leicht das Tibetan Hotel, welches unser Lonely Planet als die charmanteste Unterkunft bezeichnet. Auf uns macht es einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck, aber es gibt ein eigenes Badezimmer und heizbare Bettdecken, das ist schon ein Luxus. Ein erster Gang durch die Stadt macht einen trostlosen Eindruck, Gehupe, Gestank und überhaupt keine touristische Infrastruktur. Immerhin finde ich ein Restaurant mit englischem Schild: Tibetan Restaurant. Man sieht nur sehr vereinzelt Europäer auf den Straßen. Abends gehen wir in besagtes Restaurant. Im Gastraum sitzt nur ein älterer Mann, den wir schon einmal in Shangri-La gesehen haben, im Nebenraum sitzen ein paar Tibeter und singen zum Essen. Wir setzen uns zu Nick, einem sehr reiselustigen Kanadier an den Tisch, um vielleicht ein paar Insiderinformationen zu bekommen. Auf jeden Fall ist hilfsreich, dass er uns auf der Speisekarte ein Gericht empfehlen kann. Es heißt „gungbau djiding“ und besteht aus schmackhaften Hühnerfleischwürfeln und Erdnüssen. Nick ist Geologe und in einem Uranförderprojekt beschäftigt, ist jetzt „semiretired“ und seit 14 Monaten auf Achse. Vor dem Schlafengehen versuche ich, im Internetcafé eine W-LAN-Verbindung zu bekommen, aber niemand kennt den Netzwerkschlüssel.

3.Oktober
Morgens lassen wir uns von einem Taxi zum etwa 8 km entfernten Feilai bringen, wo ein berühmter Tempel steht. Die Taxifahrerin zeigt als Preis 3 Finger hoch. Es stellt sich heraus, dass sie damit 30 Y pro Person meint, ganz schön happig. In einem Café bekommen wir ein „westliches“ Frühstück. Ich frage ein junges Paar nach ihrer Unterkunft, auch sie müssen 320 Y pro Nacht für ein sehr einfaches Hotelzimmer bezahlen, so dass wir unseren Plan aufgeben, längere Zeit in Deqin zu bleiben. Wir genießen den prachtvollen Blick auf die Meili-Schneeberge, die uns direkt gegenüber liegen, getrennt durch das Mekongtal und einen knapp 4.000 m hohen bewaldeten Rücken. Der Meili verbirgt sich hinter Wolken, die vom südlichen Wind hochgetrieben werden, so dass wir auf einen besseren Blick hoffen können. Entlang einer frisch asphaltierten Straße, die noch nicht für den Verkehr freigegeben ist, wandern wir zu einer Restaurant-Baustelle, von deren Holzterrasse wir einen wundervollen Blick ins Mekongtal haben.

Blick auf den Mekong

Blick auf den Mekong

Wir lassen uns viel Zeit zum Gucken, sehen zwei Gletscherfelder aus dem Nebel auftauchen, der Wunsch auf freie Sicht erfüllt sich leider nicht.
Meiligletscher

Meiligletscher

Im Gegenteil, es beginnt sich einzutrüben und ein wenig zu nieseln. Da wir die staubige und von stinkenden LKWs frequentierte Straße meiden wollen, gehen wir einen Fußweg entlang, von dem wir hoffen, dass er nach Deqin führt. Wir sind ganz allein auf dem schmalen abwärts führenden Pfad und haben einen schönen Blick ins Tal.
Auf den Dächern wird Mais getrocknet

Auf den Dächern wird Mais getrocknet

Es zeigt sich jedoch, dass der Weg viel weiter ist als erwartet. Er führt immer enger am Steilhang entlang und insbesondere in den tief eingeschnittenen Kerbtälern wird er extrem schmal. Gerade als ich versuche, ein besonders steiles und tiefes Tal zu überwinden, erscheint mir das Risiko, 100m oder mehr abzustürzen, zu hoch, zumal ich mit den Händen keinen Halt an der bröckeligen Felswand bekomme. So bleibt nur der Rückzug, und auch der ist ziemlich beängstigend für mich, aber es geht gut. Wir müssen also zurück und einen tiefer gelegenen Weg suchen. Nun beginnt es stärker zu regnen. Bald finden wir einen Weg, der entlang eines betonierten Grabens nahezu hangparallel verläuft. Eine Yakkuh versperrt uns den Weg und wir können sie nicht überholen, so dass sie und ihr Kalb laut bimmelnd vor uns herläuft, ehe Dorothea sie durch einen entschlossenen Spurt zum Abbiegen veranlasst. Der Regen lässt nach, jedoch werden wir durch die hüfthohe Vegetation umso stärker durchnässt. Unter einem Strauch versucht sich ein Chinese vor dem Regen zu schützen. Er grüßt freundlich und bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unter uns taucht eine Autobahnbaustelle auf, die offensichtlich in einer größeren Ortschaft endet. Jedoch erweist sich die Hoffnung, bald zurück zu sein, als trügerisch. Zwischen unserem Pfad und der Neubaustraße liegt nämlich ein rauschender Bach, der eine betonierte Rinne herunterstürzt. Unvermutet endet unser Weg und wir müssen irgendwie über den reißenden Fluss, der obendrein nach Abwasser stinkt. Rutschend und fluchend gelingt uns die Flucht auf das andere Ufer, ohne dass wir abrutschen. Nun untertunneln wir die Straße und über eine zufällig aufgestellte Holzleiter erreichen wir endlich trockenen Boden. Noch eine halbe Stunde bergauf sind wir endlich zurück und können unsere nassen Klamotten zum Trocknen aufhängen bzw. durchwaschen.
Beim vergeblichen Versuch, Busfahrkarten zu kaufen, erlebe ich erstmals auf unserer Reise so etwas wie Ausländerfeindlichkeit. Etliche Leute, die ich freundlich um Hilfe bitte, wenden sich ablehnend ab und gehen mir sogar aus dem Weg. Wie muss es Ausländern in Europa zumute sein, wenn sie allein aufgrund ihres Aussehens auf solche Ablehnung oder Schlimmeres stoßen?
Es ist heute ein Feiertag (Mondfest oder so). Abends werden überall Feuerwerke abgebrannt und Knallfrösche gezündet. Auch in unserem Hotel geht es lautstark zu.

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