Unser dritter Tag in Riga

August 6, 2009 at 6:23 am (Uncategorized)

5. August

Heute mache ich zum ersten Mal seit langem vor dem Frühstück einen Lauf durch den Thorwaldsenpark. Das scheint hier nicht so üblich zu sein, jedenfalls treffe ich keine anderen Jogger und die Passanten wundern sich offenbar, dass hier ein dicker alter Mann rumrennt.
Nach dem Frühstück zieht es uns wieder zu den Jugendstilhäusern. In den Shops suchen Dorothea und Tessa nach Mitbringseln. Dann lassen wir uns von einem Studenten das Innere des allerschönsten Hauses , erbaut von Eisenstein (Sohn oder Vater des Panzerkreuzer Potemkin- Regisseurs) jetzt eine Ökonomieuniversität, zeigen. Das Innere hält nicht ganz, was das Äußere verspricht, aber trotzdem bringt es Spaß, sich von dem sehr eloquenten jungen Mann herumführen und alles erklären zu lassen. Weiter geht’s am Nordrand der alten Altstadt entlang an historischen Kasernen und dem einzig im Original erhaltenen Schwedischen Stadttor zum Ufer der Daugova, dem breiten Stadtfluss von Riga. Hier am Uferweg stört ein wenig der viele Verkehr, aber man erhält einen schönen Blick auf die vielen schönen Türme von Riga, die an die guten Zeiten der Hansestadt erinnern. Nach einigen Fehlversuchen, ein passables Restaurant zu finden, stoßen wir auf das prachtvoll restaurierte Schwarzhäupterhaus, das mit dem schwäbischen Haus und anderen Bauten ein Ensemble bildet. In Blickweite landen wir in einem netten Straßenrestaurant, das neben internationaler auch einheimische Küche verspricht. In der Tat, der Salzhering und der Kartoffelsalat und die Salzgurkensuppe sind echte Schmecker.
In einem düsteren sozialistischen Bauwerk ist ein Museum untergebracht, das an die 50-jährige Besetzung des Baltikums erinnert. Mir zwar bekannt, aber in der Wirkung nicht bewusst, ist die Tatsache, dass die Baltischen Länder in einem geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes dem Interessenbereich der UdSSR zugeschlagen wurden und von der Weltöffentlichkeit fast unbemerkt 1940 erobert wurden. Die Zwangseingliederung wurde von Deportatationswellen von fast 10% der Bevölkerung nach Sibirien begleitet. Die von vielen Letten bejubelte „Befreiung“ durch die deutsche Armee machte zwar die Kollektivierung für einige Jahre rückgängig, ohne dass den Letten ihr Unabhängigkeit zurückgegeben wurde. Um so schlimmer wurde es nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes, wo von 1948 bis 1956 wieder „Kulaken“ und andere revisionistische Bevölkerungsteile deportiert wurden. Nach ihrer Rückkehr wurden diese weiterhin hinsichtlich Wohnort und Arbeit unterdrückt, wie dies auch der Kirche und den Schriftstellern und Künstlern widerfuhr. Jedenfalls kann man die Gefühle der Letten gegenüber den ehemaligen Besatzern, die immerhin fast 50% der Bevölkerung ausmachen verstehen, obwohl nicht unbedingt billigen. Das Russische, z.B.die Straßenschilder, sind aus dem Straßenbild verbannt, der russische Bevölkerungsteil ist aber auf Grund seiner Sprache und auch auf Grund seines Auftretens leicht identifizierbar.
Heute Abend wird selbst gekocht. Leider funktioniert der Gasherd in unserer Küche nicht, was wohl auf die Reparaturarbeiten an den Leitungen der Straße zurückzuführen ist. Gottlob ist der Herd in der Etage darunter elektrisch und unsere Nudeln mit Hackfleischsauce, typisch lettisch, gerettet. Zum Nachtisch gibt es leckere Torte, Himbeer, Schokolade und Blaubeer, mmh.

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