Mit der Transsib von Moskau nach Taischet

August 17, 2009 at 7:33 am (Uncategorized)

11. August

Im Transsib-Abteil

Im Transsib-Abteil


Wir werden gemütlich durch die Nacht geschaukelt. Die Bahngleise sind überwiegend nicht geschweißt, ratatt-ratatt, doch dabei lässt es sich gut schlafen, so dass wir von den ersten beiden Aufenthalten in Nishgy Nowgorod und Wladimir nichts mitbekommen. An uns vorbei gleitet eine Landschaft aus ausgedehnten Birkenwäldern, riesigen Ackerschlägen mit Getreideanbau (gibt es hier noch Kolchosen?), wenigen Siedlungen, die überwiegend aus Holzhäusern bestehen, und selten Städten mit Haltepunkten.
Dorothea und ich frühstücken im Wagon Restauran. Doros „Cheese Sandwich“ ist eine halbe Scheibe Schwarzbrot mit zwei schmalen Käsestreifchen und mein Zwiebelhering ist ähnlich bescheiden. Um eine Erfahrung reicher! Im Abteil kann man für wenige Rubeli Kaffe und Tee bekommen, und der „Minibarmann“ bringt leckere Pfannkuchen vorbei.
Gegen 12 Uhr (immer noch Moskauer Zeit) kommen wir in Kirov an, wo wir 20 Minuten Aufenthalt haben. Bei jedem Aufenthalt werden alle Achsen und Bremsen durch Hammerschläge geprüft, was ein lustiges Konzert ergibt.
Unsere Wagenschaffnerin

Unsere Wagenschaffnerin

Am Bahnsteig gibt es fliegende Händler, doch statt Lebensmitteln bieten sie Riesen-Plüschtiere an. So muss ich unser Mineralwasser in der Bahnhofshalle kaufen. Als ich die Sachen reintrage, ist doch ein Lebensmittelkarren da, der Gemüse, Obst und Eier hat. Gerade versuche ich heraus zu bekommen, ob sie roh oder gekocht sind, als sich der Zug in Bewegung setzt. Die Einstiegstreppen sind schon hochgeklappt, die Türen aber noch offen. Ein Schaffner hilft mir beim Aufspringen, schimpft zwar, aber Hauptsache geschafft!!
Außer der Zugschaffnerin ist noch eine lustige Frau für unser Wohlbefinden zuständig.
Sie saugt Staub, bietet uns Souveriri an (Postkarten, Plüsch-Baikalrobben etc). Auch das Klo wird regelmäßig geputzt, sehr angenehm. Der sanitäre Komfort ist ansonsten eher bescheiden. Es gibt es winziges Eckwaschbecken, in das ich mit Mühe meine Füße zwängen kann und einen Kaltwasserhahn, der sich durch ein Ventil öffnen lässt. Duschen dürfte schwierig sein, aber eine Ganzkörperwäsche gelingt, zumal der Boden über einen Abfluss verfügt. Wer weiß, was uns noch alles erwartet!
Ein etwa zehnjähriger Junge interessiert sich für uns. Er schaut neugierig auf den Bildschirm meines Netbooks und redet auf uns ein. Wir erfahren, dass er aus Irkutsk kommt und sich für Fußball interessiert. Er ist stolz auf sein Brazil-Fußballshirt und den Chelsea-Aufnäher auf seiner kurzen Hose. Er lässt sich von Ben an der über dem Fenster festgemachten Russlandkarte unsere Reiseroute erklären.
In Balezino kaufen wir bei den Babuschkas Kartoffel- und Kohl-Piroshki, Äpfel und Eier. Bei Sonnenuntergang die kilometerbreite Kama – einem Wolganebenfluss und halten in der „Dr.Schiwago“- und Millionenstadt Perm, In der Nachterreichen wir im Ural Ekatarinburg ehemals Smolensk (richtig muss es Swerdlowsk heissen, sagt Johann!), wo vor 90 Jahren die Zarenfamilie ermordet wurde.

13. August

Der Bahnhof von Krasnojarsk

Der Bahnhof von Krasnojarsk


Inzwischen sind wir von Moskau vier Zeitzonen entfernt, von zu Hause sind es sechs Stunden! Die Anpassung gelingt uns sehr unterschiedlich. Ich wache wie zu Hause gegen sechs Uhr Ortszeit auf (lichtgesteuert?). Ben und Tessa können nachts kaum schlafen und verpennen den Vormittag. Und Dorothea kann sowieso immer schlafen.
Gegen Mittag kommen wir in Krasnojarsk an und sind begeistert von dem liebevoll restaurierten Bahnhof. Alles vom Feinsten und geschmackvoll. Kurz danach passieren wir den Jenissej, der als wasserreichster Fluss Russlands gilt. Die 1 km lange Brücke ist bei der Pariser Weltausstellung 1899 gemeinsam mit dem Eiffelturm mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden. Die Landschaft ist nun hügeliger, teilweise mittelgebirgig und es gibt viel mehr Wald. Abends gegen 22 Uhr Ortszeit kommen wir in Taischet an. Am Bahnhof werden wir von Alexej abgeholt, der freundlich und zurückhaltend ist und recht gut deutsch spricht, was er sich selbst beigebracht hat. Er bringt uns mit seinem Auto, welches Rechtssteuerung hat, nach Birjusa. Währenddessen läuft im Radio ein deutscher Schlager „Du hast den schönsten A… der Welt!“ Birjusa ist ein Bauerndorf 13km von Taischet entfernt. Hier wohnt Alexejs Schwiegermutter Valentina, deren Hund uns freudig begrüßt. Wir sind in einem kleinen Gästehaus untergebracht, und haben zwei Zimmer und Wohnzimmer für uns. Es gibt zwar fließend Wasser, aber keinen Abfluss, das Abwasser fließt in einen Eimer. Das Plumpsklo am Ende des Gartens muss mit der Taschenlampe aufgesucht werden. Alexejs Schwiegermutter lädt uns zum Abendessen ein, es gibt Curryreis mit Hühnerfleisch, dazu leckere Tomaten und Gurken aus eigenem Anbau. Milch, Butter und Käse kommen auch aus eigener Landwirtschaft. Leider schaut man uns beim Essen nur zu und verabschiedet uns schnell. Immerhin ist es schon 12Uhr (7 Stunden Zeitverschiebung)

Advertisements

3 Kommentare

  1. Johann Ratzenböck said,

    Priwjet,
    Ekaterinburg hieß richtig Swerdlowsk…… Smolensk liegt westlich von Moskau und heißt meines Wissens nach noch immer so…..
    LG Johann

    • barreoptuur said,

      Lieber Johann, du hast Recht! Viel Grüße, Axel

  2. Sam said,

    Bei uns geht’s in rund 2 Wochen los mit der Transsib. Ich nehme mal an, die Temperaturen werden bis dahin noch deutlich tiefer liegen als bei euch.

    Riesenplüschtiere???! Werden die auch gekauft?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: