Ulanbator

August 26, 2009 at 4:02 pm (Uncategorized)

21.August

Um halb sechs in der Früh werden wir von der Schaffnerin unsanft aus dem Schlaf gerissen. Um 6.20 Uhr läuft der Zug in Ulan Bator ein. Wir werden von einem gut Deutsch sprechenden Mongolen und seiner Frau in Empfang genommen und mit zwei Autos zu unserer Pension gebracht, wo uns schon ein üppiges Frühstück und vor allem ein Duschbad erwarten. Wir haben diesmal richtig große Zimmer und komfortable Betten, welch ein Unterschied zu Irkutsk! Die Pension ist kaum 5 Minuten vom Gandan-Kloster entfernt.

Der Dagantempel

Der Dagantempel


Diese wichtigste buddhistische Klosteranlage aus dem 19.Jahrhundert war während der sozialistischen Epoche geschlossen, die Mönche wurden verfolgt. Erst 1991 wurde die Religionsausübung wieder zugelassen.. Hinter pastellfarbenen Mauern befinden sich eine Ansammlung von Gebäuden, Datsan genannt. Im größten steht eine geschätzt 30m hohe vergoldete Statue eines Erleuchteten–Janraisig-, der vierarmig dargestellt ist. Die beiden inneren Armen sind in einer Haltung, wie man sie auch auf orthodoxen Ikonen findet, bei denen Daumen und Mittelfinger der rechten Hand sich berühren. Die beiden äußeren Arme halten ein Kännchen bzw eine Art Ei. Um die Statue herum führt ein rechteckiger Weg, der von Gebetstrommeln gesäumt ist. Die Außenwände werden von Buddhastatuen gesäumt, die in acht Ebenen angeordnet sind und in der Waagerechten in einer Art Fächern mit je vier bis fünf: insgesamt über Tausend. Junge und Alte wandeln im Uhrzeigersinn um die Statue, verneigen sich und drehen die Gebetstrommeln. Die Mönche tragen bunte Gewänder. Die meisten sind jung und es gibt viele Jungen im Alter ab etwa acht Jahren. Während der ganzen Zeit befinden sie sich in einem Sprechgesang mit zwei Tonlagen, der nicht zu enden scheint. Man kann gar nicht glauben, dass jeder weiß, an welcher Stelle des monotonen Gesangs sie sich gerade befinden, aber nach vielen Minuten tritt eine Zäsur auf mit einer Lautstärkeerhöhung oder einem Beckenklang.

Daneben steht der Dechengalpa Datsan. Ein Schild weist darauf hin, dass der Dalai Lama hier 1995 die Kalachakra-Initiation vollzogen hat. Offenbar werden die religiösen Rituale nicht so verbissen ernsthaft gehandhabt, wie wir es erwarteten. Die Kindermönche sind oft abgelenkt und machen Späße, was von ihren Lehrern, oft kaum zwanzig Jahre alt, toleriert wird. Kinder dürfen auch hier Kinder sein.

Dann machen wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum, dem Suchbatarplatz. Der Autoverkehr ist extrem. Alle versuchen, sich durch wildes Gehupe im Getümmel zu behaupten. Auf den Fußgängerwegen zeigt sich die ungewöhnliche Bevölkerungsstruktur, kaum alte Menschen, die meisten sind unter dreißig. Männer wie Frauen tragen ihre meist pummeligen Kleinkinder auf dem Arm, wir sehen keinen einzigen Kinderwagen. Die wenigen Älteren tragen oft einen gegürteten wattierten farbenfrohen Umhang, die Jüngeren sind in westlicher Mode gekleidet und zeigen viel Haut.

Dorothea probiert Airag

Dorothea probiert Airag


In einer Jurte probieren wir gemeinsam eine Schale Airag, ein National-Heiligtum, das gegen jede Krankheit hilft, hergestellt aus vergorener Stutenmilch. Es schmeckt säuerlich und erfrischend, beim Herunterschlucken bleibt ein scharfer Stallnachgeschmack, so dass ich nicht recht überzeugt bin.
Dschingis Khan

Dschingis Khan


Der Suchbatarplatz ist riesig, und von gigantischen Bauwerken, Regierungspaläste und Hotels, umgeben. Vor dem Haupteingang des Regierungspalastes thront Dschingis Khan in buddhahafter Körperfülle, flankiert von zwei Reitern. Das Standbild auf der Platzmitte zeigt Suchbatar in heldenhafter Pose hoch zu Ross.

Unser Mittagessen nehmen wir in einem Imbissrestaurant ein. Es ist üppig, sehr fett und unglaublich preiswert.

Obertonsaenger an der Holzgeige

Obertonsaenger an der Holzgeige


Am Spätnachmittag werden wir zu einer Folkloreveranstaltung abgeholt, die uns regelrecht begeistert. Nach Tänzerinnen in prachtvollen Kostümen treten zwei Männer auf, die zum Spiel auf der Pferdekopfgeige den berühmten Obertongesang vorführen. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht mit eigenen Ohren gehört hat. Einerseits singen sie extrem tiefe Töne, wie man sie mit den Stimmbändern nicht hervorbringen könnte. Stimmgebend sind wohl Schwingungen des Bauchfells. Zum anderen begleiten sie ihren eigenen Gesang mit flagiolettartig changierenden Tönen, die an eine Panflöte erinnern.
Unglaubliche Grazie und Beweglichkeit

Unglaubliche Grazie und Beweglichkeit


Ebenso beeindruckend ist eine Tänzerin, die mit viel Grazie unglaubliche Körperverrenkungen vollzieht, in anatomisch unmögliche Posen gerät und dabei den eigenen schlanken Körper scheinbar mühelos auf einer Hand trägt, mit der sie sich auf einem frei beweglichen Pfosten abstützt.

Zurück in unserer Pension fällt nach dem Dunkelwerden im ganzen Viertel das Licht aus, was uns zu einem Bummel durch das belebte nächtliche Zentrum veranlasst. Auf dem Suchbatarplatz lassen Kinder mit Gummizug betriebene Propeller aufsteigen, die mit bunten Leuchtdioden ausgestattet sind. Der letzte Schrei aus China!

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1 Kommentar

  1. Manke said,

    … von wegen Airag, der geniesserische Gesichtsausdruck lässt eindeutig auf Branntwein schliessen. Ich vermute es war die dritte Schale.

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